REGIONALES: Alles aus Hagen

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von Detlef Rothe aus Hagen-Wehringhausen



RockRoots


Although this article is written in my native language I dedicate it to Genesis - their first album "From Genesis to Revelation" was released on March 7th, 1969. Well, many thanks for fifty years of progressive rock music! (Genesis-Biographie des Fanclubs; Wikipedia-Artikel; Konzertliste)


Hinweis: Die Abkürzungen BL, E/A, TK und UT stehen für meine persönlichen Bücherlisten, Ein- und Ausgabenverzeichnis, Taschenkalender und ,Unitimer' (ausgewertet: 1977 bis 1980).



PREHISTORY: ROCK 'N' ROLL FOREVER


You say you are a cool guy on the run
But you´re frightened like a mother's son

(The Stripes, I'm Not...)



Verweisen möchte ich - was Rock 'n' Roll & Co. angeht - um der Kürze halber auf die WDR-Dokumentation ,Pop 2000- 50 Jahre Popmusik und Jugendkultur in Deutschland' aus dem Jahr 1999 (Produzent: Jörg Albert Hoppe aus Hagen), wobei ich hier (zu?) spät mit dem Kapitel ,Swinging London' beginne (in Folge 3: 1965 - 1968; siehe sonst die Playlist bei den Links!):


"How it all began" - ohne Hamburg (Geburtsstadt nicht nur meines Vaters - „Es war einfach eine ganz andere Welt.", meint "Eddy Kante" Frank Schröder zu Recht, siehe Kante 2014, S. 116, oben) läßt sich das ganze Folgende nicht verstehen (wobei ich hier bloß an die Lebensgeschichte von "Uli" Wiehagen erinnere - Hagener Manager von The Stripes, Mitinhaber eines Musikverlags und Herausgeber eines Musikmagazins):


Ganz vorne bei den Legenden des Rock ’n’ Roll gehört Charles Edward Anderson "Chuck" Berry (*18.10.1926 - †18.03.2017). Kaum ein anderer Musiker aus der Frühzeit des Rock 'n' Roll wurde so gerne und häufig gecovert wie er. Also wandeln wir hier auf seinen Fußstapfen (womöglich im "Entengang") von der Vorgeschichte zur eigentlichen Geschichte. Das folgende Musikstück von "Chuck" Berry gehört nach Rolf Brendel (Brendel 2014, S. 30, oben) zu den ersten (Cover-)Songs von The Stripes - schon im Dezember 1978 in Hagen-Haspe gespielt (mit "Nena" an Bord). Here I proudly present the original:


In diesem frühen Hit von Berry aus dem Jahr 1958 geht es (gemäß Wikipedia-Artikel - Stand: 31.07.2019) um die Geschichte eines jungen Mädchens, welches ihren Vater darum bittet, ein Rock-Konzert besuchen zu dürfen; dabei wird auch geschildert, daß es durch Klamotten, Lippenstift und High Heels aufgestylt ins Konzert geht und dann anderntags wieder als süßes 16-jähriges Mädchen im Klassenzimmer erscheint. Diese Thematik hat "Nena" offenbar an die eigene Oberschulzeit erinnert (vgl. Nena & Thesenfitz 2005). - "Chuck" Berry etablierte im 1950er Jahrzehnt - um seine Bedeutung in's rechte Licht zu setzen - fast im Alleingang die Gitarre als führendes Instrument in der Rockmusik und auch "lyrisch" beeinflußte er Musiker wie Bob Dylan, John Lennon und - last not least - Mick Jagger (Wikipedia-Artikel - Stand: 31.07.2019).

The beat (für den "Chuck" Berry ein wichtiger Wegbereiter war) must go on: noch ein nach Rolf Brendel (Brendel 2014, S. 38, oben) von The Stripes aus Hagen gecoverter Song, jetzt aber ein im Februar 1966 publizierter von Nancy Sinatra (Tochter eines gewissen Frank). Here comes ,These Boots Are Made for Walkin’' (Wikipedia-Artikel - Stand: 1.05.2019):

Die Single wurde weltweit über vier Millionen Mal verkauft. Ihre B-Seite lautet übrigens ,The City Never Sleeps at Night'. Das wäre ´mal ein Motto für Hagen, gell?

Und Deutschland? Hamburg ist zwar für die Deutschen das Tor zur Welt, aber Hamburg ist nicht alles! „Hamburg war schon eine andere Nummer als Hagen." ("Eddy Kante" Frank Schröder - Kante 2014, S. 115, unten) - So isses, doch anno 1965 wurde auch die deutsche Hard-Rock-Band Scorpions gegründet - damals mit dem vielsagenden Namen Nameless, und das war - tatah! - schon mehr in Richtung Hagen, nämlich in Niedersachsen. Die Entwicklung schritt unaufhaltsam südwärts!




PRELUDE: THE END OF ROARING SIXTIES

Let me whisper in your ear...
(The Rolling Stones, Angie)

Your whisper tells a secret
Your laughter brings me joy
And a wonder of feeling I'm Nature's own little boy

(Supertramp, Even In The Quietest Moments, 1977)




Just Another Year: 1968


Die Vorkriegs- und die Nachkriegsgeneration, die sich bislang nur über Haarlänge und Kleidung stritt, treibt immer weiter auseinander. Jugendliche bekommen für die Altvorderen etwas Bedrohliches [...]. [...]| Großer Humbug natürlich [...] - und das Rockgeschäft geht seinen ganz alltäglichen Gang mit wunderbaren Pop-Songs. [...] Und auch Folk ist vertreten: ,Mrs. Robinson' von Simon And Garfunkel. / Letzterer Song gehört zum Soundtrack des Films ,The Graduate' [...], der das markige Verhältnis der Jugend mit ihren Erzeugern mit einem wachen Auge einfängt. Noch eine andere Filmmelodie geistert durch die Musikszene: die klagende Mundharmonika aus Sergio Lones ,Spiel mir das Lied vom Tod' [gemeint: das Instrumentalstück ,L'uomo dell'armonica' (von Franco de Gemini gespielt und komponiert von Ennio Morricone) aus dem Film ,C’era una volta il West' (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 18.5.2019)] läßt einsame Schauer durch das Rückenmark rieseln." Deicke & Rausch 1991, S. 68 f.

02.02.1968 (nach anderer Quelle - Deicke & Rausch 1991, S. 200 - am 22.02.1968): Die Band Genesis veröffentlicht beim Decca-Label ihre Debüt-Single ,The Silent Sun' (Wikipedia-Artikel - Stand: 15.03.2019). Das 2:15-Minuten-Stück wurde im Dezember 1967 produziert und erscheint noch in Mono (gemäß der Neuveröffentlichungsangaben auf dem Cover von ,Rock Roots').

20.04.1968: Die Band Deep Purple gibt in Kastrup (Dänemark) ihr Live-Debüt (Deicke & Rausch 1991, S. 230).

21.06.1968: Deep Purple veröffentlicht mit ,Hush' ihre Debüt-Single (Deicke & Rausch 1991, S. 259).

