20.11.1991 (mit Ergänzungen)
Die Farbaufnahmen und kursiven Texte - soweit es sich nicht um Zitate handelt - sind spätere Ergänzungen der Online-Fassung gemäß der Datierung am Schluß.



REGIONALES

Zur Geschichte der Glas- und Keramikherstellung in Hagen während des 18. und 19. Jahrhunderts


von Detlef Rothe aus Hagen in Westfalen (Author: Detlef Rothe)


- in memoriam Johann Janßen -



I. Einleitung



Hagen (Stadtkr. Hagen) gilt mit Recht als ein heimisches Zentrum der Metallindustrie, und gerne erinnert man sich an die Geschichte dieses bedeutenden Gewerbezweiges zurück. Sie bildet ein wichtiges Thema in der heimatgeschichtlichen Literatur, während andere Produktionsbereiche, welche ebenfalls ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Hagens beigetragen haben, bislang eher auf ein geringfügiges Interesse stießen - sieht man einmal von der Tuch-(1) und Papierindustrie(2) ab. Hier soll daher ausschließlich die Erzeugung gebrannter Erden in Hagen im Mittelpunkt stehen, also die Herstellung von Glas- und Keramikprodukten, welche wie das am Eisen orientierte Gewerbe einen Eindruck von der wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes auf dem Wege vom Dorf zur Großstadt zu vermitteln vermag. Glas und Keramik bieten sich als Thema besonders an, da es sich - etwa im Vergleich zu Papier, Leder, Holz und Eisen - um überaus beständige Materialien handelt, von denen sich mit Sicherheit viele »Proben« erhalten haben werden(3). Das Interesse darauf zu lenken soll das Ziel dieser kleinen Studie sein.

Hagen war bis in das erste Viertel des 18. Jahrhunderts hinein nur ein einfaches Kirchdorf innerhalb der Grafschaft Mark, die zum Königreich Preußen gehörte. In der ersten bekannten Aufzählung der in Hagen vertretenen Berufe vom Jahr 1717, die aus Anlaß der durch den König Friedrich Wilhelm I. von Preußen geplanten Einrichtung von »Akzise«-Kontoren zur Einziehung von Verbrauchssteuern auf Lebens- und Genußmittel erfolgte(4), werden Keramiker nicht und Glasmacher allenfalls indirekt erwähnt. Die im Jahr danach tatsächlich durchgeführte Erhebung Hagens zum akzisebaren Flecken mit Akzisehaus und Kornwaage(5) führte für mehrere Jahrzehnte zu einer staatlich gebilligten Förderung von Gewerbe und Steueraufkommen durch den zuständigen Kriegs- und Steuerrat, und zwar auch gegen die Interessen der nach Selbstverwaltung strebenden Einwohner(6). Nach Wingolf Lehnemann lag das Schwergewicht der Förderung in der Grafschaft Mark auf dem Metallgewerbe, doch seien auch Handwerke berücksichtigt und im Lande nicht vorhandene Handwerker angeworben und angesiedelt worden(7).

Letztlich geht wohl auch die Entwicklung des Glas- und Keramikgewerbes in Hagen auf staatlich gesteuerte Maßnahmen zurück.

Die Bedeutung der Erhebung von Dörfern zu akzisebaren Flecken und die sich daraus ergebenden Folgen hat Hildegard Hoffmann dargelegt:

»Die Einführung der Akziseordnung beruhte auf einer strengen Trennung der Städte, auf die das Gewerbe beschränkt wurde, von dem platten Land. Daher bereitete ihre Durchsetzung in den westlichen Gebieten [Preußens] mit ihrer teilweise starken ländlichen Produktion, ihrer verstreuten Lage sowie ihrem teilweise sehr geringen Umfang größte Schwierigkeiten. Eine Beschränkung der Gewerbe auf die Städte war hier nicht möglich. So erhielten mit der Einführung der Akzise eine Anzahl Flecken und Dörfer Stadtrecht, um auf diese Weise die starke gewerbliche Produktion der betreffenden ländlichen Gebiete im Rahmen der Akzise steuerlich zu erfassen.«(8)

Hagen erhielt das Stadtrecht im Jahr 1746(9).





II. Glaswaren



Erste Hinweise auf eine Glashütte im Gericht Hagen stammen aus dem letzten Viertel des 17. Jahrhunderts. Ernst Voye wies auf eine Verfügung des preußischen Kurfürsten vom 19. April 1698 an die Domänenkommission und die Jägermeister hin, in welcher von »der neuanzulegenden Glashütte im Gericht Hagen« die Rede ist(10). Demnach dürfen wir wohl das Jahr 1698 als Termin für die Gründung des Betriebs der später in Hagen bezeugten Glasmacher ansehen. Im Jahr 1699 wurde der Ort durch ein Großfeuer verwüstet, in dessen Folge es einen gewissen örtlichen Bedarf an Glas gegeben haben wird(11).

Im Jahr 1722 lebten nach einer für die preußische Regierung verfaßten Ortsbeschreibung des Kriegs- und Steuerrates Friedrich Wilhelm Motzfeldt(12) in dem »Flecken« Hagen unter den damals insgesamt 675 Einwohnern vier jüdische Familien, »von denen 2 Glasmacher und 2 Schlächter sind«(13). Vier Judenfamilien werden bereits zum Jahr 1719 für Hagen erwähnt(14), so daß wir unter Vorbehalt davon ausgehen können, daß schon damals im Ort Glaswaren durch jüdische Einwohner erzeugt wurden. Anscheinend wurden sie auf Betreiben der preußischen Regierung in Hagen angesiedelt, ähnlich wie zuvor die Klingenschmiede in Eilpe (Stadtkr. Hagen). Erst 1693 war in Delstern (Stadtkr. Hagen) die Papiermühle des aus Broich (Stadtkr. Mülheim an der Ruhr) stammenden Mathias Vorster entstanden, und zwar mit holländischen Gehilfen und gleichfalls mit staatlicher Unterstützung(15). Über die Herkunft der Glasmacher und über ihren Kundenkreis sowie über die Produkte ist bedauerlicherweise nichts bekannt. In der »Generaltabelle von denen in der Grafschaft Mark befindlichen Fabriquen und Manufakturen pro anno 1788« ist für den Ort Hagen keine Glashütte verzeichnet(16).

In den »Listen derer in sämtlichen königlichen Provinzien befindlichen Fabriquen und Manufacturen nach Ordnung derer Provintzien Pro anno 1769« des als »Commissaire genéral de Commerce« tätigen Freiherrn Dodo Heinrich von Knyphausen, welche tabellarisch einen überblick über preußische Manufakturen für den Zeitraum 1769/70(17) bieten(18), sind Glashütten nicht berücksichtigt(19). Überhaupt ist es fraglich, ob die Glashütte damals, als in Hagen immerhin eine Fayence-Manufaktur (Fayencerie) bestand, noch existierte. Auch zum Standort der Glashütte kann der Verfasser keine Angaben machen.

Selbst von den Erzeugnissen der Glasmacher zu Hagen im 18. und eventuell auch im 19. Jahrhundert ist so gut wie nichts bekannt. Einige überlieferte Glasobjekte aus dem ehemaligen Hagener »Haus der Heimat« können zwar als Zeugnisse des heimischen Glasgewerbes betrachtet werden, doch ist unsicher, ob sie tatsächlich in Hagen hergestellt wurden. Herta Hesse-Frielinghaus hat im Jahr 1952 vier in Emailtechnik dekorierte Glasgefäße vorgestellt(20), von denen eines - nämlich die sogenannte »Hochzeitsflasche der Familie Höffinghoff« - bereits vorher publiziert war(21). Bei den übrigen drei Gefäßen handelt es sich um Trinkgläser, und zwar um zwei Becher und einen Humpen. Dieser Humpen ist mit der Jahreszahl 1756 versehen; die Flasche nennt das Jahr 1801(22). Alle vier Glasobjekte weisen Bildmotive und Texte auf, wobei nur die Flasche einen Bürger Hagens, nämlich Caspar Henderich Höffinghoff, namentlich erwähnt1(23). Letztere verdient hier eine besondere Beachtung.

Walter Borchers erläuterte die vierkantigen »Schnapsflaschen« dieser Art folgendermaßen:

»Diese Flaschen waren meistens Brautgeschenke und stammen zum überwiegenden Teil aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Dargestellt sind Damen und Herren in der Tracht der damaligen Zeit, einander zugewandt, der Herr der Dame einen Glaskelch präsentierend, oder die Figuren erscheinen [d. h. eine Figur erscheint] allein mit dem Trinkgefäß in der erhobenen Hand. Da lesen wir auf der Rückseite Sprüche wie: "Liebst Du mich wie ich Dich" oder "Mein Hertz und Dein Hertz soll sein ein Hertz, prost, vivat, mein Schatz".«(24)

Personennamen wurden anscheinend nur in besonderen Fällen genannt. Zu der Caspar Henderich Höffinghoff verehrten Branntweinflasche gibt es eine ganz ähnliche Parallele, welche im Jahr 1955 im Besitz einer Familie namens Löckmann in Osnabrück war(25) und sich noch 1953 in dem eines Herrn Allewelt in Döhren (bei Melle, Kr. Osnabrück) nahe an der Grenze zu Westfalen befand(26). Dieses gleichfalls vierkantige Gefäß stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem selben Hersteller oder wurde doch wenigstens von dem selben Maler dekoriert, denn auf der Frontseite befindet sich ein ganz ähnlich gekleidetes Paar - bei dem der Herr seiner Dame ein kelchförmiges Trinkglas mit niedrigem und zugleich breitem Fuß reicht- , darunter wieder eine Jahreszahl im selben Stil, auf den Schmalseiten eine vergleichbares Blumenmotiv, und auf der Rückseite befindet sich der Spruch »Mein Hertz und Dein Hertz soll sein ein Hertz, Prost vivat mein Schatz«(27). Diese gleichfalls(28) 22,5 cm hohe Flasche stammt laut Inschrift aus dem Jahr »1790«(29); sie ist also elf Jahre älter als das Exemplar in Hagen. Bedauerlicherweise hilft dieses Exemplar bei der Herkunftsbestimmung der »Hochzeitsflasche« von Caspar Henderich Höffinghoff nicht weiter, da ihr langjähriger Aufbewahrungsort von Hagen zu weit entfernt ist. Bemerkenswerterweise hielt Walter Borchers sie für »hessisch oder südwestfälisch«(30).

Nach dem Bericht eines gewissen E. Ads. bestand nun im 19. Jahrhundert in Hörde (Stadtkr. Dortmund) eine Glashütte, in der auch Emailierungen vorgenommen worden sein sollen(31). Den Verkauf organisierten ihm zufolge »Kohlentreiber«, also die Fuhrleute der ins Bergische Land fahrenden Kohlenwagen; diese sollen die Ware mit der Kohle bis »weit in das Bergische Land hinein« geliefert haben(32). [Einschub vom 27. Januar 2015: ,E. Ads.' konnte noch nicht identifiziert werden. Meines Erachtens liegt aber ein Zusammenhang mit der bekannten ,Kohlentreiber-Herberge' Gasthaus Am Vogelsang nahe. Man vergleiche dazu im Buch ,Haspe. Eine Stadt im Wandel', hg. v. Hagener Heimatbund e.V., Hagen 1982, S. 10 (mit Abb.).] Nach E. Ads. wurden »die schönsten, buntesten und originellsten Gläser in Hörde von Fritz Toscan oder Toscanus hergestellt«(33):

»Es müssen mehrere Generationen Toscan in Hörde Gläser hergestellt haben. Dieser Toscan sitzt bestimmt in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in Hörde, wahrscheinlich auch nach 1800. Nachfolger von Toscan ist Köddermann in Hörde, der noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts als Hersteller dieser Gläser bekannt war.«(34)

Im Adreßbuch von Friedrich Wilhelm Dicke, das den Stand von 1832/1833 repräsentiert(35), taucht zum damaligen Kreis Dortmund der Nachname Toscana im Zusammenhang mit einer Gastwirtschaft auf:

»Toscana, modo G. Schulte, Gastwirthin in Soelde.«(36)

Demnach war 1832/1833 eine Frau namens Toscana zu Sölde in einem Betrieb »Gastwirthin«, welcher nicht lange zuvor von G. Schulte geleitet wurde. In dem Adreßbuch von Goswin Krackrügge mit Stand von 1833/1834(37) ist im Abschnitt »Bürgermeisterei Aplerbeck« von

»Toscana, Gottfr., gt Schulte, Gastwirthschaft. - Sölde.«

die Rede(38). Hieraus ergibt sich, daß Gottfr. Toscana 1833/1834 die Gastwirtschaft »Schulte« in Sölde führte. Sowohl F. W. Dicke als auch G. Krackrügge nennen den Ortsnamen Sölde und nicht Hörde, so daß E. Ads. bei der Nennung des heutigen Ortsteils von Dortmund einem Irrtum unterlag(39). [Einschub vom 27. Januar 2015: Die Auffassung, daß statt Hörde Sölde gemeint sei, ist inzwischen überholt, da weitere Belege eher für Hörde sprechen.] Von Interesse dürfte auch die Erwähnung von

»Deppe Friedr., modo Gottfried Toscana, desgl. [= »Gastwirth« (ebd.)], idem [= »in Büderich« (ebd.)].«

F. W. Dicke unter »Stadt und Bürgermeistr. Werl./Kreis Soest.« sein. Demnach war Gottfried Toscana nicht lange vor 1832/1833 in Büderich (Gem. Werl, Kr. Soest) als »Gastwirth« tätig(40). Daraus ergibt sich, daß Gottfried Toscana um 1830 von Büderich nach Sölde verzog, um dort die Gastwirtschaft »Schulte« zu übernehmen, während der alte Betrieb von Friedrich Deppe übernommen wurde. Vermutlich heiratete G. Toscana die Gastwirtin G. Schulte.

Der Name Toskana findet sich nun allerdings bereits 1827 in Sölde, so daß wir an diesem Ort festhalten dürfen, zumal in der »CHARTE der GEMEINDE SOELDE / Regierungs Bezirk Arnsberg / Kreis Dortmund / Bürgermeisterei Aplerbeck / Aufgenommen im Jahr 1827«, angefertigt durch einen »Kataster Geometer« namens Hellinger (Hillinger?), an demjenigen Platz in Sölde, der heute von der Emschertalstraße, der Sölder Straße und einem an ihr westlich anschließenden Friedhof eingerahmt ist, ein langgestrecktes Gebäude mit der Bezeichnung »Toskana« eingetragen ist, an dem sich offenbar zwei Anbauten befinden(41). Hierbei dürfte es sich um die Glashütte handeln. Damit darf sowohl der Familienname Toscana als auch die Lage der Glashütte an der Emschertalstraße in Sölde als einigermaßen gesichert gelten. Wenige hundert Meter weiter östlich befand sich nach der selben Bild- und Schriftquelle im Jahr 1827 an der Emschertalstraße ein »Schulte« benannter Hof(42). Hier dürfte der Wohnsitz der Familie Toscana gelegen haben.

Die Verbindung von Gastwirtschaft und Glashütte war in Westfalen-Lippe in den Jahrzehnten um 1800 nichts Ungewöhnliches. So berichtete beispielsweise H. A. Krawinkel, daß im Jahr 1793 der Pächter des Kreuzkruges im gleichnamigen Ort (Gem. Schlangen, Kr. Lippe) zwei Glasmeister der nahen Glashütte »Nassensand« verklagte, »weil sie an Kunden und Handelsleute Bier und Branntwein ausschenken«; die Beschuldigten wiesen dies natürlich zurück und behaupteten, das die Getränke nur dem Eigenbedarf dienten(43). In Falkenhagen (Gem. Lüdge, Kr. Lippe) fand in der erst 1834 gegründeten Glashütte im Jahr 1845 ein dergestalt reger Fremdenverkehr statt, daß die Betreiber sich um eine Beherbergungs- und Branntweinkonzession bemühten(44). Damals stellten die Behörden fest, daß die den Betrieb leitende und besitzende Glasmacherfamilie Gundlach bereits seit Jahren einen »Branntwein- und Colonialwarenhandel« betrieb(45). Was lag auch näher, als die hergestellten Schnapsflaschen und -gläser an Ort und Stelle mit passendem Inhalt zu versehen? Inwiefern die Hausierer und »Kohlentreiber« die Branntweinflaschen dann im gefüllten Zustand verkauften, muß offen bleiben. Wegen des Gewichts dürfte dies eher die Ausnahme gewesen sein.

Die Gastwirtschaft wird allem Anschein nach für Frau Gottfr. Toscana um 1833 tatsächlich die eigentliche Erwerbsquelle gewesen sein. Der bei der Familie Toscana angeblich tätig gewesene Glasmacher Köddermann hatte - vermutlich war er Geselle - nur beschränkte Kenntnisse, wie E. Ads. mitteilte:

»Gewisse Geheimnisse der Glasmacherei oder der Malerei soll Toscan dem Köddermann vorenthalten haben; denn die Qualität der Gläser soll nicht mehr so gut, die der Malerei sehr viel schlechter gewesen sein. Köddermann hatte wohl in die Toscanische Werkstatt eingeheiratet. Es ist jedenfalls sicher, daß in Hörde diese Gläser nicht nur bemalt, sondern auch hergestellt worden sind.«(46)

Anscheinend war die handwerkliche Glasherstellung in Sölde um 1833 bereits unbedeutend oder gar nur noch »bekannt«. Von Glasherstellung im Kreis Dortmund ist jedenfalls weder bei F. W. Dicke noch bei G. Krackrügge die Rede, und der Name Köddermann taucht hier überhaupt nicht auf(47). In der Chronik des Amtmannes Loebbecke aus der Zeit um 1860 wird die Glashütte unter den gewerblichen Anlagen der damaligen Gemeinde Sölde nicht mehr genannt(48).

