REGIONALES: Wehringhausen

Waldlust. Lust im Wald. Fotos aus dem oberen Bachtal von Hagen-Wehringhausen.

von Detlef Rothe aus Hagen in Westfalen (Author: Detlef Rothe)




Der Quellbereich und obere Abschnitt des Wehringhauser Baches gehören zum Hagener Stadtwald:
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Mit einem Wildpark entstand im oberen Tal zwischen Im Deerth und Waldlust ein besonders bei Kindern beliebtes Naherholungsgebiet:
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Mutter, Detlef und Klaus am Gehege für das Dam- und Muffelwild (Fotos: Wilhelm Rothe † - Frühjahr/-sommer 1960) -

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Saupark (ein im Jahr 1967 publiziertes Foto) -

Der Wildpark wurde 1956 neu gegründet (nachdem das frühere Gelände bei Im Deerth Kriegsfolgen zum Opfer gefallen war) und wurde von meinen Angehörigen und mir ab 1960 besucht:

Zwischen Dam- und Muffelwildgehege und dem Abzweig Schlangenstieg befindet sich der Sportplatz Waldlust:
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Nicht immer ging es hier sportlich zu, denn das Spiel-/Sportgelände diente vorher als Steinbruch der Gemeinde Wehringhausen. In der Umgebung befinden sich noch kleinere Steinbrüche mit glatten Felsflächen und deutlich erkennbaren Keilspuren - wie hier an der sogenannten "Schere" (der Kreuzung des Jägerpfades mit dem Selbecker Stieg am Sunderloh):
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Das erinnert uns daran, daß die Täler entlang und seitlich von Ennepe und Volme in vorindustrieller Zeit wichtige Rohstoff- (und auch Energie-)Gewinnungsstätten waren. Dazu unternahm ich auch eigene Untersuchungen.

Die zentrale Einrichtung des Geländes bildet das Restaurant Waldlust, eine schon um 1900 sehr beliebte "Sommerfrische" mit Gastzimmern, Restaurant, Biergarten, Fontänenteich und anderem mehr:
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(Ansichtskarten um 1925)

Die Waldwege machen einen großen Teil der "Sehenswürdigkeiten" des oberen Wehringhauser Bachtals aus - und das schon seit vielen Jahrzehnten:
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(colorierte Ansichtskarte des Weges am Wehringhause(ne)r Bach vom Sommer 1913)

Bereits 1897/1898 herrschte am Bach ein munteres Treiben:
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(Darstellung einer im April 1897 gebrauchten Ansichtskarte)

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(im März 1898 gebrauchte Ansichtskarte)

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Im Offiziellen Führer durch Hagen i. W. und Umgegend, bearbeitet und herausgegeben von der Westfälischen Verlagsanstalt Decker & Co, Hagen in Westfalen o. J. (erschienen im Zeitraum Dezember 1910 bis März 1911) heißt es zum Hagener Stadtwald zu Füßen des Goldbergs:
Der Hagener Stadtgarten und der angrenzende Hagener Stadtwald ist zweifellos der schönste Schmuck in Hagens Städtekrone; ein Besitztum, um das Hunderte von Gemeinwesen - und nicht nur Industriestädte - uns beneiden können. (S. 38)
An schönen Nachmittagen [...] wirst du die Schritte [vom Stadtgarten aus] weiter lenken, am Parkhaus vorüber zur Stadtgartenallee in den Wald. Bald teilt sich der Pfad. Willst du zur Höhe, so wähle den oberen und wandere etwa | zwanzig Minuten auf nicht zu steilen Serpentinen hinauf zum Bismarckturm, der trotzig und kühn hineinragt hier in die märkischen Lande. Ein schöner Rundblick wird dich für die kleine Anstrengung entlohnen.
Andernfalls schreite auf einem der vorhin genannten Pfade
[oberer und unterer Waldweg am Goldberghang] - sie führen beide zum Ziel - weiter in den Wald.
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Es ist tatsächlich unverfälschter Wald, nicht mühsam erhaltenes Grün, wie in so vielen Städten.
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Dein Weg führt dich an der "Waldlust" vorbei, einem beliebten Sommerlokal der Hagener, das viel zu Morgen-Milchkuren wie zu abendlichem Beisammensein benutzt wird.
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[...] Ein Spiel- und Sportplatz liegt zur Linken. Und stehst du dann erst mitten im Hagener Stadtwald, dann wirst du überrascht sein, daß Hagen so etwas bietet.
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Dein Auge schweift entzückt zwischen den hohen Bäumen einher und freut sich der Sonne, die in tänzelnden Fleckchen auf den schattigen Wegen spielt. Und zur Rechten ragen ernst und stumm viele Meter hohe, tiefschwarze Tannen dicht empor, und ihr Harzgeruch erfüllt die Luft.
(S. 42 f.)