Sommer 1968: Der britischen Band Jethro Tull gelingt auf dem Sunbury Jazzfestival der Durchbruch. Bereits 1967 gegründet, spielt sie Rock und wird durch den markanten Gesang und Einsatz einer Querflöte Ian Andersons berühmt. Sie wird auch am Niederrhein bzw. im Ruhrrevier auftreten (gemäß Konzertliste am 18. Januar 1971, 9. März 1973 und 2. Juli 1975 in Düsseldorf, am 27. Januar 1971 in Dortmund, am 21. Januar 1972, 8. April 1975, 21. April 1977 und 20. Mai 1978 in Essen, sowie am 7. April 1975, 20. April 1977 und 15. Mai 1978 in Köln je ein Gig) und so Einfluß auf die Hagener Musikszene haben (vgl. Günnemann 2014, S. 215, oben); anno 1991 kommt es sogar zu einem Konzert in der Hagener Stadthalle.

?.09.1968: Die Band Genesis nimmt in den Regent Studios zu London in nur eineinhalb Tagen ihr erstes Album auf (Wikipedia-Artikel - Stand: 15.03.2019). Die neu formierte Band Led Zeppelin (welche sich gleichfalls zu einer der bedeutendsten der Musikgeschichte entwickelt wird) tritt aus vertraglichen Gründen noch unter dem Namen der Vorläufer-Gruppe The New Yardbirds auf. Keith Moon, der Schlagzeuger von The Who, soll vorher gesagt haben, eine Band um den Gitarristen Jimmy Page würde „abstürzen wie ein bleiernes Luftschiff“ („The band will go over like a lead zeppelin“), und im Oktober 1968 überträgt die angesprochene Gruppe dann dieses ,Programm' leicht abgewandelt in ihren Namen (Wikipedia-Artikel - Stand: 30.7.2019).

?.10.1968: Das erste Studioalbum ,This Was' von Jethro Tull erscheint, nachdem es vom 13. Juni bis 23. August 1968 im Sound Techniques Studio, Chelsea (London) aufgenommen worden war. Es wird Platz 10 in den britischen Charts und Platz 62 in den Billboard 200 erreichen (Wikipedia-Artikel).



1969 - Not Only in Heaven: Time For Rocket Men


Die Ordnungshüter drücken bei Woodstock die Augen zu, auch wenn die Drogengesetze [...] verschärft wurden. [...] Die Mondlandungen - zwei in diesem Jahr - entschädigen Amerika für den Ärger, den es in erdnäheren Gefilden hat." - „Der Vietnam-Krieg war bisher nur ein Desaster für die USA. [...] Bis Jahresende ziehen 60000 amerikanische Soldaten nach Hause - gerade ein Zehntel der gesamten Legion. [...] ,Teach Your Children' - aber antiautoritär: [...] Die Öffentlichkeit [in Westdeutschland (D.R.)] schreit auf und ruft Vater Staat auf den Plan. [...] Jetzt wird reformiert, soweit die Mehrheit trägt." - „Dennoch: Auch unter [dem Bundeskanzler (D.R.)] Brandt bleibt die Jugend aufsässig. [...] Der rote Punkt, der an der Windschutzscheibe des Privatwagens gepappt wird, um zu signalisieren, daß Anhalter mitgenommen werden, breitet sich aus." - Und auch das gab's: „Tote bei Rock-Festivals und Konzerten. Aufwind für die Rock-Gegner [...]." (Deicke & Rausch 1991, S. 89 - 92)


Der in Bochum geborene und vor den Nazis geflohene Komponist Götz Gustav "Gershon Kingsley" Ksinski (*28.10.1922) entwickelt elektronische Popmusik mit Hilfe eines Synthesizers der US-amerikanischen Firma Moog Music. Bereits im November 1968 hatte George Harrison - Leadgitarrist von The Beatles - einen Moog Synthesizer auf seiner Platte ,Electronic Sound' verwendet, und dieses neue Klangsystem findet bei Beatmusikern zunehmend Gefallen. So veröffentlicht "Gershon Kingsley" das Album ,Music To Moog By', welches das Instrumentalstück ,Pop Corn' enthält:

Es ist - ganz unscheinbar noch - der Anfang einer Reise in ein neues Zeitalter, und die drei Jahre später erscheinende Coverversion ,Popcorn' der 1971 gegründeten Hot Butter ist "Butter zu den Fischen": ein Schmankerl (Nummer eins in den Charts von Deutschland und der Schweiz und - wie weitere Coverversionen - auch international sehr erfolgreich). - Das gleichfalls 1969 erscheinende ,Living in the Past' wird eines der wenigen kommerziell erfolgreichen Single-Veröffentlichungen von Jethro Tull; das Stück ist durchgängig im 5/4-Takt komponiert und erhält dadurch einen besonderen Charakter:

Im selben Jahr tourt die Band mehrmals in den USA und wird so auch dort bekannt. - Das Jahr 1969 endet als ein Jahr der Neuerungen in der Entwicklung der internationalen Popmusik!


Anfang 1969: „Anfang 1969 änderte sich die Szenerie [...]. Die Haare wurden länger, die Klamotten bunter, die Musik lauter und progressiver [...]. [...] Die klassischen ,Jugendtanzabende' am Wochenende waren urplötzlich passé [...]." ("Lupo" Gerd Otto Kühn-Scholz in Kühn-Scholz 2018, S. 31)

?.01.1969: Die Hagener Rockband The Crew (ein Vorläufer von Grobschnitt) erreicht beim Deutschen Beatfestival in Recklinghausen den 5. Platz; im Menga-Studio in Gelsenkirchen wird darauf hin die Eigenkomposition ,He's Around Here' aufgenommen (Kühn-Scholz 2018, S. 32, mittig; vgl. Joachim Heinz Ehrig (*15.11.1951), Album ,Eroc3', Plattenhülle, zu ,HE'S AROUND HERE'):


12.01.1969: Eine nach Keith Moon (The Who) angeblich bald abstürzende Band veröffentlicht bei Atlantic Records ihr Debüt-Album ,Led Zeppelin'; auf dem Cover ist ein Foto von der Hindenburg-Katastrophe in Lakehurst (USA) zu sehen, das heißt: ein brennender Zeppelin; die LP kann sich auf Platz 6 der britischen Charts platzieren; in den USA wird das Album Position 10 der Billboard-Charts erreichen, und die zweite LP wird im Folgejahr dort das The Beatles-Album ,Abbey Road' vom ersten Platz verdrängen (Wikipedia-Artikel - Stand: 30.7.2019).

?.03.1969: Die britische Band Led Zeppelin und ihr Management beschließen auf Grund schlechter Erfahrungen (vorwiegend in Deutschland), sich zukünftig von dem Medium Fernsehen fernzuhalten, da man nicht in das ,Pop-Format' der Sender passe und diese es nicht verstünden, eine neuartige Band angemessen zu präsentieren (Wikipedia-Artikel - Stand: 30.7.2019).

07.03.1969: Das Debüt-Album (,From Genesis to Revelation') von Genesis wird veröffentlicht; es verschwindet aber zunächst als angeblich religiöses Werk mit nur etwa 600 verkauften Exemplaren weitgehend in den Schubladen der Plattenläden (Genesis-Biographie des Fanclubs; Wikipedia-Artikel).

14.03.1969: Die Band The Beatles bekommen für ,Yellow Submarine' ihre vierzehnte Goldene Schallplatte überreicht (Deicke & Rausch 1991, S. 210).

21.03.1969: John Winston Lennon und Yoko Ono Cox beginnen im Amsterdamer Hotel ,Hilton' ihren "Bed-Peace-Feldzug" (Deicke & Rausch 1991, S. 214).