Walter Borchers weist auf »die schönen Schnapsgläser« des Museums zu Dortmund hin, deren Trinksprüche »recht kräftig« seien(49). Ein zitierter Spruch lautet »Hafer und Bier macht wilde Tier« und stammt laut Aufschrift aus dem Jahr 1828. Der Spruch der »Hochzeitsflasche« in Hagen lautet nach Herta Hesse-Frielinghaus:

»Es lebe

Caspar Henderich

Höffinghoff.

Gott Im Herzen, die

Liebste im Arm Ver

Treibt viel Schmertzen

und helt fein warm.

Proost, mein

Schatz.«(50)


Wahrscheinlich handelt es sich bei dieser Flasche und den Gläsern in Dortmund um Erzeugnisse aus der Glashütte der Familie Toscana zu Dortmund-Sölde, die dann jedenfalls noch 1828 tätig war. [Nachtrag vom 29.Mai 2011: Inzwischen liegen Anhaltspunkte dafür vor, daß die Ortsangabe HÖRDE richtig ist, nicht aber SÖLDE. Der Verfasser bedauert etwaige Irritationen ausdrücklich!] Für diese Deutung spricht auch der »kräftige« Charakter der Mitteilungen auf diesen Gefäßen, denn E. Ads. teilte noch folgende Details mit:

»Toscan soll aber auch oft sehr anstößige Bilder und Inschriften zum Schmuck der Gläser verwandt haben, die jedoch den Beifall der Kohlentreiber fanden. Diese Gläser fand man meist nicht hinter den Glasscheiben der "Berg." Schränke. Im unteren Teil gab es aber manchmal ein Geheimschränkchen, das in den seitlichen Schrägen ausgespart war, gerade groß genug, eine Schnapsflasche aufzunehmen und darüber ein oder zwei Gläser.«(51)

Interessanterweise waren »Hochzeitsflaschen« und »Hochzeitsgläser« eine Spezialität dieser Glashütte:

»Besonders die Kohlentreiber, denen es ja an Geld nicht mangelte, stifteten ihren Kameraden zur Hochzeit oft Gläser, die nachher keinen Ehrenplatz im Glasschrank bekamen. Gerade für solche Gläser war Hörde "berühmt". Bei den Hochzeiten (ich spreche hier vom Gebiet Ennepe-Ruhr, Wuppertal, berg. Land bis Remscheid-Solingen), den sogenannten Gebehochzeiten, hatten Braut und Bräutigam jeder ein solches Glas in der Hand bei der Begrüßung der Gäste. Die Männer nahmen aus dem Glas des Bräutigams einen Schluck Branntwein, die Frauen aus dem Glase der Braut. Der Branntwein im Glase der Braut war gesüßt. Hatte man auch eine Branntweinflasche geschenkt, was aber durchaus nicht üblich war, so wurde diese als Nachfüllflasche für den gesüßten Branntwein benutzt.«(52)

Auf das Zitat weiterer Erläuterungen kann hier verzichtet werden.

Daß die emailierten Schnapsflaschen und -gläser im Bergischen Land früher tatsächlich eingeführt wurden, meinte bereits 1910 Otto Schell aus Elberfeld:

»Der Umstand, daß die Gläser im Bergischen nur vereinzelt vorkommen, spricht dafür, daß sie aus größerer Entfernung eingeführt wurden. Unter den Gläsern scheint die Schnapsbudel bei uns im Bergischen eine bevorzugte Stellung eingenommen zu haben. Das liegt in den heimischen Verhältnissen begründet, da der heimische Kaufmann für seine weiten Geschäftsreisen diese nicht entbehren konnte. Die viereckige Form herrscht hierbei vor, geht aber auch in eine ovale Flasche über. Durchweg sind die Gläser mit Emailmalerei geschmückt.«(53)

O. Schell war anscheinend bereits unbekannt, daß es sich bei der von ihm beschriebenen »Schnapsbudel« nicht um eine Art »Flachmann« von Kaufleuten, sondern um den Typ der für manche Leute allerdings recht kostbaren und köstlichen »Hochzeitsflasche« gehandelt hat, wie aus seiner Beschreibung der Malerei hervorgeht:

»Kräftige, ja harte, aber wirkungsvolle Farben sind aufgetragen. Das Figürliche wiegt vor [...]. Da sehen wir z. B. einen Leineweber vom Jahre 1768 mit hohen Stöckelschuhen, blauem Leibrock und Dreimaster usw. [...]; einen Wuppertaler Kaufmann mit hohem Zylinder, blauem Kittel usw.; einen Bürger ohne genauere Charakterisierung, ein Braut= oder Ehepaar usw. Die Gläser sind offene Bechergläser, nach oben sich erweiternd. Die auf Gläsern sehr beliebte Inschrift:

Lieb' mich allein

Oder laß gar sein

findet sich auch hier und zwar mit der Jahreszahl 1715.«(54)

Es handelt sich also um die gleichen Gegenstände wie sie in der Gegend von Dortmund und Hagen begegnen.

Es wird wohl hinreichend deutlich, daß die in der weiteren Umgebung von Hagen etwa um die vorletzte Jahrhundertwende verwendeten und sich in den Museen dieser Gegend befindlichen »Hochzeitsflaschen« und »Hochzeitsgläser« mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Glashütte der Familie Toscana zu Dortmund-Sölde stammen. Die Existenz dieser für die Jahre 1790 bis 1828 einigermaßen bezeugten Produktionsstätte sowie die der im Jahr 1801 offenbar von dort bezogene »Hochzeitsflasche der Familie Höffinghoff« läßt es zugleich als unwahrscheinlich erscheinen, daß am Ende des 18. Jahrhunderts in Hagen selbst noch eine Glashütte bestand.

Eine sichere Beurteilung des heimischen Glashandwerks erfordert freilich die Kenntnis weiterer Produkte(55), welche angesichts ihrer Zerbrechlichkeit wohl nur noch durch Ausgrabungen zu ermitteln sein werden, falls nicht etwa ausreichend Objekte in heimischen Sammlungen die unruhigen Zeiten überdauert haben. Dann wird sich auch sagen lassen, ob die Glasproduktion in der Gegend von Hagen tatsächlich so unbedeutend war, wie H. Hesse-Frielinghaus im Jahr 1952 annehmen wollte; sie begründete ihre Ansicht damit, daß das dort reichlich vorhandene Holz nicht zur Glasherstellung, sondern zur Eisengewinnung benutzt worden sei(56). Bedauerlicherweise wissen wir nicht einmal, seit wann in dieser Gegend zum Glasschmelzen Kohle statt Holz verwendet wurde.

Die Erzeugnisse aus Dortmund-Sölde wurden allem Anschein nach noch mundgeblasen, nicht gepreßt. Die Erfindung und Vervollkommnung des Preßglases führte - in Verbindung mit dem zunehmenden Einsatz von Steinkohle als Heizmaterial für die Glasöfen - seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem raschen Niedergang des handwerklichen Glasmachergewerbes zu Gunsten von Glasfabriken. Bei F. W. Dicke wird für Hagen zwar der »Glaser u. Anstreicher« Arnold Boos genannt(57), doch läßt dies nur auf eine Bearbeitung von Glas, nicht aber auf Glaserzeugung schließen. In dem Adreßbuch von G. Krackrügge fehlt der genannte Name(58). Ein gewisser Johann Speel wurde nach F. W. Dicke mit »Glaser, Anstreicher u. Spezereiw.handlung« umschrieben(59). G. Krackrügge führt diesen Mann im Abschnitt »Bürgermeisterei Hagen« nur als »Tapezirer und Winkelier«(60). Er erwähnte im selben Abschnitt zudem Joh. Klein als »Winkelier in Glas= und Porzelainwaaren«(61). Das Glashandwerk war demnach in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Hagen bereits weitgehend durch den Glashandel verdrängt worden.






III. Baukeramik



Die Häuser zu Hagen bestanden bis in das 19. Jahrhundert vorwiegend aus Fachwerk. Ihre Dächer waren wohl bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein gewöhnlich mit Stroh gedeckt. Dem bereits erwähnten Bericht des Kriegs- und Steuerrates F. W. Motzfeldt(62) kann man entnehmen, daß im Jahr 1722 von den 131 Wohnhäusern, die damals in Hagen standen, erst sechs mit Ziegeln gedeckt waren, während 82 ein Dach aus Stroh, 35 aus Spänen und 8 aus Steinplatten (Karbonsandstein?) trugen(63). Von zwanzig Wirtschaftsgebäuden waren damals 17 mit Stroh, zwei mit Ziegeln und eines mit Spänen gedeckt(64). 135 Gebäuden mit Dächern aus brennbaren Materialien standen also nur sechzehn mit solchen aus feuersicheren Stoffen gegenüber. Zur Errichtung einer Ziegelei, wie sie in den westfälischen Städten vielfach schon seit dem Mittelalter bestanden, mangelte es in der näheren Umgebung von Hagen und im Ort noch an einem ausreichenden Bedarf an Baukeramik.

Erst der große Brand vom 6. September 1724(65), dem mit 85 Häusern nahezu das gesamte Ortszentrum zum Opfer fiel - zwei Drittel des gesamten Hausbestandes(66) -, führte wenigstens auf staatlicher Seite hinsichtlich der zu verwendenden Baumaterialien zu einem Umdenken, zumal der Katastrophe im Jahr 1699 eine andere Feuersbrunst vorausgegangen war(67). Daher heißt es in der »Bauordnung bey Wieder-Aufbauung der abgebrandten Hauß-Stätten in dem Flecken Hagen« vom 18. Januar 1725:

»Sollen die Meistbemittelten die Gebäude außwerts mit harten oder Ziegelsteinen mäuren; die Mittlere und geringe Einwohner aber die Wände ihrer Gebäude außwerts mite Ziegelen außbauen und mit Trass bewerfen laßen.«(68)

Statt der »Strohe=, Decke=, Spän=, Rohr= oder Schindel=Dächer« sollten in Zukunft nur noch solche »mit Ziegelen=Steinen, Leyen oder Schieferen« geduldet werden(69). Auch innerhalb der Häuser sollten nur noch »dünne Ziegel Mauren angeleget werden«(70). Die Kriegs- und Domänenkammer zu Kleve (Kr. Kleve) beauftragte mit der Wiederaufbauplanung den Architekten Michael Moser aus Unna(71); dieser bemühte sich mit Hilfe von Sachverständigen - darunter der »Pfannenbecker« Kirßkampf als Ziegelmeister - darum, unweit des Ortes gute Ziegelerde zu finden(72). In der Hagener Heide stieß man dabei auf gute Erde für Mauersteine; etwa doppelt so weit entfernt entdeckte man in der Boeler Heide geeignete Erde für Dachpfannen(73). Offenbar bestanden bald zwei örtlich getrennte Feldbrandziegeleien, in denen die Ziegel noch von Hand gefertigt wurden.

Die Zahl der Ziegeleien stieg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nach der Einführung von Ringöfen(74), analog zur Stadtentwicklung rasch an: 1873 bestanden allein im Amtsbezirk Boele bereits 4 Ringöfen, 1874 9, 1875 12 und 1892 21(75). Auf diese Weise läßt sich der Bauboom während der Gründerzeit in Hagen - vor dem Betonzeitalter - recht anschaulich machen. Die große Bereitschaft zu Investitionen führte allerdings zu einer Überproduktion, der ein 1895 erfolgter Zusammenschluß von zwölf Ziegeleibesitzern mit Hilfe einer zentralen Verkaufsstelle entgegenzuwirken versuchte(76).

Die Ziegelbäcker, welche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Vorhalle arbeiteten, kamen zu einem großen Teil aus Lippe(77). Entsprechendes berichteten Fritz Lammert und Alfons Rehkopp im Hinblick auf die ehemalige Gemeinde Boele:

»Die Ziegelarbeiter

EU/D/NRW/HA/Vorhalle/Ziegeleigrube_Karl_de_Myn_mit_Hochdruckkessel_der_Stadtwerke_vor_1981
kamen im Frühjahr aus dem Lipper Land, sie wohnten in besonderen Stuben in den Ziegeleien
EU/D/NRW/HA/Vorhalle/1907xxxx_Ziegelarbeiterherberge_der_Dampfziegelei_Schliekmann_in_Vorhalle
und kehrten im Herbst zu ihren Familien zurück.
«(78)

Es handelt sich demnach um Saisonarbeit, so daß im Winter der Betrieb weitgehend still stand. Immerhin war die »Ziegelgängerei« Fritz Bartelt zufolge »bis zum Zweiten Weltkrieg einer der Haupterwerbszweige lippischer Arbeitsnehmer«(79), ja die »Lippischen Ziegler« waren »ein herausragendes Phänomen, da es in Deutschland wohl keine andere Region gab, in der sich ähnliche Verhältnisse herausgebildet haben«(80). Dies möge man beim Lesen der weiteren Ausführungen zum Zieglergewerbe in Hagen im Auge behalten.





A. Boele



Für 1833/1834 erwähnte Goswin Krackrügge in Boelerheide (Stadtkr. Hagen) innerhalb der »Bürgermeisterei Böhle« Heinr. Fuchs als Inhaber einer »Ziegelei«(81). Diese wurde im Jahr 1809 von A. Fuchs angelegt(82). Auf der geosteten Karte »Flurnamen in Boelerheide« von Heinrich Siebers senior

EU/D/NRW/HA/Boelerheide/189xxxxx_Ziegeleien_in_der_Hamecke_auf_der_Neuaufnahme_TK25
ist an der Ostseite der Hagener Straße zwischen den Einmündungen von Boeler Straße und Harkortstraße ein Gebäude mit der Beischrift »Feldbrand Fuchs« eingetragen(83). Damit dürfte die Lage der Ziegelbrennerei feststehen.

Ganz so einfach dürfte dies doch nicht zu verstehen sein. 'Harkortstraße' heißt nämlich auf Grund der zahlreichen Umbenennungen, welche nach dem Einkassieren Hohenlimburgs durch die Stadt Hagen im 1970er Jahrzehnt erforderlich waren, jetzt 'Overbergstraße'. Außerdem liegt der 'Feldbrand Fuchs' gegenüber der Einmündung der Boeler Straße in den Kreuzungsbereich
EU/D/NRW/HA/Loxbaum/BoelerStrasse/20051225_1334_IMAG0001_Hagener_Strasse_von_Loxbaumstrassenkreuzung_mit_Boeler_Strasse_aus
auf der Loxbaum-Seite schon an der Feithstraße, nämlich dort, wo auf Stadtplänen TÜV und Blutspendedienst zu finden sind.

An der heutigen Straße »Ginsterheide«, eine nördliche Seitenstraße der Boeler Straße, ist auf der selben Karte ein Gebäude der »Ziegelei Schaff« [richtig: Schaft (siehe Nachtrag)] vermerkt(84). Näheres hierzu ist dem Verfasser nicht bekannt.

Innerhalb der ehemaligen Gemeinde Boele bestand in Bathey an der Batheyer Straße in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Ziegelei Kramberg(85). Nähere Angaben fehlen.

Um die Jahrhundertwende betrieb Heinrich Fischer nach F. Lammert und A. Rehkopp »in der Kuhbrücke« in Boele eine »Dampfziegelei«(86).

EU/D/NRW/HA/Boele/Ziegelei_Fischer_in_der_Kuhbruecke_etwa_um_1900

EU/D/NRW/HA/Boele/Ziegelstempelabdruck_Heinrich_Fischer_Boele

EU/D/NRW/HA/Boele/20160804s1300_DSC_2955_EU_D_NW_HA-Boele_DAMPFZIEGELEI_BOELE_b._CABEL_1200x0590

Auf dem Meßtischblatt (Neuaufnahme) aus dem 1890er Jahrzehnt ist südwestlich der heutigen Südhofstraße (westlich der Hagener Straße) in Boele im Bereich der Malmkestraße eine Ziegelei eingezeichnet:
EU/D/NRW/HA/Boele/189xxxxx_Ziegelei_suedlich_Boele_auf_der_Neuaufnahme_TK25




B. Eckesey(/Boelerheide)



Der heutige Straßenname »Am Pfannenofen« im Bereich der Städtischen Müllverbrennungsanlage nordöstlich des Bogens der Alexanderstraße erinnert wohl noch an die älteste Dachpfannenziegelei in der Umgebung des Stadtkerns von Hagen. Auf der Urkatasterkarte der Gemeinde Eckesey (Stadtkr. Hagen) aus dem Jahr 1824 - oder doch wenigstens auf der Umzeichnung - befinden sich nämlich im Bogen der Alexanderstraße »Am Pfannenofen« als Flurbezeichnung und ein nicht näher bestimmbares Gebäude(87); das betreffende Grundstück gehörte damals Bernhard Diedrich Rath(88). Friedrich Wilhelm Dicke erwähnte für 1832/1833 N. Fierlings als Inhaber einer »Ziegelbrennerei in Eckesey«(89). Die Liste der Grundstückseigentümer der Gemarkung Eckesey von 1824 erwähnt Johan Fierlings, wobei allerdings eine Berufsbezeichnung fehlt(90). Das betreffende Grundstück lag an der Alexanderstraße nicht weit südlich von dem des Herrn B. D. Rath und von der genannen Flurbezeichnung entfernt.

