REISEN: Österreich

Tagebuch einer Klassenfahrt nach Wien im Oktober 1974

von Detlef Rothe aus Hagen in Westfalen (Author: Detlef Rothe)




Erst in der Stadt, dann in Vorstädten,
wurd' flott geschafft, und an Moneten
war Mangel nie. Sie reichten aus,
daß man zuweilen einen Schmaus
„Backhähnel, Gänsel, Tyroler Strudel,
Spanferkel und der Suppen Nudel"
sich konnt' erlauben ohne Pump.
Was sonst noch zu dem Wiener Leben
gehört hat, denkt man sich daneben:
hauptsächlich die Gemütlichkeit!
Das liebe Wien! Ich kann nicht fassen
den Eindruck, den es hinterlassen
für frühere und selbst späte Zeit.
"

Autobiographie von Ernst Bloßfeldt (*1812 - †1895), preußischer Kupferschmied aus Roßla (Kr. Sangerhausen, Sachsen-Anhalt)



Josephinische Landesaufnahme Wien (entstanden 1764 bis 1787) im Großformat

Hier finden Sie - in leicht gekürzter Fassung - den Beginn meines ersten Tagebuches (A), und zwar mit einem Text vom 2. November 1974, welcher also im Alter von fünfzehn Jahren geschrieben wurde!

D/NRW/HA/Wehringhausen/19741102_beim_Tagebuchschreiben
Diese beiden - hier zusammengefügten - Fotos wurden zufällig bei diesem Anlaß von meinem älteren Bruder Klaus aufgenommen und zeigen vor mir oben den Fotodokumentationsordner, darunter links das Tagebuch und rechts den Polyglott-Reiseführer. Mein Kommentar vom 3. Januar 1975 lautete dazu unter anderem:
Die beiden Fotos sind vom 3.[= 2.?]11.1974, als ich gerade die 5. Seite des Tagebuches verfasste: Klaus überraschte mich, als ich mir die richtige Wahl der Wörter überlegte, womit ich oft Schwierigkeiten habe. [gestrichen: „Die Bilder sind unterbelichtet, da es schon ziemlich dunkel war. Der müde Gesichtsausdruck [...] war nicht beabsichtigt, er ist nur ein Zeichen dafür, wie schwierig für mich das Verfassen des Tagebuches ist. Ander[er]seits ist mein Gesicht durch die Erinnerungen an die Klassenfahrt nach Wien gezeichnet."]
Am Anfang des Tagebuchtextes (Seite 1) steht eine Begründung für die Aufnahme der Aufzeichnungen, dann folgen (hauptsächlich auf den Seiten 1 bis 10) Erlebnisse anläßlich der Fahrt der Klasse U II (= Untersekunda, das heißt: Klassenstufe 10) b des Fichte-Gymnasiums von Hagen in Westfalen nach Wien in Österreich. Ortsnamen und Datumsangaben wurden im Original nicht hervorgehoben; Absätze wurden teilweise zwecks besserer Lesbarkeit bzw. Übersicht hinzugefügt. Das Tagebuch wird durch Fotos des Verfassers ergänzt (Paßfoto und Film Nr. I); es handelt sich um die erste entwickelte Foto-Serie des Verfassers.]


