5 D - W E L T

von Detlef Rothe (D-58135 Hagen in Westfalen)


Wir haben es in der Hand, auch die Grenzen unserer Zeit zu überwinden."
Angela Merkel, deutsche Bundeskanzlerin, am 9. November 2009 anläßlich des Jubiläums zur anno 1989 erfolgten Öffnung der Berliner Mauer


Vorbemerkungen

An der Stelle eines einführenden Vorworts finden Sie einen Rückblick: Die Computer-Steinzeit als virtuelle Archäologie. Ein Rundflug mit dem MS Flight Simulator II über England mit dem Amiga 1000 (1994).
Der berühmte ,Flight Simulator' wurde von der Firma SubLogic Inc. unter der Leitung von Bruce Artwick entwickelt (nach dem die zu Grunde gelegte Graphik-,Sprache' benannt ist) und später von der MicroSoft Corp. aufgekauft; diese brachte zwar verschiedene weitere Versionen hervor, welche schließlich sogar in Stereo funktionierten (mit LCD-Shutter-Brille), doch wurde die Entwicklung bedauerlicherweise eingestellt, als es in dieser Hinsicht erst richtig interessant wurde, und zwar durch die Erstellung vierdimensionaler Ansichten von Animationen mit Hilfe der Polarisationstechnik auf einfachen Flachdisplays.


In medias res

Anno 2011 scheint (zumindest im deutschen Raum-Zeit-Gefüge) in Sachen 5D leider noch eine gewisse babylonische Sprachverwirrung vorzuherrschen. Während der Fußballweltmeisterschaft und der Internationalen Funkausstellung (IFA) zu Berlin anno 2010 machte die Elektronikfirma Sony viel Werbung für ,3-D-Fernseher'. Ich muß gestehen, daß ich bislang - auch im Zeitalter der Flachbildschirme - geglaubt habe, daß alle Fernseher und Monitore (mit Ausnahme vielleicht etwaiger virtueller) dreidimensional seien, aber die Japaner wissen es offenbar besser! Daß den Herstellern anscheinend überhaupt nicht bewußt ist, daß sie Produkte zur vierdimensionalen Darstellung vermarkten - immerhin handelt es sich ja um bewegte Bilder -, erscheint mir nahezu unglaublich!

Wo wir schon beim Thema Dimensionen sind: sofern es genügend historische Stereofilme gibt (remember Ingrid Steeger im WDR-Fernsehen und ähnliches?), ist durch eine gezielte Auswahl der Movies eine flexible Handhabung der Zeit und damit virtuell die fünfte Dimension gegeben.

Was ich mir letztlich wünsche - und wahrscheinlich auch kaufen werde - sind natürlich ohne Hilfsmittel zu benutzende Stereomonitore. Diese könnten Vieles erleichtern - auch diese Seite, welche Sie gerade lesen. Und LCD-Shutter-Brillen fänden dann keinen Platz mehr auf meiner langen Nase, welche ich noch Anfang 2011 nach Japan wandte. Damals war China angesagt, zumal offensichtlich auch die Deutschen wieder ,nichts auf die Beine' brachten. Zur Jahreswende 2010/2011 erwarb ich für deutlich unter 150 Euro einen Stereo-Camcorder von JAY-tech. „Made in China 10/2010" steht auf der Verpackung, und mag die Bildauflösung auch zu wünschen übrig lassen, so bietet das Display dank seiner Polarisationstechnik Stereobilder bereits ohne den Gebrauch von Shutter- oder Polarisationsbrillen. Ich bin begeistert! Das Modell nennt sich übrigens „3D VideoShot DV57' (nun ja, ich wies bereits darauf hin, daß ,4D' von den Herstellern ignoriert wird - Stand: Dezember 2010). Mit diesem Gerät erzeugte Fotos und Videos haben bereits Eingang auf diese Website gefunden (Stand: 28. Juni 2011) - siehe unter ,Hagen(-Boele)' (434 MB!) und ,Hattingen' (3D-Fotos im ,LG'-Format); nur fehlt es mir noch an einer passablen Darstellungsoption im Webbrowser! (Brauchbare Monitore soll es von LG (D41P, D42P) geben, aber es geht hier offenbar noch nicht ohne Polarisationsbrillen - da heißt es bei mir erst einmal: abwarten.

