Detlef Rothe 16.01.1976
Der Kaisberg weckt immer wieder die Interessen der Heimatforscher:
Erster archäologischer Aufsatz von Detlef Rothe aus Hagen in Westfalen
Dieser Text war Teil eines Schreibens an die Altertumskommission für Westfalen zu Münster, verfaßt im Alter von zarten sechzehn Jahren!

Dieser Berg [gemeint ist der Kaisberg bei Hagen-Vorhalle] weckt immer wieder die Interessen der Heimatforscher. Wiederholt wird von einer Wallburg an dieser Stelle berichtet. Ein Freund von mir [Heinz Lemmermann] spricht von "Wallerscheinungen", die an mindestens einer Stelle noch über einen Meter hoch sind. Ich werde den Ort noch selbst untersuchen. Der Berg oder besser Hügel ist zum größten Teil bewaldet. Dies hat einerseits den Vorteil, daß die Wallreste erhalten geblieben sind (von denen schon seit vielen Jahrzehnten berichtet wird), anderseits kann kein Pflug Scherben oder andere Zeugnisse einer vor- bzw. frühgeschichtlichen Besiedlung freilegen. Außerdem ist das Erdreich. stellenweise stark gestört. Hier wurde im Mittelalter Kohle abgebaut, wofür 14 Pingen und ein Stollen Pate stehen. [...]
Der Kaisberg hat aber noch mehr von seiner Geschichte preisgegeben. Da gibt es eine spätrömische Goldmünze: 393/395 nach Christus wurde ein Solidus von Theodosius I. geprägt, der von Sirmium bis hierher gelangt ist. Bei der Anlage einer Eisenbahnstrecke fand man 3 Bronzeschwerter, Griffzungenschwerter der jüngeren süddeutschen Urnenfelderkultur (Hallstatt B). Bei diesen handelt es sich scheinbar um einen Verwahrfund. Auch aus der Jungsteinzeit kommt ein Fund. Südöstlich vom Kaisberg, nahe der Eisenbahnanlagen [ verschrieben für "der Eisenbahnanlage" oder "den Eisenbahnanlagen"] fand man eine Pfeilspitze aus diesem Zeitraum. Um mich mit der Topographik [sic!] des Geländes vertraut zu machen, habe ich eine kleine Reliefkarte im Maßstab 1:10000 angefertig[t]. Der Hügel lädt geradezu für ein römisches [gemeint: zu einem römischen] Lager ähnlich des [richtig: dem] Feldlager in Haltern ein. Bei der Gelegenheit fällt mir ein, daß mich die Fundmitteilung (beiläufige) von einem römischen Schwert aus Bronze (!), das bei [Hermann] Esser in "Hohenlimburg und Elsey" erwähnt wird und auch am Kaisberg gefunden [worden] sein soll, in Verwirrung bringt. Ist es das erste von den drei bronzezeitlichen Schwertern? Die beiden anderen sollen nämlich erst beim weiteren Suchen gefunden worden sein. [Als Gewährsmann kommt hier nur Johann Janßen in Frage, aber die eigentliche Quelle bleibt unklar.] Die strategische Lage des Kaisberges war scheinbar hervorragend. In frühgeschichtlicher Zeit soll die Volme, die heute fast 2 km östlich vom Kaisberg in die Ruhr mündet, den Berg parallel zur Ruhr umflossen haben und erst bei Volmarstein mit den zweitgenannten Fluß zusammengeflossen sein. Der Berg birgt sicher noch manches Geheimnis, das ich Sie zu bergen helfen bitte.
Links
Kultureinflüsse am Kaisberg in der Ur- und Frühgeschichte (1991)
Zur Eröffnung des Museums für Ur- und Frühgeschichte in der Wasserburg Werdingen bei Hagen-Vorhalle (2004)
Kaisberg im Wikipedia-Lexikon
Online-Fassung: 20070101 21:35