Ziegeleien lassen sich auf dem Meßtischblatt (Neuaufnahme) aus dem 1890er Jahrzehnt im Gelände von Hameckestraße über Am Pfannenofen bis zur Ginsterheide mehrfach finden:
EU/D/NRW/HA/Boelerheide/189xxxxx_Ziegeleien_in_der_Hamecke_auf_der_Neuaufnahme_TK25

Auf einer Karte, welche auf der Katasterneuvermessung des Jahres 1902 basiert, ist nordwestlich des Bogens der Alexanderstraße die Ziegelei Rath eingetragen(91). Es handelt sich um die Ziegelbrennerei, welche 1893 von Hugo Rath gegründet wurde(92). Es gilt allerdings als sicher, daß bereits zur Zeit des Urkatasters im Bereich der Müllverbrennungsanlage eine Ziegelbrennerei bestand(93). Das 1824 bezeugte Gebäude erscheint auf der Karte von 1902 in erweiterter Form(94).

Die Ziegelei Rath zwischen Alexanderstraßenbogen und Hameckenstraße bestand bis in das 1970er Jahrzehnt, wie der Ausschnitt aus einem Luftbild dieser Zeit zeigt:
EU/D/NRW/HA/Eckesey/197xxxxx_Ziegelei_Rath_zwischen_Alexanderstrassenbogen_und_Sportplatz_Hamecke_vor_1977_1200x0873

Umfangreichere Gebäude, heute zwischen Alexanderstraße, Freiligrathstraße, Hameckenstraße und einem Sportplatz gelegen, sind auf der Umzeichnung der Karte von 1902 im Tal der Hamecke weiter westlich verzeichnet und mit der Erläuterung »Ziegelei vorm. Osthaus« versehen(95), so daß das günstige Terrain mittlerweile die Existenz zweier Ziegeleien ermöglichte. Ernst Voye erwähnte die Ziegelei Knublauch, welche im 1870er Jahrzehnt gegründet und später zunächst von Wilhelm Funcke, dann von »der Frau Ernst Osthaus« - beide zu Hagen - übernommen wurde(96). Diese Ziegelbrennerei dürfte mit der Letztgenannten auf der Karte identisch sein.

Beide Ziegeleien sind noch auf einer Karte aus dem Jahr 1932 zu sehen, und zwar diejenige von Rath mit wesentlich vermehrten Gebäuden - auch das alte Bauwerk ist hier noch zu finden -, während die Anlage von Osthaus unverändert erscheint(97).

EU/D/NRW/HA/Altenhagen/Ziegeleien_an_der_Fuhrparkbruecke_1928







C. Vorhalle



Bis in das 1870er Jahrzehnt wurden ausschließlich »Handziegel« im »Feldbrand« ohne Maschineneinsatz produziert, dann führte man den sogenannten »Hoffmann'schen Ringofen« ein, welcher einen kontinuierlichen Brennvorgang ermöglichte(98). Nach Ernst Voye ging die »Anlage von Ziegeleien in der althergebrachten Weise« bis dahin so von statten, »daß der fast reine Ton und Lehmboden durch Göpelbetrieb in sogenannten Lehmmühlen unter Zusatz von Wasser gemahlen|und innig vermengt, dann durch Menschenhand geformt und in Feldbränden gebrannt wurde«(99). Angesichts dieses aufwendigen Handbetriebs, welcher die Ziegel recht teuer werden ließ, ist es verständlich, daß Backstein als Baustoff früher nur begrenzt Verwendung fand.

Der erste Dauerbrand-Ringofen in der Gegend von Hagen ist nach Ernst Voye im Jahr 1871 von Peter Heinrich Schliekmann(100) im heutigen Stadtteil Vorhalle gebaut worden(101). Zu Beginn des 1870er Jahrzehnts umfaßte die Jahresproduktion in der im 1860er Jahrzehnt dort angesiedelten Ziegelbrennerei - noch im Feldbrandbetrieb - bereits etwa acht Millionen Backsteine, die zum Teil bis in die Niederlande verkauft wurden(102). Nach diesem Ziegeleibesitzer ist die Schlickmannstraße im südlichen Winkel zwischen Weststraße und Herdecker Straße benannt(103).

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Haus eines Ziegelmeisters in der Schlickmannstraße (Haus 6) um 1925:
EU/D/NRW/HA/Vorhalle/Schlickmannstrasse/192xxxxx_Ziegelmeisterhaus_Schlickmannstrasse_6_um_1925
Die Ziegelei nennt sich seit 1936 »Schütte & Tücking, Vorhaller Klinkerwerke«(104).

P. H. Schliekmann hat Heinrich W. zur Nieden zufolge unter anderem unweit der Düppelstraße in Altenhagen »auf der Höhe am Rande der Hagener Heide ein Feld abgeziegelt und einige Wohnungen dort gebaut«(105). Dies überrascht insofern, als in Altenhagen selbst seit 1860 eine Ziegelei bestand(106).

Vom frühen 19. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre prägte die Herstellung von Ziegeln den Hagener Norden. Die...

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D. Altenhagen



Seit 1860 bestand in Altenhagen (Stadtkr. Hagen) die Ziegelbrennerei Schulz, in der vier bis fünf Arbeiter jährlich 124.000 Ziegel im Wert von 750 Talern produzierten(107). Als weitere Ziegeleien in Altenhagen werden diejenige von Carl Ashauer an der Hufelandstraße(108) aus dem Jahr 1896

EU/D/NRW/HA/20160804s1302_DSC_2956_EU_D_NW_HA_C._ASHAUER_HAGEN_i._W._1200x0522
und die 1898 gegründete Firma von B. Drerup »& Co.« genannt(109):
EU/D/NRW/HA/Drerupviertel/ZiegeleiBDrerup/gemalte_AK_EU_D_NW_HA_mit_3_Ansichten_um_1899_DETAIL_Ziegelei_BDrerup&Co

Diese beiden Ziegeleien lagen im Jahr 1908 im Amtsbezirk Hagen(110).





E. Hagen



Im 1880er Jahrzehnt war nach E. Voye im damaligen Kreis Hagen - und wohl auch außerhalb davon - der sogenannte »Hagener Klinker« sehr begehrt(111). Offenbar lag dies an einem relativ hohen Kalkanteil zum Schieferton der Backsteine(112). In der Stadt Hagen selbst hat es aber wohl keine Ziegelei gegeben.





F. Haspe



Innerhalb der ehemaligen Stadt Haspe (Stadtkr. Hagen) bestand bereits 1843 zu Westerbauer die Ziegelei Feldhaus(113). 1847 wurde nahebei, nämlich zu Kückelhausen, die Ziegelbrennerei von Peter Heinrich Schliekmann gegründet, der sie allerdings zu Beginn des 1860er Jahrzehnts, als die Lehmfelder dort ausgebeutet waren, nach Vorhalle verlegte(114). Im Jahr 1890 wurde in Haspe eine »Thonwarenfabrik« namens »Westfalia« errichtet, die bis zu fünf Millionen Ziegel im Jahr produzierte(115).





G. Volmarstein



Ein Blick auf den ehemaligen Amtsbezirk Volmarstein zeigt, daß dort im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zwar nur zwei Ziegeleien bestanden, nämlich seit dem Ende des 1870er Jahrzehnts die des Gutsbesitzers Stölting zu Wetter (später besessen von Ludwig Bönnhoff, 1889 Firma »Husemeyer & Co.«, 1890 »Rademacher & Büscher«) und seit 1889 diejenige von E. Kuhlmann und G. Hammacher, die 1908 von Carl Bönnhoff zu Wetter (Ennepe-Ruhr-Kr.) übernommen wurde(116). In beiden Betrieben stellten um die Jahrhundertwende etwa 25 Arbeiter jährlich rund drei Millionen Ziegel her(117). Die meisten Backsteine wurden in der Umgebung abgesetzt, ein beachtlicher Teil aber auch mit der Bahn verschickt(118).





H. Herdecke



Im Gebiet der Stadt Herdecke (Ennepe-Ruhr-Kr.) hat - soweit bekannt - nur im 1860er Jahrzehnt für kurze Zeit eine Ziegelei von Frielinghaus an der Wetterstraße bestanden(119).





I. Wetter



ähnlich waren die Verhältnisse im Amtsbezirk Wetter, wo seit 1846 zwar an der Straße nach Witten eine »Ziegelbäckerei« Derkmann Handziegel im Feldbrand produzierte, doch bestand diese nach Ernst Voye im 1870er Jahrzehnt, als der Bauboom ja erst richtig einsetzte, nicht mehr(120). Zu Beginn dieses Jahrzehnts existierte für kurze Zeit eine Ziegelei Lindemann(121).

Ziegeleien bei Wetter lassen sich auf dem Meßtischblatt (Neuaufnahme) aus dem 1890er Jahrzehnt im Gelände westlich des damaligen Bahnhofs Volmarstein finden:
EU/D/NRW/EN/Wetter/189xxxxx_Ziegeleien_westlich_von_Wetter_auf_der_Neuaufnahme_TK25




IV. Haushaltskeramik



Nach Wingolf Lehnemann war die Grafschaft Mark um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert an Töpfereien sehr arm. So kam im Jahr 1798 ein Töpfermeister auf 19.257 Bewohner, während das Verhältnis in jener Zeit beispielsweise im Regierungsbezirk Münster 1 : 6.561 (nach der Einrichtung im Jahr 1816) und in Altbayern sogar 1 : 1.992 (1811/12)(122). Die Versorgung mit Töpfereiprodukten aus der Region war in der Gegend also um das Zehnfache schlechter als in Altbayern. Im 18. Jahrhundert war nach W. Lehnemann mit Ausnahme von Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kr.) in den wenigen Töpferorten der Grafschaft Mark jeweils nur ein Meister tätig, so daß ihnen jeweils nur eine lokale Bedeutung zukam(123). Die Gründe für das weitgehende Begnügen der Bevölkerung mit Importen mögen in deren Konzentration auf die ziemlich einträgliche Metall- und Textilherstellung und -verarbeitung liegen. Dazu paßt, daß nach Lehnemann manche Gefäße, die anderswo gewöhnlich durch Töpfer hergestellt wurden, in der Grafschaft Mark häufig aus Metall entstanden (zum Beispiel Kochtöpfe)(124).

Eine Handwerksstatistik der Grafschaft Mark aus dem Jahr 1800 erwähnt Töpfereien in den Städten Bochum, Hattingen, Kamen, Lünen und Unna sowie im Amt Hamm und Gericht Schwelm(125). In Hagen hat damals demnach kein entsprechender Betrieb bestanden, wenn man die Tonpfeifenbäckerei(126) unberücksichtigt läßt. Über Art, Menge und Qualität der Produktion in diesen vereinzelten Töpfereien läßt sich derzeit so gut wie nichts sagen.

Zu Hagen liegen für das 18. bis 19. Jahrhundert immerhin Hinweise auf die Produktion von Gegenständen aus glasierter Töpferware, Pfeifenton und Fayence vor. Porzellan und Steingut waren dagegen nie das Material für heimische Produkte gewesen. Während nämlich einerseits Porzellanwaren lange Zeit nur für einen sehr geringen - nämlich den maßgeblichen - Teil der Bevölkerung überhaupt erschwinglich war(127), konnten sich die Erzeugnisse der 1797 und 1805 gegründeten Steingutfirmen zu Gemark (Stadtkr. Wuppertal)(128) und Unna (Märkischer Kr.)(129) gegenüber ausländischen Waren nicht durchsetzen, so daß die Produktion von Haushaltsprodukten aus Steingut in der Region sehr schnell wieder aufgegeben werden mußte(130). Selbst am verkehrsgünstiger gelegenen Niederrhein scheiterten viele Gründungen recht bald, so beispielsweise in Köln (Stadtkr. Köln)(131) und Rheinberg (Kr. Wesel)(132).

In den Ortsbeschreibungen bzw. deren Berufslisten findet sich weder zum Jahr 1719(133) noch zu 1722(134) einen Hinweis auf in Hagen ansässig gewesene Keramiker.





A. Fayence



Nach W. Lehnemann hat es in Hagen, im ehemaligen Kreis Wetter und in Schwelm einzelne Versuche zur Herstellung von »höherwertiger Keramik« gegeben(135), doch beklagt er mit Recht, daß darüber »bisher nichts Näheres bekannt« geworden sei(136):

»Das Fehlen eingehender Nachrichten über diese Versuche ist trotz der Kurzlebigkeit der Betriebe bedauerlich, weil damit ein besonderer Zweig merkantilistischer Wirtschafspolitik in der Grafschaft Mark im dunkeln bleibt.«(137)

In den bereits erwähnten Manufakturlisten des Freiherrn Dodo Heinrich von Knyphausen wird eine Fayencerie zu Hagen für den Zeitraum 1769/70 an zwei Stellen genannt(138), und zwar als einzige Keramikfirma in der Grafschaft Mark(139). Hergestellt wurde diesen Angaben gemäß »Porzellan«(140) bzw. »Fayence oder unecht Porzellan«(141), wobei wir Fayence (kein »echtes Porzellan« oder Steingut(142)) anzunehmen haben. Als Unternehmer werden »Lecke & Reinold« genannt und als Gründungsjahr der »Fabrik« ist das Jahr 1765 notiert(143). Die Anzahl der Beschäftigten (»Ouvriers«) lautet widersprüchlich »14«(144) und »12«(145). Daß die Angaben differieren, verwundert angesichts der sich den Beamten bei ihren Erhebungen bietenden Probleme, die zumeist im mangelnden Entgegenkommen der Unternehmer begründet sind, nicht weiter(146). Die Angaben können auf unterschiedlichen Erhebungsdaten beruhen.

W. Stieda berichtete im Jahr 1905, daß der Former Franz Joachim Heß am 13. September 1766 bei einer Bewerbung bei der neugegründeten Porzellan-Manufaktur in Kassel (Hessen) angegeben habe, er sei zuletzt sechs Monate lang in der preußischen »Fayencefabrik« zu Hagen in der Grafschaft Mark beschäftigt gewesen(147). Stieda wies auch darauf hin, daß über diese Fayencerie sonst nichts bekannt geworden sei(148) und seine Nachforschungen ohne Ergebnis geblieben seien:

»Das Kgl. Pr. Staatsarchiv zu Berlin und das Kgl. Staatsarchiv zu Münster besitzen keine Akten über sie.«(149)

Konrad Hüseler konnte in seinem im 1950er Jahrzehnt erschienenen mehrbändigen Werk über die deutschen Fayencen noch keine zusätzlichen Angaben machen(150). Bis heute ist nicht ein einziges Produkt der Firma nachgewiesen worden.

Die in Hagen hergestellte Fayence stand vermutlich unter hessischem Einfluß. Stieda meinte, Franz Joachim Heß sei »wohl aus Fulda gebürtig, vielleicht ein Verwandter des im Jahre [1746] aus der Fayencefabrik zu Fulda nach Höchst übergesiedelten Farbenlaboranten und Arkanisten dieses Namens« gewesen(151). Es handelt sich beim Letztgenannten nach O. Riesebieter um Georg Friedrich Heß, der in der 1746 eingerichteten Fayencerie Höchst (Stadtkr. Frankfurt am Main, Hessen) als Arkanist, Farbenlaborant und - seit 1748 - als Inspektor tätig war(152). In Akten des Hauptstaatsarchivs zu Wiesbaden (Stadtkr. Wiesbaden, Hessen) heißt es, daß er auch »sauber possieren kann«(153). Aus einem Protokoll aus dem Jahr 1748 geht hervor, daß er damals 50 Jahre alt war(154). Außer ihm gab es zu jener Zeit in Höchst auch einen Maler namens Ignatz Heß, der ein Sohn von Georg Friedrich Heß gewesen sein soll(155). Möglicherweise war Franz Joachim Heß ein weiterer Sohn des geschickten Keramikers aus Fulda (Hessen)(156), welcher übrigens 1750 wieder dorthin zurückkehrte(157).

