ARCHÄOLOGIE

Detlef Rothe 24.05.1992


Ein mutmaßlicher Brandopferhügel auf der "Hohensyburg"






Absence of evidence is not evidence of absence."
Douglas G. Altman (Prof. Douglas G. Altman, Centre for Statistics in Medicine, Oxford University (UK), ist der Autor des Biometrie-Standardlehrbuches „Practical Statistics for Medical Research", London 1991) +++ Kleiner Tipp am Rande: geben Sie 'mal den Satz in die Google-Suchmaschine ein... +++




I. Zur Forschungsgeschichte der Sigiburg



Für ungewöhnliche, nach heutigen Maßstäben unzureichend untersuchte archäologische Fundansammlungen stellt sich stets zunächst die Frage nach der Mülldeponie als mögliche Erklärung; sie ist bedeutsamer als es auf dem ersten Blick scheint, da Kultstätten und Deponien nicht mehr verwendeter Gegenstände keineswegs Gegensätze bilden müssen(1). Der Verfasser möchte dies am Beispiel der Sigiburg veranschaulichen, einer "Ringwallanlage" auf dem Syberg ("Hohensyburg") in Dortmund-Syburg (Stadtkr. Dortmund), welche gemeinhin als altsächsisch gilt, obwohl dies nie nachgewiesen wurde. Sicher ist nur, daß sie in dem langjährigen Altsachsenkrieg des Frankenkönigs und späteren Kaisers Karl der Große anfangs eine Rolle spielte.

In der Literatur wird die Auffassung vom altsächsischen Ursprung der Sigiburg allgemein vorausgesetzt, ja gilt sogar auf Grund zeitgenössischer Quellen, die dem eigentlich eher widersprechen, als hinreichend bewiesen. Einen altsächsischen Ursprung der Sigiburg setzte bedauerlicherweise auch der Verfasser früher im Vertrauen auf angesehene Historiker und Prähistoriker voraus(2). Die wichtigsten zeitgenössischen Literaturquellen zur Sigiburg sind vom Verfasser im Jahr 1981 zusammengefaßt und ausgewertet worden(3), wobei auch darauf hingewiesen wurde, "daß die Sigiburg nicht als sächsisch bezeichnet wird und daß nur von einer Besatzung der Sachsen, nicht aber von anderen Teilen der in diesem Gebiet lebenden Bevölkerung die Rede ist"(4). Man vergleiche hierzu die gegenüber der gewöhnlichen Betrachtungsweise recht kritische Einstellung von Walter Kaemmerer zum Einfluß der Römer in den Rheinlanden:

"Doch bricht sich [...] zusehends der Gedanke Bahn, daß von einer römischen, also südländischen Überfremdung des Landes nur in geringem Ausmaß die Rede sein kann. Wahrscheinlich waren nur die obersten militärischen und zivilen Verwaltungsstellen mit Ausländern, also echten Römern besetzt gewesen. Das einheimische Volk aber führte trotz mancherlei Angleichung in der Lebensweise an südländisches Wesen, etwa in der Übernahme von Religionsformen und Kulturgütern, im ganzen sein Dasein nach alter Gewohnheit fort."(5)

Der Einfluß von "Fremdgruppen" auf die kulturelle Entwicklung in der Region wird auch heute noch häufig unterschätzt, wobei man die Betonung zu sehr auf das Fremde legt.





II. Zur religiösen Bedeutung des Sybergs



Gerd G. Koenig hob hervor, daß die Bedeutung der Wallfahrtsstätten schon im Frühmittelalter recht groß war:

"Bedeutender als der Besuch von echten Heilquellen war aber schon in der Merowingerzeit die Entwicklung von Wallfahrten zu heiligen Orten, die den Kranken eine Wunderheilung bringen sollten. [...] Dieser feste Glaube an Wunderheilungen ist leicht erklärlich, da mit der neuen christlichen Ikonographie allerorts die Heilerfolge dank des Glaubens bekannt wurden, wie sie z. B. im Neuen Testament überliefert sind [...]."(6)

Gemäß der volkskundlichen Überlieferung zu den Kultbräuchen aus der Neuzeit war es am Nahwallfahrtsort Dortmund-Syburg üblich, vom "Petersbrunnen" aus (wo man sich reinigte) die Syburger Kirchstraße aufwärts zur Peterskirche und dreimal um dieses Gotteshaus herum zu kriechen, was den Verfasser einerseits hinsichtlich der Fortbewegungsart an den Fesselhain der Sueben, andererseits bezüglich der Wegführung an den Sonnenkult erinnert (Prozession um die Kultstätte in Umlaufrichtung der Sonne). Diese Bräuche verdienen eine nähere Untersuchung, welche der Verfasser aber derzeit nicht selbst vornehmen kann.





A. Kultbauten



Die bisher veröffentlichten Untersuchungen zur Bedeutung der Hohensyburg als Kultort stellen verständlicherweise die dort seit dem 8. Jahrhundert bestehende Kirche mit ihren verschiedenen (noch nicht hinreichend untersuchten) Bauphasen in den Vordergrund. Zur ersten Peterskirche in der Sigiburg schrieb bereits im Jahr 1804 der Pfarrer Johann Friedrich Möller zu Hagen-Elsey:

"Der Zeit nach ist diese die erste in Westfalen gewesen."(7)

Hierbei ist zu berücksichtigen, daß er Altwestfalen meinte, da er ja noch in der Zeit vor der (im Gegensatz zur römischen achtzehn Jahrhunderte zuvor) erfolgreichen preußischen Eroberung des heutigen Westfalens schrieb, welche auf dem Wiener Kongreß allgemein anerkannt wurde(8). Die Aufsatzsammlung des Verfassers aus dem Jahr 1979, welche sich vor allem mit der Frage des genauen Standortes des "Petersbrunnens" (eigentlich eine Quellfassung des St.-Peter-Bornes) am Ausgang einer nach Nordosten gerichteten Quellmulde auf dem Syberg(9) und mit der Nachweisbarkeit eines altsächsischen Tempels am Standort der Peterskirche innerhalb der Wallburg befaßte, ist bedauerlicherweise in vielen Teilen im Sinne der Wissenschaft unbrauchbar(10).

Entgegen früheren Meinungen anderer Gelehrter betonte J. F. Möller - anscheinend beeinflußt durch die "Germania" des P. Cornelius Tacitus' -, "daß weder die jetzige, noch die erste Kirche zu Hohensyberg vorhin ein heidnischer Tempel war"(11). Das entspricht der heute noch vorherrschenden Auffassung. Falls die Sigiburg bereits in der Jüngeren Merowingerzeit als altfränkische Befestigung mit einem christlichen Gotteshaus bestand, sollte man allerdings nicht ohne Weiteres ausschließen, daß die damals bestehende Burgkapelle später von der altsächsischen Besatzung für ihre Zwecke verwendet wurde, bevor der Frankenkönig Karl der Große die Sigiburg im Jahr 775 endgültig in christliche Hände brachte. Die "Umweihungen" würden damals üblichen Gepflogenheiten entsprechen, wie sie zur Zeit des Papstes Gregor der Große (590 - 640) selbst von kirchlicher Seite angeregt wurden(12) und beispielsweise der Missionar Columban der Jüngere damals im Bodenseegebiet gewiß zugunsten der zu bekehrenden Bevölkerung realisierte.





B. Wachsobjekte



Ein heidnischer Tempel in Köln, welcher anscheinend mit Nachbildungen menschlicher Körperteile ausgestattet war(13), wie wir sie ähnlich aus späterer Zeit(14) auch von der Peterskirche in Dortmund-Syburg her als "Devotionalien" in Wachs kennen(15), wurde in der Älteren Merowingerzeit (und zwar bereits während der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts) von eifrigen Geistlichen in Brand gesteckt, und dies hätte laut Gregor von Tours beinahe die Tötung der Brandstifter zur unmittelbaren Folge gehabt. Es ist daher durchaus verständlich, wenn später zumindest auf christlicher Seite mit mehr Besonnenheit gehandelt wurde. Diese interessante, ja brisante Thematik verdient sicherlich auch in Westfalen eingehendere Nachforschungen. Es wäre in diesem Zusammenhang auch zu überlegen, inwiefern die hölzernen und wächsernen Nachbildungen von menschlichen Gliedmaßen und anderen Körperteilen, wie sie für keltische(16) und postgermanischliche Kultstätten belegt sind, im Grunde genommen nicht Ersatzstücke für Leichenteile sind, wie sie in sauerländischen Höhlen festgestellt wurden.





C. Menschenschädel



Im Zusammenhang mit "Kulthöhlen" spielen übrigens "Schädelbecher" und "Kalottenschalen" eine besondere Rolle(17). Allein aus der Býči-Skála-Höhle bei Brno in Mähren (Tschechoslowakei [jetzt: Tschechien]) sind drei Exemplare solcher aus menschlichen Schädelkalotten gefertigten Gefäße bekannt(18).