03.05.1969: In Madison (Wisconsin, USA) wird durch zwei Hundertschaften Polizei mittels Versprühen von Tränengas ein Rock-Konzert beendet (Deicke & Rausch 1991, S. 237) - Mad-is(o)n't it?

05.07.1969: Die Band The Rolling Stones gibt im Londoner Hyde Park vor einer halben Million Gästen ein Freikonzert (Deicke & Rausch 1991, S. 265).

21.07.1969: Neil Alden Armstrong stattet gegen 4 Uhr morgens MEZ dem einzigen natürlichen Erdtrabanten als erster Mensch einen Besuch ab (Deicke & Rausch 1991, S. 272). Statt eines Begrüßungsliedes liefert er ein kurzes Statement. Mangels Blumen werden Steine gesammelt. Die Eroberung des Weltraums haben sich wohl viele Erdlinge - zumal die vom ,Raumschiff Enterprise' (Beginn der bis in die Gegenwart reichenden Jungfernfahrt im US-Farbfernsehen: 08.09.1966) und von der Bavaria-Kultserie ,Raumpatrouille Orion' (Erstausstrahlungen: 17.09.1966 bis 10.12.1966 - Erstwiederholung im Nachmittagsfernsehen: 1968) verwöhnten Wesen - ganz anders vorgestellt.

15.-18.08.1969: Auf Max Yasgur's Farm, White Lake, New York (USA), findet die dreitägige ,Woodstock Music Art Fair' mit knapp einer halben Million Besuchern statt. Das gigantische Happening (Konzerte) droht allerdings zeitweise wegen Wetter im Schlamm zu versinken. (Deicke & Rausch 1991, S. 284) - (Die ARD zeigt Bilder.).


?.10.1969 Die Crew Blues Session spielt in der Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums ein Konzert und löst sich bald danach auf. Dazu "Eroc" Joachim H. Ehrig: „Wir waren zu wild geworden, kein Übungsabend ging mehr ohne Prügelei ab." ("ERKE EROC", Album ,Eroc3', Plattenhülle mit Datum „3/79") - Es wird unter anderem eine „Improvisation über ,Born To Be Wild'" gespielt, welche zehn Jahre später Eingang in die Collage ,Falke Whips It Out' auf dem Album ,Eroc3' findet (ebenda). Auf dieser LP befindet sich mit ,Crew Blues Session' ein weiterer Ausschnitt aus diesem Abschiedskonzert.




Wheels In Revolution: 1970


So mancher Musiker [...] bastelt an Rock-Symphonien und orchestralen Fingerübungen [...]. Ist Rock endlich eine Kunstform geworden? / Jetzt können die Langhaarigen, Bärtigen, T-Shirt-Tragenden endlich mit gutem Grund naserümpfend auf die [...] herunterschauen, die sich an den Chartspitzen tummeln. Platter Pop für kleine Platten. LPs machen das neue Geschäft. [...] Zu solchen Platten gehört eine ,Anlage' - Tjuna, Ämpliefeier [sic! D.R.], Plattenspieler und Boxen - [...] und vor allem Stereo das Ganze." - „Man führt ein hektisches, mageres Kifferleben in der Stadt oder setzt sich in die Landschaft ab: Landkommunen [...]. [...] / Mit der neuen Naturverbundenheit und mit einem langsam erwachenden Umweltbewußtsein beginnt auch die Rockmusik für einige Jugendliche suspekt zu werden. Statt E-Gitarren aus Verstärkertürmen hört man wieder [...] Volkslieder [richtig: volkstümliche Lieder] oder kurz: Folk - am besten selbstgemacht oder zumindest aus dem Fach der absolut unkommerziellen Künstler." (Deicke & Rausch 1991, S. 93 u. 96)

21.02.1970: Die Langspielplatte (LP) ,Bridge Over Troubled Water' von Paul Simon & Art Garfunkel geht in die US-Charts, bleibt dort 130 Wochen und gehört somit zu den bestverkauften Alben aller Zeiten. (Deicke & Rausch 1991, S. 200).

01.04.1970: Der Film ,Woodstock' wird in Hollywood uraufgeführt. (Deicke & Rausch 1991, S. 219).

06/07.1970: Genesis nimmt für das Label Charisma Records ihr zweites Album ,Trespass' auf; es erscheint am 23.10.1970; trotz einiger guter Kritiken hatte auch dieses Album kommerziell kaum Erfolg. (Wikipedia-Artikel).

09.06.1970: Bob Dylan wird von der University of Princeton zum Doctor honoris causa (Ehrendoktor) ernannt. (Deicke & Rausch 1991, S. 259).

04.-06.09.1970: Auf dem Gelände eines gewissen Störtebecker beim Leuchtturm Flügge auf der Ostsee-Insel Fehmarn (Schleswig-Holstein) findet - angeregt durch das Woodstock-Ereignis (sowie ein kurz zuvor auf der Isle of Wight abgehaltenes Festival) und großzügig gefördert durch die Sexartikel-Anbieterin Beate Uhse - das ,Fehmarn Love And Peace Festival' (Wikipedia-Artikel) mit rund 25.000 Besuchern statt, welches bedauerlicherweise unbefriedigend endet. Es spielen unter anderem bekannte "Namen" wie Jimi Hendrix Experience, Rod Steward & The Faces und Ton, Steine, Scherben (als Rote Steine).

26.09.1970: Letztes öffentliches Konzert von John Allen (bzw. später James Marshall) "Jimi" Hendrix (*27.11.1942 - †18.09.1970); es findet in Ronnie Scott's Jazz Club in London gemeinsam mit Eric Victor Burdon statt.

27.10.1970: Das Album ,Jesus Christ Superstar' wird in New York der Öffentlichkeit präsentiert. (Deicke & Rausch 1991, S. 318).


31.10.1970: Die Band Charing Cross aus Hagen spielt in einer Lokalität namens Session (Kühn-Scholz 2018, S. 32, Tourplan)


12.11.1970: Die Band The Doors gibt in New Orleans (USA) ihr letztes Konzert mit Jim Morrison als Leadsänger. (Deicke & Rausch 1991, S. 327).


13.11.1970: Die Band Charing Cross spielt in der Diskothek Allround an der Eppenhauser Straße (Kühn-Scholz 2018, S. 32, Tourplan).


08.+09.12.1970: Die Band Deep Purple spielt nach Gigs in Düsseldorf (29.11.1970) und Duisburg (30.11.1970) je ein Konzert in Lüdenscheid und Wuppertal; ab dem Folgejahr gibt es dann nur noch Konzerte in den größeren Hallen der Gegend (Konzertliste zu den Jahren 1970 bis 1976).


04.12.1970: Die Band Charing Cross spielt in der Diskothek Piccadilly an der Hindenburgstraße (Kühn-Scholz 2018, S. 32, Tourplan).

15.12.1970: Die Band Charing Cross tritt in der Diskothek Allround auf (Kühn-Scholz 2018, S. 32, Tourplan).

17.12.1970: Die Band Charing Cross spielt im Vereinshaus der katholischen Kirchengemeinde St. Bonifatius in Hagen-Haspe (Kühn-Scholz 2018, S. 32, Tourplan).