Wo die Fayence-Manufaktur von Hagen innerhalb der heutigen Innenstadt gelegen und bis wann sie bestanden hat, ist derzeit fraglich. Der Hofname »Potthof« bietet keinen Hinweis auf den Standort, wie Wingolf Lehnemann in seiner Dissertation begründete; demnach bedeutet das Verb »potten« soviel wie »pflanzen«: »Auch der Potthof hängt mit der Pflanzung zusammen.«(158) Eine sichere Lokalisierung läßt sich wohl nur noch durch archäologische Untersuchungen gewinnen, bei der unter glücklichen Umständen auch die verwendete Keramikmarke des Betriebs festgestellt werden könnte(159). Mit Hilfe der Marke dürften sich dann weitere Produkte lokalisieren lassen.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß der Betrieb über das Versuchsstadium nicht hinauskam, und zwar ähnlich wie beispielsweise die im Jahr 1750 gegründete Fayencerie in Vallendar (Rheinland-Pfalz)(160). Die - wie diejenige in Hagen - im Jahr 1765 geschaffene Fayence-Manufaktur in Saarn (Stadtkr. Mülheim an der Ruhr), in der anfangs drei Maler, zwei Former, fünf Dreher und acht andere Arbeitskräfte tätig waren, bestand nur bis 1771(161). Die Abwanderung des Formers F. J. Heß im Jahr 1766 deutet vielleicht schon auf ungünstige Verhältnisse in Hagen hin, und diese könnten auf eine gewisse allgemeine »Marktsättigung« zurückgeführt werden. In der »Generaltabelle von denen in der Grafschaft Mark befindlichen Fabriquen und Manufakturen pro anno 1788« ist für den Ort Hagen keine Fayencerie mehr verzeichnet(162).





B. Pfeifentonware



Nach W. Lehnemann bestand in Hagen von »etwa 1785 bis um 1803« eine »Pfeifenbäckerei«(163). Nach den Übersichtskarten seiner Dissertation(164) zu urteilen, könnte man sie leicht für den ältesten Betrieb seiner Art in Westfalen-Lippe überhaupt halten(165), doch fehlt bloß eine Signatur beim Ort Stadtlohn (Kr. Borken), wo nach Lehnemann bereits für das Jahr 1770 ein Pfeifenbäcker namens Arnold Rodenberg, »aus dem Trierischen«, belegt ist(166).

Seit dem Jahr 1810 (wenn nicht schon früher) bestand auch in Bottrop (Stadtkr. Bottrop) eine Tonpfeifenbäckerei, die der aus Höhr (Gem. Höhr-Grenzhausen, Rheinland-Pfalz) im Westerwald stammenden Töpferfamilie Demond gehörte(167). Für das Jahr 1803 ist zudem eine entsprechende Werkstatt in Lichtenau (Kr. Paderborn) belegt, in welcher der Pfeifenbäcker Christoph Hartmann aus Großalmerode (Hessen) arbeitete(168). Insgesamt war damit die Zahl der Pfeifenbäckereien in Westfalen sehr bescheiden, was auf die hohe Qualität holländischer und wohl auch westerwälder Produkte und deren darauf beruhende große Verbreitung zurückzuführen ist.

Etwas widersprüchlich sind die Angaben in den Listen von D. H. von Knyphausen zum Jahr 1769, wo für das »Hochgerichte Schwelm« mehrere Unternehmen mit insgesamt dreißig Arbeitern erwähnt werden, die entweder »Pfannen« oder »Pfeifen« produzierten(169). Die Tonpfeifenherstellung ist diesbezüglich schon allein deshalb fraglich, weil hier nicht - wie sonst ausschließlich - ausdrücklich »Tabakpfeifen« genannt werden(170). Nach Wingolf Lehnemann hat es sich um »Ofenpfeifen« gehandelt(171).

Über den Vorgang der Herstellung von Tonpfeifen unterrichtet uns beispielsweise der Brockhaus vom Jahr 1830:

»Pfeifenthon muß sich vollkommen weiß brennen, wird gut geschlämmt und zu einem zähen Teig ausgeknetet. Dieser Teig wird in gleichgroße Stücke, jedes zu einer Pfeife, getheilt, solche Stücke [werden] von dem Roller in die Pfeifengestalt (Welger) gebracht, darauf durch den Former oder Kaster mit Draht durchstochen, und ihm in einer messingenen Form die gehörige Figur gegeben. Hier wird der Kopf mit dem Stopfer ausgehöhlt, die geformte Pfeife nochmals geebnet, geglättet, bezeichnet [= markiert] und mit Glasröhren polirt (geglaset). Sind die Pfeifen an der Luft ausgetrocknet, so schichtet sie der Töpfer [richtig: Pfeifenbäcker] in Thonkasten zwischen Pfeifenbrocken, solche in einen backofenähnlichen Brennofen und brennt sie hart. Nach dem Brennen erhalten sie wo[h]l noch durch Tragantschleim, Wachs oder Fett, eine vollkommenere Politur.«(172)

Aus einer Bemerkung in der »Generaltabelle von denen in der Grafschaft Mark befindlichen Fabriquen und Manufakturen pro anno 1788«, nach welcher die »Pfeifenfabrique« in Hagen »seit einigen Jahren« bestand(173), wird man den Beginn der Tonpfeifen-Produktion im Ort wohl in die Jahre um 1780 ansetzen dürfen. Im Jahr 1788 haben der Tabelle zufolge vier Arbeiter (»ouvriers«) 1000 Gros Pfeifen im Gesamtwert von 6750 Reichstalern hergestellt(174). Einem Gros entsprechen 144 Stück(175), vermutlich zusätzlich eines Aufschlages als Ausgleich für mögliche Transportschäden(176); es wurden also in einem Jahr mindestens 144.000 Tonpfeifen produziert(177). Diese Ware wurde nur zu einem geringen Teil in der Grafschaft Mark verkauft (Wert: 1200 Reichstaler), denn Waren im Wert von 5550 Talern gingen außer Landes »ins Limburgische«(178); das sind rund 82 Prozent. Für einen Reichstaler bekam man nach diesen Rechnungen etwa 21 Tonpfeifen; ein Gros kostete 63/4 Reichstaler. Die Anzahl von vier Arbeitern erscheint zwar als gering, doch war sie durchaus üblich(179).

Als »Namen des entreprenneur oder Fabrikanten« wird in der Tabelle »Huhn et Sohn aus dem Schwarzenburgischen« genannt(180). Mit der Herkunftsangabe ist wohl das sogenannte »Schwarzenbergische« im Bergischen Land gemeint(181), doch handelt es sich bei den Unternehmern nach Lehnemann um »eingewanderte Pfeifenbäcker aus dem Westerwald«(182). Nach einer Akte im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Stadtkr. Wiesbaden, Hessen) waren um 1770 Pfeifenbäcker aus dem Kannenbäckerland (Rheinland-Pfalz) ins »Münster-Westphälische« abgewandert(183), doch fehlt bis jetzt ein Beleg für den Namen Huhn. In den das Kannenbäckerland (»Unterwesterwald«) behandelnden Darstellungen von Martin Kügler taucht der Familienname Huhn unter den Pfeifenbäckermeistern nicht auf(184), doch könnte sich in Hagen ein Geselle angesiedelt haben(185). Die »Zutaten und Materialien«, also wohl der Pfeifenton, wurden im Jahr 1788 »vom Rhein« bezogen(186).

Für das Jahr 1797 ist die Existenz der Pfeifenbäckerei belegt(187), und auch im Jahr 1799 wird sie als »Tonpfeifenfabrik«(188) der Gebrüder Huhn in Hagen genannt(189). Zum Jahr 1800 wird ein Pfeifenbäckermeister mit einem Gehilfen erwähnt(190). Zum Jahr 1803 heißt es, die Pfeifenbäckerei »ist eingegangen«(191).

Schon im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts steckte die rheinisch westfälische Pfeifenbäckerei in einer tiefen Krise, die in dem Wesentlichen auf die Konkurrenz der niederländischen Produkte, auf den französischen und niederländischen Zoll und auf das Aufkommen von Pfeifen aus gefälligerem Material zurückging(192). Klaus Freckmann meinte dazu:

»Die Vielzahl dieser Schwierigkeiten veranlaßte zahlreiche Pfeifenbäcker, der Heimat den Rücken zu kehren und anderenorts eine neue Existenz zu begründen. So ist zu verstehen, daß vor der Jahrhundertwende das Pfeifengewerbe in Köln und auch in Xanten ausstarb.

Mit den Kriegen der napoleonischen Ara traten zu diesen Problemen weitere Erschwernisse hinzu, die vor allem dem Absatz abträglich waren. Zudem hatte anscheinend die neue [französische] Regierung ein Interesse daran, Pfeifenbäcker, zum Beispiel der Südeifel, nach Frankreich abzuwerben - womit sich eine weitere Gefährdung des einheimischen Handwerkes abzeichnete.«(193)

Gründung und Wiederaufgabe der Pfeifenbäckerei in Hagen sind in diesem Zusammenhang zu sehen, wobei auch die Konkurrenz aus dem Westerwald berücksichtigt werden muß. Martin Kügler meinte in dieser Hinsicht unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse »seit den 1780er Jahren«:

»Die auf sie einstürmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die mangelnde Aussicht auf eine grundlegende Verbesserung der Situation führten zu einer verstärkten Abwanderung von Pfeifenbäckern aus dem Westerwald, wobei es sich häufig um Gesellen handelte, die von ihrer Wanderschaft nicht zurückkehrten.«(194)

Das Fehlen von zunftgemäßen Vorschriften dürfte die Ansiedlung der Tonpfeifenbäckerei in Hagen gefördert haben.

Heute ist nicht mehr bekannt, wo im Ort die Produktionsstätte gelegen hat und wie ihre Produkte aussahen. Das Wohnhaus der Familie Huhn stand nach dem Urkatasterplan von 1825(195) ziemlich nahe dem damaligen Ortsausgang an der Frankfurter Straße 54(196). Vermutlich befand sich hier auch die Werkstätte und der Brennofen. Als Grundstückseigentümerin des nur wenig mehr als einen Morgen großen Hausgrundstücks ist die schreibunkundige »Huhn, Wittwe« eingetragen(197). Offenbar hat die Gattin des Pfeifenbäckers nach dem Tod ihres Mannes den Betrieb nicht weiterführen können.

Vielleicht gelingt es durch die Analyse gefundener Tonpfeifenreste eines Tages, Produkte dieses Pfeifenbäckerei zu identifizieren und daran anschließend ein Bild von ihrer Verbreitung zu gewinnen(198). Die Publikationszahl von Tonpfeifenresten steht in Nordrhein-Westfalen insgesamt in einem deutlichen Gegensatz zur Fundzahl, obgleich diesen unscheinbaren Relikten für die Neuzeitarchäologie eine Bedeutung zukommt, die durchaus mit derjenigen der »Terra sigillata« für die Provinzialrömische Archäologie zu vergleichen ist(199). Es erscheint übrigens als nicht ausgeschlossen, daß in Hagen neben Tabakpfeifen auch andere Gegenstände aus Pfeifenton hergestellt wurden, wie zum Beispiel Spielzeug (Figuren, Puppengeschirr) oder Hühnerei-Attrappen.

Eine Wiederaufnahme der Produktion von Tonpfeifen hat wohl in Hagen nicht stattgefunden. Eine Neugründung ist für das 19. Jahrhundert angesichts der zunehmenden Beliebtheit von Holz , Porzellan , Steingut- und Meerschaumpfeifen sowie der Zigarren, welche im Stadtbezirk Hagen eine vorübergehende Blüte der Tabakindustrie hervorbrachten(200), nicht zu erwarten. In der Stadt Dortmund (Stadtkr. Dortmund) führte nach Goswin Krackrügge gegen 1832/1833 beispielsweise eine Witwe namens Zimmermann einen »Winkel in Drechslerwaaren und Pfeifenköpfen«(201). In seinem Adreßbuch und dem von Friedrich Wilhelm Dicke ist der Name Huhn nicht vertreten(202). Nach F. W. Dicke waren damals in Hagen Joh. Peter Hassel und Daniel Hoffmann im »Pfeifenhandel« tätig(203), wobei allerdings unsicher bleibt, ob sie auch Tonpfeifen anboten. Bei G. Krackrügge werden die beiden Herren in dem die »Bürgermeisterei Hagen« betreffenden Abschnitt als »Gemeinderath, Horndrechsler und Winkelier in Nürnbergerwaaren«(204) (Hassel) und »Blecharbeiter, Wirth und Winkelier«(205) (Hoffmann) bezeichnet, während im Bezug auf den Pfeifenhandel vielmehr nur der Name Friedr. AsbeckHorndrechsler, Pfeifenhandel«(206)) erscheint. Diese Angaben lassen vermuten, daß um 1833 Tonpfeifen in Hagen nur noch nach Bedarf importiert wurden. Hierzulande werden heute Tonpfeifen fast ausschließlich nur noch von Stutenkerlen bzw. deren Herstellern gebraucht(207).





C. Töpferware



Wenn man von der allgemeinen Nachfrage ausgeht, so bestanden bereits im 18. Jahrhundert gute Voraussetzungen für den Betrieb einer Töpferei in Hagen. An Absatzmöglichkeiten für gute und preiswerte Töpferei-Erzeugnisse wird es in der Grafschaft Mark kaum gefehlt haben. Noch im Jahr 1804 wurde in dieser Region mehr Töpferware ein- als ausgeführt(208). Doch erst 1804 wurde in Hagen ein Töpfer namens Schwatzler angesiedelt, der »aus dem Fuldaischen« stammte(209). In dem Liegenschaftsbuch der Gemeinde Hagen(210) aus dem Jahr 1825 und in den beiden Adreßbüchern von Friedrich Wilhelm Dicke und Goswin Krackrügge aus dem Jahr 1834 taucht der Name Schwatzler nicht mehr auf(211).

Nach W. Lehnemann arbeiteten im Jahr 1822 im Kreis Hagen(212) zehn Töpfer, davon drei Meister und sieben Gehilfen(213). Ob einer der drei Meister damals im namengebenden Ort des Kreises selbst beschäftigt war, ist fraglich, da wir die Namen der Töpfer nicht kennen.





1. Unterberg



Auf der Urkatasterkarte von 1825 findet sich - nach einer Umzeichnung(214) zu urteilen(215) - am Kratzkopf die Flurbezeichnung »Am Düppenbecker«, und zwar oberhalb der heutigen Einmündung der Düppenbeckerstraße in die Volmestraße. Allem Anschein nach lag hier eine Töpferei. Heinrich W. zur Nieden schrieb im 1910er Jahrzehnt(216) zu dem erwähnten Flurnamen:

»Einen Platz gab es in Hagen, der diesen Namen trug, und die alten Leute werden sich noch des Töpfers entsinnen, der seine irdenen Töpfe, Näpfe, Teller, Schüsseln dort auf der Scheibe drehte. Heute muß ja alles vornehm städtisch "Straße" heißen, auch solche Gassen, die auf diesen Namen eigentlich gar keinen Anspruch haben.«(217)

Weiter nordwestlich besteht heute die Töpferstraße. Produkte des »Düppenbäckers« Schwatzler sind dem Verfasser nicht bekannt geworden. Wilhelm Claas berichtete im Jahr 1951, daß »am Hagener Düppenbäcker (Unterberg)« mehrere Töpfereien bestanden hätten, doch diese »vergingen bereits vor langer Zeit«(218).

Das Gelände »Unterberg« wurde bereits vor dem Stadtbrand von 1724 bebaut, aber die Bebauung nahm danach rasch zu, weil die Behörden sich Thomas Spohn zufolge um die Verdrängung der als besonders feuergefährlich geltenden »Arme-Leute-Häuser«, nämlich die »sog. Gademe«, bemühten(219). Der entsprechende Paragraph in der Bauordnung lautete:

»Sollen keine Neben Häuser oder sogenante Gähmen binnen dem Flecken wieder aufgebauet, sondern außer demselben, jenseits des Wassers hingesetzet werden.«(220)

T. Spohn betont, daß die durch den Umzug bedingte »soziale Segregation« tatsächlich erfolgt zu sein scheint, wobei er offenbar meint, daß das Gelände »Unterberg« erst nach dem Stadtbrand quasi als Arme-Leute-Viertel bebaut wurde(221). Nach Ansicht des Verfassers sind mit dem Begriff »Gademe« oder »Gähmen« allerdings keine Wohnbauten einer sozialen Unterschicht, sondern schlicht Markthütten gemeint, wie sie beispielsweise in Köln bereits im Spätmittelalter üblich waren(222).

Wahrscheinlich waren sowohl die Glashütte als auch die keramischen Betriebe, bei deren Ansiedlung ja Vertreter des Staates ihre Hand im Spiel hatten, von Anfang an außerhalb oder zumindest am Rande des eigentlichen »Fleckens« Hagen untergebracht.





2. Hengstey



Im Zeitraum von 1864 bis um 1885 bestand nach Lehnemann in Hengstey (Stadtkr. Hagen) die Töpferei von W. Schwenke(223). Dieser Töpfer stammte vermutlich aus Lünen, wo zunächst am Roggenmarkt, dann in der Lange Straße(224) seit 1851 die Töpferei von Heinrich Schwenke bestand, auf die sich im Jahr 1900 im »Adreßbuch für den Landkreis Dortmund« kein Hinweis mehr findet(225). Ernst Voye berichtete unter »Amt Boele« über die Werkstätte von W. Schwenke:

»1864 ist in jener Gegend auch eine Töpferei zur Fabrikation irdener Geschirre, verbunden mit [der] Anfertigung von Ornamenten, eingerichtet worden. Sie hatte fortgesetzt Schwierigkeiten in der Beschaffung brauchbarer Arbeitskräfte und stellte Mitte der 80er Jahre die Fabrikation ein.«(226)

Vermutlich wurden die Erzeugnisse des Töpfers W. Schwenke hauptsächlich in Hagen verkauft. Näheres ist darüber jedoch nicht bekannt. Da der Standort der Töpferei in Hengstey überliefert ist, besteht theoretisch noch die Möglichkeit, durch die Bergung von Fehlbränden und anderen Keramikabfall nähere Aufschlüsse über die Art der Produkte zu gewinnen und mit Fundstücken aus Lünen zu vergleichen.