Hagen, den 2.11.1974

Warum ich ein Tagebuch führen will

Eigentlich wollte ich schon immer ein Tagebuch führen, aber es gab zu wenig Ereignisse. Erst während meiner Reise nach Wien, vom
7 bis 13. Oktober, habe ich mich dazu entschlossen: Erstens, weil es über Wien viel zu bemerken gibt, ([denn] der Kontrast zwischen alt und neu ist zum Beispiel sehr groß; zweitens, weil ein Klassenkamerad, der mit mir in einem Zimmer wohnte, schon Tagebuch führte und alles Interessante eintrug. Das Tagebuch-führen [sic!] erleichtert mir [gestrichen: „auch"] das Briefeschreiben, das ich für sehr mühsam halte, da ich nie richtig weiß, ob das, was ich schreibe, dem [= den] Leser interessiert[,] und da man oft nicht schreiben kann, was man meint, z. B. weil Gefühle schwer auszudrücken sind oder weil der Leser des Briefes über die Meinung des Schreibers böse sein wird und die Korrespondenz kurzerhand abbricht. Im Tagebuch aber kann ich meine Gedanken einfach hinschreiben, ohne darauf zu achten, wie ein Leser, der dies[es] Buch in die Hand bekommt, darüber denken wird, da ich meine, daß dies erst geschieht, wenn ich nicht mehr erreichbar bin. Ein anderer Grund dafür, daß ich mir diese Arbeit mache, ist, daß ich das, was ich im Tagebuch verspreche, in der Praxis auch ausführen muß, da ich kein Angeber bin und nicht lügen will.

Ich
[be]schreibe nun als erstes meine Eindrücke von der Reise nach Wien (s. o.):

Am Montag, den
7. Oktober 1974, stand ich um 5.30 Uhr auf, so daß ich um 6.25 Uhr im Hagener Hbf [= Hauptbahnhof im Bahnhofviertel] mit der UIIb und den Lehrern Gerber und Tröster mit dem D[-Zug] 711 abfahren konnte, nachdem mich mein Vater mit dem Auto zum Bahnhof gebracht hatte. Gegen 9.24 Uhr kamen wir [= die Klasse U II b (mit zwei Lehrern)] in Frankfurt [am Main] an, wo wir nach einer knappen Stunde [Aufenthalt] um 10.21 Uhr mit dem D 221 nach Wien-Westbahnhof

[Rückblende:


(Ansichtskarte vom Westbahnhof mit Europaplatz - 1960er Jahrzehnt)]

fuhren, bis wir um 19.20 ankamen und zum Jugendgästehaus in Hütteldorf (mit einem Reisebus) gebracht wurden. Dort aßen wir erst einmal zu Abend und gingen in unsere Zimmer. (Ich hatte mit Michael
[..], Friedrich [..], Ralf [..] und Jürgen [..] Zimmer Nr. H 6.) Dort merkten wir, daß wir keine Vorhängeschlösser für die Spinde hatten, in die wir den Inhalt der Koffer packten. Um wenigstens die Wertsachen vor [..] Raub zu bewahren, ließen wir sie (zumindest ich, da doch einige [Mitschüler] Vorhängeschlösser mit hatten) in die [= dem] abgeschlossenen Koffer und lebten den ganzen Wien-Aufenthalt hindurch in Angst vor einem Diebstahl.

A/Wien/19741007_(2230)_EU_A_Wien_Huetteldorf_Bahnhof_Passfoto_KLEIN
[Paßfoto aufgenommen bei einer Erkundung im Bahnhof Hütteldorf - Detlef Rothe, 7. Oktober 1974, ca. 22:30 Uhr.

Zum Jeans-Anzug vergleiche man das Exemplar meines Bruders Klaus auf einem Foto vom 30. September 1974:
EU/D/NRW/HA/19740930_SP_0901_00020_Klaus_Rothe_von_Siegmar_Peter_BEARBEITET
(Quelle: Siegmar Peter)


Rückblende:


(Unterführung im Bahnhof Hütteldorf - 13. Januar 1979)]

Am nächsten Morgen, am Dienstag, den
8. Oktober, gab es wie an den folgenden Tagen um 8 Uhr Frühstück, das aus leckerem Kamillentee, irgendeinen [= irgendeinem] „Kaffee", Gummibrötchen, Butter und einem nicht zu definierenden, aber an für sich nicht üblen Gelee bestand. Um 9 Uhr startete eine große Stadtrundfahrt in einem komfortablen Reisebus, der uns über den regnerischen Tag hinwegtröstete. Nach dem täglich um 13 Uhr stattfindenden Mittagessen ([an diesem Tag] im Jugendgästehaus) machte die Klasse in kleineren Gruppen einen Stadtbummel. Ich war beeindruckt über den [= von dem] U-Bahnbau vor dem Stephansdom