19.12.1970: Im Jazzkeller ,JAM' in Wuppertal spielt die Band Wutpickel aus Hagen. Dazu "Eroc" Joachim H. Ehrig: „Vom Winter 1969 bis Dezember ´70 machte ich mit KASI [= „,KASI' KLASSEN" (ebenda)], Carlos Bottich [= Carlos Böttcher] (Gitarre) und Michael Barth (Flöte) unter dem Namen WUTPICKEL freie Musik. Wir hatten viel Spaß und sogar einen Auftritt. Am 19.12.70 spielten wir [...] vor 40-50 Leuten frohe Weihnachtslieder und andere böse Sachen. [...] Ende 1970 ging KASI nach Wuppertal und WUTPICKEL gab es nicht mehr." (Joachim Heinz Ehrig, Album ,Eroc3', Plattenhülle mit Datum „3/79")

31.12.1970: Die Band Charing Cross spielt in der Diskothek Piccadilly (Kühn-Scholz 2018, S. 32, Tourplan).




1971 ETC.: IT'S YOUR TURN NOW

Hey, did you know that I'm
Always going back in time?

(Wings, Backwards Traveller)






Wir warten nicht, wir starten! [...] Piloten ist nichts verboten."

(Hans Albers, Fliegerlied, von Extrabreit wiederbelebt.)


So sind sie halt, die Kinder."

(Ein Kommentar von Stefan "Kleinkrieg" nach Schlasse 2018, S. 205, mittig)


+++ Hagens Eltern wußten es: ihre Kleinen werden ,Irgendwie, irgendwo, irgendwann' (nicht nur bei ,Vollmond') flügge! (Das ,Fliegerlied' war nicht neu.) +++


Remember when you were young, you shone like the sun. Shine on you crazy diamond.
Now there's a look in your eyes, like black holes in the sky. Shine on you crazy diamond.

(Pink Floyd, Shine On You Crazy Diamond)



Einführung


Es wird Zeit, bezüglich Hagen 'mal über 'was Anderes als die Auflösung von Bands jeweils im letzten Jahresviertel zu berichten (vgl. 1969 u. 1970), nicht wahr?

Worum geht es hier?

Woll, als Titel hätte ich statt eines Fragezeichens einen Notenschlüssel nehmen können, doch leider fehlt er auf meinem "Keyboard". Also halte ich mich an das namengebende Lied des zweiten Albums der Nena-Band (Text von Gabriele Susanne Kerner) und hoffe, daß der Sinn verstanden wird. Es soll hier hauptsächlich um populäre Musik aus Hagen gehen (,in Westfalen', dem ,Tor zum Sauerland', am Rande vom ,Ruhrrevier' und unweit des rheinischen Bergischen Landes), wobei der Fokus auf die kleine Revolution zwischen etwa 1970 und 1980 gerichtet ist, in der dieses grün und hoch umhügelte und von Arbeit dreckigbraune Hagen in den Fokus der einheimischen Musikindustrie rückte. Die ,Neue Deutsche Welle' - kurz: NDW - habe ich hier nicht mehr unmitelbar miterlebt. Ab der zweiten Hälfte des Jahres 1979 konzentrierte ich mich mehr auf meinen Studienort Münster/Westfalen und hielt mich zudem in den Sommermonaten 1982 und 1983 in Bayern auf. Wenigstens konnte ich in Landshut (Niederbayern) im März 1982 eine Vorstellung von ,Levi's Rock-Festival - Neue Musik aus Deutschland' - mit Extrabreit, Interzone, Prima Klima und Spliff - besuchen:
EU/D/BY/LA/19820xxx_Ticket_EU_D_BY_LA_Landshut_Rockfestival_19820326-1900_0381x0900
Mein Ticket zum Landshuter "Rockabend" (Foto: Detlef Rothe)

Zu dieser Festival-Tournee gibt es ausführliche (voneinander abhängige) Berichte von Kay Oliver Schlasse ("Kurt Grosskurt"/"Kai Havaii"/Kay O. Schlasse: Die EXTRABREIT-Story; Havaii 2017, S. 165 - 172; Schlasse 2018, S. 247 - 254).

Ich empfehle die angegebenen Texte von Kay Oliver Schlasse übrigens ausdrücklich, denn sie erleichtern das Kennenlernen der Stimmung und "Szenerie" der Jahre um 1980 sehr, auch wenn die Sichtweise mitunter recht schräg und undistanziert - ja mitunter zynisch - wirkt (Sichtweise eines ,Wahnsinnigen' - so im Titel des Buches Havaii 2017); in bestimmten Fällen verzichte ich daher auf Hinweise oder gar Zitate. Leider haben sich diverse Fehler "eingeschlichen", denn so endete das 1970er Jahrzehnt beispielsweise erst mit dem zehnten Jahr 1980 und nicht schon in der Sylvesternacht 1979. Vereinzelt finden sich die Fehler in der Sekundärliteratur wieder, so etwa der falsche Rufname ,Susanne' für Gabriele S. Kerner ("Nena") in mindestens einem Zeitungsartikel (Quelle: Taxifahrer Rainer, ein angeblicher Kollege von "Kai Havaii").

Es geht mir in diesem Multimedia-Aufsatz auch darum, welche Musik in Hagen gegen Ende des 1970er Jahrzehnts überhaupt populär war; mich interessiert die musikalische Unterhaltung junger und junggebliebener Leute im und um das Zentrum Hagens - nicht alle haben ja selbst Musik gemacht. Es waren jedenfalls viele Musikbegeisterte und die Klänge dabei vielseitig! Chöre und "Klassische" bleiben hier vorsichtshalber ganz außer Betrachtung. Ich nehme eher die Freizeitstätten ins Visier, an denen mehr oder wenig harmonisch wenig oder mehr harmonische Töne produziert und konsumiert wurden.

Selbstverständlich wurde Musik nicht nur live oder aus Konserven genossen - auch Fernseh- und Radiosendungen spielten eine Rolle bei der Entwicklung des jugendlichen Musikgeschmacks. Bei mir zu Hause war das Fernsehen im Hinblick auf mein wachsendes Musik-Interesse um 1978 von eher geringer, aber auch nicht zu unterschätzender Bedeutung - ich war da auf Grund beengter Verhältnisse in gewisser Weise zu Beginn meiner Volljährlichkeit noch stark vom Geschmack meiner Eltern abhängig; ein eigenes Zimmer oder wenigstens einen eigenen Fernseher besaß ich nicht. Einen Plattenspieler kaufte ich erst 1979. Dafür hörte ich gerne Radio, und dazu gerne UKW, denn da war damals bereits Stereoton angesagt:




Allgemeine Entwicklung


+++ 8. März 2019: 40 Jahre Musikertreff +++

Schon wieder zehn Jahre vergangen? Macht nichts - wir buddeln eh tiefer!

