REGIONALES: Hagen
Waldlust. Fotos aus dem oberen Bachtal von Hagen-Wehringhausen.
von Detlef Rothe, Hagen in Westfalen
Der Quellbereich
und obere Abschnitt des Wehringhauser Baches
gehören zum Hagener Stadtwald. Mit Wildgehege
(Foto: Wilhelm Rothe) und Saupark
entstand hier ein Naherholungsgebiet für die Bürger der Stadt, dessen zentrale Einrichtung die Waldlust bildet, eine schon um 1900 sehr beliebte Raststätte mit Gastzimmern, Restaurant, Biergarten, Sportplatz und anderem mehr:

Nicht immer ging es hier sportlich zu, denn der Waldlust-Sportplatz
diente früher als Steinbruch der Gemeinde Wehringhausen, und auch in der Umgebung - wie hier
an der sogenannten 'Schere' (der Kreuzung des Jägerpfades mit dem Selbecker Stieg am Sunderloh) - befinden sich noch kleinere Steinbrüche mit glatten Felsflächen und deutlich erkennbaren Keilspuren.
Bereits 1897/1898 herrschte am Wehringhauser Bach
ein beträchtlicher Ausflugsverkehr:

In der Broschüre
Offizieller Führer durch Hagen i. W. und Umgegend, bearbeitet und herausgegeben von der Westfälische Verlagsanstalt Decker & Co, Hagen in Westfalen o. J. (erschienen im Zeitraum Dezember 1910 bis März 1911) heißt es zum Hagener Stadtwald zu Füßen des Goldbergs:
Der Hagener Stadtgarten und der angrenzende Hagener Stadtwald ist zweifellos der schönste Schmuck in Hagens Städtekrone; ein Besitztum, um das Hunderte von Gemeinwesen - und nicht nur Industriestädte - uns beneiden können. (S. 38)
An schönen Nachmittagen [...] wirst du die Schritte [vom Stadtgarten aus] weiter lenken, am Parkhaus vorüber zur Stadtgartenallee in den Wald. Bald teilt sich der Pfad. Willst du zur Höhe, so wähle den oberen und wandere etwa | zwanzig Minuten auf nicht zu steilen Serpentinen hinauf zum Bismarckturm, der trotzig und kühn hineinragt hier in die märkischen Lande. Ein schöner Rundblick wird dich für die kleine Anstrengung entlohnen.
Andernfalls schreite auf einem der vorhin genannten Pfade [oberer und unterer Waldweg am Goldberghang] - sie führen beide zum Ziel - weiter in den Wald.
Es ist tatsächlich unverfälschter Wald, nicht mühsam erhaltenes Grün, wie in so vielen Städten.
Dein Weg führt dich an der "Waldlust" vorbei, einem beliebten Sommerlokal der Hagener, das viel zu Morgen-Milchkuren wie zu abendlichem Beisammensein benutzt wird.
[...] Ein Spiel- und Sportplatz liegt zur Linken. Und stehst du dann erst mitten im Hagener Stadtwald, dann wirst du überrascht sein, daß Hagen so etwas bietet.
Dein Auge schweift entzückt zwischen den hohen Bäumen einher und freut sich der Sonne, die in tänzelnden Fleckchen auf den schattigen Wegen spielt. Und zur Rechten ragen ernst und stumm viele Meter hohe, tiefschwarze Tannen dicht empor, und ihr Harzgeruch erfüllt die Luft. (S. 42 f.)
Bis in das 1920er Jahrzehnt hinein wurden die Besucher-Kapazitäten im Restaurant "Waldlust" enorm gesteigert:


Der Winter 1927/28 war so streng, daß die Fontaine des Waldlust-Teiches zu einer Wassersäule gefror: 
Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise um 1930 ergaben sich auch an der Waldlust erhebliche Einschnitte und Verluste (zum Teil glücklicherweise nur vorübergehend), so hinsichtlich des oberen Gebäudekomplexes, welcher verschwand und erst viel später durch ein Gästehaus ersetzt wurde..
Vielleicht war das Abnehmen der Besucher auch zum Teil durch das damals als Erholungsstätte dienende Landhaus Deerth bedingt:
(Text auf einer im Deerth geschriebenen Waldlust-Ansichtskarte vom Juli 1932)
Die Zufahrt zur Waldlust
(März 2009) erfolgte damals übrigens schon seit langem über eine Abzweigung
von der Pelmkestraße her, über welche - zumal in ihrer Fortsetzung als Deerthstraße - auch das Forsthaus Deerth zu erreichen war. Die Bachstraße war - als breiter Weg - den Spaziergängern vorbehalten.
Die parkähnlichen Anlagen der Waldlust ähnelten - dies sei noch erwähnt - zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Vielem denjenigen des damaligen Stadtgartens.
Nachfolgend eine kleine, auf Ansichtskarten der Zeit um 1900 basierende Bilderserie:
Dieses Motiv wurde auf Ansichtskarten nur mit leichten Veränderungen (in der Perspektive und durch Bemalung) bis um 1925 ständig wiederholt:

Beliebt war auch die über den Teich talaufwärts gerichtete Perspektive:

Der Festsaal oberhalb des Teiches
(Ansichtskarten aus dem 1910er Jahrzehnt) existierte bereits im Sommer 1936 nicht mehr:
(Foto: Johann Janßen)
Zum Vergleich ein Foto des Verfassers vom März 2009: 
Die Gestaltung der Landschaft unterhalb des Bismarckturms blieb aber nach dem Zweiten Weltkrieg idyllisch:
(Ansichtskarte von 1953) -
(der Verfasser anno 1962 - Foto von Wilhelm Rothe) zum Vergleich eine Aufnahme vom März 2009: 
Wie man im letzten Bild beiläufig erkennt, blieb auch die Gegend der Waldlust vom Kyrill-Sturm nicht verschont.
Das Restaurant selbst
(etwa um 1960) - dazu ein Vergleichsfoto vom März 2009:
- und sein neues Gästehaus laden heute wie einst zum geruhsamen Aufenthalt
(1994 - Foto: Wilhelm Rothe) in der weiten und wildreichen Waldlustbarkeit Wehringhausens ein!
Links
Eigenes
Annäherung an Wehringhausen
Geschichte Wehringhausens
Heimat Wehringhausen
Neues Altes aus Wehringhausen
Fremdes
Kleingartenverein Waldlust e.V.
Wanderwege im Hagener Stadtwald
Hotel-Restaurant Waldlust
[Ersatz für www.waldlust-hagen.de - Restaurant-Cafe Waldlust]
Wildgehege im Stadtwald Hagen-Wehringhausen, Deerthstraße
Volkssternwarte im Stadtwald Hagen-Wehringhausen (am Eugen-Richter-Turm), Elsa-Brandström-Weg
Literatur
Karlheinz Klostermann, Die Waldlust. Über 100 Jahre Sportplatz "Waldlust", Hagen 2005 [ohne ISBN; gedruckt von der Stadt Hagen; im Dezember 2005 erschienen und in diversen Buchhandlungen in der Stadt Hagen erhältlich]
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20100707 19:39