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und der Karlskirche, die ich auch fleißig bestaunte und zu knipsen versuchte. Ich fuhr wie an den folgenden Tagen
[gestrichen: „(meistens)"] mit der Stadtbahn, einer alten Straßenbahn-artigen Eisenbahn (um die Jahrhundertwende erbaut),

[Rückblenden:


(Streckenplan anno 1899)


(Innenansicht des Stadtbahn-Typs N2 - Januar 1978)]

von dem an verbrecherischen
[= verbrecherische] Filmszenen erinnernden alten Bahnhof Hütteldorf

[Rückblende:


(Bahnhof Hütteldorf anno 1925)]

Nach einem ausgiebigen Nachmittagsspaziergang im Stadtkern kehrte ich zum Abendessen
[(]um 18 Uhr im Jugendgästehaus zum Karlsplatz und zurück.

[Rückblende:


(Stadtbahn an der Haltestelle Josefstädterstraße anno 1977)]

Nach einem ausgiebigen Nachmittagsspaziergang im Stadtkern kehrte ich zum Abendessen
[(]um 18 Uhr im Jugendgästehaus[)] zurück.

Am nächsten Tag
[9. Oktober] startete ich mit meiner Klasse nach dem Ihnen bereits bekannten Frühstück (das sich täglich um die gleiche Zeit wiederholte!) einen Besuch von Schloß Schönbrunn.

[Rückblenden:


Ansichtskarte aus dem 1960er Jahrzehnt

EU/A/Wien/Schoenbrunn/196208xx_EU_A_Wien_Schoenbrunn_Schloss_(Dahlhaus)
Schloß Schönbrunn im August 1962 (Dahlhaus-Sammlung)


Foto aus dem Jahr 1950


Lichtbild anno 1933


Foto vom Juni 1913)]

Wir gingen durch die schönen Räume in der I. Etage und durch die Wagenburg, wobei ich wieder wie am Nachmittag des vorigen Tages fleißig photographierte. Kurz vor dem Mittagessen im Tirolergarten (im Tierpark Schönbrunn) wurde mein Farbfilm voll
[,] und ich öffnete die Kamera, um ihn herauszunehmen - wobei ich ihn (wahrscheinlich aus mangelnder Fachkenntnis [das Zurückspulen mißlang wohl auf Grund unzureichendem Drucks auf einen bestimmten Knopf]) belichtete und mich [auch noch] wunderte, daß der ganze Film so schön weiß war. Ich habe natürlich aus diesem Mißgeschick gelernt und fuhr [schon] gleich nach dem Mittagessen zurück zum Jugendgästehaus, um mir einen neuen Film zu holen, den ich am Tage zuvor „in der Stadt" gekauft hatte [und um die Kamera gleich im

19741009_(1300)_I_01_Zimmer_in_der_Jugendherberge
Zimmer

zu testen]. Ich verabredete mich mit meinem Freund (Michael [..]) im Heeresmuseum, wo ich, nachdem sich mein [neuer] Film mit Bildern von der

19741009_(1430)_I_03_Karlskirche

19741009_(1430)_I_04_Karlskirchensaeule_mit_Engel

Karlskirche,

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Ansichtskarte aus dem 1960er Jahrzehnt

EU/A/Wien/City/Karlsplatz/1964xxxx_EU_A_Wien_City_Karlsplatz_mit_Kirche_(Dahlhaus)
Foto am Karlsplatz mit Karlskirche im Hintergrund vom Winter 1964 (Dahlhaus-Sammlung)


Ansichtskarte von etwa 1960


Farbfoto aus dem 1950er Jahrzehnt

EU/A/Wien/City/Karlsplatz/colorierte_AK_EU_A_Wien_City_Karlsplatz_19180802_KLEIN
Postkarte mit colorierter Ansicht vom Karlsplatz - gebraucht anno 1918]

der Staatsoper,
19741009_(1400)_I_02_Staatsoper

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Ansichtskarte um 1955


Foto von 1939


coloriertes Foto um 1905

EU/A/Wien/City/Staatsoper/gemalte_AK_EU_Wien_City_Staatsoper_um_1900
Ansichtskarte um 1900]

dem
[Schloß] Belvedere

19741009_(1530)_I_05_Unteres_Belvedere

19741009_(1530)_I_06_unteres_Belvedere

19741009_(1545)_I_07_oberes_Belvedere_durch_das_Eisentor


[Rückblenden:

Vergleichsfoto von Wilhelm Burger anno 1875:


Belvedere-Schloßgarten im Sommer 1966:]


u. dgl. etwas gefüllt hatte, [mich] pünktlich einige Minuten vor Ende der Besuchszeit zu spät einfand und nur ein paar Blicke auf 'zig Kanonen werfen konnte und [dann sogleich] den weiten Rückweg in das Stadtinnere antreten mußte [ersetzt für „konnte"]. Indes[sen] freute ich mich aber, so viel Interessantes zu sehen zu bekommen. Ich besuchte [gestrichen: „und photographierte"] den Stephansdom, photographierte
19741009_(1645)_I_08_Pummerin_des_Stephansdomes
die
[Glocke] Pummerin [im Nordturm des Stephansdomes

]und die schöne Aussicht von dort (Prater, UNO-City,
[Rückblende:]

Votivkirche, Dominikanerkirche, Wienerwald und vieles mehr
19741009_(1645)_I_09_WNW-Panorama_Nordturm_Stephansdom
[WNW-Panorama

Rückblende:
Ansicht von 1865, aufgenommen vom Südturm aus:


19741009_(1645)_I_10_ONO-Panorama_Nordturm_Stephansdom
- und ONO-Panorama

vom Nordturm des Domes aus]). Dann machte ich vom Stephansplatz aus einen Rundgang

[Rückblende:

Hoher Markt anno 1978 (Ankeruhr im Hintergrund):]

in Richtung

19741009_(1715)_I_11_Kunstuhr
Anker- bzw. Kunstuhr

[Rückblenden:

Die "Spieluhr" (gestiftet von der Anker-Versicherung) am Hohen Markt anno 1923:


Neueres Foto:


Natürlich gehörte auch ein Bummel über den Graben dazu:
Rückblenden:

Graben mit der Pestsäule im Jahr meines Besuchs 1974:


Vergleichsbild (Ansichtskarte) um 1900:]


und kehrte am Abend über den Stadtpark

19741009_(1745)_I_12_Johann-Strauss-Denkmal
[Johann-Strauß-Denkmal im Stadtpark]

zum Karlsplatz zurück, um von dort wieder zum Jugendgästehaus zu fahren.

[Rückblende:

EU/A/Niederoesterreich/Burgenland/SchlossForchtenstein/SW-AK_A_Niederoesterreich_Burgenland_Schloss_Forchtenstein_etwa_um_1955
Burg Forchtenstein um 1955]

Am nächsten Tag, Donnerstag (
10. Oktober)[,] machten wir - d. i. meine Klasse - eine ganztägige Burgenlandrundfahrt, in der wir vormittags
19741010_I_15_Burg_Forchtenstein
Burg Forchtenstein

besuchten, mittags in Eisenstadt rasteten, wo wir unseren Lunchbeutel verzehrten (den Inhalt natürlich)
[,] nachdem wir uns das Haydn-Grab in der Bergkirche angesehen hatten. Nachmittags fuhren wir an den Neusiedler See, verfolgten dort die [bewachte] ungarische Grenze durch das Fernglas ans andere Ufer und fuhren weiter,

19741010_I_16_Gasse_am_Neusiedler_See

um Wein einzukaufen
[ich erwarb statt dessen einen bunten Maiskolben als Souvenir für meine Eltern]. Um 18 Uhr waren wir wieder im Jugendgästehaus beim Abendessen und waren [auch] alle der Meinung, daß [ersetzt für „das"] das Programm großartig sei. Nach dem Abendessen machte ich mit 1/3 der Klasse einen Praterbummel