Nachdem es in der ,4D-Szene' monatelang ruhig blieb, deutete sich im Oktober 2011 ein neuer Knüller an, nämlich das erste Mobile mit Stereovisionscamcorder! Übrigens von der Sharp Corporation in Japan (Jubel! Jubel!), nicht LG in China - von Deutschland redet ja ohnehin niemand mehr! Das 3D-Androide Aquos Phone SH80F von Sharp sollte noch Ende 2011 auch den deutschen Markt erobern (Quelle: Computer Bild 23/2011 - Ausgabe vom 22.10.2011 -, S. 19, Artikel ,3D-SMARTPHONE VON SHARP'). Bei ProMarkt ist zwar bereits ein ,Smartphone' (Mobile mit Organizer-Funktionen und Internetzugang) von LG erhältlich (Stand: Anfang November 2011), welches mit „3D ohne Brille" beworben wird, doch enthält dieses mit einem 10,91-cm-Display ausgestattete LG Smartphone P920 Optimus 3D offenbar keine ,4D'(sprich: Stereovideo)-Option wie bei meinem LG-Camcorder, andererseits würde es mich nicht wundern, wenn es vergessen wurde, auf diese Errungenschaft hinzuweisen. (Man muß halt selber recherchieren - was ich garnicht erst tat.)

Auch Spielkonsolen weisen mittlerweile (im November 2011) Displays auf, welche die räumliche Betrachtung von Bildern und Animationen ermöglichen - Werbung gibt es zur Zeit für das Nintendo 3DS. Demnach kann man sagen, daß die Stereovision Eingang in den Alltag gefunden hat. Die Qualität der Camcorder bessert sich übrigens im Hinblick auf die 3- und 4-D-Auflösung zusehens. Zudem werden nunmehr auch Notebooks mit Stereobildschirm angeboten, wobei allerdings nicht jede Lösung überzeugt. Beim 15,5-Zoll-Notebook VPCSE129E/B von Sony (ca. 1600 EUR) ist etwa der Erwerb einer ca. 130 EUR teuren Vorsatzscheibe VGP-FL3D15A notwendig, um in den Genuß einer räumlichen Darstellung zu kommen. Der sogenannte 3D-Modus schließt hier die Nutzung sogenannter 3D-Spiele (was immer das auch sein mag) ebenso aus wie bei dem Konkurrenzprodukt Qosmio F750, einem 15,6-Zoll-,Notizbuch' von Toshiba (ca. 1650 EUR), welches ohne Zusatzscheibe auskommt und schon 1366 x 768 in Stereovision darstellt (Quelle: Computer Bild 25/2011 vom 19.11.2011, S. 6). Die Japaner scheinen gut im Rennen zu liegen, und man darf für das Weihnachtsgeschäft und das kommende Jahr gespannt sein! Was noch fehlt, sind brauchbare Software-Umsetzungen, welche eigene Produktionen in Raum- und Zeitmodellen unterstützen und eine Darstellung im Worldwide Web ermöglichen - wobei ich etwa an Google Earth und YouTube denke.

Anno 2012 versucht auch Toshiba, auf der wabbeligen Welle ,3D ohne Brille' (aber immerhin für zwei Augen) mitzuschwimmen und kommt mit einem eigenen Monitor - auch hier (wie beinahe schon gewohnt) ein bezaubernder Name: 55ZL2G - auf das raus, was man gemeinhin ,den Markt' nennt. Die Kleinigkeit bietet vierfache High-Definition-Auflösung und kostet schlappe 8000 Euro. Zum Kundenkreis können sich also all die Gucker rechnen, welche eh schon über einen Zweitwagen verfügen. Dafür können sie sicher sein, daß ihr Bildschirm mit 55 Zoll (das sind knapp anderthalb Meter) Diagonale kaum übersehen wird. Ach ja: ein Linsensystem verteilt den räumlichen Effekt in neun Richtungen, so daß man bei multiindividualen Erlebnissen von Stereovision hier mit einem einzigen Monitor auskommt. Brillenträger werden sich besonders freuen, ihre Betrachtungen ohne eine Zusatzbrille anstellen zu dürfen (Quelle: Computer Bild 2/2012 vom 2.1.2012, S. 14). Da heißt es bei mir: Hut ab und Raum frei!