Schaedelschale_aus_der_Byci-Skala-Hoehle_aus_Sudeta_Jahrgang_1929
Derartige Gegenstände, also gewissermaßen Totenköpfe, erfüllten gemäß den Vorstellungen der Wallfahrer noch in der Zeit der Vorherrschaft des Christentums als heilbringende Trinkgefäße ihren Zweck, wie Heinrich Wankel treffend hervorhob:

"Dieser Schädelkult hat sich bis in die neueste Zeit fortgepflanzt und ging selbst in den bestehenden Religionscult über."

Prof. Dr. Sepp, dessen Angaben H. Wankel als Quelle dienten, teilte im Jahr 1875 mit:

"Als der Pilger Antonin von Placentia [im Jahr] 570 in Jerusalem eintraf, trank man auf dem Berge Sion im Hause des ersten Bischofs Jakobus aus der Hirnschale der Martyrin Theodata. Die Kirche des Prodromos auf dem Grunde des alten Johanniterspitals bewahrt noch ein Stück von der Hirnschale [Johannes] des Täufers. Besser versehen zeigte man zu Feldkirch in Vorarlberg das ganze Johannishaupt; ebenso zu Rankweil, wenn es nicht dasselbe ist: es hilft aufgesetzt wider das Kopfweh. Auch das Kloster Mariastern in der Lausitz glaubte im Besitz der Hirnschale des Vorläufers Christi zu sein, man reichte daraus den Wenden den Johannestrunk. Dieser Weihetrank war[d] mithin als St. Johannessegen gereicht, welcher früher bald im Hochsommer am Feste des Täufers, bald in der winterlichen Sonnenwende am Tage des Evangelisten Johannes gespendet ward - gegenwärtig an letzterem.

Eugippius berichtet im Leben Severin's c. 22 von der Gottesminne, Bischof Aribo von Freising aber klagt in der Lebensgeschichte Emerans, dass die alten Bayern noch so roh im Christenthum waren, und [= daß sie] aus demselben Kelche die Minne Christi und der Heidengötter einander zutranken. [...] Ruodlieb, der Tegernseermönch, schreibt von Gertruden's Minne. Der gewaltige Sachse, Kaiser Otto I., hatte in St. Emeran sich einst selber zu Gaste geladen, und [er] schloss den Festtisch mit dem Spruch: "Wessen Brod ich ess, dess' Lied ich sing. Der Heilige hat uns anheut wohl gespeist und getränkt; so gedünkt mich billig, dass wir diese Mahlzeit in der Liebe St. Emeran[s] vollenden." Diese aber, sowie Martin's, Mich[a]el's und Kilian's Minne[,] gerieth in Vergessenheit, und nur St. Johannssegen behauptete sich zum Jahreswechsel und Reiseanfang oder bei Hochzeiten."(19)

In erster Linie dienten die Schädelreste von männlichen und weiblichen Heiligen bei den kultischen Handlungen offenbar als Trinkgefäße, wenn man den weiteren Belegen von Sepp folgt, welche hier unmöglich alle wiedergegeben werden können. Als Mittel gegen Krankheit (durch Aufsetzen des Schädels oder durch seinen Gebrauch als Trinkgefäß) fanden die Schädelschalen von Anastasia (Kopfleiden, Besessenheit), Anna von Klingenau, Makarius (Kopfweh) und Theodul (Fieberleiden) Verwendung; gebräuchlich waren weiterhin in Habach das Haupt des Heiligen Abundus, in Altomünster dasjenige des Alto, in Ansbach dasjenige von Gumpertus, in Regensburg das von Erhard, in Rott das des Marinus, in Wolfratshausen das des Nantovin, in Neuss und am Tegernsee das von Quirin, in Au am Inn das von Vitalis(20). Darüber hinaus heißt es:

"Den ersten Rang behauptet aber die silbergefasste Hirnschale des hl. Sebastian zu Ebersberg, woraus noch immer der geweihte Wein den Wallfahrern am Feste des Martyrers, 20. Jänner [= Januar], zum Trinken gereicht wird. So lange dieser Gebrauch besteht, heisst es, hat die Pest in diesen Gegenden niemals ihren Sitz aufschlagen dürfen. [...] Früher mussten jährlich zwei Mass Wein, als geweiht[,] in die Residenz nach München geschickt werden."(21)

Der Sinn des Trunks aus Menschenschädeln bestand Steffen Berg, Renate Rolle und Henning Seemann zufolge in "dem Glauben, Kraft und Segen in sich aufzunehmen oder durch den Schädeltrunk von Krankheiten befreit zu werden"(22).

Inwiefern auch das einst in der Peterskirche zu Dortmund-Syburg (Stadtkr. Dortmund) verehrte "Haupt der Hl. Barbara", welches vermutlich anläßlich der Christianisierung der Altsachsen in die Sigiburg gelangte(23), ähnliche Heil- und Stärkungsfunktionen bei den anreisenden Pilgern zu übernehmen hatte, muß angesichts seines nicht sicher bekannten Verbleibs(24), wodurch die Untersuchung etwaiger "Manipulationen" am Objekt selbst unmöglich wird, offen bleiben(25).





D. Duenerkrud



Im Hinblick auf die "heidnischen" Ursprünge des kultischen Treibens auf der Hohensyburg von unschätzbarer Bedeutung ist das Duenerkrud, welches gemäß den Vorstellungen der regionalen, weitgehend bäuerlichen Bevölkerung unbedingt vom Syberg stammen mußte, damit es als magisches Mittel Verwendung finden konnte. Offenbar empfing das Kraut durch sein Wachsen auf dem Syberg in der Auffassung der Bauern- und wohl auch Handwerkerfamilien eine besondere Weihe.

Zur Bedeutung des Duenerkruds als "vorchristliches" und (wegen der - bis zum Zeitalter der Aufklärung - Unausrottbarkeit seiner Verwendung) notwendigerweise auch christianisiertes Heil-, Schutz- und Wahrsagemittel vergleiche man die den ehemaligen Kreis Iserlohn betreffenden Angaben von Walter Ewig:

"Schlägt der Blitz ein und zündet, so kann nach dem Volksglauben das Löschen nichts helfen ([Iserlohn-]Dröschede). Doch ist es gut, wenn auf dem Dach das "Donnerkraut" oder der "Donnerlauch" wächst, denn das schützt das Haus vor dem Blitz."(26)

Wegen der älteren Darstellung als Quelle für "abergläubische Meinungen und Gebräuche" in der ehemaligen Grafschaft Mark wichtiger sind die Angaben von Friedrich Leopold Woeste aus dem Jahr 1848, welcher zur "Fettehenne (sedum telephium)" schrieb:

"Binde "Duenerkrut" kreuzweis[e] an den Hahlbaum, so schlägt das Gewitter nicht ein. Hänge es an der Decke auf und laß Jeden aus dem Hause ein Blatt anrühren. Der, dessen Blatt zuerst abfällt, muß zuerst sterben."(27)

Offenbar galt der Blitzschlag als Gottesentscheid(28).





III. Zur Überlieferung des Hügels



Es war der für seine Bodendenkmälerlisten bekannte Rektor Karl Mummenthey (1841 - 1916) zu Altena (Märkischer Kr.) - später Wesel (Kr. Wesel), welcher auf dem Syberg eine wichtige Überlieferung wenigstens durch Aufzeichnung für die "Nachwelt" sicherte und dieser dadurch neue Forschungsansätze ermöglichte:

"Auf einem jetzigen Ackergrundstücke im Nord=Osten der Hochebene befand sich bis vor etwa 30 Jahren eine kegelförmige Erhebung, bestehend aus Asche, Thonscherben und Knochen."(29)

Allem Anschein nach handelt es sich um einen künstlichen Hügel, welchen man normalerweise als Mülldeponie bezeichnen würde. Doch gibt es Anhaltspunkte dafür, daß es sich eher um eine sakrale als um eine profane Erhebung gehandelt hat.

Die Notiz von K. Mummenthey ist, wie diesbezügliche Nachforschungen des Verfassers ergeben haben, nicht das einzige Zeugnis für den Asche-Knochen-Tonware-Hügel, denn auf einem Stich von N. Nestel, welcher die Peterskirche in Dortmund-Syburg aus der Richtung WNW zeigt, wurde das Objekt als großer, mit Rankengestrüpp überwucherter Haufen in der unteren rechten Bildecke etwa zur Hälfte dargestellt, und zwar westnordwestlich der Kirche(30).

EU/D/NRW/DO/Syburg/Peterskirche/PeterskircheSyburgNestel
Die Bildvorlage stammt in jedem Fall aus der Zeit vor etwa 1860, weil damals die abgebildete nördliche Friedhofsmauer zur Kirche hin verlegt wurde. Das betreffende Gelände wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch einen angeblich auf Bombenschutt der Stadt Dortmund angelegten Parkplatz überbaut.