Wer sich mit der Musikszene im 1970er und 1980er Jahrzehnt in Hagen beschäftigt, wird kaum an Hartmut Krause (heutzutage beim WDR tätig) vorbeikommen. Anläßlich der Ausstellung ,Hagen - Popstar - Glück' hielt er Rückschau (Krause 2018), und ich will hier bloß etwas Appetit auf seine kenntnisreichen Ausführungen machen. Er beschrieb das Hagen der 1970er Jahre als eine „Stadt mit Musikern und Bands, die ihr Tun mehr oder weniger Ernst nahmen und deshalb auch mehr oder weniger Erfolg hatten": „Über allem thronten jedoch die Männer von Grobschnitt, die es irgendwie geschafft hatten, den zu jener Zeit sehr beliebten Bühnenperformances der englischen Art-Rock-Giganten eine deftig-versponnene, westfälische Alternative entgegenzusetzen." (Krause 2018, S. 116, oben)

Dazu der frühere Tourmanager und Musiker der Band Gerd Otto "Lupo" Kühn-Scholz (Anfang 1975 als Gerd Kühn noch wohnhaft in der Buschstraße 91 in Helfe, 1976 dann gemäß Adreßbuch 1976 in der Pelmkestraße 78 a in Wehringhausen) in einem powermetal.de-Interview vom 11.10.2015: „Als die Breiten [= Extrabreit] sich 1978 gründeten, wurden wir mit GROBSCHNITT gerade im WDR-Fernsehen zur weltweit besten Rockpalast-Liveband des Jahres gekürt. 1980 erschien dann ihr erstes Album, und wir brachten fast zeitgleich mit 'Volle Molle' unser bereits achtes Album auf den Markt. Für Hagener Verhältnisse galten wir mit diesen Erfolgen als eine Band wie von einem anderen Stern, unerreicht und schon zu Lebzeiten legendär. Wir spielten in den dicken Hallen und blieben trotzdem die netten Jungs von nebenan. Wir waren aber auch Ansporn für andere Bands, es uns gleichzutun. Anfang der [19]80er gab es in Hagen mit dem Aufkommen der NDW geradezu eine Bandschwemme und verlieh der Stadt den Namen 'Little Liverpool'." (abgerufen am 8.4.2019)

Nach Hartmut Krause (Krause 2018, S. 116, oben) war „von einer brodelnden Hagener Szene Mitte der [19]70er noch nichts zu spüren". Freilich - Hagen ist nicht gleich Hagen: „Die Bands waren oft noch einzelnen Stadtteilen zuzuordnen. Aus Haspe kam die Prog-Rock-Band Albatros" (inwiefern Haspe?), und diese konnte „ihre erste Platte Garden Of Eden in Eigenregie ohne geldgebende Produzenten veröffentlichen" (Krause 2018, S. 116, oben). Mitglieder waren: Achim Hubricht (Bass; keine Angaben im Adreßbuch 1976), Jürgen Polzin (Congas; keine Angaben im Adreßbuch 1976), Thomas Büscher (Drums; Adreßbuch 1976, Namenteil, S. 45, Sp. 3: „Elbersstiege 9" am Remberg), Peter Breitbarth (Guitar; Adreßbuch 1976, Namenteil, S. 39, Sp. 2: „Elmenhorst[straße]-92"in Bissingheim), Christian Köppen (Piano; Adreßbuch 1976, Namenteil, S. 179, Sp. 1: „Holthauser[straße]-67"), Harald Hubricht (Keyboards; keine Angaben im Adreßbuch 1976) und Hansi Köppen (Vocals; Adreßbuch 1976, Namenteil, S. 179, Sp. 1: „Köppen Hans Holthauser[straße]-67" und ebenda „Köppen Hans Diakon Holthauser[straße]-67" in Holthausen). Die progressiven Rock spielende Band, deren Musiker offenbar vorwiegend aus dem Osten Hagens stammten, wurde im Februar 1974 folgerichtig innerhalb Hagens gegründet und bestand bis mindestens 1979:

(Alternativlink)

Auch in anderen Stadtteilen traten Gruppen mit eigenen Platten hervor: „In Dahl hatte sich die Formation Aragon gebildet, die sich vorher Genitiv nannten [= nannte]. Sie [= Ihre Musiker] spielten gitarrenlastigen, progressiven Rock mit deutschen Texten. Mit Blauer Montag/Disc-oh-Fieber konnten sie auch eine Single vorweisen. In Vorhalle war Pilgrimage beheimatet. Die Band des späteren Musiktreff-Chefs Reinhold Pomaska spielte melodischen, nicht zu harten Rock [...]." (Krause 2018, S. 116, mittig). Im Adreßbuch 1976 heißt es ergänzend (Namenteil, S. 264, Sp. 2): „Pomaska Reinhold Brandenburger[straße]-23a"; demnach befand sich die Wohnung im Süden Vorhalles nahe der Bundesautobahn 1.

EU/D/NW/HA/1975xxxx_EU_D_NW_HA-City_Elberfelderstrasse_Einmuendung_Hohenzollernstrasse_PlakatGenitiv_(Archiv_Mark-E_AG)2
Genitiv statt Genesis: Veranstaltungsplakat auf einer Litfaßsäule in der Elberfelder Straße anno 1975 (stark vergrößertes Detail eines Schwarzweißfotos)

Wer das Glück hatte, als junger oder jung gebliebener Mensch das 1970er Jahrzehnt auch nur zeitweise in der verkehrsbegünstigten Dreiflüssemündungsstadt im Nordwesten des Sauerlandes zu erleben, dem wurde bald bewußt, daß hierbei Wehringhausen (manche sagten schon damals: Wehrdichhausen) eine besondere Rolle spielte. Rolf Brendel meinte anno 2014: „An den Imbissbuden gab es Pommes rot/weiß, dazu die sogenannten Pflastersteine, steinharte Frikadellen, mit denen man bei Demos Polizisten bekämpfen konnte, nicht aber seinen Hunger." - „Ohne dieses Viertel schmeckte Hagen wie alkoholfreies Bier." (Brendel 2014, S. 45, unten, u. S. 46, oben) - Hartmut Krause wies auf die aufblühende Musikszene dieses Stadtteils und besonders auf „die erste Wehringhauser Szene-Band Bruno Bond und die Alternativ-Casanovas um Thomas Hermann" (*18.4.1951 - †31.03.2014; im Adreßbuch 1976 ist er leider nicht verzeichnet) hin, „die ihre Musik Turnschuh-Rock nannte, textlich von Ton, Steine, Scherben und musikalisch von Dire Straits beeinflusst war" (Krause 2018, S. 118, unten).

Kay O. Schlasse entwirft rückblickend ein sehr schräges und falsches Bild von Wehringhausen („Anarcho-Stadtteil" - Havaii 2017, S. 26, unten), wobei er vor allem die Gegend zwischen Minerva-, Mauer- (Heimat von Gerd Sperling) und Buscheystraße (Künstlerwohngemeinschaft ,B 56' und ähnliche "Kommunen" in der Nachbarschaft) - also das Zentrum des Buscheyviertels - im Auge hat (das „Biotop rund um den Wilhelmsplatz" nach Havaii 2017, S. 46, unten). Offenbar haben ihm Drogen mitunter den Blick verstellt, worauf nicht zuletzt seine Beschreibung der Bismarcksäule auf dem Goldberg hindeutet (Havaii 2017, S. 25 f. u. 44 - 46; zum Goldberg: ebenda, S. 46, mittig).