[Rückblende:
"Autodrom" (Autoscooter) im Prater um 1975:]


mit einer Fahrt im Riesenrad,

[Rückblende:
EU/A/Wien/Prater/196208xx_EU_A_Wien_Prater_Riesenrad_(Dahlhaus)
Foto des Riesenrades vom August 1962 (Dahlhaus-Sammlung)]

das um diese Zeit leer war, und
[wir] machten uns dort breit, um möglichst viel zu sehen. Gegen 10.30 [= 22.30] Uhr waren wir wieder im Jugendgästehaus, wo wir uns schon auf den nächsten Tag freuten. [gestrichen: „Wir waren mit[t]lerweile längst pleite, was unsere" Freude allerdings kaum trübte. (Auf dem Prater-Gelände habe ich damals viel Geld beim Spiel mit elektrischen Automaten - z. B.: Abwehr sowjetischer Panzer - vergeudet.)]

Das Programm des nächsten Tages
[11. Oktober] begann mit einem geführten Stadtbummel, in dem [wir] zwischen modernen Wohnhäusern, leise[,] um niemanden zu stören, nach alten römischen Denkmälern und nach Zaunresten des alten Stefansfriedhofes zu „suchen" [hatten]. Der Kontrast zwischen alt [hier:

19741011_I_17_Schild_nahe_Griechenbeisel
Schild in der Nähe vom Griechenbeisl

Dazu vergleichsweise eine Postkartenansicht:]


und neu ist in Wien sehr groß. Der Stephansdom
19741011_I_18_Turm_des_Stephansdomes
war fast gänzlich von einer riesigen U-Bahn-Baustelle umgeben, der „Stock im Eisen" vor den neugierigen Blicken der Touristen geschützt
[gestrichen: „(damit sie ihn in den engen Umleitungen nicht abhobelten)"],

[Rückblende:

Der für mich unsichtbar gewesene "Stock im Eisen" auf einer älteren Ansichtskarte (links im Bild)]

vor der Hofburg und neben den Fiakern
19741011_I_20_Erzherzog-Karl-Denkmal
[am Erzherzog-Karl-Denkmal

Rückblenden:


Ansichten aus dem 1960er Jahrzehnt]

standen moderne Reisebusse, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Nach (und vor) dem Mittagessen im Bärenkeller, wo ich ein Stück Sachertorte und bald ein Kilo Sahne von Klassenkameraden genoss, ging ich den Ring entlang, um mir die Sehenswürdigkeiten anzusehen

19741011_I_21_Parlament
[Parlament


Rückblenden:

Ringstraße mit fast fertigem Parlament anno 1882:


Blick vom Parlament aus zum Burgtheater im Sommer 1978:


19741011_I_22_Michaelertrakt_Hofburg
Michaelertrakt der Hofburg

Kohlmarkt anno 1973:


Kohlmarkt um 1900:


Zu den eigenen Fotos gehören das von einem Altar der Michaelerkirche und von einem Grabdenkmal in der Kapuzinergruft (die letzten beiden Fotos überlagerten sich bedauerlicherweise auf dem Film - die letzten drei wurden übrigens laut Dokumentation erst am 12. nachmittags gemacht)]. Nach dem Abendessen im „Gösser-Bräu" besuchten wir um 19.30 Uhr das Burgtheater [laut Taschenkalender wurde für den 9. ein Besuch im „Burgtheater" gestrichen, für den 11. war ein solcher im „Volkstheater" vorgesehen (möglicherweise gab es Termin-Probleme - Herr Gerber war damals Brecht-Fan)] und sahen uns das Schauspiel „Mutter Courage und ihre Kinder" von Berthold Brecht an, das viel Anklang fand.