Auf einen Aspekt möchte der Verfasser hier noch hinweisen, weil er vielleicht nicht so bedeutungslos ist, wie es auf dem ersten Blick scheinen mag. Auf einem im Jahr 1969 in guter Qualität publizierten Farbfoto(31) tritt in dem unmittelbar nördlich an die Parkplatzanlage anschließenden Gelände gegenüber der Peterskirche ein auffälliger Bewuchs hervor, welcher unter Umständen auf die kegelförmige Erhebung zurückzuführen ist. Es handelt sich bei dem Grundstück, auf dem diese Besonderheit auftritt, um eine seit vielen Jahren naturbelassene Wiese, welche leicht nach Nordosten hin abfällt und dabei eine seichte Quellmulde bildet.

EU/D/NRW/DO/Syburg/SybergSchichtenmodell
Diese reicht bis zur Quellfassung - dem sogenannten "Petersbrunnen" - am Nordrand der Hochfläche (Grundstück Syburger Dorfstraße 7). Im Sommer stehen hier im gesamten Gelände die Gräser und Kräuter sehr hoch, und es entwickelt sich eine überaus reiche Flora(32).
D/NRW/DO/Syburg/19690414_Uwe_Muuss
Das erwähnte Foto wurde am 14. April 1969 aufgenommen(33). Auf dieser Luftaufnahme erscheint nun gerade in dem jenigen Grundstücksbereich nordwestlich der Peterskirche, welcher an den Parkplatz grenzt, ein großer, halbrunder Fleck von gelblicher Färbung (anscheinend von besonders dicht gewachsenen und anschließend verwelkten Gräsern), welcher sich deutlich von dem übrigen Gelbgrün abhebt. Offenbar ist der Boden an der betreffenden Stelle fruchtbarer als im anschließenden Wiesengelände, was sich durch das Vorhandensein von Aschenresten erklären ließe. Ergänzt man den Halbkreis zu einem Vollkreis, so würde die ergänzte Hälfte im Bereich des Parkplatzes liegen und sich der Stelle nähern, wo allem Anschein nach die kegelförmige Erhebung gelegen hat. Interessant ist dieser botanische Befund schon deswegen, weil der Bereich um "Petersbrunnen" und Peterskirche im Mittelalter den Mittelpunkt eines Wallfahrtsortes bildete, welcher hauptsächlich in der Zeit um den Markustag (25. April) besucht wurde.

Der Verfasser verfügt auch über Luftbilder aus jüngerer Zeit, welche aber sämtlich im Sommer (während der Segelflugsaison) aufgenommen wurden; diese lassen in dem betreffenden Gelände erwartungsgemäß keine nennenswerten Besonderheiten erkennen.

D/NRW/DO/Syburg/197xxxxx_NordteilSyberg_von_Osten
Bei einem archäologischen Prospektionsflug am 23. Mai 1983, zu welchem sein Freund und Sponsor Heinz Lemmermann den Verfasser dankenswerterweise eingeladen hatte,
EU/D/NRW/HA/19830523-1xxx_3Y00_Heinz_Lemmermann_in_Hagen-Wahl
konnte wegen der Großbaustelle für die "Spielbank Hohensyburg" und der dadurch veränderten Ausdehnung der Pfingstkirmes(34) bedauerlicherweise keine Überprüfung des Pflanzenwuchsbefundes vorgenommen werden.





IV. Zur unmittelbaren Datierung des Hügels



Brauchbare Hinweise auf die Datierung des einst vorhandenen künstlichen Hügels (und heute unsichtbaren Bodendenkmals) - der mutmaßlichen Ursache des Bodenmerkmals - liegen derzeit aus forschungsgeschichtlichen Gründen nicht vor.

Ein Aufsatz von Wilhelm Bleicher schloß bereits im Jahr 1980 bezüglich der Ausgrabungen in den Jahren 1975 bis 1977 im Umfeld der Peterskirche und in dem gegenüberliegenden Gelände (sowie eventuell der früheren Grabungen am "Petersbrunnen") mit einem Satz ab, welcher noch immer gilt und hier auch wegen seiner initiativen Bedeutung wiederholt sei:

"Es wäre wünschenswert, in einer Art Vorbericht die Auswertung der Funde endlich darzulegen."(35)

Als Mitglied im Grabungsteam von Willi Kuhlmann zu Dortmund-Syburg, auf dessen Initiative die archäologischen Grabungen zum Ortsjubiläum zurückgingen, fühlte sich der Verfasser hinsichtlich der Vorlage des Fundmaterials der Öffentlichkeit gegenüber selbstverständlich mitverantwortlich und wollte die Vorbereitungen zur Publikation des Fundmaterials vier Jahre nach dem Ende der Wochenendgrabungen möglichst ohne weitere Zeitverzögerung vornehmen. Sein in einem - in de jugendlichen Unternehmungslust(35) für ältere und sensiblere Gemüter vielleicht zu forsch geratenen - Schreiben vom 23. Januar 1981 an die Leitung des Museums für Kunst- und Kulturgeschichte zu Dortmund, welche mit der Aufsicht über die Grabungen in den Jahren 1975 bis 1977 betraut war, dargelegtes Anliegen stieß aber unerwartet auf unverhohlene Ablehnung:

"Sie sehen, Herr Rothe, das Beste ist, Sie streichen das Thema aus Ihrer Planung und bemühen sich um ein wirkliches und für die Wissenschaft wertvolleres, sofern Sie nicht gar auf ein anderes Studium überwechseln, wozu ich Ihnen ernstlich raten würde."(36)

Die Fundstücke der kleinflächigen Grabungen in den Jahren 1975 bis 1977 wurden bedauerlicherweise auch in der "Fundchronik der Kreisfreien Stadt Dortmund 1948 bis 1980" von Sigrid Lukanow(37) nicht berücksichtigt. Dort heißt es diesbezüglich:

"Die Veröffentlichung der Funde der sächsischen Wallburg Hohensyburg (Sigiburg) soll wegen der 1983 und 1984 durchgeführten Sondagen zu einem späteren Zeitpunkt zusammenfassend erfolgen."(38)

Ob dies ernst gemeint war und welche Zeitvorstellung damit eventuell verbunden wurde, vermag der Verfasser nicht zu sagen. Mittlerweile sind jedenfalls acht weitere Jahre vergangen. Es bleibt folglich nur zu hoffen, daß nicht wieder "Gras über die Sache wächst"(39).


[Einschub vom 6. Juli 2015: Interessanterweise wird die Sigiburg hier (wie anderswo!) als sächsisch bezeichnet. Darüber dürfte man sich in Dresden und Umgegend sicherlich freuen; aber selbst wenn man etwa - wie seinerzeit Herr Dr. Ph. Hömberg in seiner einschlägigen Dissertation - voraussetzt, daß es sich um eine altsächsische Befestigung handelt, so sollte es doch erstaunen, daß dies einfach so an- und hingenommen wird, obwohl die wichtigsten zeitgenössischen Schriftquellen - das heißt: von etwa 775 n. Chr. - von einer solchen ethnischen Zuordnung garnichts wissen; es wird dort darüber berichtet, daß die Burg nach einer Versammlung in Düren von den Altfranken angegriffen wurde (mit Erfolg), weil sich darin altsächsische Militärangehörige aufhielten (custodia, praesidium). Ein erneuter Eroberungsversuch durch die Vertriebenen im Folgejahr schlug dagegen fehl. Näheres dazu findet man in meinem (nicht im Web verfügbaren) Aufsatz über die Schriftquellen zur ,Hohensyburg' (Rothe 1981). Ich gehe heute davon aus, daß es sich um eine gewöhnliche altfränkische Wallburg wie etwa die Alteburg bei Essen-Werden gehandelt hat, wobei ich mir natürlich bewußt bin, daß auch dort (wenigstens nach meiner Kenntnis) eine moderne wissenschaftliche Bearbeitung des Fundguts (vor allem der Keramik) noch aussteht.]




A. Münzfunde



Möglicherweise bezieht sich auf die kegelförmige Erhebung der Hinweis des Pfarrers Johann Friedrich Möller zu Hagen-Elsey, wonach "auf dem Boden der ober[e]n Bergplatte zu Syberg, welcher seit Jahrhunderten [ein] Ackerfeld ist" - dies entspricht der Fläche der Sigiburg, der "Umwallung der ober[e]n Bergplatte zu Hohensyberg"(40) - "römische Münzen gefunden" wurden, darunter "eine derselben vom Kaiser August[us]"(41). Im Jahr 1976 wurde bei Ausgrabungen einige Meter nordwestlich der Peterskirche - noch östlich der Syburger Kirchstraße - "eine halbe Kupfer- oder Bronzemünze" aus der Römerzeit geborgen(42). Es könnte sich um ein halbiertes As aus augusteischer bis tiberianischer Zeit handeln. Dieses Fundstück ist anscheinend noch nicht publiziert worden. Es war zumindest bis zum November 1990 auch dem Numismatiker des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, Herrn Dr. Peter Ilisch, nicht bekannt(43), während andere Münzfunde der Grabungskampagne von 1975 bis 1977 durch den Kunsthistoriker und Studiendirektor Dr. Elmar Hartmann zu Hagen-Hohenlimburg gemeldet wurden(44).