Bis in das 1920er Jahrzehnt hinein wurden die Besucher-Kapazitäten im Restaurant „Waldlust" enorm gesteigert:
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Der Winter 1927/28 war so streng, daß die Fontaine des Waldlust-Teiches zu einer Wassersäule gefror:
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/Restaurant/19280xxx_Waldlust_Restaurant-Teich_Fontaine_vereist

Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise um 1930 ergaben sich auch an der Waldlust erhebliche Einschnitte und Verluste (zum Teil glücklicherweise nur vorübergehend), so hinsichtlich des oberen Gebäudekomplexes, welcher verschwand und erst viel später durch ein Gästehaus ersetzt wurde.
Vielleicht war das Abnehmen der Besucher auch zum Teil durch das damals als Erholungsstätte dienende Landhaus Deerth bedingt:
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/ForsthausDeerth/SW-AK_Waldlust_Rueckseite_19320723
(Text auf einer im Deerth geschriebenen Waldlust-Ansichtskarte vom Juli 1932)

Von Besuchermangel konnte dann aber nach dem Zweiten Weltkrieg keine Rede mehr sein:

Sommerfrische in der "Waldlust", um 1955. Fotografie von Willy Lehmacher. Digitale Kopie vom originalen Negativ.

Posted by Hagen - Geschichte, Archäologie und Geologie on Freitag, 5. Juni 2015


Die Zufahrt zur Waldlust
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(eigenes Foto vom März 2009)
erfolgte damals übrigens schon seit langem über eine Abzweigung
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(eigenes Foto vom Juni 2004)
von der Pelmkestraße her, über welche - zumal in ihrer Fortsetzung als Deerthstraße - auch das Forsthaus Deerth zu erreichen war. Die Bachstraße blieb - als breiter Weg (auf dem Foto vom März 2009 rechts zu sehen) - Forstfahrzeugen, Radfahrern und Spaziergängern vorbehalten.

Die parkartigen Anlagen der Waldlust ähnelten - dies sei noch erwähnt - um die Jahrhundertwende 1900/01 denjenigen des damaligen Stadtgartens.

Nachfolgend eine kleine, auf Ansichtskarten der Zeit um 1900 basierende Bilderserie:
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Dieses Motiv wurde auf Ansichtskarten nur mit leichten Veränderungen (in der Perspektive und durch Bemalung) bis um 1925 ständig wiederholt:
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/colorierte_Waldlust-Ansichtskarte_Haupthaus+Teich+Goldberg_etwa_1900 EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/colorierte_AK_Waldlust_von_oben_im_Gruenen_19140801 EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/colorierte_AK_Waldlust_abwaerts_mit_nachgezeichnetem_Bismarckturm_19240604

Beliebt war auch die über den Teich talaufwärts gerichtete Perspektive:
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/Restaurant/Color-AK_EU_D_NW_HA-Wehringhausen_Waldlust_Restaurant_Panorama_aufwaerts_b19060818_a_BASISLOS_1200x0683

EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/Restaurant/SW-AK_EU_D_NW_HA-Wehringhausen_Waldlust_Teich_und_Halle_g19080707_a_1200x0773

EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/Restaurant/SW-AK_EU_D_NW_HA-Wehringhausen_Waldlust_Teich_und_Halle_g19140220_a_1200x0770

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Der Festsaal oberhalb des Teiches war eindrucksvoll:
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/Restaurant/SW-AK_Weg_mit_Goldberg_im_Hintergrund_19111231 EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/191xxxxx_Waldlust_bachabwaertas_mit_Bismarckturm+Forsthaus_19151128
(Ansichtskarten aus dem 1910er Jahrzehnt)