Am letzten Tag
[12. Oktober], vor unserer Abreise, fiel der Besuch der Porzellanmanufaktur „Augarten" aus[,] und das Mittagessen im Spezialitäten-Restaurant „Palty-Keller", „Rehgoulasch", schmeckte kaum jemanden, aber abends[,] während der Wienerwaldrundfahrt mit Heurigenbesuch, sangen die meisten Schüler wieder vergnügt:

Herr Gerber sitzt im Hofbräuhaus,
und trinkt die ganze Kneipe aus;
eins, zwoa, suffa!
Herr Tröster, der sitzt neben ihm
und zahlt die ganze Zeche ihm;
eins, zwoa, suffa!
Dann geht's zurück zum Jugendheim,
doch der Pförtner läßt sie nicht herein;
eins, zwoa, suffa!
Da legen sie sich auf 'ne Bank,
und fangen
[gestrichen: „gar?" - bald] zu schnarchen an;
eins, zwoa, suffa!
Am nächsten Morgen...
[aufgewacht,
wird des gleich nochmal gemacht:
eins, zwoa, suffa!]

Leider weiß ich den ganzen Text nicht mehr, das Lied hörte sich aber ziemlich lustig an.

Am Sonntag, den
13. Oktober, mußten wir von Wien Abschied nehmen. Um 7 Uhr aßen wir unser berühmtes Frühstück und fuhren gegen 7.30 Uhr zum Westbahnhof. Von dort ging es [ersetzt für „fuhren wir"] mit dem D 220 nach Frankfurt, wo wir laut Fahrplan um 17.53 Uhr ankamen und um 18.09 Uhr mit dem D 710 weiter fuhren und [schließlich] um 21.24 am Hagener Hbf ankamen. Ich und die oben genannten Mitschüler hatten [für] uns wieder ein eigenes Abteil frei gehalten und fast die ganze Zeit hindurch Karten gespielt, so daß ich, hätte ich nicht die genaue Reisezeit gewußt, gemeint hätte, keine 2 Stunden gefahren zu sein [ersetzt für „haben"]. Ich empfand die Wien-Reise als ein einmaliges Erlebnis und würde sie gerne wiederholen.
[...]
Immer wenn ich mich an die Wienreise erinnere, muß ich an Beate denken. [...] Ich mag Wien bald so sehr wie Beate. In Wien leben viele nette Leute[,] und es ist [gleichfalls] sehenswert. Falls ich Beate heiraten sollte, werden wir die Flitterwochen in Wien verbringen. (Wenn sie einverstanden ist).



Nachbemerkung vom 11. August 2013 (fast vierzig Jahre später!)

Wien und Umgebung habe ich im September 1983 erneut besuchen können, wofür ich dem Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster dankbar bin. Darüber hinaus danke ich nicht minder den Organisatoren und Finanziers der Klassenfahrt vom Oktober 1974!



MEDIA

Filme

Farbiger Schmalfilm von Wolfgang Gegusch bei YouTube.com über Wien anno 1967 - als Ergänzung und zeitnahe Vergleichsoption ideal! -:


Ein besonderes Schmankerl: Das farbige YouTube-Video „Vintage Vienna: Wien 1951" (Stummfilm, erstellt von Idar Johannessen):


Film über den Prater aus dem 1970er Jahrzehnt:


Ohne dem geht's nit: Das Prater-Riesenrad, gesehen von farbschlacht gewissermaßen im Nacht-Modus:



Literatur

Schloß Belvedere

Aurenhammer_Wien_Belvedere_1971_klein
Hans Aurenhammer und Gertrude Aurenhammer, Das Belvedere in Wien. Bauwerk, Menschen, Geschichte, Wien und München 1971.




LINKS


Foto-Artikel ,Zurück in die Kindheit' bei freizeit.at.

Wikipedia-Artikel.

Stadtverwaltung.

Tourismus-Site (Reiseführer).

Fotos vom Wiener Prater bei topothek.at.

Fotos vom Wiener Prater aus der Zeit um 1970 bei prater.at.

Geschichte(n) zum Wiener Prater bei prater.at.

Panorama-Webcam am Rathausturm.



Hinweis: Für die Aktualität, Funktionalität und Korrektheit der angegebenen Links erfolgt keine Gewähr!



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10.03.2017 20:44