B. Keramikfunde



Wilhelm Bleicher vertrat schon im Jahr 1980 die Auffassung, daß sich unter dem Tonware-"Material", "das der Verfasser in den Jahre[n] 1976 und 1977 bei den Grabungen im Friedhofsbereich nördlich der Peterskirche in Augenschein nehmen konnte", "sich etliche Stücke anscheinend vorgeschichtlicher Machart" befanden(45); er erwähnte zudem anläßlich von Hinweisen "zur Fundsituation im Bereich der Hohensyburg" unter anderem "die bronzezeitlichen Funde der Herren Willi Kuhlmann, Syburg, und Harald Thome, Dortmund", und fügte schließlich hinzu:

"Bei zwei besonders schönen Wandstücken quarzitgemagerter Ware - eine mit großen Fingertupfen, eine mit Rillen und Zwickelmuster verziert - handelt es sich um Schulter- bzw. Halsstücke von doppelkonischen Zylinderterhalsgefäßen mit abgesetztem Rand der Urnenfelderbronzezeit (Montelius PIV u. V, HaB)."(46)

Daß die Fundstellen dieser Gefäßreste innerhalb der Befestigungsanlagen der Sigiburg liegen, hält der Verfasser allerdings für fraglich, da dort in der in Frage kommenden Zeit außer in der Umgebung der Kirche unabhängig von den archäologischen Bodenuntersuchungen kaum Möglichkeiten für solche Entdeckungen bestanden. Zu dem Gefäßrest mit zwei Rillen und darunter angebrachten Schrägstrichen, welche ein stehendes Dreieck andeuten, gibt es eine Parallele aus der Oeger Höhle in Hagen-Hohenlimburg (Stadtkr. Hagen)(47).





V. Zur Deutung des Befundes



Werner Krämer beschäftigte sich in einem im Jahr 1966 publizierten Aufsatz mit "Spuren prähistorischer Brandopfer in den Alpen und im nördlichen Alpenvorland"(48). Mag die Entfernung der "Hohensyburg" im Ardeygebirge am Nordrand des Sauerlandes zu diesem Untersuchungsgebiet auch beträchtlich sein(49), so zeigen sich doch Gemeinsamkeiten, welche ein näheres Eingehen auf die von W. Krämer beschriebenen prä- und protohistorischen Brandopferplätze als sinnvoll erscheinen lassen.

Das erste Beispiel bei W. Krämer stellt ein um 1870 noch vier Meter hoher, durch Menschen aufgeschütteter Hügel mit einem Durchmesser von 32 Metern dar, der in einem abgelegenen Winkel am oberen Abschluß des Langackertales bei Bad Reichenhall (Oberbayern) lag:

"Der Hügel bestand in seinem Oberbau grösstenteils aus verbrannten Knochen und war von dem Grundeigentümer allmählich zur Düngung der umliegenden Äcker abgetragen worden, bis [Max] von Chlingenberg 1890/91 den noch 1,20 m hohen Rest, der 24 m Durchmesser hatte, vollständig ausgrub."(50)

Bei der Untersuchung wurde noch eine Stratigraphie erkannt, wobei zuoberst Bruchstücke Hunderter von Tongefäßen und eine mit 270 Kubikmeter eher zu gering veranschlagte Masse kleinstückigen Knochenbrands offenbar von unzähligen Haustieren festgestellt wurden(51). Unter dieser "mächtigen Knochenschotterschicht" lag W. Krämer zufolge eine Schicht aus Holzkohle und Asche(52) "mit einer Menge unverbrannter Haustierknochen"(53). Es folgten darunter "unverbrannte menschliche Schädelknochen" auf einem "Lehmboden", der aus mehreren Schichten (bis zu sieben) rotgebrannten Lehms bestand(54). Die Basis bildete ein "Steinkranz", in dem sich mindestens vierzehn Brandgräber befunden haben sollen, "dabei Scherben und unverbrannte Tierknochen und Bronzebeigaben"(55). Das Vorhandensein von Brandgräbern hielt Werner Krämer für nicht ausreichend begründet; er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß "auch in den oberen Schichten des Knochenhügels" sowohl unverbrannte, als auch "verschmolzene Bronzefunde (Armringe, Nadeln u. a.)" zutage kamen(56):

"Das Fundmaterial gehört in die Spätbronzezeit [= Spätphase der "Hügelgräberbronzezeit"(57)] und frühe Urnenfelderzeit. Abgesehen von dem dubiosen "Friedhof", hat der Ausgräber den Befund im ganzen richtig als Opferplatz gedeutet und ihn in [einem] Zusammenhang gebracht mit den Salzquellen des [Bad] Reichenhaller Kessels."(58)

Der durch Salzgewinnung und -handel bedingte Wohlstand der lokalen Bevölkerung hat vermutlich zu der ungewöhnlichen Größe des Opferhügels beigetragen. Diese Kultstätte kündete nach Ansicht des Verfassers folglich auch vom Reichtum der in ihrer Umgebung lebenden Menschen, wobei ein Vergleich mit den christlichen Domen im Mittelalter, an denen letztlich der Bürgerstolz unter beachtlichen Opfern mitgebaut hat, nur auf dem ersten Blick weit hergeholt wirkt.

Werner Krämer meinte, 25 bis 30 "Fundstellen dieser Art" namhaft machen zu können(59). Es ist hier nicht möglich, auf die verschiedenen Fundplätze im Salzburger Land wie den nahen Hellbrunner Berg - hier " war wieder auf einer Fläche von etwa 30 Schritt Durchmesser der Boden voll mit kalziniertem Knochenschotter, einer Unmenge von Scherben und Holzkohle" aus der Älteren Eisenzeit(60) - oder den Hallersbühl am Dürrnberg bei Hallein (Österreich), sowie im Inntal, in Südtirol (Italien), in Tirol, in Graubünden (Schweiz), sowie auf die "ganze Reihe einschlägiger Befunde aus dem Bodenseerheintal und dem Walgau"(61) und auf einzelne Plätze vom Berner Oberland über das Fürstentum Liechtenstein und die Schwäbische Alb bis ins Nördlinger Ries und das Donautal einzugehen(62). Eine Verbreitungskarte mit dem oberen Donautal und den zentalen Alpen zeigt 25 Fundplätze(63). Angesichts der Tatsache, daß es sich um eine erste, räumlich begrenzte Übersicht handelt, ist dies bereits eine eindrucksvolle Zahl. Die Befunde sind allerdings nicht immer eindeutig bzw. nicht mehr wie früher von eindrucksvoller Größe(64).

Die bekannteste Fundstelle - vor allem wegen der dort geborgenen Bronzestatuetten(65) - stellt wohl der Opferplatz (welcher übrigens nach René Wyss "im Volksmund der glänzenden Hahnenfussblüten wegen Glinzgelebüchel genannt wird"(66)) etwa auf halber Höhe des aus dem Rheintal aufsteigenden Burgbergs beim Schloß Gutenberg (Liechtenstein) dar(67), über den Werner Krämer berichtete:

"Hier liegen an verschiedenen Stellen kompakte Schichten von kalziniertem Knochenschotter 20- 30 cm mächtig in brandschwarzer Erde. Unter den Knochen ist Rind und Schwein festgestellt. Die Funde reichen hier vom Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. bis in die römische Kaiserzeit."(68)

Später befaßte sich unter anderem R. Wyss mit diesem bedeutenden Fundplatz, worauf hier verwiesen werden muß(69). Bezüglich der dort geborgenen Statuetten sei hier wenigstens erwähnt, daß sowohl Menschenfiguren vertreten sind (bei deren Typen es sich laut R. Wyss teils um "ein zweigeschlechtliches, hermaphroditisches Wesen"(70) handelt, teils um männliche Figuren, bei denen "unmissverständlich die Potenz in den Vordergrund gestellt" wird(71) oder welche - als "Mars" gesehen - "gepanzerte Krieger" verkörpern(72)) als auch um Tierfiguren, nämlich Eber und Hirsch(73).

Zusammenfassend meinte W. Krämer über die Bedeutung der "mitgeteilten Zeugnisse prähistorischer Opferhandlungen":

"Über die Opferbräuche im einzelnen erlauben die oft unzureichenden Beobachtungen und die unvollständigen Grabungen kein ganz klares Urteil. Die öfters auch in Verbindung mit den kalzinierten Knochen gefundenen unverbrannten Tierreste könnten sowohl vom Opfermahl als auch von unverbrannten Opfern stammen. Geopfert wurden fast ausschließlich Haustiere [...]. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Opfertiere nach dem Lebensalter ausgewählt worden sind. Während Tongeschirr, Messer und Sicheln, die sich auf den Opferplätzen fanden, grösstenteils als Opfergerät gelten könnten, erfassen wir in den Funden von Trachtzubehör und Schmuck (Nadeln, Armringe und dergleichen) sicherlich eine andere Kategorie von Opfer- und Votivgaben(74)

Auch die "topographische Situation der Opferplätze" ließ sich "nicht auf einen Nenner bringen"(75). Hinsichtlich der Datierung wurde ein "Schwerpunkt in der späten Hügelgräberbronzezeit und der Urnenfelderzeit" erkannt(76). W. Krämer wies auf die in den Hügeln erkennbare Kontinuität des Opferbrauchs hin, welche "auch für siedlungsgeschichtliche und ethnische Fragen" von Bedeutung sei(77).