Im Sommer 1936 existierte er allerdings nicht mehr:
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/SW-Foto_EU_D_NW_HA-Wehringhausen_Waldlust_Wiese_oberhalb_des_Teiches_im_Sommer_1936_von_Johann_Janssen_1200x790
(Foto: Johann Janßen †)

Zum Vergleich ein Foto des Verfassers vom März 2009:
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/20090301-1327_IMGP2897_EU_D_NW_HA-Wehringhausen_Waldlust_Blick_aufwaerts_Richtung_Sportplatz_1200x0800

Die Gestaltung der Landschaft unterhalb des Bismarckturms blieb nach dem Zweiten Weltkrieg idyllisch:
D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/SW-AK_EU_D_NW_HA-Wehringhausen_Waldlust_Wiese_talabwaerts_mit_Bismarckturm_19530813_1200x0722
(Ansichtskarte gelaufen im August 1953)

D/NRW/HA/Wehringhausen/19620xxx_Fotoalbum047_Waldlust
(der Verfasser anno 1962 - Foto: Wilhelm Rothe junior †)

EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/20090301-1335_IMGP2907_EU_D_NW_HA-Wehringhausen_Waldlust_Gaestehaus_talabwaerts_mit_verdecktem_Bismarckturm_1200x0800
(eigene Aufnahme - mit Gästehaus oberhalb des Restaurants - vom März 2009)

Wie man im letzten Bild beiläufig erkennt, blieb auch die Gegend der Waldlust vom Kyrill-Sturm im Frühjahr 2007 nicht verschont.

Das Restaurant im Sommer:
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/Restaurant/SW-AK_EU_D_NW_HA-Wehringhausen_Waldlust_Restaurant_Waldlust_von_vorne_etwa_um_1955_1200x0762
(Ansichtskarte etwa um 1955)

Desgleichen im Winter:
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/Restaurant/Winter-Waldlust
(Ansichtskarte vermutlich etwa um 1935)

Dazu gibt es vom Verfasser ein Vergleichsfoto vom März 2009:
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/Restaurant/20090301-1320_IMGP2891_EU_D_NW_HA-Wehringhausen_Waldlust_Restaurant_Eingangsbereich_1200x0800

Christof, Detlef, Mutter, Klaus anno 1994 vor dem Eingang des Restaurants:
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Waldlust/19940xxx_Waldlust_Soehne_mit_Mutter_1200x809
(Foto: Wilhelm Rothe junior †)

Zwei Jahrzehnte später: ,Retro-Tour' mit Start an der Waldlust - ein YouTube-Video:


Am 14. April 2014 habe ich am östlichen Hang nahe dem Gästehaus des Restaurants eine ,Nachlese' gehalten, ohne weitere Glasflaschen zu finden:


Weitere Geländeerkundungen würden sich wohl lohnen, doch wären dabei die geländebedingten Risiken einzukalkulieren!



LINKS

Eigenes

Annäherung an Wehringhausen

Geschichte Wehringhausens

Heimat Wehringhausen

Neues Altes aus Wehringhausen

Ergebnis diverser Video-Bearbeitungen als ,User' bei YouTube.com:
ein eigener Artikel zum Hagener Stadtwald

Fremdes

Kleingartenverein Waldlust e.V.

Wanderwege im Hagener Stadtwald

Hotel-Restaurant Waldlust
[Ersatz für www.waldlust-hagen.de - Restaurant-Cafe Waldlust]

Wildgehege im Stadtwald Hagen-Wehringhausen, Deerthstraße

Volkssternwarte im Stadtwald Hagen-Wehringhausen (am Eugen-Richter-Turm), Elsa-Brandström-Weg



LITERATUR

Karlheinz Klostermann, Die Waldlust. Über 100 Jahre Sportplatz "Waldlust", Hagen 2005 [ohne ISBN; gedruckt von der Stadt Hagen; im Dezember 2005 erschienen und in diversen Buchhandlungen in der Stadt Hagen erhältlich]



DANKSAGUNG


DEN ENGAGIERTEN MITARBEITERN DES STADTARCHIVS HAGEN DANKE ICH FÜR DIE BEREITSTELLUNG SELTENER FOTOS BEI FACEBOOK, WELCHE AUCH MEINE ARBEIT IN VIELEM FÖRDERN!


Hinweis: Für die Aktualität, Funktionalität und Korrektheit der angegebenen Links erfolgt keine Gewähr!


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25.07.2016 11:23