Mir ist aus dieser holden Goldberg-Zeit noch die Rockband Condor in Erinnerung (nicht zu verwechseln mit der 1980 in Magdeburg gegründeten Gruppe gleichen Namens!), welche in Jugendzentren spielte. Die Musiker kamen anscheinend durchweg aus Wehringhausen, wobei ich das Adreßbuch 1976 heranziehe (vgl. das Foto - aufgenommen anscheinend am Bismarckturm - und Poster bei Krause 2018, S. 121, oben): der Sänger und Gitarrist Bruno Golgowski wohnte - beruflich als „Assist[ent]" tätig - in der Lange Straße 58 a (Namenteil, S. 104, Sp. 3); der Bassist Bernd van Laak ist da (Namenteil, S. 196, Sp. 3) als Fernmeldetechniker in der Dieckstraße 38 verzeichnet; den Sänger und Gitarristen Helmut Meyer kann ich wegen Mehrfachnennung dieses Namens nicht "verorten"; der Schlagzeuger Michael Groß wohnte (ohne Berufsangabe) in der Lange Straße 47 (Namenteil, S. 110, Sp. 3) und war vorher (1972) anscheinend im Wohnhaus meiner (und wohl auch seiner) Eltern, nämlich in der Dömbergstraße 36, ansässig. Der Manager und Tontechniker Klaus Fromme wohnte allerdings nicht in Wehringhausen, sondern im Wasserlosen Tal (Namenteil, S. 91, Sp. 2).

Für den Sommer 1980 faßte der Extrabreit-Sänger "Kai Havaii" die Situation kurz und knapp so zusammen: „Man kannte sich also, was in der überschaubaren Hagener Musikszene kein Wunder war." (Havaii 2017, S. 100, mittig) - Ein, zwei Jahre später konnte von Überschaubarkeit (in "Little Liverpool") keine Rede mehr sein, und ich falle da ganz 'raus.



Eigene Entwicklung


Interesse daran, selbst Musik zu machen, hatte ich als seit Juli 1977 Achtzehnjähriger nur zeitweise; außer bei Liedern in den allerersten Schuljahren (Alle Vögel sind schon da - Froh zu sein bedarf es wenig - Jetzt faan wa' über'n See ... auf einer hölzern' Wurzel) und vor dem gerne niedlich nadelnden Weihnachtsbaum ist mir nie ein Lied gut über die Lippen gekommen (heutzutage plagt die Fichten mehr der Borkenkäfer, und niemand sieht es riesen). Instrumental habe ich mich bloß an Flöten, Maultrommel, Mundharmonika und Xylophon versucht und es da besser bald aufgegeben. Aber die Liebe zur Musik blieb, wie aus meinen Tagebuchaufzeichnungen hervorgeht:
TB M 1977 zum 17. Dezember 1977 (S. 105): „[...] ich [schrieb] ab etwa 15 Uhr Tagebuch und sah anschließend ab 20.15 Uhr im Fernsehen ,Musik ist Trumpf' mit Peter Frankenfeld. In der Nacht träumte ich, ich sei ein erfolgreicher Pianist und fände Gefallen daran, Klaviere zu streicheln. Ich hatte [...] ein wenig [sic (D.R.)] auf dem Klavier geklimpert, das im Aufenthaltsraum [des Fichte-Gymnasiums] abgestellt steht. Die Musiksendung am Abend hatte mir dann den Rest gegeben."
TB M 1977 zum 19. Dezember 1977 (S. 105 f): „[...] ich [wachte] müde auf. Die Müdigkeit verstärkte sich noch während des Vormittags, so | daß ich in Mathematik kaum folgen konnte. Dabei hatte ich in der Nacht nur über allgemeine Gedanken geträumt, sexuelle Phantasien [...], Kritisches dazu und musikalische Wünsche. / Nach der Schule und dem Mittagessen legte ich mich erst mal hin und versuchte zu schlafen. Nebenbei hörte ich Musik und konnte mich so etwas entspannen."
TB M 1977 zum 21. Dezember 1977 (S. 112): „Am Nachmittag [= nach Schule und Mittagessen] füllte ich mein ausgelaugtes Gehirn mit Musik."
Einzelblatt-Ordner, 4. Februar 1978: „Nachmittags [habe ich unser] altes Wohnzimmerradio, das eine Zeitlang im Jugendzimmer gestanden hatte, wo es seinen [monophonen!] Geist aufgab, ausgeschlachtet und die Lautsprecher als Stereoboxen zurechtgemacht; abends [habe ich] bis 21.40 [Uhr Hermann Hesses] Siddhartha (erster Teil) gelesen und Musik gehört, Letzteres noch länger."

Zum 17.12.1977: ,Musik ist Trumpf' war eine Musikrevue mit Sketcheinlagen und Wunschkonzert-Charakter im ZDF (auch ORF und SRG), welche 1975 bis 1981 samstagabends live ausgestrahlt wurde; ihr Konzept hatte "Peter Frankenfeld" Willi Julius August Frankenfeldt (*31.05.1913 - † 4.01.1979) entworfen, welcher die Sendung auch bis zu seinem Tod präsentierte; die hier behandelte Revue wurde aus der Stadthalle zu Bremen gesendet und hat folgende Gästeliste: Heinz Gietz, Carl Bay, Auricher Shanty-Chor, Brigitte Lindner, Nicola Penning, Eugen Hug, Peggy March, Bully Buhlan, Tony Marshall, Rudolf Schock, Heino, Sonntagskinder, Die Westfälischen Nachtigallen, Günter Pfitzmann, Hans Rolf Pradula (Wikipedia-Artikel - Stand: 6.8.2019). Wer mich da zum Träumen brachte, kann ich nicht mehr mit Sicherheit sagen. Ich vermute aber, daß es "Peggy March" Margaret Annemarie Harris - Geburtsname: Battavio - (*8.03.1948 in Lansdale, Montgomery County, Pennsylvania, USA) mit ihrem Hit ,Mit 17 hat man noch Träume' war (Lyrics), denn dieser Titel (A-Seite einer Single von 1965 - damals bis auf Platz 2 in den deutschen Charts) spukte anno 1977 viel in meinem Kopf herum (man beachte dazu den 12. August in meinem Istrien-Urlaub von 1977):


Auch Kino-Filme habe ich mitunter wegen der speziellen Musik geliebt, etwa ,Spiel mir das Lied vom Tod' (Originaltitel: C’era una volta il West; englischer Titel: Once Upon a Time in the West - Wikipedia-Artikel) von Sergio Leone (*3.1.1929 - †30.04.1989) (Wikipedia-Artikel), siehe das Zitat vom 15. April 1977 aus meinem Tagebuch TB E 1977 (geschrieben 17jährig): „Am 11. März (Freitag) war ich mit Michael im Kino und habe mir einen Film [...], jedenfalls ist er berühmt, wegen des ,Liedes vom Tod' (,Spiel mir das Lied vom Tod'), mit Charles Bronson [(Wikipedia-Artikel) angesehen (aus dem Jahr 1968)]. [...] Die Musik gefällt mir, [und] ich habe versucht, den Namen des Komponisten zu erfahren (ein Italiener [namens Ennio Morricone (Wikipedia-Artikel)]), doch es gelang mir nicht." - Später habe ich dann die LP ,The Music of Ennio Morricone. Western - Soundtrack - Themes' gekauft, erschienen 1977 unter der Lizenz von Locomotive. - Der Film wurde übrigens gemäß Wikipedia (Artikel abgerufen am 18.5.2019) mit 13 Millionen Zuschauern zu einem der erfolgreichsten Kinofilme überhaupt.