Bei der Suche nach historisch bezeugten Opferhügeln stieß Werner Krämer auf "die sogenannten "Aschenaltäre", über deren Aussehen so viel Unklarheit herrscht"(78), und ging in diesem Zusammenhang unter anderem auf das Exemplar im zentralen Heiligtum von Olympia auf der Peleponnes (Griechenland) ein, wo als älteste Kultstätte ein solcher "Aschenaltar" lag, welcher dem Zeus geweiht war(79). Darauf und auf die diesbezüglichen Parallelen muß an dieser Stelle verwiesen werden(80).

H. Geißlinger machte auf "Anlagen von etwas anderer Art, aber wohl mit gleicher Bestimmung als Brandopferplätze und mit gleichfalls bronze- und eisenzeitlicher Datierung" in Schweden aufmerksam:

"Es handelt sich um Hügel, aufgebaut aus mürbe gebrannten Steinen, untermischt mit meist nichtkalzinierten Tierknochen und Tonscherben. Bemerkenswerterweise sind einige dieser "Scheiterhaufenhügel" (bålröser) in der Nähe oder sogar unmittelbar über bronzezeitlichen Felsbildern errichtet [...]."(81)

Es zeigt sich angesichts der Verbreitung und des am Volumen ablesbaren Beharrens auf Traditionen, daß die Brandopferhügel in vielen Teilen Europas langfristig feste Bezugspunkte im Zusammenleben der lebenden (und gewissermaßen auch der verstorbenen(82)) Menschen waren.

Für sich betrachtet ist eine Funktionszuweisung bei der kegelförmigen Erhebung auf der "Hohensyburg" nicht möglich. Wäre nicht die Analogie der Brandopferplätze bzw. "Aschenaltäre", so würde wohl niemand auf den Gedanken kommen, daß es sich bei ihr um einen der für die menschlichen Gemeinschaften in den Metallzeiten als kultische und kulturelle Mittelpunkte so bedeutsamen Brandopferhügel gehandelt haben könnte(83). Vielleicht hätte man immerhin an die lange Tradition der Osterfeuer gedacht, welche im Sauerland üblich waren und noch sind(84). Würden nicht die besonderen Fundumstände in den südwestfälischen Höhlen zur Vorsicht mahnen, käme man leicht zu der Ansicht, es handele sich um eine gewöhnliche Mülldeponie; diese Meinung wurde ja früher selbst bei den Höhlen mehr oder weniger deutlich vertreten. Sie ist durchaus von modernen Umgangsformen mit diesen Naturdenkmälern her zu verstehen, bei denen diese häufig als "wilde" Kippen für den von uns produzierten Mist herhalten müssen.





VI. Zur religiösen Bedeutung des Kultplatzes



Die Besatzung der Burg Siburg, welche im Hochmittelalter auf dem Gelände der Sigiburg in Dortmund-Syburg bestand, führte sicherlich nicht ohne einen besonderen kulturgeschichtlichen Bezug "ein gemeines (Karren= oder Pflug=) Rad" mit fünf Speichen als Wappen, wie Johann Friedrich Möller schrieb(85). Wichtig erscheinen dem Verfasser diesbezüglich die Bemerkungen von Joseph Prinz:

"Von Burgmannen auf der [...] Hohensyburg ist sonst nichts überliefert; doch darf mit ihrem Vorhandensein im 13. Jahrhundert gewiß gerechnet werden, da die ringsum gesessenen (märkischen) Dienstmannengeschlechter von Syberg, von Hörde, von Berchum, Dobbe und von der Schüren alle das gleiche [= selbe] Wappen, ein fünfspeichiges Rad, führten. Das kann nicht auf eine Geschlechtsverwandts[ch]a[]ft, sondern nur auf eine Dienstmannengemeinschaft zurückgeführt werden, die dann auf der Hohensyburg ihren Sitz gehabt haben muß."(86)

Ob das Radmotiv bereits im Frühmittelalter zur Kennzeichnung der Besatzung der Sigiburg diente, läßt sich derzeit noch nicht feststellen.

Radmotive versinnbildlichen - wie die sich scheinbar bewegende Sonne, welche das Vorbild lieferte - den Glauben an den Kreislauf des Lebens und dürften vor allem bei festlichen Anlässen wie Geburt, Hochzeit und Tod gezeigt worden sein(87). Nach Otto Huth stellt das Rad die "kosmische Ordnung" dar, welche "auf dem Wechsel von Werden und Vergehen oder ihrem ständigen Zusammenspiel" beruht(88). In diesem Sinn ist übrigens auch ein im ehemaligen Kreis Iserlohn verbreitet gewesener Brauch zu verstehen, nämlich anläßlich des ersten Besuchs bei einer jungen Mutter und ihrem neugeborenen Kind und anläßlich der Hochzeit einen dicken, etwa einen halben Meter im Durchmesser großen Plattenkuchen in der Form eines Pflugrades - daher dessen Name "Plaug-Rad" - zu schenken(89). Max Währen machte auf das "Brotopfer der Hethiter" aufmerksam, bei dem "die Vorstellung von einer "materiellen Form der Seele" beibehalten wurde, die man ja mit Trank und Brotspeise versah"(90). Ein "großes Fladenbrotstück" sowie "Breiklumpen von Speisen" wurden übrigens Günter Behm-Blancke zufolge in einer für Kultzwecke genutzten Höhle des Kosakenberges (Komplex II) bei Bad Frankenhausen am Kyffhäuser (Thüringen) gefunden und gehören demnach der "Urnenfelderbronzezeit" an(91).

Otto Huth zufolge, dessen Angaben hier auf den schweizerischen Rechtshistoriker und Altertumsforscher Johann Jakob Bachofen zurückgehen, gab es im antiken Griechenland Grabsteine in der Form plattgedrückter Brote(92). Der Brotlaib symbolisiert hier vielleicht den Menschenleib, und die entsprechend geformten Steine stünden folglich für den Wunsch nach Rückkehr der "Seele" in einen menschlichen Körper(93). Es ist in diesem Zusammenhang nicht uninteressant, daß in Westfalen, und zwar im Münsterland, in Brandgräbern der Jüngeren Bronzezeit bis Älteren Eisenzeit bei Rhede (Kr. Borken), Rheine-Mesum (Kr. Steinfurt) und Warendorf-Raestrup (Kr. Warendorf) Reste von gesäuertem Brot mittlerer Größe nachgewiesen wurden, welches wenigstens zum Teil zerbrochen worden war(94). Nach Ansicht des Verfassers steht das Zerbrechen des Brotes für das Absterben des menschlichen Körpers(95).

Bereits H. Hofmeister ordnete das Radmotiv im Jahr 1914 anläßlich eines Fundes in der Wallburg Babilonie bei Obermehnen (Kr. Minden-Lübbecke) dem "religiösen Schmuck" zu und deutete das als Trachtbestandteil getragene Metallrädchen als "heidnisches Amulett"(96). Er betonte zugleich die Zeitlosigkeit des Schmuckmotivs:

"Es ist ein Ornament, das sich in derselben Stilisierung nicht allein bis ins Neolithikum zurück nachweisen lässt, sondern auch aus den verschiedensten Gegenden Mitteleuropas bekannt ist [...]. Um so auffallender bleibt die Tatsache, dass das Rad in seiner schmucklosen Form neben dem üppigen La-Tèneschmuck so häufig getragen wurde."(97)

Die ursprüngliche Bedeutung des Radmotivs scheint im Laufe der Jahrhunderte in der Tradition der das betreffende Wappen führenden Familien verlorengegangen zu sein. Jedenfalls wies J. F. Möller mit Recht die in diesen Kreisen übliche Herleitung des Motivs von einem angeblich im Jahr 775 vorhanden gewesenen Wasserrad zurück, dessen Zerstörung dem Frankenkönig Karl der Große die Eroberung der Sigiburg ermöglicht haben soll(98).





