28.12.1993


REGIONALES: Alles aus Hagen


Mittelalterliche bis neuzeitliche Arbeitsspuren im Hagener Stadtwald

von Detlef Rothe aus Hagen-Wehringhausen (Author: Detlef Rothe)


Bei einer Wanderung über die Hesterthardt in Richtung auf den Kettelberg südlich von Haspe fand der Verfasser am 23. Dezember 1993 beim Überschreiten des Kleinen Kettelbachs in demselben einen 905 Gramm schweren Brocken Schlacke wohl von einem Rennfeuer in offenbar sekundärer Lagerung. Das dunkelrötlich bis nahezu schwarz gefärbte Fundstück ist stark blasig-porös und weist mehrere größere Holzkohleneinschlüsse auf. An wenigen Stellen ist die Schlacke grünlich-gelb verfärbt (an einer größeren Stelle eher orange) und wirkt hier schaumig (nur kleine Luftblasen). Die unregelmäßig geformte Schlacke weist auf allen Seiten scharfe Bruchkanten auf, welche trotz der Lagerung im Bach keine Schleifspuren oder - sofern es bei diesem Material überhaupt möglich ist - Abrollungen oder Auswaschungen auf. Der Fundpunkt liegt bei 2599.840 +/- 5 m "rechts", 5688.985 +/- 10 m "hoch" 193 +/- 2 m über Normalnull.

An der Fundstelle

EU/D/NRW/HA/Haspe/Kettelbachtal/Planausschnitt_Kettelbach
gibt es keine Hinweise auf Bodeneingriffe, durch welche das Schlackenstück in den Bach gelangt sein könnte. Da sich unweit unter anderem Reste von modernem Porzellan (20. Jahrhundert) fanden und unmittelbar westlich des Baches die Kraftverkehrsstraße »Im Kettelbach« vorbeiführt, erscheint es nicht ausgeschlossen zu sein, daß das Fundstück von der Ladefläche eines Lastkraftwagens abgerutscht und hangabwärts in den Bach gerollt ist. Andererseits hält der Verfasser es für wahrscheinlicher, daß das Fundstück durch das nach starken oder doch wenigstens anhaltenden Regenfällen angeschwollene Fließgewässer freigespült wurde, wobei es zuvor einmal an anderer Stelle losgehackt worden war. Unmittelbar östlich der Fundstelle befindet sich eine künstliche Verebnung, deren Niveau nur wenige Dezimeter oberhalb des Bachlaufs liegt und welche in den Talhang einschneidet und von ihrer Größe her mit einem Gebäude bebaut gewesen sein könnte. Der Hangeingriff ist auf der DGK 1:5000 durch den Verlauf der Höhenlinien nur angedeutet. Etwas nördlich (abwärts) teilt sich der Bach in zwei Arme, welche eine deutlich über einen Meter hohe längliche "Insel" umfassen, welche natürlichen Ursprungs zu sein scheint. Künstlich ist dagegen allem Anschein nach der etwas nähere, fast gerade Graben, welcher bei ziemlich genau 5589.000 m "hoch" ostwärts den steilen Hang hinaufführt und an einen Schützengraben erinnert (vielleicht diente er zum Hinabgleiten von Langholz). Anhaltspunkte für Eisenverhüttung in diesem Gelände fanden sich nicht; allerdings hat der Verfasser auch nicht weiter nachgeforscht.

Hangabwärts von der Sternwarte am desolaten Eugen-Richter-Turm (eines der ersten Abgeordneten-Denkmäler in Deutschland), nach Wehringhausen zu (nördlich bis nordöstlich), befinden sich teils in Laubwald teils in einem hohen Nadelwald zahlreiche Wege- und Grabenspuren dabei auch breitere Verebnungen in vorwiegend hangparallelem Verlauf, mitunter an exponierter Stelle. Möglicherweise handelt es sich um Reste einer Flakstellung aus dem Zweiten Weltkrieg. An mehreren besichtigten "Baumwürfen" in diesem Bereich fand sich nichts Auffälliges. Ohne Zusammenhang wurde das Fragment eines Einmachglases aufgelesen. Weiter nördlich schließen sich hangabwärts Schrebergärten an.

Bei einer anderen Wanderung, unternommen am 25.12.93 auf dem »Jägerpfad«, welcher vom Quellbereich des Wehringhauser Baches

EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Quellbereich_Wehringhauser_Bach/19931225_1103_Hauptquelle_Wehringhauser_Bach
zum Goldberg führt, fielen dem Verfasser vor Erreichen des Wegekreuzes »An der Schere« (277,3 m ü. NN.) hangaufwärts mehrere künstliche Veränderungen am Hang auf, von denen die erste dem Weg zugleich am nächsten liegend einen gut erhaltenen Kohlenmeilerplatz darstellt. Er liegt bei 2601.520 +/- 20 m "rechts" 5690.120 +/- 20 m "hoch" 285 +/- 5 m ü. NN. wenige Meter südöstlich des Weges, schon in Sichtweise des »Selbecker Stieg«, welcher vom »Kreuzpunkt« (311,6 m ü. NN.) kommend sich dem »Jägerpfad« in einem spitzen Winkel nähert. Etwa zwanzig bis dreißig Meter näher zur Kreuzung »In der Schere« hin befinden sich die teilweise verschütteten und bei Nässe versumpften Reste eines kleinen Steinbruchs, welcher sich parallel zum Hang erstreckt und auf der DGK 1:5000 durch Steilhangsignatur gekennzeichnet ist.
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Quellbereich_Wehringhauser_Bach/19931225_1124_Steinbruch_An_der_Schere_oberhalb_Waldlust
Der Fels bricht hier senkrecht und ziemlich gerade, so daß er sich vorzüglich zu Bauzwecken eignet. An einigen Stellen finden sich etwa handbreite Löcher mit spitzdreieckigem Umriß (wobei die lange Spitze nach unten weist) in die Felswand geschlagen; an anderen Stellen lassen sich quaderförmige Ausbrüche finden. Über die Alters- und Besitzverhältnisse dieser Arbeitsstelle ist dem Verfasser nichts Näheres bekannt. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zum neuzeitlichen Gemeindesteinbruch von Wehringhausen unweit des Wehringhauser Baches am Hang »Sunderloh«, am nördlichen Endpunkt des Weges »Selbecker Stieg«, wo sich heute ein zur »Waldlust« gehörender Sportplatz befindet (220,6 m ü. NN.).

Im Gelände um Buscher Berg und Eilper Berg befinden sich zahlreiche Spuren von Bodeneingriffen wie Terrassierungen (Kohlenmeilerplätze), Schürfgruben, Hohlwege usw., sicherlich auch weitere Steinbrüche, welche noch nicht kartiert, geschweige denn untersucht sind. Eine genaue, umfassende Kartierung erscheint dem Verfasser allerdings erst dann sinnvoll zu sein, wenn moderne Lokalisierungsmethoden zur Verfügung stehen.


Originalpublikation: Hohenlimburger Heimatblätter e. V. (Hg.), HOHENLIMBURGER HEIMATBLÄTTER für den Raum Hagen und Iserlohn, 57. Jahrgang, Heft 10/96: Iserlohn 1996, S. 454 - 456


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