Als einen wichtigen Grund für die Betriebsaufgabe dürfen wir die Konkurrenz der offenbar - vermutlich auf Grund des Kalkanteils(227) - sehr haltbaren(228) Töpferware aus Lünen (Kr. Unna) annehmen, die auch in Hagen verkauft wurde(229). Die Nachfrage nach den Produkten der Töpfereien in Lünen war nach einem Bericht im »Dortmunder Wochenblatt« im Jahr 1879 noch »eine so große, daß sie nicht einmal voll befriedigt werden kann«(230).

Zu berücksichtigen ist auch, daß um die Wende zum 20. Jahrhundert aus dem damaligen Bunzlau (heute Bolesawiec in Polen) und anderen Orten im ehemaligen Ostdeutschland große Mengen weitgehend bereits industriell gefertigter Tongefäße vertrieben wurden, nämlich die Bunzlauware, welche in vielen Gegenden Deutschlands zum Erliegen des Töpfereigewerbes führte.

Ein weiterer Grund für das Ende der Produktion von Töpferware im Ort war die zunehmende Beliebtheit von Steingut-, Porzellan-, Gußeisen- und Emailgeschirren, welche teils als wertvollere, teils als preisgünstigere Erzeugnisse auf den Markt drängten. So wirkte beispielsweise die Eisenhütte »Westphalia« in Lünen (Märkischer Kr.) nach F. W. Dicke bereits im 1830er Jahrzehnt als »Gießerei von allen Sorten Töpfen, Oefen, etc.«(231). Die Bevorzugung von Massenartikeln, welche durch die zunehmende verkehrstechnische Erschließung des Landes immer mehr Zugang in die Stadt erhielten, wurde mit dem Verlust an Handwerksprodukten mit individuellem oder doch wenigstens regionalem Stil (»Lokalkolorit«) bezahlt, zumal selbst die noch tätigen Töpfereien zu einer starken Mechanisierung gezwungen waren(232).

In Lünen hatte Wingolf Lehnemann zufolge eine Töpferei »einen Stand auf dem [..] Wochenmarkt«(233). Wenn ein Töpfer seine Produkte selbst auf dem Wochenmarkt verkaufte, so zeigt dies, daß es ihm wirtschaftlich nicht besonders gut ging, denn normalerweise geschah der Verkauf in der Werkstatt, und zwar an die Verbraucher oder an Kaufleute(234). Beim Marktverkauf durch den Hersteller selbst handelt es sich um eine späte Ausnahmeerscheinung, die eigentlich unsinnig war, weil der dafür notwendige Zeitaufwand in keinem rechten Verhältnis zu dem dort zu erzielenden Gewinn stand(235), wobei auch das Transportrisiko zu berücksichtigen ist, welches sonst der Kunde trug. Die Situation in Hagen wird der von Ernst Helmut Segschneider für das Osnabrücker Land beschriebenen entsprochen haben:

»Der Preisdruck, den die Fabrikwaren nach 1850/60 zunehmend ausübten, verursachte zwangsläufig eine Qualitätsminderung und damit den sozialen Abstieg der Töpfereierzeugnisse sowohl innerhalb ein- und desselben Haushaltes als auch - mit den charakteristischen Verschiebungen zwischen Stadt und Land- innerhalb der Verbraucherschichten. Die im gleichen Zeitraum allgemein gestiegenen Realeinkommen ließen auch das Abnehmerreservoir in den sozial schwächeren Schichten schrumpfen. Diese Entwicklung führte schließlich zum völligen Zusammenbruch des Gewerbes.«(236)

In Hagen gewöhnte sich die Arbeiterschaft vermutlich spätestens in der sogenannten »Gründerzeit« an besseres Gebrauchsgeschirr aus dem als Massenprodukt billig gewordenen Steingut, so daß für die vielleicht als altmodisch bäuerisch angesehene, individuell gefertigte Töpferware in der städtischen Bevölkerung bald kein ausreichender Kundenkreis mehr bestanden haben wird. Wie es sich tatsächlich verhalten hat, läßt sich wahrscheinlich nur noch durch archäologische Untersuchungen klären(237).





V. Auswertung



Für die Zeit Hagens vor seiner Erhebung vom Dorf zum »accisebaren Flecken«(238) im Jahr 1718(239) ist kaum etwas über eine Herstellung von Glas- und Keramikwaren im Ort bekannt. Inwieweit die offenbar gegen Ende des 17. Jahrhunderts gegründete Glashütte zur Bestimmung von Hagen zum Akziseort beigetragen hat, bleibt offen. Die Rangerhöhung selbst führte nicht unmittelbar zur Ansiedlung neuer Gewerbe. Ein großer Brand vom Jahr 1724(240) hemmte vorübergehend die weitere Entwicklung, trug allerdings zur Errichtung einer ersten Ziegelei (oder zweier) wesentlich bei. Von Bedeutung war die mit staatlicher Förderung erfolgte Gründung einer Tuchfabrik im Bereich Unterberg durch Johann Christian Moll aus Lennep (Stadtkr. Remscheid) im Jahr 1741(241), die vielen Einwohnern neue Verdienstmöglichkeiten erschloß und bis 1880(242) bestand. Zu diesem Unternehmen, das bald zu florieren begann, gehörte auch ein Indigo-Färbehaus, welches am sogenannten »Untergraben« lag und in der Region ohne Konkurrenz bestand(243). Fünf Jahre später wurde Hagen Stadt, indem der preußische König am 3. September 1746 für den Flecken einen ordentlichen Magistrat anordnete(244). Der große Erfolg von J. C. Moll bald Hagens reichster Mann - führte zur Gründung weiterer Tuchfabriken, so im Jahr 1753 zu derjenigen seines Schwiegersohnes Bernhard Georg Scheibler aus Monschau (Kr. Aachen), die aber offenbar im Jahr 1765 aus mangelnder Rentabilität wieder aufgegeben wurde(245).

Die Stadtwerdung Hagens begünstigte die weitere wirtschaftliche Entwicklung im Ort und seiner näheren Umgebung. So gründete beispielsweise im Jahr 1758 Johann Caspar Post im heutigen Stadtteil Eilpe ein Rohstahl-Hammerwerk(246). Etwa zur selben Zeit (um 1760) wurde in Hagen auch eine erste Buchdruckerei eingerichtet(247). Der Siebenjährige Krieg hemmte offenbar die weitere Entwicklung. Hagen war von 1760 bis 1762(248) mehrmals von französischen Truppen besetzt(249). Im Stadtteil Wehringhausen wurde im Jahr 1760(250) sogar eine bedeutende französische Feldbäckerei eingerichtet, an die selbst rheinische Bauern Mehl liefern mußten(251). Im Folgejahr lagerten in und um Hagen zunächst etwa 8000 französische Militärs, danach quartierte sich hier ein deutsches Freikorps ein, bis 1762 erneut Franzosen auftauchten(252). Mehrmals wurde von den Truppen bei den Bürgern Forderungen durchgesetzt, diese mitunter auch längere Zeit inhaftiert, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen(253). Es muß eine schlimme Zeit gewesen sein, die wirtschaftliche Unternehmungen sicherlich nachhaltig erschwerte. Zwar erholten sich Handel und Gewerbe in der anschließenden Friedenszeit wieder, doch trieb das strenge preußische »Werbesystem« eine nicht unbeträchtliche Anzahl potentieller Rekruten in das benachbarte Bergische Land(254).

Die Bevölkerungszahl der jungen Stadt nahm von 1719 bis 1765 um 697 von 675(255) auf 1372(256) zu und verdoppelte sich damit in weniger als einem halben Jahrhundert, und bis 1771 stieg die Zahl um weitere 83 auf 1455(257). Der Bevölkerungszuwachs betrug also im Durchschnitt zwischen 10 und 15 Personen pro Jahr mit steigender Tendenz. Die Anzahl der Wohnhäuser wuchs in den fünf Jahrzehnten von 1722 bis 1771 mit 221(258) - statt früher 131 - um etwa zwei Drittel und stieg daher nicht ganz so stark. Die zur Verfügung stehenden Häuser wurden im Laufe der Zeit von immer mehr Menschen bewohnt (sechs bis sieben statt fünf), was einerseits mit einer zunehmenden Größe der Häuser begründet, anderseits aber auch als eine Verschlechterung der Wohnverhältnisse verstanden werden kann. Die Verteuerung des Hausbaus durch die Verpflichtung zur Stein- oder Ziegelverwendung mag zu einer gewissen Beschränkung beigetragen haben.

Interesse verdient in diesem Zusammenhang, daß nach den Untersuchungen von Hildegard Hoffmann um 1770 in Hagen bereits 8,7 Prozent der Stadtbevölkerung Erwerbstätige in Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten waren(259); 9,6 Prozent waren überhaupt gewerblich tätig(260), während der überwiegende Teil der Bevölkerung sich - wie damals und noch lange danach allgemein üblich - von der Landwirtschaft ernährte. Vergleichszahlen aus der Grafschaft Mark liegen aus Breckerfeld (5,0(261) u. 5,0 %), Herdecke (7,4(262) u. 9,9 %), Iserlohn (2,3 u. 16,5 %) und Schwelm (18,4(263) u. 18,8 %) vor(264). Trotz des hohen Anteils der nicht in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung in Hagen und Umgebung bestand im dritten Viertel des 18. Jahrhunderts offenbar noch kein ausreichender Bedarf für die Produkte der hier vorübergehend ansässigen Fayencerie. Anders verhielt es sich offenbar mit Tabakutensilien, denn neben der Tabakdosenfabrikation in Iserlohn gab es im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts in Hagen eine Tonpfeifenbäckerei, die auch in entferntere Gegenden lieferte. Trotz des Bevölkerungswachstums mit vermutlich steigender Nachfrage konnte der Betrieb im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts nicht lange aufrecht erhalten werden.

Die weitere Bevölkerungsentwicklung verlief gleichmäßig und doch ziemlich rasant aufwärts, denn zum Jahr 1867 werden bereits 11.305 Einwohner der Stadt, 1895 schon 41.833 gezählt(265). Um die letzte Jahrhundertwende betrug die Zahl schließlich etwa das Hundertfache gegenüber der Zeit um 1700. Dabei wird man für die Sommermonate von einer größeren Bevölkerung ausgehen müssen, denn damals hatte die Saisonarbeit der wohl zu einem wesentlichen Teil aus Lippe kommenden Ziegler eine gewisse Bedeutung(266).

So viel wir an für sich über die Entwicklung Hagens vom Kirchdorf zur Großstadt wissen - woher die Bevölkerung ihre Glas- und Keramikwaren bezog und wie diese ausgesehen haben, darüber ist fast nichts bekannt. Die wenigen Informationen, auf die wir uns stützen können, sind weitgehend aus Akten oder einer unsicheren mündlichen überlieferung entnommen und nicht aus dem alltäglichen Leben gegriffen, über dessen Sachkultur fast nur noch »Bodenurkunden« zu erzählen vermögen. Immerhin läßt sich erkennen, daß einfache Töpfereierzeugnisse in Hagen vorübergehend einen guten Absatz hatten, wenngleich kein Betrieb nachweislich über einen längeren Zeitraum hinweg bestand. Als ein Grund für die Einstellung eines Betriebes wird Arbeitskräftemangel genannt, so daß die Gewinnspanne der Töpfereien zuletzt wohl vergleichsweise gering war.

Was die Ziegelei-Industrie angeht, so zeigt sich, daß diese in der Gegend von Hagen im 19. Jahrhundert - zumal in dessen letztem Viertel - ziemlich bedeutend war. Sie läßt sich durchaus an die Seite der Metallindustrie stellen. Zu Beginn der Gründerzeit ging ein beachtlicher Teil der Ziegeleiprodukte nach E. Voye in die Gegend von Wuppertal, wo die damaligen Städte Barmen und Elberfeld (beide im Stadtkr. Wuppertal) wie Hagen einen Bauboom erlebten(267). Dank der teilweise neuen Eisenbahnverbindungen entlang der Ruhr, Volme, Ennepe und Wupper ließen sich auch umfangreiche Lieferungen verkehrstechnisch bewältigen.

Die zahlreichen Ziegeleien während der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts belegen eine ungewöhnliche Bedeutung der Baustoffindustrie in Hagen zur damaligen Zeit, und dieser Eindruck wird durch den Hinweis darauf, daß die Ziegel bis in die Niederlande geliefert worden seien(268), noch verstärkt. Die Nachfrage nach dem »Hagener Klinker« war so groß, daß Saisonarbeiter aus Lippe angeworben werden mußten.

Abschließend muß festgehalten werden, daß eine Geschichte des Glas- und Keramikgewerbes zu Hagen mangels Masse noch nicht in befriedigender Weise geschrieben werden kann. So bleibt nur die Hoffnung, daß Interessierte unter der heimischen Bevölkerung dazu beitragen werden, das lückenhafte Bild mit eigenen Beiträgen zu vervollständigen. Den bereits 1981 getroffenen Feststellungen von Wingolf Lehnemann zum Töpfereiwesen ist - außer vielleicht ein Hinweis auf die gleichen Verhältnisse beim Glas und bei der Pfeifenbäckerei - nichts hinzuzufügen:

»Der Mangel an Material ist die größte Schwierigkeit in der Behandlung der Töpfereien in der Grafschaft Mark - die Aufdeckung von Abwurfhalden vermag diese Situation jederzeit zu ändern. So ist es unser Ziel, die Töpferorte vorzustellen und die Probleme der Forschung deutlich zu machen.«(269)

Bei der Baukeramik ist es eher umgekehrt, denn hier liegt eine nicht zu überschauende Materialmenge vor, wenn sich auch die Herkunft der Backsteine und Dachpfannen nur noch in seltenen Fällen bestimmen lassen wird!

Hoffen wir, daß »die Probleme der Forschung« in Zukunft verstanden und an Zahl geringer werden(270)!





VI. Literatur



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Kügler 1987: Martin Kügler, Tonpfeifen. Ein Beitrag zur Geschichte der Tonpfeifenbäckerei in Deutschland / Quellen und Funde aus dem Kannenbäckerland, Höhr-Grenzhausen 1987.



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Gerking 1990: Willy Gerking, Aus der Geschichte der Glashütte Falkenhagen, in: Lippischer Heimatbund e. V. (Hg.), Heimatland Lippe, 83. Jahrgang, Nr. 1, Detmold 1990 (Januar), S. 8 - 14.



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VII. Anmerkungen

1. Siehe dazu Voye 1908, S. 121 - 134, u. Jansen 1951.

2. Siehe dazu Voye 1908, S. 114 - 121, u. Claas 1951, S. 86 f.

3. Vgl. Lehnemann 1981, S. 115, Sp. 1 f.

4. Jansen 1951, S. 102, Sp. 1; Timm 1975, S. 5; Holz 1981, S. 136, Sp. 2.

5. Holz 1981, S. 136, Sp. 3.

6. Holz 1981, S. 137, Sp. 1 f.

7. Lehnemann 1981, S. 117, Sp. 2, Anm. 7 (unter Berufung auf N.N. 1909).

8. Hoffmann 1969, S. 37.

9. Dazu ausführlich Timm 1975.

10. Voye 1908, S. 33.

11. Jansen 1940, S. 118, Sp. 2.

12. Motzfeldt 1909, S. 114 - 116. Der Bericht datiert vom 6. April 1722.

13. Motzfeldt 1909, S. 114 f.

14. Weddigen 1784, S. 138.

15. Voye 1908, S. 114.

16. N.N. 1909, S. 306.

17. Hoffmann 1969, S. 17 f.

18. Abdruck im Anhang bei Hoffmann 1969.

19. Hoffmann 1969, S. 18.

20. Hesse-Frielinghaus 1952.

21. N.N. 1940, S. 134 mit zwei photographischen Abbildungen der Glasflasche.

22. Hesse-Frielinghaus 1952, S. 103.

23. Hesse-Frielinghaus 1952, S. 103, mit Abb. o. Nr. - Vgl. N.N. 1940, S. 134, Abb. unten rechts.

24. Borchers 1955, S. 44. Der letztgenannte Spruch findet sich auf einer Schnapsflasche des Jahres 1790 aus dem Besitz von Allewelt in Döhren (Kr. Osnabrück, Niedersachsen), siehe Borchers et Eitzen 1953, S. 89, Nr. 459.

25. Borchers 1955, S. 40b, Abb. 5, u. S. 44.

26. Borchers et Eitzen 1953, S. 89, Nr. 459.

27. Borchers et Eitzen 1953, S. 89, Nr. 459.

28. Die Höhe der Flasche in Hagen ergibt sich aus der Berechnung auf der Grundlage der Höhengabe 18 cm für ein Walzenglas und des beide Gefäße darstellenden Fotos bei Hesse-Frielinghaus 1952, S. 103.