VII. Zur gesellschaftlichen Bedeutung des Kultplatzes



Bei dem Brandopferhügel auf dem Syberg handelt es sich vielleicht um das seit langem auf Grund topographischer Erwägungen auf dem Syberg gesuchte "templum Tanfanae"(99), über das P. Cornelius Tacitus in seinen "Annales" (I,51) anläßlich des "Marser-Feldzugs" zum Jahr 14 n. Chr. berichtete und welches gemäß den Angaben in der "Germania" desselben Autors (cap. 9) kein Gebäude gewesen sein dürfte. Die Bezeichnung "Tempel" (lateinisch: templum) wurde nämlich im Sauerland zumindest in der Neuzeit für kegelförmige Erhebungen gebraucht, siehe etwa die von Karl Mummenthey bezeugte Bezeichnung "Auf dem Tempel" für einen "Erdhaufen in Form eines abgestumpften Kegels" oberhalb des Seufzertals (Tal der Walvke) nördlich der sogenannten "Rüdenburg" bei Arnsberg(100):

"Hat eine Kronenbreite von 11 m und eine Höhe von beinahe 2 m. An seiner nordöstlichen Seite ist das 2,30 m in seinem größten, 1,20 m in seinem kleinsten Durchmesser enthaltende Wurzelende [= Baumstumpf] einer [...] gefällten Eiche noch sichtbar."(101)

Auf die besondere Lage des Syberges wies schon Johann Friedrich Möller hin:

"Ein Blick auf die Landcharte der Grafschaft Mark oder des westfälischen Kreises wird ergeben, daß nirgends in einiger Entfernung vom Rheine, im Innern des Landes, so viele Flußthäler in solcher Nähe zusammen treffen, als in der Nachbarschaft von Hohensyberg. Am Fuße desselben endigt sich das Lennethal ins Ruhrthal; eine halbe Stunde abwärts fällt in dieses das Volmethal; eine halbe Stunde höher endigt sich ins Volmethal das Ennepethal, in welchem herauf - wie vorhin vermuthet ward - ein Kriegsweg [...], nach dem Rheine zu, führte. Dadurch wurde die Gegend [...] einer der merkwürdigsten Punkte des ganzen Süderlandes [= Sauerlandes], vielleicht in den Römer=Kriegen schon."(102)

Allerdings warnte bereits im Jahr 1928 der Rektor Hermann Esser zu Hagen-Hohenlimburg, wir hätten "keine Beweise dafür, [...] daß Germanikus seine Scharen im Jahre 14 nach Chr. G.[eburt] in das Gebiet der Lenne, Ruhr, Ennepe und Volme sandte"(103).





VIII. Fazit



Auch wenn die Gewinnung von Erkenntnissen zur politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedeutung der "Hohensyburg" in der Frühzeit noch mühselig ist und sicherlich eine gewisse Gelehrsamkeit voraussetzt, so zeichnet sich immerhin schon jetzt ab, daß wissenschaftliche Lokalforschungen hier trotz aller Unsicherheiten und Rückschläge mit einiger Sorgfalt durchaus auch ertragreich und "gewinnbringend" zu sein vermögen.





IX. Literatur



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Bleicher 1991: Wilhelm Bleicher, Die Bedeutung der eisenzeitlichen Höhlenfunde des Hönnetals (ALTENAER BEITRÄGE. Arbeiten zur Geschichte und Landeskunde der ehemaligen Grafschaft Mark und des Märkischen Kreises, Band 19, hg. v. Rolf Dieter Kohl), Altena 1991.

Bleicher 1992: Wilhelm Bleicher, Jungsteinzeitliche Funde aus der Oeger Höhle in Hohenlimburg, in: Hohenlimburger Heimatblätter e. V. (Hg.), HOHENLIMBURGER HEIMATBLÄTTER für den Raum Hagen und Iserlohn, 53. Jahrgang, Heft 5/92, Hagen 1992 (Mai), S. 173 - 182

Rothe 1993: Detlef Rothe, Das Hohensyburger "Flammenwunder" vom Jahre 776, in: Hohenlimburger Heimatblätter e. V. (Hg.), HOHENLIMBURGER HEIMATBLÄTTER für den Raum Hagen und Iserlohn, 54. Jahrgang, Heft 3/93, Hagen 1993 (März), S. 91 - 92 u. 101 - 106





X. Anmerkungen

1. So meinte H. Geißlinger, welcher sich mit der Frage der Absichten und Motive von Deponierungen befaßt hat: "Wird für eine Inventargruppe [d. h. eine der "Gruppen jeweils solcher Funde, die unter sich ähnliches, oft einseitig zusammengesetztes Inventar aufweisen" (a.a.O., Sp. 1)] ein auffallendes Deponierungsmilieu (z.B. Moor, Fluß, Quelle, Brunnen, Höhle, künstlicher Schacht, Anhöhe, natürliche Senke, Platz unter oder bei einem Stein, Wohnstätte) merklich bevorzugt, so scheint ein fester Brauch vorzuliegen und wird die Deutung wahrscheinlich, daß es sich bei diesem Horttyp um eine Gruppe sakraler Depots handelt [...]. Damit ist aber keineswegs gesagt, daß Inventargruppen ohne Bindung an ein bevorzugtes Deponierungsmilieu nicht ebenfalls nichtprofane Niederlegungen darstellen können [...]." (Geißlinger 1984, S. 328, Sp. 2).

2. Siehe Rothe 1979.

3. Rothe 1981.

4. Rothe 1981, S. 209, Z. 11

5. Kaemmerer 1956, S. 339, Abs. 3.

6. Koenig 1982, S. 120.

7. Möller 1804, S. 30 f.

8. Die Grafschaft Mark gehörte Preußen bereits seit längerem an.

9. Siehe hierzu die Berichtigung bei Rothe 1980!

10. Zur Bedeutung des Syberges als mittelalterliche und neuzeitliche Wallfahrtsstätte in der Zeit um den St.-Markus-Tag ("Petersbrunnen" und Peterskirche mit St.-Barbara-Reliquie) mit Kräuterbrauchtum siehe auch Rothe 1979, S. 59 - 62; Rothe 1980, S. 166 - 171. Hier seien nur einige Stichpunkte genannt: 1472 Ganztaufe unter Papst Leo III. postuliert; im 16. Jh. Wasserheilung und wächserne Votivgaben und Zurückführung des Ablasses für Beichte und Waschung auf die Zeit des Papstes Leo III. (um 800); um 1600 Beobachtung der Wasserführung; um 1800 Wassermitnahme in Krügen; um 1800 Mitnahme von Duenerkrud bzw. Donnerkraut, welches vom Syberg - das heißt wohl: aus der Umgebung von Petersbrunnen und Peterskirche - stammen "mußte"; 1832 "Heilwasser"; 1949 (vorübergehend) Kurort. Weitere Informationen bieten: Rothe 1981, S. 214 (Frage, ob das "Flammenwunder" vom Jahr 776 zu Wallfahrten geführt hat); Rothe 1982, S. 94 f (zur St.-Barbara-Reliquie und zur spätmittelalterlichen Überlieferung vom Besuch der Hohensyburg durch den Papst Leo III. im Jahr 799). Zur mittelalterlichen bis neuzeitlichen Überlieferung und zur Religionsausübung auf dem Syberg und deren (zum Teil auf Feldforschungen gestützte) Deutungen siehe auch die Zusammenstellung bei Bleicher 1980, S. 198 - 200 (Pkte. p - y), welche dem Kenntnisstand von Wilhelm Bleicher und auch weitgehend demjenigen des Verfassers vom Jahr 1980 entspricht. Zum Ablaßwesen in Dortmund-Syburg siehe Prinz 1971, hier besonders Abschnitt I ("Papst Leo III. und die Kirche auf der Hohensyburg", S. 107 - 116) und den Exkurs I ("Die Ablaßinschrift in der Kirche auf der Hohensyburg.", S. 134 - 138). Zum Brauch der Mitnahme von "Heilwasser" in Krügen aus dem "Petersbrunnen" durch Pilger aus der Umgebung vgl. Koenig 1982, S. 108, für die Merowingerzeit: "Beliebt dürften auch Wässer entweder von heiligen oder Heilquellen gewesen sein. [...] All diese Flüssigkeiten sind nur in Ausnahmefällen archäologisch nachweisbar und selbst dann nur schwer zu interpretieren, wie z. B. das normale "Brunnenwasser" im Frauengrab unter dem Kölner Dom. Eine eindeutige Quelle stellen aber Transportbehälter für heilige Wasser dar [...]." (Es folgen Beispiele).

11. Möller 1804, S. 54, Abs. 2.

12. Vgl. Rothe 1979, S. 48, Abs. 2 f.

13. Gregor von Tours, Vita ss. patrum, VI copo namentis refertum, in quo barbaries proxima libamina exhibens; ibi et simulacra ut deum adoramus, membra secundum quod unumque dolor attigisset, sculpebat in ligno ac ut quemque affecti membri dolor presserat, in ligno sculpebat, suspendebatque opitulaturo idolo". Vgl. hierzu Kriss-Rettenbeck 1972, S. 108, Abs. 4.

14. Siehe allgemein Kriss-Rettenbeck 1972.

15. Vgl. das Zitat von Jürgen Velthus bei Rothe 1979, S. 59.

16. Vgl. die Wallfahrtsstätte an den Quellen der Seine im Dép. Côte d'Or in Frankreich (Kriss-Rettenbeck 1972, S. 108, Abs. 5; zur Datierung in die Ältere Römerzeit siehe auch Hollstein 1980, S. 116 f).