Archäologische Ansätze zur Visualisierung einer virtuellen Realität lassen sich derzeit (Jahreswende 2011/12) am nördlichen Saum
meines einstigen Arbeitsgebietes ,Bergisches Land / Ruhrland' finden, und zwar auf der Basis von Google Earth. Es handelt sich um ein digitales Visualisierungsprojekt dreier kommunaler Archäologie-Ämter (zu Dortmund, Duisburg und Essen) in Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität in Bochum: ruhrzeiten.de. Meine Heimatstadt Hagen ist daran bislang ebensowenig beteiligt wie der Ennepe-Ruhr-Kreis, obwohl sowohl die Flußlandschaften wie das Mittelgebirge Anreize zu einer näheren Betrachtung böten.
Ein weiteres Projekt dient der Darstellung des römischen Köln am südwestlichen Saum meines Forschungsterrains (siehe unten), doch stört mich hier die Beschränkung auf die Römerzeit.


Nachbemerkungen

In der Entwickung einer 5D-Welt liegt nach wie vor eine interessante mediale Zukunft moderner Computertechnologie. Eine gelungene Kombination von virtueller Zeitmaschine mit preiswerten Stereomedia bleibt ein ,Hit'. Bislang bietet anscheinend noch keine Firma diesen schon allein für Schulungszwecke nützlichen Service. Vorerst vermittelt nur der altbackene ,MicroSoft FlightSimulator' (schon 'mal 80 n. Chr. in der Version FS 2000 eingestellt?) in Koexistenz mit dem ,eDimensional LCD-Headset' als immerhin schon nutzbares Medium eine Vision zukünftiger Perspektiven. Lasset uns hoffen (und beten?)!

Nach der Aufgabe der Weiterentwicklung des einst durch Microsoft aufgekauften Flugsimulators (Flight Simulator) von Bruce Artwick (für Amiga und MacIntosh) für IBM-kompatible ,Personal Computers' bleibt die entscheidende Frage vorerst offen: Wer wagt den nächsten Schritt in die 5. Dimension?

Brillen-Smiley





LINKS

Voraussetzungen: Irrungen und Wirrungen


Hard- und Software. Über ,hard' und ,soft' in Sachen Computer...

Internet und Telephonie. Hört Ihr Völker die Signale?



Bewegte Stereovision und virtuelle Dreidimensionalität


Zur Geschichte der Stereo-Photographie siehe den einschlägigen Artikel von Martin Kohler (www.3d-historisch.de)!

Eine eigene Website zur Stereophotographie - und Stereoskopie allgemein - finden Sie hier!

Anaglyphen und Stereo-Bildpaare werden in der Fotocommunity gesammelt.

Website zu räumlichen Farbvideos.

Eine interessante Option zur Darstellung von Farbstereofotos sind GIF-Dateien, bei denen die beiden Ansichten der Doppelaufnahme zu einer Art Mini-Animation verknüpft sind, welche in ihrer Darstellung an ,Wackelbilder' bzw. Hologramme erinnern. Beispiele dazu finden Sie auf der Website wackel3d.de. Für den freundlichen Hinweis danke ich den Webmaster Christian Stüben aus Wuppertal; die Bilder zeigen unter anderem Motive aus dieser Stadt!



Eine deutschsprachige Einstiegsseite zu VMRL - der führenden 3D-Programmiersprache (V_irtual R_eality M_odeling L_anguage):
www.go3d.de/vrml

VRML-Beispiele zur archäologischen Feldforschung in Deutschland (SingulArch)





GIMMICKS

3 D und 4 D in der Geschichtsdarstellung


Da virtuelle Zeitreisen derzeit - wohl aus finanzpolitischen Gründen - noch nicht möglich sind (weder in Mono- noch in Stereovision), halte ich es für sinnvoll, wenigstens auf virtuelle Darstellungen geschichtlicher Szenarien hinzuweisen. Ich benutze hier vorwiegend die Webseite und den Newsletter von archaeologie-online.de als Quelle und beschränke mich im Hinblick auf die jüngeren Epochen zunehmend auf den europäischen und zentraleuropäischen Raum.