29. Borchers et Eitzen 1953, S. 89, Nr. 459; Borchers 1955, S. 40b, Abb. 5, u. S. 44.

30. Borchers 1955, S. 44. Vgl. Borchers et Eitzen 1953, S. 89, Nr. 459: »Hessisch?«.

31. Ads. 1953, S. 18.

32. Ads. 1953, S. 18, Sp. 2.

33. Ads. 1953, S. 18, Sp. 2.

34. Ads. 1953, S. 18, Sp. 2.

35. Bruns 1978, S. XIX.

36. Bei Bruns 1978, S. 45, Sp. 2.

37. Bruns 1978, S. XIX.

38. Krackrügge 1834 (bei Bruns 1978, S. 41, Sp. 2).

39. Er stellte immerhin selbst fest: »Seltsamerweise wußten sich alte Dortmunder nicht zu erinnern, je gehört zu haben, daß in Hörde Glaswaren mit Emailmalereien hergestellt worden seien.« (Ads. 1953, S. 20, Sp. 1).

40. Dicke 1834 (bei Bruns 1978, S. 123, Sp. 1).

41. Bausch 1991, S. 42 (Umschlag-Rückseite), Abb. o. Nr. (farbige, bedauerlicherweise stark verkleinerte Wiedergabe der Karte).

42. Bausch 1991, S. 42, Abb. o. Nr.

43. Krawinkel 1933, S. 79.

44. Gerking 1990, S. 10 f.

45. Gerking 1990, S. 11, Sp. 1.

46. Ads. 1953, S. 18, Sp. 2.

47. Bruns 1978, S. 35 - 45.

48. Nach der Wiedergabe bei Bausch 1991, S. 38, Sp. 3, - S. 39, Sp. 1.

49. Borchers 1955, S. 45.

50. Hesse-Frielinghaus 1952, S. 103, Sp. 2. Schriftbild nach N.N. 1940, S. 134, Abb. unten rechts.

51. Ads. 1953, S. 18, Sp. 2. Zu den Glasschränken des 18. Jahrhunderts im Bergischen Land siehe Michael Metschies, Ein bergischer Glasschrank aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Paul Luchtenberg (Hg.), Romerike Berge. Zeitschrift für Heimatpflege im Bergischen Land, 26. Jahrgang 1976, Heft 1, Neustadt an der Aisch 1976 (April), S. 15 - 22, mit Hinweisen auf weiterführende Literatur.

52. Ads. 1953, S. 19, Sp. 1.

53. Schell 1910, S. 39.

54. Schell 1910, S. 39.

55. In diesem Sinne bereits Hesse-Frielinghaus 1952, S. 104, Sp. 2.

56. Hesse-Frielinghaus 1953, S. 17, Sp. 1.

57. Dicke 1834 (bei Bruns 1978, S. 47, Sp. 2).

58. Krackrügge 1834 (bei Bruns 1978, S. 48 ff).

59. Dicke 1834 (bei Bruns 1978, S. 48).

60. Krackrügge 1834 (bei Bruns 1978, S. 49, Sp. 2).

61. Krackrügge 1834 (bei Bruns 1978, S. 49, Sp. 1).

62. Meister 1909, S. 114 - 116.

63. Jansen 1940, S. 119, Sp. 1.

64. Jansen 1940, S. 119, Sp. 1.

65. Siehe dazu Timm 1976 und Spohn 1990.

66. Timm 1975, S. 9.

67. Jansen 1940, S. 118, Sp. 2.

68. Zitiert nach Spohn 1990, S. 195, Nr. 2. Die Bauordnung ist hier vollständig abgedruckt (S. 195 - 196).

69. Zitiert nach Spohn 1990, S. 195, Nr. 5.

70. Spohn 1990, S. 196, Nr. 19.

71. Timm 1976, S. 108, Sp. 1.

72. Timm 1976, S. 108, Sp. 2.

73. Timm 1976, S. 108, Sp. 2.

74. In Ringöfen konnten etwa zehntausend Ziegel in einem Arbeitsgang gebrannt bzw. »gebacken« werden (Bartelts 1986, S. 22, Sp. 1).

75. Voye 1908, S. 153.

76. Voye 1908, S. 153.

77. Rehkopp et al. 1977, S. 25, Sp. 2. Zu den Wanderzieglern aus Lippe vgl. Bartelt 1986.

78. Lammert et Rehkopp 1976, S. 99, Sp. 1. Die Beschreibung entspricht den von Fritz Bartelt geschilderten allgemeinen Lebensverhältnissen der Ziegelarbeiter aus Lippe, siehe Bartelt 1986, S. 20.

79. Bartelt 1986, S. 24, Sp. 1.

80. Bartelt 1986, S. 15, Sp. 1.

81. Krackrügge 1834 (bei Bruns 1978, S. 50, Sp. 1).

82. Lammert et Rehkopp 1976, S. 99, Sp. 1.

83. Lammert et Rehkopp 1976, S. 31, Abb. »LAGEPLAN Boelerheide um 1900 nach einer Aufzeichnung von Heinrich Siebers sen. (März 1970)«.

84. Lammert et Rehkopp 1976, S. 31, Abb. »LAGEPLAN Boelerheide um 1900 nach einer Aufzeichnung von Heinrich Siebers sen. (März 1970)«.

85. Lammert et Rehkopp 1976, S. 99, Sp. 1.

86. Lammert et Rehkopp 1976, S. 99, Sp. 2. Auf den beiden beigefügten Schwarzweißfotos ist ein Prägestempel der Firma mit den Texten »HEINRICH FISCHER« und »DAMPFZIEGELEI BOELE« (oben) sowie ein Gruppenbild von rund dreißig Ziegelarbeitern vor der »Ziegelei Fischer« abgebildet (unten).

87. Vgl. die mit modernen Straßen ergänzte Umzeichnung der Karte von Karl Voss, abgedruckt bei Rehkopp et al. 1977, S. 9, Abb. o. Nr.

88. Siehe die Liste der Grundstückseigentümer bei Rehkopp et al. 1977, S. 11.

89. Dicke 1834 (bei Bruns 1978, S. 60, Sp. 2).

90. Die Liste ist abgedruckt bei Rehkopp et al. 1977, S. 11; siehe hier Nr. 18, wo der Name allerdings fehlerhaft geschrieben ist (siehe dagegen S. 10, Nr. 18).

91. Vgl. die mit modernen Straßen ergänzte Umzeichnung der Karte von Karl Voss, abgedruckt bei Rehkopp et al. 1977, S. 12, Abb. o. Nr. - Auf der Karte »Flurnamen in Boelerheide« von Heinrich Siebers senior, welche den Stand von 1900 repräsentieren soll, findet sich an entsprechender Stelle die Eintragung »Ziegelei Rat«, siehe Lammert et Rehkopp 1976, S. 31, Abb. o. Nr.

92. Voye 1908, S. 153; Rehkopp et al. 1977, S. 184, Sp. 2.

93. Rehkopp et al. 1977, S. 25, Sp. 1.

94. Vgl. die mit modernen Straßen ergänzte Umzeichnung der Karte von Karl Voss, abgedruckt bei Rehkopp et al. 1977, S. 12, Abb. o. Nr. Der Rath'sche Hof war zur Zeit des Urkatasters (1824) mit 26 ha Fläche der größte bäuerliche Betrieb in Eckesey (Rehkopp et al. 1977, S. 103, Sp. 2). Sein heutiges Haupthaus wurde um 1860 in Ziegelbauweise errichtet und steht an der Eckeseyer Straße 136 (ebenda, mit Schwarzweißfoto).

95. Abgedruckt bei Rehkopp et al. 1977, S. 12, Abb. o. Nr.

96. Voye 1908, S. 153.

97. Vgl. die Umzeichnung der Karte von Karl Voss, abgedruckt bei Rehkopp et al. 1977, S. 13, Abb. o. Nr.

98. Rehkopp et al. 1977, S. 191, Sp. 2.

99. Voye 1908, S. 288 f. Vgl. Lammert et Rehkopp 1976, S. 99, Sp. 1, u. Rehkopp et al. 1977, S. 191, Sp. 1. Die Ziegel wurden selbstverständlich nicht freihändig geformt, sondern unter Zuhilfenahme von Holzrahmen. Eine eingehendere Beschreibung der im Einzelnen stark spezialisieren Arbeitsweise findet sich bei Bartelt 1986, S. 21 f.

100. Bei Rehkopp et al. 1977 (S. 25, Sp. 2) ist irrtümlich von Heinrich Peter Schlickmann die Rede, der »schon nach 1850 2 Ringöfen in Vorhalle« besessen habe. -Vgl. dazu Rehkopp et al. 1977, S. 191, Sp. 2.

101. Voye 1908, S. 153. Vgl. ebenda, S. 289.

102. Voye 1908, S. 289.

103. Bei Rehkopp et al. 1977, S. 25, Sp. 2. Eine Nebenstraße heißt »Zieglerstraße«. Offenbar ist dies das Einzige, was noch an die lippischen Wanderziegler in Hagen erinnert.

104. Rehkopp et al. 1977, S. 191, Sp. 2.

105. Nieden 1981, S. 52, Sp. 1.

106. Voye 1908, S. 153.

107. Voye 1908, S. 153.

108. Vor der Eingemeindung von Hohenlimburg hieß sie »Steinweg«.

109. Voye 1908, S. 153; Rehkopp et al. 1977, S. 129, Sp. 1, u. S. 184, Sp. 2. Die letztgenannte Ziegelei wurde »am "Roten Platz", oberhalb der Hauptschule Altenhagen Süd« lokalisiert (Rehkopp et al. 1977, S. 129, Sp. 1).

110. Voye 1908, S. 153.

111. Voye 1908, S. 153.

112. Vgl. Rehkopp et al. 1977, S. 129, Sp. 1.

113. Voye 1908, S. 227.

114. Voye 1908, S. 227 u. 289.

115. Voye 1908, S. 227.

116. Voye 1908, S. 272.

117. Voye 1908, S. 272.

118. Voye 1908, S. 272.

119. Voye 1908, S. 307.

120. Voye 1908, S. 359.

121. Voye 1908, S. 360.

122. Lehnemann 1981, S. 116.

123. Lehnemann 1981, S. 116, Sp. 2.

124. Lehnemann 1981, S. 116, Sp. 1.

125. Lehnemann 1981, S. 117, Sp. 1 (unter Berufung auf »Nachlaß G. v. Romberg A Nr. 6« in Sp. 2, Anm. 9).

126. Lehnemann 1975, S. 180.

127. Eine gerafften überblick über die für Hagen wohl wichtigste Porzellan-Manufaktur zu Fürstenberg bietet Meinz 1981.

128. Hier war in der ersten Hälfte des 1800er Jahrzehnts Johann Moritz Schwager zufolge »eine Fabrike von englischem Steingute etablirt« (Schwager 1804, S. 292): »Der Thon findet sich zwischen Elberfeld und Gemark, am rechten Wupperufer, wo er fast senkrecht zwischen porösem Kalksteine steht, dendritisch ist, und schwach mit|Säuren brauset.« (ebenda, S. 292 f). Wie Joachim Kermann schrieb, gab es bereits 1797 im Kirchspiel Elberfeld - wohl an der von Schwager angegebenen Stelle - ein »Porzellanerdbergwerk«, doch mußte die »Porzellanfabrik« ihren Betrieb bald »mit vielem Verdruß« einstellen (Kermann 1972, S. 338). Vgl. dazu den Bericht von Friedrich August Alexander Eversmann über die Steingutfabrik in Unna vom 9. Januar 1806, in der von großen Kieselmahlsteinen die Rede ist, »welche die verstorbene Wittwe von Carnap auf Gemarck zu ihrer ähnlichen aber gescheiterten Fabrik mit ungeheuren Kosten aus der Normandie hat kommen und zubereiten lassen« (abgedruckt bei Lehnemann 1980, S. 90 92, hier S. 91, Sp. 2). Bei Kermann 1972 (S. 338) wird als Standort der Steingutfabrik einerseits Barmen, andererseits das Kirchspiel Elberfeld (beide Stadtkreis Wuppertal) angegeben. Zwar spricht J. Kermann unter anderem von einer Porzellanmanufaktur, doch wurde der Begriff »Porzellan« im 18. Jahrhundert häufig für Fayence und auch für Steingut verwendet.

129. Lehnemann 1980, S. 90, Sp. 1. Vgl. dazu den Bericht von Friedrich August Alexander Eversmann über die Steingutfabrik von Johann Heinrich Gerhard Marck in Unna vom 9. Januar 1806 (abgedruckt ebenda, S. 90 - 92, hier S. 90 f): »Er macht gewöhnliche Töpferwaare, und auch Fayance, die ziemlich gut zu seyn scheint, allein sein Steingut ist höchst unvollkommen; denn es ist nicht fest, die Glasur springt ab, verträgt keine Hitze und ist dabey nicht von der gehörigen Farbe und unrein. In so fern als seine Absicht auf Hervorbringung des englischen Steinguts gerichtet ist, kann sie nur einen vorzüglichen Werth für den Staat haben,|denn der gewöhnlichen Erdenwaare wird überall selbst in der Provinz und der Fayance an mehreren Orten von Deutschland gemacht [...].«

130. Vgl. dazu den Bericht von Friedrich August Alexander Eversmann über die Steingutfabrik von Johann Heinrich Gerhard Marck in Unna vom 9. Januar 1806, in dem es heißt, »daß ich überhaupt nicht glaube, daß eine englische Steinguth Fabrik mit Vortheil in diesen Gegenden angelegt werden kann« (abgedruckt ebenda, S. 90 - 92, hier S. 92, Sp. 1). - Was das in Westfalen während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verwendete Porzellan und Steingut angeht, so gibt es bis jetzt von archäologischer Seite nur übersichten zu zwei Fundorten im Südwesten des Münsterlandes: Haus Kakesbeck (Lüdinghausen) bei Feller 1989 und Stadt Dülmen bei Rothe 1991.

131. Der 1747 in Lunéville geborene Porzellanmaler und Arkanist Victor Louis Gerverot, welcher in der Porzellan-Manufakturen in Sèvres, Niederviller, Ansbach, Kassel, Fürstenberg, Weesp, Loosdrecht, in der Fayencerie zu Schrezheim und zuletzt in der Steingut-Wiege England tätig war - also einiges von qualitätvoller Keramik verstand -, mußte seine 1788 in Köln gegründete Steingutfabrik für »Wedgwood-Ware« bereits 1792 wieder aufgeben (Meinz 1981, S. 94, Sp. 2). Von vier Steingutunternehmen im heutigen Stadtkreis Köln hatte keines einen längeren Bestand (Kermann 1972, S. 332 - 337).

132. Kermann 1972, S. 338 - 340.

133. Weddigen 1784, S. 138.

134. Meister 1909, S. 114 f. Die Liste ist mit der von P. F. Weddigen zum Jahr 1719 publizierten nahezu identisch und dürfte wohl auf der selben Quelle beruhen.

135. Lehnemann 1981, S. 116, Sp. 1 f.

136. Lehnemann 1981, S. 116, Sp. 1 f.

137. Lehnemann 1981, S. 116, Sp. 2.

138. Siehe Hoffmann 1969, S. 149 u. 164.

139. Siehe Hoffmann 1969, S. 149 f u. 164.

140. Siehe Hoffmann 1969, S. 149.

141. Siehe Hoffmann 1969, S. 164.

142. Die erste deutsche Steingutfabrik wurde im Jahr 1771 in Kassel gegründet.

143. Siehe Hoffmann 1969, S. 149 u. 164.

144. Siehe Hoffmann 1969, S. 149.

145. Siehe Hoffmann 1969, S. 164.

146. Vgl. Hoffmann 1969, S. 20 f.

147. Stieda 1905, S. 118. Er beruft sich auf Akten unter der Nr. 4605 im Staatsarchiv zu Marburg (ebenda, Anm. 35). Vgl. Riesebieter 1921 (S. 43, Anm. 1, u. S. 392, Nr. 26) u. Hüseler 1956 (S. 82, Nr. 70).

148. Vgl. Riesebieter 1921, S. 392, Nr. 26.

149. Stieda 1905, S. 118, Anm. 35.

150. Hüseler 1956, S. 82, Nr. 70.

151. Stieda 1905, S. 118.

152. Riesebieter 1921, S. 42.

153. Braun 1913, S. 285. Ihm folgt Riesebieter 1921, S. 42.

154. Braun 1913, S. 285. Ihm folgt Riesebieter 1921, S. 42.

155. Braun 1913, S. 265; Riesebieter 1921, S. 42.

156. Vgl. Riesebieter 1921, S. 43, Anm. 1.

157. Stoehr 1920, S. 100 u. 370.

158. Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 23.

159. Möglicherweise ergeben sich auch bei der Durchsicht der Fayence-Bestände in den heimischen Sammlungen - z. B. im Museum zu Hohenlimburg (Stadtkr. Hagen) - erste Anhaltspunkte.

160. Vgl. Kermann 1972, S. 325.

161. Kermann 1972, S. 337.

162. N.N. 1909, S. 306.

163. Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 180.

164. Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 24, Karte 1 (1701 - 1750), S. 25, Karte 2 (1751 1800), und S. 26, Karte 3 (1801 - 1850).

165. Vgl. Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 25, Karte 1 (erste und einzige Pfeifenbäckerei).

166. Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 207, unter Berufung auf »Cabinetts-Registratur P XII B Nr. 7« des Fürstentums Münster im Staatsarchiv Münster (S. 208, Anm. 9).

167. Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 168.

168. Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 190. Die Pfeifenbäckerei gehörte einem Uhrmacher namens Franz Thönen (ebenda).

169. Hoffmann 1969, S. 152 u. 175.

170. Entsprechende Firmen werden für Berlin (Glume, seit 1753, und Witwe Rhau, seit 1755), Halle (Welsow, seit 1753), Potsdam (Laspe, seit 1755), Weißenspring (Kienitz) und Xanten (Victor & Hülscken, seit 1748) genannt (Hoffmann 1969, S. 176).

171. Lehnemann 1975 u. Lehnemann 1975, S. 205, mit Hinweis auf die Unternehmer Jellinghaus und Wever, die laut »Generaltabelle von denen in der Grafschaft Mark befindlichen Fabriquen und Manufakturen pro anno 1788« im Jahr 1788 100 »Ofen und Pfeifen« herstellen ließen (siehe N.N. 1909, S. 322 f).

172. Brockhaus 1830, S. 313.

173. N.N. 1909, S. 306.

174. N.N. 1909, S. 306 f.

175. Freckmann 1987, S. 18, Sp. 1.

176. So Kügler 1987, S. 38.

177. Beachtung verdienen die erheblichen Unterschiede bei der durchschnittlichen Jahresproduktion pro Mann beispielsweise in Boppard 19.200 (1810/11), Bottrop 44.600 (1836/1838 - der Zusammenhang ist unsicher) und in Hagen 36.000 (1788). Eine überprüfbare Erklärung steht dazu bis jetzt aus.

178. N.N. 1909, S. 306 f.

179. Die selbe Anzahl von Arbeitern war um 1802/03 in der Pfeifenbäckerei in Gondorf an der Mosel beschäftigt, in der »fabrique« des benachbarten Winningen ebenfalls, während der Betrieb in Boppard am Rhein fünf Leuten Arbeit gab (Freckmann 1987, S. 17, Sp. 1). Mehr als zehn Beschäftigte dürften die Ausnahme gewesen sein (vgl. Freckmann 1987, S. 17, Sp. 1), doch erreichten beispielsweise nach Kügler 1987 (S. 26) im Westerwald Betriebe bereits im 18. Jahrhundert »Größenordnungen von bis zu 50 Beschäftigten«. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, daß es sich bei solchen Firmen wenigstens zum Teil - vor allem im 19. Jahrhundert - um Verlage handelte, deren Mitarbeiter an unterschiedlichen Produktionsstätten Heimarbeit war nichts Ungewöhnliches - tätig wurden. Der jeweilige Unternehmer trat also als Verleger auf und war daher auch nicht unbedingt Pfeifenbäcker von Beruf (vgl. Kügler 1987, S. 26 f u. 60). Nach Kügler 1982 (S. 241) genügten »in der Anfangszeit« bei der Tonpfeifenherstellung drei bis vier Personen, und zwar der Meister mit einem oder zwei Gesellen, welche den Ton vorbereiteten, die Pfeifen formten und den Brand vornahmen, sowie die Frau des Meisters, welche die übrigen Arbeiten (z. B. Putzen und Verpacken der Pfeifen) ausführte. Hinzu kamen eventuell noch Kinder und Lehrjungen, die den Beschäftigten zur Hand gingen (vgl. Kügler 1982, S. 242).

180. N.N. 1909, S. 306.

181. Es entspricht ungefähr den Gemeinden Bergneustadt, Gummersbach und Marienheide im Oberbergischen Kreis und wurde nach den Grafen von Schwarzenberg auf dem Schloß zu Gimborn benannt. Das »Schwarzenbergische« gehörte ehemals zur Grafschaft Mark. Diese Angaben sind entnommen aus: Hans Mann, Der Oberbergische Kreis. Kleine Heimat- und Kreiskunde, Bonn 1950, S. 40 (mit Karte).

182. Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 27.

183. Kügler 1982, S. 256, unter Berufung auf die Akte »110 XVII 2 f. 96-98«, hier Rückseite von f. 96 (ebenda, Anm. 106).

184. Kügler 1982 und Kügler 1987. Siehe bei Kügler 1987 insbesondere die Pfeifenbäckerlisten auf S. 25 und 30, welche allerdings den Zeitraum 1771 bis 1809 betreffen. Die Listen können in diesem Zusammenhang wohl auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

185. Vgl. Kügler 1987, S. 29.

186. N.N. 1909, S. 306 f.

187. Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 180, unter Berufung auf »St[aats ]A.[rchiv] Münster, Mscr. I Nr. 257«.

188. Von einer Fabrik im heutigen Sinne kann wohl kaum die Rede sein; vgl. Kügler 1987, S. 113.

189. Gädicke 1799, S. 346 (nach Kügler 1987, S. 114, Sp. 2).

190. Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 180, unter Berufung auf »StA. Münster, Nachlaß Giesbert von Romberg A Nr. 6« (ebenda, Anm. 3).

191. Nach Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 180.

192. Vgl. Freckmann 1987, S. 16, Sp. 2.

193. Freckmann 1987, S. 16, Sp. 2.

194. Kügler 1987, S. 29.

195. Siehe die durch die Andeutung neuerer Straßen ergänzte Umzeichnung eines Ausschnittes bei Voß 1981 (S. 44, Abb. o. Nr.) und vergleiche dazu die Eigentumsangabe zu Nr. 135 nach dem Liegenschaftsbuch der ehemaligen Gemeinde Hagen Nr. 328 aus dem selben Jahr 1825 (ebenda, S. 47, Sp. 1).

196. An der Nordostseite noch im heutigen Straßenbereich zwischen Dödterstraße und Möllenhoffstraße, und zwar nicht weit von der Einmündung der letztgenannten Nebenstraße entfernt.

197. Siehe die Eigentumsangabe zu Nr. 135 nach dem Liegenschaftsbuch der ehemaligen Gemeinde Hagen Nr. 328 aus dem Jahr 1825 (Voß 1981, S. 47, Sp. 1).

198. Der Verfasser ist für Hagen betreffende Hinweise auf Glas- und Keramikfunde bzw. sammlungen dankbar.

199. Vgl. Kügler 1987, S. 36, 62 f u. 65.

200. Voye 1908, S. 144: Jahresproduktion von zwei Millionen Stück im Zeitraum 1850/70.

201. Krackrügge 1834 (Bruns 1978, S. 41, Sp. 1). Bei Dicke 1834 wird die Witwe bloß mit »Drechslerei u. Drechslerladen« geführt (Bruns 1978, S. 38, Sp. 1).

202. Dicke 1834; Krackrügge 1834 (jeweils nach der Wiedergabe bei Bruns 1978, S. 47 - 50).

203. Dicke 1834 (bei Bruns 1978, S. 47, Sp. 2).

204. Krackrügge 1834 (bei Bruns 1978, S. 48, Sp. 2).

205. Krackrügge 1834 (bei Bruns 1978, S. 48, Sp. 2).

206. Krackrügge 1834 (bei Bruns 1978, S. 48, Sp. 2).

207. Bei Kügler 1987 (S. 39) wird in diesem Zusammenhang der Begriff »Nikolauspfeife« gebraucht.

208. Lehnemann 1975, S. 45.

209. Lehnemann 1975, S. 180, unter Berufung auf »StA. Münster, Nachlaß Giesbert von Romberg A Nr. 6« (ebenda, Anm. 3).

210. Nach dem Abdruck bei Voß 1981, S. 46 - 50.

211. Dicke 1834; Krackrügge 1834 (jeweils nach der Wiedergabe bei Bruns 1978, S. 47 - 50). Daß in den Adreßbüchern Töpfer vertreten sind, zeigt sich am Beispiel der »Kreis-Stadt« Dortmund, denn bei Dicke 1834 (Bruns 1978, S. 37, Sp. 1) werden für 1832/1833 als »Töpfer« Peter Floer und Heinrich Hobbert erwähnt. Krackrügge zufolge war der Erstgenannte 1833/1834 »Töpfer und Lumpenhändler«, H. Hobert desgleichen, aber zusätzlich »Gemeinderath« (Bruns 1978, S. 39, Sp. 1).

212. Hierzu gehörten im Jahr 1832 die Bürgermeistereien Hagen, Enneperstraße, Boele, Herdecke, Schwelm, Langerfeld, Haßlinghausen, Sprockhövel, Breckerfeld, Ennepe und Volmarstein (nach Wendt 1832).

213. Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 30, Tabelle 2.

214. Voß 1981, S. 38, Abb. oben (mit der Jahresangabe »1824«).

215. Ein Abdruck des Originals, oder doch wenigstens von Auszügen daraus, ist dem Verfasser nicht bekannt.

216. Walter K. B. Holz bei Nieden 1959, S. 158, Sp. 1: »im ersten Weltkriege«.

217. Nieden 1959, S. 159, Sp. 1, und Nieden 1981, S. 51.

218. Claas 1951, S. 87, Sp. 2.

219. Spohn 1990, S. 206, Sp. 1. Umsiedlungsvorschläge machte unter Zuhilfenahme eigens gefertigter kartographischer Darstellungen der von der Kriegs- und Domänenkammer zu Kleve verpflichtete Architekt Johann Michael Moser (siehe Timm 1976, S. 108, Sp. 1).

220. Zitiert nach Spohn 1990, S. 196, Nr. 23. Die Pläne des Architekten Moser sind bei Timm 1976 (S. 108, Sp. 2) dargelegt.

221. Spohn 1990, S. 206, Sp. 1. Diese Auffassung liegt vermutlich darin begründet, daß ihm nur der von Johann Michael Moser gefertigte Plan des Ortzentrums vom Jahr 1724 vorlag (ebenda, S. 205, Abb. 5), nicht aber der Gesamtplan (vgl. Timm 1976, S. 108, Sp. 1).

222. Siehe L. Ennen, Der Domhof zu Köln und sein früherer Zustand, in: Richard Pick (Hg.), Monatsschrift für die Geschichte Westdeutschlands mit besonderer Berücksichtigung der Rheinlande und Westfalens, IV. Jahrgang, Trier 1878, S. 693 ff, hier S. 702 - 704, 707 (»Gaddemen, Buden und Kaufstände, in denen die herbeitströmenden Pilger sich mit allen Bedürfnissen versehen konnten«) u. 709 f.

223. Lehnemann 1975, S. 180. Als Adresse wird hier »Hengstey 216« angegeben.

224. Lehnemann 1970, S. 122.

225. Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 192, dazu Anm. 3 auf S. 194. - Als »Magazinverwalter der Eisenhütte Westphalia« in der »Bürgermeisterei Lünen« wurde von Goswin Krackrügge für die Zeit 1833/1834 Ferd. Schwenke genannt (Krackrügge 1834; zitiert nach der Wiedergabe bei Bruns 1978, S. 41, Sp. 1). Die Eisenhütte »Westphalia« war 1832/1833 nach F. W. Dicke eine »Gießerei von allen Sorten Töpfen, Oefen, etc.« (Dicke 1834; nach Bruns 1978, S. 44, Sp. 2, siehe bei »Wehrenbold et Comp.«).

226. Voye 1908, S. 291, unter Berufung auf einen nicht genauer bezeichneten »Handelskammerbericht«.

227. Siehe Lehnemann 1970, S. 114.

228. Sehr plastisch dargestellt bei Lehnemann 1970, S. 120.

229. Lehnemann 1970, S. 120; Lehnemann 1975 und Lehnemann 1978, S. 193.

230. Zitiert nach Lehnemann 1970, S. 121.

231. Dicke 1834 (bei Bruns 1978, S. 44, Sp. 2, siehe unter »Wehrenbold et Comp.«).

232. Vgl. Lehnemann 1970, S. 120.

233. Lehnemann 1970, S. 121.

234. Vgl. Lehnemann 1978, S. 48.

235. Lehnemann 1978, S. 48.

236. Segschneider 1983, S. 143.

237. Die Tatsache, daß in Hagen - im Gegensatz etwa zu Hohenlimburg - kaum Töpferware verwahrt und in Museen zur Schau gestellt wurde (jedenfalls ist dem Verfasser darüber nichts bekannt geworden), scheint die Vermutung von einer lange Zeit anhaltenden und verbreiteten Geringschätzung solcher keramischen Produkte zu bestätigen.

238. Jansen 1940, S. 118, Sp. 2.

239. Timm 1979, S. 10, Nr. 73.

240. Timm 1976.

241. Timm 1979, S. 10, Nr. 77; Oberegge 1981, S. 375, Sp. 1. Das für damalige Zeit aufwendige Fabrikgebäude wurde nach Ilse Oberegge bereits im Jahr 1740 erbaut (ebenda). Die staatliche Genehmigung zur Errichtung der Manufaktur erfolgte am 17. Juli 1740 (Jansen 1951, S. 103, Sp. 1).

242. Jansen 1951, S. 105, Sp. 1; Oberegge 1981, S. 375, Sp. 3.

243. Oberegge 1981, S. 375, Sp. 1.

244. Timm 1975; Timm 1979, S. 10, Nr. 78; Holz 1981, S. 138, Sp. 2 f, mit photographischer Wiedergabe der Urkunde auf S. 139.

245. Oberegge 1981, S. 375, Sp. 1.

246. Timm 1979, S. 10, Nr. 82; Oberegge 1981, S. 371, Sp. 1.

247. Timm 1979, S. 10, Nr. 83.

248. Darpe 1910, S. 15.

249. Jansen 1940, S. 118, Sp. 2.

250. Darpe 1910, S. 15.

251. Jansen 1940, S. 118, Sp. 2.

252. Darpe 1910, S. 15.

253. Darpe 1910, S. 15.

254. Darpe 1910, S. 15. Daher stammt übrigens auch der Begriff »über die Wupper gehen«.

255. Weddigen 1784, S. 122 u. 139; Frommann 1950, S. 5.

256. Bei Frommann 1950 (S. 5) ist für das Jahr 1765 irrtümlich die Zahl 799 angegeben (wie bei Breckerfeld).

257. Darpe 1910, S. 15.

258. Darpe 1910, S. 15.

259. Hoffmann 1969, S. 41, Tabelle o. Nr.

260. Hoffmann 1969, S. 41, Tabelle o. Nr.

261. Es handelt sich um einen einzigen Gewerbebetrieb (Hoffmann 1969, S. 42).

262. Es handelt sich hier ebenfalls um einen einzigen Gewerbebetrieb (Hoffmann 1969, S. 42), und zwar um die Tuchfabrik »Wilmsen & Konsorten« mit 69 Beschäftigten (ebenda, S. 57, Tabelle o. Nr.).

263. Hier arbeiteten in der Leinenproduktion der Firma »Sternberg Erben« - vermutlich ein Verlag - 163 Personen (Hoffmann 1969, S. 59, Tabelle o. Nr.).

264. Hoffmann 1969, S. 41, Tabelle o. Nr.

265. Frommann 1950, S. 5.

266. über die Wanderziegler aus Lippe allgemein siehe Bartelt 1986, mit Hinweisen auf weiterführende Literatur.

267. Voye 1908, S. 289.

268. Voye 1908, S. 289.

269. Lehnemann 1981, S. 116, Sp. 1.

270. Mittelalterliche und neuzeitliche Fundstücke und Baureste, die an der Oberfläche oder bei Ausschachtungen zu Tage treten, sollten beim Westfälische Museum für Archäologie (Amt für Bodendenkmalpflege) in Münster gemeldet werden; zuständig ist das Fachreferat Mittelalter-Archäologie (Tel. 0251/5914062).



Detlef Rothe, 03.05.1994



Glas und Keramik in Hagen. Ein Nachtrag



In einem unlängst in dieser Zeitschrift erschienenen Aufsatz [Die Studie wurde zwar vollständig gesetzt, und deren Satz weitgehend korrigiert, ist aber nicht erschienen!] wurde die Herstellung von Waren aus gebrannter Erde (Glas und Keramik) im früheren Kreis Hagen behandelt. Diesen Beitrag schrieb Verfasser zum Gedenken an den geschichtlich und geographisch engagierten und begeisternden Hagener Heimatfreund Johann Janßen (1900 - 1990). Eine eingehende Würdigung dieses unvergessenen Mannes erschien im Heft »4/91« dieser Zeitschrift [Hohenlimburger Heimatblätter für den Raum Hagen und Iserlohn, redigiert von Wilhelm Bleicher (vgl. auch das Vorwort des selben Redakteurs in Heft 2/1978, S. 29)].

Der eingangs genannte Artikel ist freilich auch im Hinblick auf das anstehende 250-Jahre-Jubiläum Hagens als Stadt zu verstehen. Zum Thema hätte vielleicht auch die Kalkgewinnung bzw. -verarbeitung gehört, doch war dem Verfasser eine angemessene Berücksichtigung im Rahmen des einführenden Aufsatzes nicht möglich. Über die Kalkindustrie im Hagener Raum informiert bereits Herbert Kersberg: Die Volmehanghöhle in Hagen. Mit Beiträgen zur naturlandschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung des Kalk- und Dolomitgesteins im Hagener Raum (Hagener Beiträge zur Geschichte und Landeskunde, hg. v. d. Stadt Hagen, Heft 8), Hagen 1977 (siehe hier S. 10 - 21). Zur Kalkgewinnung und -verarbeitung in vorindustrieller Zeit vergleiche man Karl Schaub: Als noch Kalk- und Kohlenmeiler rauchten, in: Hagener Heimatbund e. V. (Hg.), Eilpe - Delstern - Selbecke. Landschaft - Geschichte - Menschen, Hagen 1978, S. 9 - 10. Weitere Arbeiten sind Verfasser vielleicht bloß unbekannt geblieben.