17. Vgl. Berg et al. 1981, S. 15

18. Wankel 1882, S. 388 (Schädel Nr. 2342); Berg et al. 1981, S. 126

19. Sepp 1875, S. 44, Sp. 2. Vgl. Wankel 1882, S. 389, Abs. 1, u. Berg et al. 1981, S. 125.

20. Sepp 1875, S. 45, Sp. 1 f.

21. Sepp 1875, S. 45, Sp. 1, Abs. 2.

22. Berg et al. 1981, S. 125, Sp. 1, Abs. 4.

23. Vgl. Rothe 1982, S. 94 f.

24. Vgl. Rothe 1982, S. 95, Abs. 1.

25. Zum vermutlichen Aufbewahrungsort im Frühmittelalter siehe Rothe 1982.

26. Ewig 1970, S. 64, Abs. 1. Vgl. auch Luce 1983 (S. 28) zum Dunnerkriut = Donnerkraut = Große Fetthenne = sedium telephium im Erzbistum Paderborn: "Bei diesem aus "Donar-Kraut" herleitbaren Namen blieb der Zusammenhang mit der heidnischen Zeit noch erhalten."

27. Woeste 1848, S. 54, Nr. 6. Zur zukunftsorientierten Verwendung von Johanniskraut (-krút) alias Donnerkraut ("sedium telephium") siehe auch Kuhn 1859, S. 176, Nr. 487, u. S. 177, Nr. 489. Zu Blüten und Stengeln aus dem geweihten Krautbund zum Schutz vor Blitzeinschlägen vgl. ebenda, S. 104, Abs. 2.

28. Vgl. dazu auch Homer, Ilias, VIII 68 gens um eine vorchristliche Parallele zum für die Christianisierung in der Region bedeutsamen "Flammenwunder" vom Jahr 776; zu diesem Naturschauspiel siehe Rothe 1992.

29. Mummenthey 1888, S. 21, Sp. "Bemerkungen".

30. Natorp 1880, S. 140, Abb. "Kirche von Hohensyburg."; Rothe 1979, S. 104, Abb. 26. Auf der im Jahr 1887 gezeichneten Handskizze des Syberges (Mummenthey 1888, Beilage; Rothe 1979, S. 10, Abb. 4) ist die Lage der abgetragenen Erhebung nicht angegeben.

31. Muuß et Schüttler 1969, S. 17. Es handelt sich um eine Schrägaufnahme aus nördlicher Richtung von Uwe Muuß, Kiel-Altenholz (Schleswig-Holstein). Das Luftbild hat die Freigabe-Nr. 1 SH 876

32. Der Verfasser verfügt in seinem Fotoarchiv über entsprechendes Bildmaterial aus dem 1970er Jahrzehnt.

33. Nach einer brieflichen Mitteilung von Herrn Obernstudienrat Dr. Uwe Muuß (Kiel-Altenholz) vom 8. September 1977. Hierfür, sowie für die Bereitstellung einer weiteren Aufnahme, möchte der Verfasser auch an dieser Stelle herzlich danken.

34. Diese Kirmes steht anscheinend in der Tradition des Jahrmarktes um den St.-Markus-Tag.

35. Bleicher 1980, S. 200.

36. Antwortschreiben aus der Abteilung "Vorgeschichte, Stadtgeschichte" des genannten Museums vom 6. Februar 1981, Zeichen 41/MKK

37. Lukanow 1986.

38. Lukanow 1986, S. 148, Nr. 32.

39. Natürlich hält es auch Rez. für wichtiger, daß beispielsweise der im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte zu Dortmund liegende Bericht von Emil Carthaus über seine im Jahr 1891 erfolgten Ausgrabungen in der Karhofhöhle (in einem Entwurf und in der Reinschrift), welcher Wilhelm Bleicher zufolge "bis zum Jahre 1990 als verschollen" galt (Bleicher 1991, S. 51, Abs. 4) endlich vorgelegt wird. Wie es heißt (ebenda), wird er "von Herrn Georg Eggenstein, Münster, im Rahmen einer Diplom-Arbeit mit bearbeitet werden", womit offenbar eine Magisterarbeit gemeint ist. Es gibt also durchaus auch im Dortmunder Museum Material, dessen wissenschaftliche Bearbeitung ein Studium der Ur- und Frühgeschichte zu rechtfertigen, ja diesem sogar zu dienen vermag. Die brüske Haltung des ehemaligen Museumsleiters sowie sein Widerstreben bezüglich von an die Öffentlichkeit gehenden Informationen über wichtiges Fundgut in "seinem" Museum wird dadurch nicht gerade verständlicher.

40. Möller 1804, S. 21.

41. Möller 1804, S. 55, Abs. 2. Vgl. Korzus 1972, S. 55, Nr. 5022, 2.

42. Rothe 1979, S. 94, Abs. 2.

43. Dies gilt auch für eine vom Verfasser im Jahr 1976 nahe der westlichen Begrenzungsmauer auf dem Syburger Friedhof gefundene Kupfermünze der Stadt Hamm mit Jahreszahl (17./18. Jahrhundert), welche Herrn Dr. Clemens Weißgerber (Dortmund) übergeben wurde.

44. Der Verfasser möchte sich auch an dieser Stelle für die freundliche Auskunft bedanken.

45. Bleicher 1980, S. 194, Abs. 3.

46. Bleicher 1980, S. 189, Abs. 3; vgl. die Zeichnungen dort auf S. 197, darunter "Urnenfelderzeitliche Wandscherben [...] der Hohensyburg".

47. Siehe Behaghel 1943, Taf. 26, Abb. G, Nr. 1; Bleicher 1992, S. 178, Abb. ganz unten (Zeichnung im Maßstab ca. 1 : 1,7), u. S. 179, Abb. "Bronzezeitliches Randstück".

48. Krämer 1966, S. 111, Sp. 1, Abs. 3. Zu den Brandopferplätzen bzw. Aschenaltären siehe auch Geißlinger 1984, S. 323, Sp. 2, u. S. 326 f.

49. Günter Behm-Blancke wies darauf hin, daß der "Brandaltar", welcher im "Donau- und im nordwestalpinen Gebiet [...] eine wichtige Rolle" spielte, "auch in Thüringen erscheint (Oberdorla)" (Behm-Blancke 1989, S. 173, Nr. 4). Zu diesem Objekt siehe ebenda, S. 174, Sp. 1, Abs. 3, zur "Hallstattperiode D": "Ein rechteckiger, aus Muschelkalksteinen erbauter Feueraltar, der auf einer Seite von einem halbrunden Stein-Erde-Wall umgeben war, stellte das religiöse Zentrum dieser Periode dar."

50. Krämer 1966, S. 111, Sp. 2.

51. Zitat des Ausgräbers bei Krämer 1966, S. 111, Sp. 2.

52. Möglicherweise handelte es sich hier hauptsächlich um Getreide- und andere Pflanzenreste.

53. Krämer 1966, S. 111, Sp. 2.

54. Krämer 1966, S. 111, Sp. 2.

55. Krämer 1966, S. 111, Sp. 2.

56. Krämer 1966, S. 111, Sp. 2.

57. Krämer 1966, S. 118, Sp. 2, Abs. 2.

58. Krämer 1966, S. 111, Sp. 2.

59. Krämer 1966, S. 112, Sp. 1, Abs. 1.

60. Krämer 1966, S. 112, Sp. 1, Abs. 4.

61. Krämer 1966, S. 114, Sp. 2.

62. Krämer 1966, S. 112

63. Krämer 1966, S. 114, Abb. 2.

64. Vgl. die Einschränkung bei Krämer 1966, S. 118, Sp. 1, Abs. 3: "Natürlich sind nicht alle hier mitgeteilten Zeugnisse prähistorischer Opferhandlungen ganz gleich zu beurteilen."

65. Siehe Wyss 1978, S. 152

66. Wyss 1978, S. 152, Sp. 2, Abs. 1. Zur Bedeutung der gelben Blumen vgl. Kuhn 1859, S. 170 f, Nr. 479.

67. Krämer 1966, S. 116, Sp. 1; Wyss 1978.

68. Krämer 1966, S. 116, Sp. 1, Abs. 1.

69. Wyss 1978.

70. Wyss 1978, S. 155, Abs. 2 (Abb. auf S. 154).

71. Wyss 1978, S. 156, Sp. 2, Abs. 4 (Abb. auf S. 154 f).

72. Wyss 1978, S. 153 (Abb. auf S. 153 - 155)

73. Wyss 1978, S. 156, Sp. 1, Abs. 3 (Abb. auf S. 155 - 157)

74. Krämer 1966, S. 118, Sp. 1, Abs. 4.

75. Krämer 1966, S. 118, Sp. 2, Abs. 1.

76. Krämer 1966, S. 118, Sp. 2, Abs. 2.

77. Krämer 1966, S. 118, Sp. 2, Abs. 2.

78. Krämer 1966, S. 119, Sp. 1, Abs. 1.

79. Krämer 1966, S. 119, Sp. 1, Abs. 2. Für diesen Aschenaltar betreffende Informationen sowie für seine kritische Stellungnahme zur kegelförmigen Erhebung auf dem Syberg in Dortmund-Syburg (zumal deren Datierung betreffend) möchte Rez. an dieser Stelle Herrn Prof. Dr. Karl Hauck, dem Gründer und langjährigen Leiter des Instituts für Frühmittelalterforschung in Münster, herzlich danken.