3. Jahrtausend v. Chr.


Der Pyramidenbezirk des Sahure

Südlich von Kairo, zwischen den bedeutenden archäologischen Stätten von Giza und Saqqara gelegen, befindet sich bei Abusir die königliche Nekropole der 5. Dynastie. Hier ließen sich die Pharaonen Sahure, Neferirkare, Niuserre und Neferefre ihre Pyramidenbezirke errichten. Auch die beiden nur wenig nördlich gelegenen Sonnenheiligtümer des Usekaf und des Niuserre bei Abu Gurob werden zum Areal von Abusir gezählt.



1. Jahrtausend v. Chr.


Persepolis - eine virtuelle Rekonstruktion

Die vorliegende virtuelle Rekonstruktion basiert auf Dokumentationen der Grabungsergebnisse unter E. Herzfeld, F. Krefter und E. F. Schmidt.Durch virtuelle Rekonstruktion wird es dem Betrachter möglich, den Alltag im persischen Großreich des 6. Jh. v. Chr. vor seinen Augen vorbeiziehen zu lassen.



1. Jahrtausend n. Chr.


Das römische Köln in 3D

Ein in Echtzeit begehbares 3D-Modell des Römischen Köln präsentieren Forscher als Ergebnis eines bislang einzigartigen Projekts. Die Echtzeitvisualisierung erfüllt das derzeit technisch Machbare mit Blick auf Realitätsgehalt, Performance und Informationsgehalt. Es ist möglich, virtuell durch das komplette Römische Köln zu flanieren, die Gebäude in ihrem jeweiligen städtebaulichen Kontext zu sehen und um die Gebäude zu laufen.


Carnuntum - Virtueller Rundgang

Ein Stadtviertel der antiken Zivilstadt Carnuntum kann vor Ort und mittels einer CD-ROM per "virtuellem Spaziergang" erkundet werden. Auf dieser Webseite kann man sich anhand von Bildern und Quicktime-VR-Szenen einen Eindruck von diesem Projekt verschaffen.


Virtueller Besuch in der römischen Villa von Torre Llauder

Die römische Villa Torre Llauder (Mataró, El Maresme) wurde zur Zeit des Kaisers Augustus gebaut, erfuhr aber zahlreiche Umbauten in späterer Zeit. Der „pars urbana" wurde am Computer rekonstruiert. Die Ergebnisse der Rekonstruktion können hier begutachtet werden.



2. Jahrtausend n. Chr.


Virtuelle Rekonstruktion der Kaiserpfalz zu Magdeburg

Die Rekonstruktion wurde wissenschaftlich begleitet durch Mitarbeiter des Kulturhistorischen Museums Magdeburg. Die virtuelle Rekonstruktion der Kaiserpfalz ist eine Vorarbeit des Instituts für Simulation und Graphik zu dem Projekt „Kooperative Telearbeit für virtuelle Museumsräume", welches im Rahmen der gemeinsamen Multimedia-Initiative „Multimedia@LSA - Zukunftsprojekte für Sachsen-Anhalt" des Landes Sachsen-Anhalt und der Deutschen Telekom AG gefördert wird. Mehr Informationen zu der Initiative Multimedia@LSA gibt es auf derHomepage www.multimedia-lsa.de.


Duisburg1566-3D - Duisburg anno 1566 in 3D

Hier können Sie eine virtuelle Rekonstruktion der beiden zentralen Plätze des frühneuzeitlichen Duisburg (Nordrhein-Westfalen) auf der Grundlage eines Planes von Corputius aus dem Jahr 1566 erleben. Das 3D-Modell steht in vier verschiedenen Formaten zur Verfügung (VR, 360°-Panorama - jeweils unter Voraussetzung des Macromedia-Shockwave-Plugins -, Video, Vergleichsbilder heute/früher). Außerdem finden Sie unter diesem Link Informationen über die Entstehung von "Duisburg1566-3D".

Hinweis: für die Aktualität, Funktionalität und Korrektheit der hier angegebenen Links erfolgt keine Gewähr!




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20120117 15:37