Die neuzeitliche Ziegelproduktion wurde nur knapp berücksichtigt, da deren Bedeutung bezüglich des 18. und 19. Jahrhunderts erst allmählich zu Tage trat. Diesem Thema wäre eine eingehendere Behandlung zu wünschen, und zwar nicht nur den heimischen Raum betreffend. Eine erwähnenswerte Arbeit, welche allerdings noch auf der Analyse von Karten fußte (deren Aktualität nicht immer sichergestellt ist), liegt für den Kölner Raum vor, siehe Hans Köhler: Köln. Natürliche Grundlagen des Werdens einer Großstadt. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Universität Köln, Berlin 1941 (S. 113 - 118). Für einen Vergleich mit Hagen bietet sich ein bedauerlicherweise recht allgemein gehaltener Artikel über die Ziegelindustrie der Stadt Dortmund an, und zwar Werner Sarholz: Kommt herbei: Es lebe die Ziegelei! Die Hohe Zeit des gebrannten Lehms. Dortmunds Industrie im Wirtschaftsboom des 19. Jahrhunderts, in: Historischer Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark e. V. (Hg.), Heimat Dortmund. Stadtgeschichte in Bildern und Berichten, 2/92, Dortmund 1992, S. 10 - 14. Bessere Vergleichsmöglichkeiten bietet Karl Eckart: Die Ziegelindustrie in Nordrhein-Westfalen. Eine industriegeographische Entwicklungsstudie mit einer Kartenbeilage, in: Peter Schöller u. Alfred Hartlieb von Wallthor (Hg.), Westfälische Forschungen. Mitteilungen des Provinzialinstituts für westfälische Landes- und Volksforschung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, 27. Band 1975, Münster in Westfalen 1976, S. 129 - 158 (u. Beilage Abb. 1).

Für den Nordwesten des heutigen Hagener Stadtkreises aufschlußreich ist Wolfgang Wiethoff u. Hans-Peter Jaraczewski: Dat olle Vörhalle. Bilder und Vertellkes. Als Oma noch ein Mädchen war, Hagen 1980 (31992). In dem darin (auf S. 11 f) ausschnittsweise abgedruckten Adreßbuch zum Jahr 1884 werden bezüglich der »Gemeinde Vorhalle« drei Ziegeleibesitzer bzw. Ziegelfabrikanten genannt, nämlich August de Myn (»Am Sporbeckerweg 84«), Carl Wilhelm Rath (»Kaffeemühle 49«) und Peter Heinrich Schliekmann (»am Sporbeckerweg 77«). Der Ziegler Lebens- und Arbeitswelt in Vorhalle wird in dem Stadtteil-Band auf den Seiten 114 bis 131 recht ausführlich behandelt, worauf hier verwiesen werden muß. Zur Dampfziegelei Rath, welche unweit des Sporbecker Weges einen »Schieferberg« an der »Lanfert« ausbeutete (später Gelände der Firma "Helin") und 1910 ihren Betrieb einstellte (Abriß 1913), siehe auch S. 108.

Die Ziegelindustrie nutzte in Vorhalle nicht etwa bloß Lehm, sondern es wurde auch Schiefer bzw. Schieferton abgebaut (siehe ebenda, S. 132, Foto »im de Mynschen Schieferberg«); daher ist wohl die bereits angesprochene hohe Qualität des "Hagener Klinkers" zu verstehen. Die drei auf S. 127 wiedergegebenen Ziegelstempelabdrücke

EU/D/NRW/HA/Vorhalle/Ziegelstempelabdruck_Wilhelm_Escher_in_Vorhalle
»WILH.ESCHER IN HERDECKE«,

EU/D/NRW/HA/Vorhalle/Ziegelstempelabdruck_Schliekmann_et_Escher_in_Vorhalle
»SCHLIEKMANN.& ESCHER:HERDECKE« und

EU/D/NRW/HA/Vorhalle/Ziegelstempelabdruck_P.H.Schliekmann_in_Vorhalle
»P.H.SCHLIEKMANN BEI HERDECKE«

lassen erkennen, daß im 19. Jahrhundert als Herkunftsbezeichnung nicht Vorhalle, sondern der Nachbarort Herdecke üblich war, nach welchem sogar der Vorhaller Bahnhof benannt war (siehe dazu S. 86). Das erklärt ferner auch entsprechende Herkunftsangaben zu den drei bekannten Bronzeschwertern vom Kaisberg (aus der Jüngeren Bronzezeit) in der älteren Literatur.

Einen Eindruck von der Situation der Ziegeleien am 'Bahnhof Herdecke' östlich von Vorhalle gewinnt man mit Hilfe des Meßtischblattes (Neuaufnahme) aus dem 1890er Jahrzehnt:
EU/D/NRW/HA/Vorhalle/189xxxxx_Ziegeleien_in_Vorhalle_auf_der_Neuaufnahme_TK25
Man vergleiche dazu auch das jüngere Übersichtsfoto, welches die Situation von Süden wiedergibt:
EU/D/NRW/HA/Vorhalle/Ziegeleien_oestlich_von_Vorhalle_von_Sueden_vor_1981

Überaus eindrucksvoll sind die beiden Luftbilder der Ringofen-Dampfziegelei von Karl de Myn aus dem Jahr 1957

EU/D/NRW/HA/Vorhalle/1957xxxx_Ringofendampfziegelei_Karl_de_Myn_von_Sueden
und dem 1960er Jahrzehnt (S. 124 f).
EU/D/NRW/HA/Vorhalle/196xxxxx_Ringofendampfziegelei_Karl_de_Myn_von_Suedosten


[Vergleichsbild mit Autobahnanschluß]

Eine weitere Luftaufnahme (vom Jahr 1956) zeigt neben dieser Ziegelei auch die Vorhaller Klinkerwerke »Schütte & Tücking«, und zwar gleichfalls noch mit rauchendem Schornstein (S. 128 oben).
EU/D/NRW/HA/Vorhalle/1956xxxx_Ziegeleien_Schuette_et_Tuecking_und_Karl_de_Myn
Der letztgenannte Betrieb wird darüber hinaus auf einem undatierten Foto mit dem heute längst verfüllten "Schieferberg" (Steinbruch bzw. Lehmgrube) aus der Vogelperspektive dargestellt (S. 130).
EU/D/NRW/HA/Vorhalle/196xxxxx_Ringofendampfziegelei_Karl_de_Myn_von_Suedosten
Eine alte Bezeichnung für Schiefer ist übrigens "Leyen", wodurch eine Unterscheidung von anderem Stein (z. B. Karbonsandstein - zur Dachdeckung mit Platten aus diesem Material siehe etwa das Foto eines sogenannten "Kornkastens" vom Jahr 1925 auf S. 34) in historischen Quellen möglich wird (vgl. die den Wiederaufbau Hagens betreffenden Anweisungen nach der Brandkatastrophe von 1724).

In der eindrucksvollen Arbeit über Vorhalle findet sich auch die 1864 gegründete Töpferei von W. Schwenke berücksichtigt, wobei sie als »Pottbäckerei« bezeichnet wird (S. 110).

EU/D/NRW/HA/Vorhalle/1979xxxx_Seitenansicht_der_Pottbaeckerei_an_der_Geitebruecke
Das zweigeschossige Haus (Abb. ebenda) erweckt eher den Eindruck einer kleinen "Tonwarenfabrik" als etwa denjenigen einer "Bauerntöpferei" herkömmlicher Art. Die Gründung erst im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts - als zunehmend das industriell gefertigte Steingut bevorzugt wurde erfolgte sicherlich mit einer rationellen, stark mechanischen Ausstattung; dennoch ging der Betrieb an Arbeitskräftemangel zugrunde (ebenda wird als Jahr der Stillegung schon 1884 angegeben). Die eigentliche Überraschung liegt freilich in der Festlegung des Standortes, denn die ehemalige "Pottbäckerei" im damaligen "Amt" bzw. in der Gemarkung Boele (zum Grenzverlauf vgl. die Kartenausschnitte auf S. 107) lag bereits westlich der Volme (nördlich der "Herdecker Straße"), also eher zwischen Eckesey und Vorhalle (siehe dazu die Lageskizze auf S. 112) als bei Hengstey.

Erst nachträglich bekannt wurde weiterhin die Foto-Dokumentation von Helga Paar: Unser Kuhlerkamp und seine Nachbarn Philippshöhe und Tücking. Erinnerungen, Hagen 1989. Dieser Band enthält weitere wichtige "Materialien" zu einer Hagener Wirtschaftsgeschichte, darunter (auf S. 177 f) zwei Fotos der Ziegelei von C. Brandt am Roderberg nahe dem Bahnhof Heubing (bei Haspe), welche Verfasser bedauerlicherweise übersah (Verwechslung mit der »Hasper Dampf-Ziegelei«):

EU/D/NRW/HA/Haspe/vor_der_Ziegelei_C_Brandt_bei_Heubing_um_1900 EU/D/NRW/HA/Haspe/Ziegelei_Brandt_am_Roderberg_bei_Heubing_etwa_1960 EU/D/NRW/HA/Haspe/196xxxxx_Abbruch_der_Ziegelei_in_der_Gewecke_bei_Haspe_von_Hannelore_Hetfeld
heutiger Zustand (Oktober 2005): EU/D/NRW/HA/Haspe/StrasseImLindental/20051030_1352_IMAG0006_ehemalige_Ziegelei_In_der_Geweke_Ecke_Im_Lindental
Genaue Lageangaben bietet dazu die Karte »PLAN DER STADT HASPE« vom 1. April 1914, auf welche Herr Heidmann (Kataster- und Vermessungamt Hagen) dankenwerterweise aufmerksam machte. Auf dieser Karte sind beide Betriebe eingetragen, und zwar die »Hasper Dampf-Ziegelei« an der ehemals »Nachtigallstraße« genannten Straße "Distelstück" (östlich »Baukloh« und südöstlich »Nachtigall« etwa in der westlichen Verlängerung der "Klagenfurtstraße") und die »Zgl. v. C. Brandt« zwischen den Straßen "In der Geweke", "Im Lindental" (früher: »Gewekestraße«) und "Tückingstraße" (unmittelbar westlich von »Linnhardt«. Die »Hasper Dampf-Ziegelei« ist wohl mit der Ziegelei Feldhaus identisch, welche bereits 1843 zu Westerbauer bestand; die genaue Lage der frühzeitig nach Vorhalle verlegten Ziegelbäckerei von Peter Heinrich Schliekmann in Kückelhausen bleibt allerdings offen.

Die ehemalige Ziegelei am Roderberg im Winkel der Straßen 'In der Geweke', 'Im Lindental' und 'Tückingstraße' ist auch in dem Meßtischblatt aus dem 1890er Jahrzehnt deutlich dargestellt:
EU/D/NRW/HA/Haspe/189xxxxx_Ziegelei_am_Roderberg_auf_Neuaufnahme_TK25

Das Buch mit dem Kürzel (im Literaturverzeichnis) "Lammert et Rehkopp 1976" liegt jetzt als Nachdruck vor (Hagen 1992). Vor dem Titelblatt wurde ein Beitrag mit dem Titel »Verborgene Schätze wiederentdeckt. Kunstschätze und Erinnerungsstücke / Urkunden und Dokumente aus dem alten Boele« unpaginiert ergänzt, welcher jedoch hinsichtlich von Glas und Keramik wenig Neues bietet. Bei einer Durchsicht des Bandes ergab sich, daß der Name der Ziegelei an der Straße "Ginsterheide" »Schaft« (nicht: "Schaff") heißt (S. 31). Zur Ziegelei Kramberg an der "Steinhausstraße" (früher: "Batheyer Straße") Nr. 32 - von der ein Foto vorliegt (S. 61, Sp. 2)

EU/D/NRW/HA/Boele/Steinhausstrasse/Ziegelei_Karl_Kramberg_Steinhausstrasse_32
- wird mitgeteilt, daß sie im Jahr 1873 von der Firma "Semmler & Co.« zu Dortmund gegründet wurde, welche zwei Jahre später einging. Das zwischen Boele und Bathey gelegene Betriebsgelände erwarb Karl Kramberg (ebenda), worauf sich der Name beziehen dürfte. Der Zeitpunkt der Ziegelei-Aufgabe (wohl nach dem "Zweiten Weltkrieg" - vgl. ebenda) ist unbekannt.

Was die Herstellung von Glas in Hagen angeht, so fehlen noch immer konkrete Anhaltspunkte, welche Zweifel an der Inbetriebnahme der geplanten Hütte beseitigen könnten. [ Zu bedenken wäre auch, ob die Bezeichnung ,Glasmacher' bei den Judenfamilien in Hagen um 1720 nicht vielleicht irrtümlich für ,Glaser' gebraucht sein könnte. ] Hinsichtlich der Zuweisung der besprochenen "Hochzeitsflaschen" an die für Dortmund-Sölde [ richtig: Dortmund-Hörde ] postulierte Glashütte Toskana ist Verfasser gleichfalls skeptischer geworden. So liegen inzwischen für das frühe 19. Jahrhundert vage Hinweise auf Glashütten bei Osnabrück vor, welche eine Neubewertung der Vorkommen von Produktionsstätten und Erzeugnissen erforderlich machen; zudem gelangten vergleichbare Flaschen in ein Museum der Stadt Hannover. Eine Herstellung von Branntweinflaschen des betreffenden Typs und anderer Emailgläser liegt auch in der "Emder Glashütte" (Gemeinde Nieheim, Kreis Höxter) nahe, welche im 1720er Jahrzehnt gegründet wurde und bereits im 18. Jahrhundert ein hohes Ansehen hinsichtlich bemalter und vergoldeter Hohlglaswaren genoß.

Ein Bild vom früheren Gebrauch von Tonpfeifen Westerwälder Art im Hagener Raum vermittelt das Foto Nr. 149 bei Willy Timm: Hagen in alten Ansichten aus der Bildersammlung des Stadtarchivs Hagen, Zaltbommel/Niederlande 1979 (41991). Als Entstehungszeit wird das Jahr 1890 angegeben (auf dem abgebildeten Amboß steht eine entsprechende Zahl). Nicht uninteressant sind diesbezüglich auch die beiden Belegschaftsfotos auf S. 167 des Stadtteilbandes "Eilpe - Delstern - Selbecke". Demnach entwickelte sich die verhältnismäßig kurzstielige Westerwald-Tonpfeife im späten 19. Jahrhundert offenbar zu einem typischen Attribut des heimischen Industrie-Arbeiters, ähnlich wie es zuvor die lange holländische Tonpfeife bezüglich der Bauern und Handwerker einmal war...




Nachträge

In den vom Hagener Heimatbund e. V. herausgegebenen Jahrgängen 2015 und 2016 von ,HagenBuch. Impulse zur Stadt-, Heimat- und Kulturgeschichte' hat Peter Arnold einen ausführlichen zweiteiligen Aufsatz unter dem Titel ,Ziegel und Ziegeleien in Hagen und Umgebung' veröffentlicht. Es werden auf den Seiten 227 - 237 bzw. 125 - 139 nicht nur die Produktionsstätten behandelt, sondern auch zahlreiche gestempelte Produkte in Farbaufnahmen vorgelegt. Auf diese Weise ist es einfach, bestimmte Ziegel einzelnen Ziegeleien zuzuordnen. Wünschenswert wäre dazu noch eine tabellarische Übersicht, aus welcher sich ersehen läßt, in welchem Zeitrahmen die vorgestellten Ziegelstempel verwendet wurden. Dem Verfasser ist jedenfalls für seine Ergänzungen sehr zu danken!

Im zweiten Band findet sich vom selben Verfasser auch ein Artikel zum Thema ,Alaunbergbau' im Bereich Henkhausen/Hohenlimburg - der Themenkomplex ,Rohstoffgewinnung und -verarbeitung in Hagen' bietet noch ein weites Betätigungsfeld. Ich darf hier nur an die Alaunzeche Minerva in Wehringhausen erinnern, darüber an die Steingewinnung (u. a. zur Kalkproduktion) und die Erzvorkommen.

Es sei nochmals betont: Was ich zur angeblichen Glasproduktion in Dortmund-Sölde geschrieben habe, ist veraltet! Die Familie Toscan(a) ist tatsächlich in Hörde ansässig gewesen. Ob sie dort Glasgefäße herstellte oder bloß vermittelte, muß ich bis auf Weiteres dahingestellt lassen.

Ziegelsteine aus Hagener Produktion sind mittlerweile zum Sammelgut geworden. Bei Wanderungen auf der Halle zwischen Haspe, Vorhalle und Eckesey wurden gelegentlich entsprechende Überbleibsel geborgen:




DANKSAGUNG


DEN ENGAGIERTEN MITARBEITERN DES STADTARCHIVS HAGEN DANKE ICH FÜR DIE BEREITSTELLUNG SELTENER FOTOS BEI FACEBOOK, WELCHE AUCH MEINE ARBEIT IN VIELEM FÖRDERN!

Hinweis: Für die Aktualität, Funktionalität und Korrektheit der angegebenen Links erfolgt keine Gewähr!



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