80. Krämer 1966, S. 119 f.

81. Geißlinger 1984, S. 327, Sp. 1, Abs. 1.

82. Vgl. Maier 1973. Siehe auch Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843, Nr. 110 (nach Friedrich Leopold Woeste): "Unweit des Dorfes Markgraf=Pieske liegt ein kleiner Hügel, welcher allmählich immer höher wird; denn jeder[,] der vorbeigeht, wirft, sei es eine Hand voll Erde oder einen Tannenzweig, oder einen Stein darauf. Dieser Hügel heißt der Nobelskrug (Nobiskrug)." Dazu F. L. Woeste: "Nobiskrug bezeichnet die Wohnung der Unseligen (Heiden)." (Friedrich Woeste, Iserlohn und Umgegend. Beiträge zur Ortsnamendeutung, Ortsgeschichte und Sagenkunde, Iserlohn 1871, S. 55).

83. Die römischen Fundmünzen trugen übrigens zu der "Vermutung" des Verfassers bei, "daß bereits in der Zeit der römischen Eroberungszüge auf dem Syberg eine germanische Kultstätte oder Siedlung existierte" (Rothe 1979, S. 94, Abs. 4). Eine andere Möglichkeit, welche die zuvor genannte nicht ausschließt, sah Johann Friedrich Möller: "Die römischen Legionen nannten die Anhöhen, worauf ihre Abtheilungen und|Wachen standen, Stationen. Deren eine mag auf der Bergplatte zu Syberg ihren Posten gehabt haben." (Möller 1804, S. 50 f). Zu weiteren römischen Fundmünzen aus dem Bereich zwischen Peterskirche, Großparkplatz und "Petersbrunnen" siehe Rothe 1979, S. 94, Abs. 2; Bleicher 1980, S. 192, Z. 15, u. S. 196, Abb. "Hohensyburger Münzen im Schwerter Ruhrtalmuseum" (die Zahl 3 bzw. untere Reihe dürfte zutreffen). Zu den innerhalb des Zeitraums von 1950 bis 1977 erfolgten Ausgrabungen im Bereich der Peterskirche siehe Rothe 1982. Zu späteren archäologischen Untersuchungen (ausschließlich Ausgrabungen) auf der "Hohensyburg" siehe die Angaben in den Fundchroniken der von Bendix Trier herausgegebenen Reihe "AUSGRABUNGEN UND FUNDE IN WESTFALEN-LIPPE" unter Regierungsbezirk Arnsberg, Stadtkreis Dortmund.

84. Zu den Osterfeuern im Nordwesten des Sauerlandes, welche letztlich wohl auf die Brandopferplätze zurückgehen werden, siehe Kuhn 1859, S. 133 ff. Vgl. die Angaben von Walter Ewig: "Die Osterfeuer brannte man hauptsächlich auf Bergen und Anhöhen ab, die [einen] weiten Blick ins Land boten. So errichtete man in Iserlohn den Holzstoß auf dem Fröndenberge oder auf der Hardt, bei Dröschede auf der Emst, bei Deilinghofen auf dem "Oussenbiärg" (Ostenberg) [...] in einer Vertiefung, welche die "Hilgenäikskule" heißt." (Ewig 1970, S. 30, Abs. 5).

85. Möller 1804, S. 54, Abs. 1.

86. Prinz 1971, S. 114, Abs. 2.

87. Zur Bedeutung des Rades im Kult vgl. die Überlieferung aus den "Taten des Heiligen Vincent von Agen" aus dem 4. Jahrhundert n. Chr., welche Jean-Jacques Hatt nach J. Zwicker widergab: "Auf dem Gebiet der Stadt Agen [...], die eine der vornehmsten Städte Galliens war, pflegte die gottlose Menge der Heiden sich zu Zeremonien zu versammeln. Es waren [...] trügerische Verführungen, die in einem Tempel zelebriert wurden, der ihren eigenen Göttern gewidmet war. Denn in regelmäßigen Abständen kam durch die Pforte dieses Tempels ein von Flammen umgebenes Rad heraus [...]. Dieses Rad fiel vom Hügel herab in eine Schlucht, in der sich ein Fluß befand. Nachdem es so schnell in diesen Abgrund gestürzt war, kehrte es - ganze Bäche von Flammen speiend - wieder in den Tempel zurück." (Hatt 1980, S. 55, Sp.2, Abs. 5): Dass Rollenlassen von Feuerrädern zur Osterzeit war im Sauerland zumindest in der Neuzeit üblich, wenngleich vielleicht nicht im ehemaligen Kreis Iserlohn (vgl. Ewig 1970, S. 29 - 31). Siehe dazu Kuhn 1859, S. 137, Abs. 3: "[...] das Scheibentreiben und das Hinabrollen brennender Räder deuten auch auf die Sonne; vgl. auch Grimm, Mythologie [= Grimm 1835], S. 578, und das Sonnenrad der Veden [...]."

88. Huth 1977, S. 6, Abs. 2.

89. Ewig 1970, S. 2, Abs. 2, u. S. 7, Abs. 4. Hinsichtlich der Trauerfeier erwähnte Walter Ewig kein "Plaug-Rad", sondern er überlieferte nur, daß nach der Bestattung sich "im Trauerhause" die "Anverwandten und Nachbarn einfinden": "Dabei wartet man mit Kuchen und Gebäck auf." (Ewig 1970, S. 19, Abs. 3).

90. Währen 1988, S. 68, Abs. 2.

91. Behm-Blancke 1989, S. 169 f.

92. Huth 1977, S. 8, Abs. 4.

93. In diesem Zusammenhang verdient das von Steffen Berg, Renate Rolle und Henning Seemann erwähnte "eucharistische Geheimnis, das Essen des Leibes Christi ("Nehmet, esset; das ist mein Leib." Matth. 26,26)", Interesse, welches allerdings von den Autoren auf dem "Hintergrund der jahrtausendealten Tradition der kultischen Anthropophagie" gesehen wird (Berg et al. 1981, S. 121, Sp. 2, Abs. 2).

94. Währen 1988. Zum Zerbrechen des Brotes und von Mahlsteinen bzw. "anderen im Zusammenhang mit der Brotherstellung stehenden Materialien" siehe ebenda, S. 66 f.

95. Man vergleiche folgende Überlieferung aus Iserlohn-Kalthof (Märkischer Kreis) bei Walter Ewig: "Sonderbar ist folgender Aberglaube, der in Kalthof heimisch ist. Wenn sich dort im frischgebackenen Brot der Länge nach ein Riß bildet, so bedeutet das den Tod eines Verwandten oder Bekannten." (Ewig 1970, S. 15, Abs. 2).

96. Hofmeister 1914, S. 191, mit Abb. 4. Die Tatsache, daß ein Rad aus der Großen Burghöhle im Hönnetal (bei Hemer-Klusenstein) in Blei gegossen wurde (Bleicher 1991, S. 43, Abs. 2, u. S. 282, Taf. VI, Abb. 24), mag den Amulett-Charakter verstärkt haben.

97. Hofmeister 1914, S. 191, Abs. 3.

98. Möller 1804, S. 52 - 54.

99. Vgl. beispielsweise Josef Rüther, Römerzüge im Sauerland und ihr Verhältnis zum "saltus teutoburgiensis", Arnsberg i. Westfalen 1914, S. 32.

100. Mummenthey 1888, S. 18, Nr. 19.

101. Mummenthey 1888, S. 19.

102. Möller 1804, S. 18 f. Zur Topographie vgl. die Beschreibungen bei Rothe 1979, S. 7, sowie das 1853 publizierte Panorama, wiederabgedruckt ebenda, S. 23, Abb. 10b, und bei Bleicher 1980, S. 196, Abb. "Ruinen der mittelalterlichen Hohensyburg und Blick auf den Ruhr- und unteren Lenneraum."

103. H. Esser, Die Hünenpforte, in: Verein für Orts- und Heimatkunde Hohenlimburg e. V. (Hg.), Heimatblätter für Hohenlimburg u. Umgegend, 2. Jahrgang, Heft Nr. 1, Hohenlimburg 1928 (Januar), S. 9 - 16, hier S. 11, Abs. 4.


Originalpublikation: Hohenlimburger Heimatblätter e. V. (Hg.), HOHENLIMBURGER HEIMATBLÄTTER für den Raum Hagen und Iserlohn, 56. Jahrgang, Heft 6/95: Iserlohn 1995, S. 193 - 206



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