REISEN: Unterwegs in Deutschland

Sagenhaftes Sangerhausen

von Detlef Rothe aus Hagen in Westfalen (Author: Detlef Rothe)




Zug um Zug


Ankunft und Abreise erfolgten bei meinen Verwandten-Besuchen in Sangerhausen zunächst ausschließlich per Eisenbahn. Nicht immer klappte die Reise wunschgemäß:
Reichlich verspätet. Bericht über eine Rückreise von einem Besuch Sangerhausens (einer Kreisstadt im Bundesland Sachsen-Anhalt, früher in der DDR) in einem Brief vom 1. Oktober 1980 an meine ebenda wohnende Oma mütterlicherseits: „Als ich in Magdeburg mit etwa zehn Minuten Verspätung ankam, war der [Interzonen-]Zug zur Grenze [zwischen Oebisfelde (Landkr. Börde, Sachsen-Anhalt) und Wolfsburg (kreisfreie Stadt in Niedersachsen)] bereits abgefahren. So mußte ich zwei Stunden auf den nachfolgenden warten. An der Grenze wurde ich wieder als einziger im Abteil gefilzt, wenn auch nicht so gründlich wie auf der Hinfahrt. Allerdings versuchte man mir mancherlei Schwierigkeiten zu machen, denn einmal wollte man mir zunächst nicht glauben, daß meine teure Kameraausrüstung mit allem Drum und Dran nicht in der DDR produziert worden war (wobei wohl der japanische Firmenname ,Pentax' mit der ostdeutschen ,Pentagon' [richtig: ,Pentacon' in Dresden - angesprochen war die gute alte solide ,Praktica'-Spiegelreflexkamera!] verwechselt wurde), aber nach genauem Betrachten - war dies wohl die einzige Absicht der Kontrolleure ?? - gaben sie sich zufrieden. Dann wurde die von mir eingetragene Uhr vermißt, die ja noch bei Euch liegt, und da blieb mir nichts anderes übrig, als ganz geschickt vom Thema abzulenken. So weit, so gut: die Kontrolleure konnten mir nichts anhaben, und so kam ich glatt über den großen Zaun. Auf der Weiterfahrt hatte der Zug Verspätung, und ich konnte den Anschlußzug in Hamm nur erreichen, weil dieser ebenfalls Verspätung hatte."

DDR-Einreisevisum vom 10. August 1989 aus Leinefelde-Worbis (Nordthüringen; ehemaliger Bez. Erfurt - zu diesem Ort vergleiche man Worbis) in meinem damaligen Reisepaß:
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(ein Vierteljährchen vor der "Wende"!)

Gemäß ,ZOLL- UND DEVISENERKLÄRUNG für Personen mit Wohnsitz außerhalb der DDR' hielt ich mich vom 10. bis 13. August 1989 in der ,Deutschen Demokratischen Republik' auf. An- und Abreise erfolgten mit einem Pkw, so daß ich unter anderem 1 Amboß, 1 Schraubstock, 5 Bücher und 4 Karteikästen ausführen konnte (ohne daß die kontollierenden ,Grenzer' was merkten - gezittert habe ich allerdings innerlich schon).



Eine kleine Bilderzeitreise


Anfangs ging nichts ohne den Bahnhof:
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(Ansichtskarte - gebraucht anno 1918)

Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg mußte ein Neubau her - dieser sah ähnlich aus wie viele andere des 1950er Jahrzehnts (ich erinnere nur an Köln und Dortmund):
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(Ansichtskarte um 1965)

Vom Bahnhof bzw. Spengler-Museum geht es - sofern nicht die Bahnhofstraße bevorzugt wird - weiter über die Kylische Straße (zu DDR-Zeiten: Straße der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft:

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(im August 1909 gebrauchte Ansichtskarte)

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(Sammelfoto von 1956)

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(anno 1959 gelaufene Ansichtskarte)

Eine der beiden "Keimzellen" im Sinne der Genealogie bildete die Bäckerei Willy Herold in der Riestedter Straße; deren Inhaber war einer meiner Urgroßväter:
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Die Bäckerei lag in der Riestedter Straße 19; heutzutage befinden sich dort Bäckerei und Eiscáfe Roland Hollmann (vgl. das Foto von User ,sanicar' vom September 2010 bei Google).