In diesem Zusammenhang möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß ich zu meiner - um ein Jahr vorgezogenen - Konfirmation am 23. April 1972 einen einfachen Kassettenrekorder (Monophonie) als Geschenk erhielt, mit dem ich mittels Microphon Musik aufnahm (daß ich damals auch Interviews machen wollte, sei nur als Anekdote aus der Zeit heraus erwähnt). Dazu gehörte unter anderem die Karl-May-Filmmusik (,Winnetou-Melodie' - die betreffenden Filme erschienen 1963 - 1968) von Martin Hermann Böttcher (*17.06.1927 - †20.04.2019). Später kaufte ich mir eine Compact-Cassette mit Samples (da ich keinen Plattenspieler besaß; der Kassetten-Inhalt war wohl identisch mit dem LP-Sampler von 1966). Filmmusik fand ich mitunter einfach nur klasse.

Dann gab es da noch etwas, das sich wie ein Ohrwurm durch alle Gehörgänge zu winden schien und meinen Blick auf "modernere" Töne richten ließ: ,Popcorn' von Hot Butter. Das Stückchen zog damals in meiner Umgebung Kreise, und es gehört zu den ersten Hits, an welche ich mich erinnern kann (wie auch an meine vergeblichen Versuche, diese vollständig vom Radio in brauchbarer Qualität aufzunehmen, das heißt: ohne daß ein Moderator hineinquatschte).

Mein Musikgeschmack wich bereits um die Mitte des 1970er Jahrzehnts - als ich (bis Woche 26/1976) für den Heinrich-Bauer-Verlag Zeitschriften austrug (darunter die ,Bravo') - stark von dem meiner Eltern und Geschwister ab, denn ich wurde nicht nur von meinen Mitschülern und und anderen Gleichaltrigen (beiderlei Geschlechts) beeinflußt und zum Beispiel schon früh auf The Beatles aufmerksam gemacht, sondern auch gewisse Jugendmagazine weckten mein Interesse für bestimmte (oft auffällig aussehende und klingende) Bands und Einzelinterpreten bzw. -interpretinnen (die Rockmusikerin Susan Kay "Suzi" Quatro - *3.06.1950 in Detroit (USA) -, die britische Glam-Rock-Band The Sweet - welche 1968 als Sweet Shop entstand und am 24.10.1971 in der Schützenhalle zu Lüdenscheid, sowie am 11.11.1971 in einem Jugendzentrum in Hagen auftrat -, die 1970 gegründete, gleichfalls britische Glam-Rock-Band T. Rex - Nachfolger der 1967 gegründeten und Psychedelic Folk spielenden Tyrannosaurus Rex - und die 1969 gegründete britische Hardrock-Band Uriah Heep (Konzerte) sind mir diesbezüglich noch in Erinnerung; 1977 kam dann die britische Pop-Rock-Band Smokie dazu (damals erfolgte - nach einer erforderlichen Namensänderung - der Durchbruch dieser Gruppe), und schließlich "erhörte" ich für mich die im Jahr 1969 gegründete britische Pop-Rock-Band Supertramp (Konzerte). Wann das war, weiß ich nicht mehr genau, aber es war nach dem Erscheinen (1974) des Albums ,Crime of the Century', welches bis auf Platz 1 der britischen Hitparade stieg und die Stücke ,Dreamer' und ,School' enthält, und wahrscheinlich bald nach der Veröffentlichung der LP ,Even in the Quietest Moments…' (1977), mit welcher der Band der Durchbruch in den USA gelang und welche in Kanada die Spitzenposition der Album-Charts belegte. Nach diesem Erfolg zog die Band über den Großen Teich und ließ sich in Los Angeles nieder; immerhin gab es im Oktober 1979 je zwei Konzerte in Dortmund und Köln. Das Album ,Breakfast in America' (1979 - es wurden über 18 Millionen Stück verkauft) war für einige Zeit mein Favorit und ließ selbst meine ab 1979/80 erworbene komplette Pink Floyd-Sammlung (einschließlich ,The Wall' und Solo-Alben von David Gilmour) im Schatten stehen. Während meines Studiums (ab Wintersemester 1979/80) wandelte sich das Bild wieder mehr in Richtung synthetisch klingender Weisen.

Im Jahr 1977 genoß ich nach allem noch gerne ruhigere Musik - das mit dem Rock ging erst 1978 richtig los. Zu meinen Favoriten gehörte das am 23. November 1970 erschienene Album ,Tea For The Tillerman' von Steven Demetre "Cat Stevens" Georgiou (Konzerte - je ein Auftritt am 2. Dezember 1975 in Düsseldorf, am 23. April 1976 in Köln, am 25. April 1976 in Essen und am 18. Mai 1976 in Münster), und dieses regte mich sogar zu meinem Gedicht ,Do you see our children playing?' an (wiedergegeben in TB M 1977, S. 48 - 52); mein Kommentar dazu (ebenda, S. 52: „Meine Gedanken waren von Cat Stevens' Song ,Where do the children play?' beeinflusst [sic (D.R.)] worden, der sich auf der LP ,TEA FOR THE TILLERMANN' [sic (D.R.)] befindet. Das Lied hatte ich vor Jahren mal bei Frau Witzel im Englischunterricht kennengelernt." - Das war immerhin ein recht moderner Unterricht verglichen mit dem der Herren Kramer und Regeniter, was freilich in gewisser Weise auch vom Lehrplan abhing. All I needed was rock. Well, I think it's fine building Jumbo planes, do you? Die Aufnahme der englischen Version der Langspielplatte ,Jumbo' von Grobschnitt fand bereits 1975 statt (Wahnbaeck 2018, S.42, oben), und ich bedaure es daher heute sehr, daß ich zu der Zeit noch kein Interesse an dieser großartigen Band entwickelte, sondern erst Jahre später wenigstens die damals aktuelle LP ,Kinder und Narren' kaufte (damals war "Eroc" schon nicht mehr dabei).

Noch im Frühjahr 1978 hörte ich gelegentlich deutsche Schlager, siehe meine Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner) zum 26. März 1978 (damals war ich alleine in der Wohnung): „Draußen jagte ein Sturm durch die Straßen, [wobei] Bäume und Büsche rauschten, und in den Räumen heulte ein Zugwind von Fensterritze zu Fensterritze. So etwas hatte ich noch nie erlebt, und es versteht sich wohl von selbst, daß ich mich unheimlich fühlte, zumindest [dann,] wenn ich das Licht ausschaltete. Ängste verdrängte ich aber, indem ich mir sagte: Wenn du schon Gespenster zu sehen glaubst, dann wünscht du sie dir selbst herbei. [...] Ich schaltete das Radio ein und hörte deutsche Schlager, so daß ich in meiner Einsamkeit genügend abgelenkt wurde." (26.3.1978, ca. 1:05 - 1:10 Uhr)