Meine Uroma Therese Klara Bloßfeldt (Enkelin des Tagebuch-Autors Ernst Bloßfeldt) in ihrem ,Reich':
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Meine Mutter wuchs - von einem zeitweiligen Wohnortwechsel (Dessau, 1930er Jahrzehnt) einmal abgesehen - in der Bergstraße (Haus Nr. 19) unweit des Rosariums auf:
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(Ansichtskarte, gelaufen im Jahr 1960)

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(Fotomontage: Detlef Rothe - 1. Oktober 2015)

Christa im Hof (Bergstraße 19) um 1938:
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(Photograph unbekannt)

Mutter an der Haustür (Bergstraße 19) etwa um 1960:
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(Photograph unbekannt)

Als kleine Ergänzung einige Fotos aus der Mitte des 1950er Jahrzehnt aus einer wohl 1956 erschienenen Bildersammlung (Photograph unbekannt):

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(Friedrich-Schmidt-Straße mit Jakobikirche)

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(Ullrichkirche)

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(Rosarium)

Bei meinen Besuchen standen als "Sehenswürdigkeiten" natürlich meine Verwandten (Oma schrieb immer: „meine Lieben") im Mittelpunkt:

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Anno 1971 (etwa): Die Familien Rothe (ohne Vater, da als Photograph beteiligt) und Jaeckel (mit Oma) in Sangerhausen (vermutlich bei der Lohmühle)

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(Ende September 1980 - Foto: Detlef Rothe)

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(Anfang Oktober 2015 - Fotomontage: Detlef Rothe)

Kinder - wie die Zeit vergeht!" - Diesen Ausspruch meiner Oma nehme ich munter zum Motto eines "virtuellen" Bummels durch die Göpenstraße!


Die Göpenstraße abwärts:

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(Sammelfoto um 1955 - Auflage von 1956)


Die Göpenstraße aufwärts gen Rathaus:

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(im März 1970 verwendete Ansichtskarte)

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(Foto des Verfassers vom Dezember 1978)

Im September 1980 gehörte - wie sonst auch, sofern es sich einrichten ließ - ein Besuch im Spengler-Museum:

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(Sammelfoto des Spengler-Museums: Mammutsaal - Auflage von 1978 - auch als Ansichtskarte verbreitet gewesen)

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(Teil einer Fotosammelhülle des Spengler-Museums: Sturzbühnenstand im Kupferbergbauschacht - Auflage von 1978)

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(Stadtmodell im Spengler-Museum - Foto: Detlef Rothe - 25. September 1980)

Anläßlich einer Inspektion der teilweise renovierten Altstadt besuchte ich auch die Spengler-Töchter im heutigen "Spengler-Hauses":

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(Ausstellungsraum im Spenglerhaus)

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(die beiden Töchter - von Gustav Adolf Spengler - Anna und Emma im Spengler-Haus)

(Fotos: Detlef Rothe - 28. September 1980)

Immer wieder gerne begangen: der Marktplatz mit Brunnen hinter(!) dem Rathaus:

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(Ansichtskarte der Zeit um 1920)

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(25. September 1980 - Foto: Detlef Rothe)

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(Ansichtskarte von 1914)

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(Sammelfoto um 1955 - Auflage von 1956)

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(25. September 1980 - Foto: Detlef Rothe)

Etwas später, am 17. Oktober 1980, erhielt ich von meiner Mutter dazu folgenden Kommentar: „Die Oma schrieb auch. Sie war jetzt mit den Spenglers zusammen zum Kaffee [- vermutlich im geschätzten Kaffeehaus Kolditz -], sie hätten sich über Deine Eintragung im Buch gefreut. [...] Was sagst Du zu den Umtauschsätzen von der D. D. R. Da bist zu sicher froh, daß Du zum alten Preis nochmal dort warst."
Zu den Umtauschsätzen vergleiche man den Abschnitt ,Gebühren' im Wikipedia-Artikel ,Innerdeutsche Grenze' (Erhöhung zum 13. Oktober 1980)!

Gerne hätte ich seinerzeit am Südharz bzw. Kyffhäuser an Ausgrabungen teilgenommen, zum Beispiel in der Pfalz Tilleda:
EU/D/SA/SGN/Sangerhausen/Spenglermuseum/19800925-1xxx_nm_1X02_EU_D_SA_SGN_Sangerhausen_Spenglermuseum_Rekonstruktionsmodell_der_Pfalz_Tilleda_FA0666_1200x0798
(Rekonstruktionsmodell der Pfalz am Kyffhäuser im Spengler-Museum - Foto: Detlef Rothe - 25. September 1980)

Meine Verwandten schlugen mir das allerdings frühzeitig aus dem Kopf. Aus einem Brief meiner Oma vom 9. März 1983: „Wenn Du hier mal zu Besuch bist, darfst Du nicht an Ausgrabungen teilnehmen [...], da sind sie ganz streng. Es wäre besser nach 37 Jahren, wenn sie Deutschl. wieder vereinigen, aber leider!" (Immerhin - sieben Jahre später, am 3. Oktober 1990, wurde entsprechend nachgebessert, nachdem die innerdeutsche Grenze bereits einige Monate zuvor, am 9. November 1989, geöffnet worden war.)

Zur Pfalz Tilleda ist noch anzumerken, daß die Forschung mit neuen Ergebnissen weiterging:

(originaler Artikel der ,Mitteldeutschen Zeitung')

Kommentar aus einem Brief (vom 18. April 1987) an die Oma: „Auch ich hatte stets ein beklemmendes Gefühl in der Tschechoslowakei gehabt, auch wenn mir Prag an sich sehr gefiel. In der DDR ist es noch viel schlimmer, denn dort fühlt man sich wie ein Fremder im eigenen Land."
Zum Thema ,Fremder im eigenen Land' vergleiche man den Abschnitt ,Meldepflichten' im Wikipedia-Artikel ,Innerdeutsche Grenze'!

,Fremd im eigenen Land' - das war einmal! Heutzutage geht es ganz entspannt zum Südharz mit dem Kyffhäuser-Gebirge und reichlichen Bergbauspuren:


Bald nach der Wende machte übrigens ein archäologischer Schatz von sich reden, von dem es zunächst hieß, er stamme aus Sangerhausen; es handelt sich um die sogenannte ,Himmelsscheibe' vom Mittelberg unweit Nebra bei Querfurt im Saalekreis - es handelt sich demnach wohl um die letzte Sage aus Sangerhausen!

Auch sonst hat die Gegend um Kyffhäuser und Sangerhausen archäologisch viel Interessantes zu bieten; jedenfalls ist es ,schön, wieder hier zu sein' (mit leichter Verbeugung gegenüber Silbermond):




Links:

offizielle Stadtseite von Sangerhausen

Sangerhausen - Wikipedia-Artikel

Eigene Fotogalerie bei Google+zu Sangerhausen.

Panoramio-Fotogalerie zu Sangerhausen von ,sanicar'

Bericht „Bilder einer Grenze" bei ddr-im-www.de

Über den Diskus (die sogenannte Himmelsscheibe) vom Mittelberg unweit Nebra (eigener Artikel)



Literatur:


Monika Frohriep, Die Reihe Bilder aus der DDR. Sangerhausen, Erfurt 2004 (ISBN 978-3-89702-706-0).



Hinweis: Für die Aktualität, Funktionalität und Korrektheit der angegebenen Links erfolgt keine Gewähr!



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01.09.2016 12:18