So "wild" wie manche anderen Jugendliche, welche ihren Idolen auf Konzerten oder bei Ausflügen nahezukommen suchten, war ich nie. Dieses Phänomen, welches schon den 1970 verstorbenen "Jimi" Hendrix verunsicherte, war erstaunlich (meine Mutter schilderte allerdings gerne ein ähnliches Erlebnis bei einem "Auftritt" Adolf Hitlers in Dessau um 1937, welches in Richtung Massenhysterie ging). "Nena" (welche 1975 von der Pelmkestraße in meiner Nachbarschaft an das hintere Ende der Warburger Straße zog) war - offenbar zum Kummer ihrer Eltern - "progressiv", denn sie erwähnt in ihrem Gemeinschaftswerk ,Willst du mit mir gehn' (Nena & Thesenfitz 2005) zumindest den Musiker Eric Victor Burdon, welchen sie schon als Jugendliche um 1975 unbedingt live erleben wollte; 1974 wurde das Album ,Sun Secrets' unter dem Bandnamen The Eric Burdon Band veröffentlicht (es enthält unter anderem die bekannten Songs ,Don't Let Me Be Misunderstood' und ,When I Was Young'), und diese Produktion gelangte immerhin wie das Album ,Stop' (1975) in die amerikanischen Albumcharts. Ich verweise bezüglich des jugendlichen Fan-Seins auf "Kai Havaii" (Havaii 2017, S. 167 u. 171 f.), wo Kay Schlasse unter anderem von „Groupies" und „minderjährigen Mädchen" spricht und dabei auf den Einfluß einschlägiger Jugendmagazine eingeht. Ich selbst verzichtete spätestens 1976 auf die Lektüre von Musikzeitschriften und war damals bereits mehr an wissenschaftlicher Fachliteratur interessiert (mit archäologischen, speläologischen und regionalgeschichtlichen Themen). Insofern hat mich folgende Episode aus dem eigenen Leben selbst überrascht, welche ich längst vergessen hatte - es folgt ein Auszug aus TB M 1977, und zwar zum 1. Dezember 1977: „Ich überlegte mir, was ich am Abend tun wollte [...]. Schließlich schaute ich mir die beiden ,Rocky'-Hefte an, die ich in der Schule als Werbeexemplare geschenkt bekommen hatte. Die Zeitschrift gefiel mir, und ich überlegte, ob ich sie nicht abonnieren sollte. Dadurch würde mein Taschengeld allerdings sehr geschmälert. Aber ich spürte, daß ich mich mehr für Musik interessieren müßte, um mich besser aus Depressionszuständen und in Stimmung halten zu können." - Aus dem Abonnement wurde dann aber nichts, da ich mein Taschengeld nicht mehr durch das Austragen von Zeitschriften aufbesserte (wegen schwacher Schulleistungen).

Im April 1978 kaufte ich im Kaufhaus ,Quelle' am Theaterplatz für knapp 500 DM einen Stereoradiorekorder der Firma Universum; dafür hatte ich extra in den Osterferien gejobbt. Er ermöglichte es mir, Musikstücke vom Radio unmittelbar auf Compact-Kassette aufzunehmen. Zu meinen Lieblingssendungen gehörte ,Fünf nach sieben – Radiothek' beim Westdeutschen Rundfunk (kurz: WDR), welche vom 30. Dezember 1973 bis 30. Dezember 1980 bei ,WDR 2' gesendet wurde. Dazu zwei Beispiele aus meinen Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblattordner): 1.) zum 23. März 1978 (einem Donnerstag, also mit progressiver Popmusik, moderiert wahrscheinlich von Winfried "Tucky" Trenkler): „[Ich] tippte [...] ab. Nebenbei hörte ich die Radiothek im WDR." - 2.) zum „Mittwoch, den 21. Juni 1978: „Am Abend sah ich mir [im Fernsehen] das Fußballspiel Deutschland - Österreich an [...]. Anschließend hörte ich die Radiothek und brachte meine Schulsachen in Ordnung." - Viele junge Leute verhielten sich damals hinsichtlich der "Musikgewinnung" ähnlich und nahmen Stücke dieser und anderer Sendungen auf. Die „Diskothek im WDR" von und mit dem texanischen Moderatoren, Musikproduzenten, Plattenaufleger, Sänger und Steakhousebetreiber Malcolm Ronald "Mal" Sondock (*4.07.1934 - †9.06.2009), von welcher "Kai Havaii" spricht (Havaii 2017, S. 135 - 138), war 1974 in die Radiothek intergriert worden und "lief" mittwochabends mit wöchentlicher Hörer-Hitparade (Wikipedia-Artikel - Stand: 26.07.2019); diese im 1960er und 1970er Jahrzehnt populäre Sendung sehe ich gewissermaßen als eine sich auf die Jugend konzentrierende Medienkonkurrenz zur ,Hitparade' (eine Fernsehsendung des Zweiten Deutschen Fernsehens von und mit "Dieter Thomas Heck" - siehe weiter unten zur Ischelandhalle), welche die Schlagerwelt begünstigte, aber immerhin um 1982 auch der Neuen Deutschen Welle (NDW) zugetan war, um aktuell zu bleiben. Die ZDF-Hitparade läßt sich mit einer Flamme vergleichen, welche dem Fernseher die Aura eines Lagerfeuers verlieh, um das sich die ganze Familie scharte. Zu heiß durfte es dabei freilich nicht werden, sonst knallte und krachte es leicht in der Guten Stube. Zum Aufnehmen von Musikstücken eignete sich dieses Feuer weniger, auch wenn's nicht knisterte und knackte wie manchmal im Radio. - Die ,Diskothek im WDR' lief bis Ende 1980 und wurde im Januar 1981 durch die kürzere Sendung ,Mal Sondocks Hitparade' ersetzt (wieder mittwochs - jetzt im Rahmen der neuen Sendung ,Pop-Session'), in der die Hörer per Telefon (statt per Postkarte oder fünfköpfiger "Jury") auf ,Hit' oder ,Niete' tippen konnten, aber Ende 1984 wurde auch diese Sendung abgesetzt (Wikipedia-Artikel - Stand: 26.07.2019).

Natürlich waren auch Aufnahmen von einem Plattenspieler üblich, und man knüpfte in dieser Hinsicht gerne neue Kontakte, siehe meine Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner) zum 22. März 1978: „Abends ging ich zu Ulrich (er wohnt Buscheystr. 27) und nahm bei ihm Cassetten auf, etwa ,Night In White Satin' von [The] Moody Blues, ein bekannter Titel, der mir so oft auf Feten Ausdruck meiner Gefühle war. Außerdem nahm ich die ,Oxigene' von John Michel Jarre [gemeint: das im Dezember 1976 in Frankreich erschienene Album ,Oxygène` von Jean-Michel André Jarre] auf [...]." - Aus meinem „Tagebuch 1979" zum 18. Juni 1979: „[...] am Abend nahm ich bei Ulrich [..] neue LP's auf - von Pink Floyd und Genesis."

Wenn ich selbst um 1978 Musikmedia kaufte, dann statt Schallplatten bespielte Compact-Kassetten; Platten (nur LPs!) kamen erst 1979 ab meiner vorübergehenden Berufstätigkeit als Briefzusteller dazu, und ich nutzte diese dann entweder direkt mit Kopfhörer zu Hause oder sonst auf Kassette überspielt. Aus meinem „Tagebuch 1979" zum 15. Juni 1979: „[...] da es so spät ist und ich genug damit zu tun hab', Udo L. livehaftig auf meinen neuen Plattenteller tanzen zu hören - ,als ich das erste Mal mit ihr schlief [...]', hab' ich jetzt's alle [= bin ich aufgedreht] [...]. [...] Ich habe [...] neue Platten gekauft, [und zwar] in verschiedenen Läden der Innenstadt: ,Planet Waves' von Bobby [sic (D.R.)] Dylan, einige Klassiker von Manfred Mann, Orgelwerke von [Johann Sebastian] Bach und Bolero von [Maurice] Ravel + 1812 von Tschaikovski [gemeint: mit der Ouvertüre Solennelle ,1812' von Peter Tschaikowski auf der B-Seite]. Dazu kommt eine Doppel-LP von Fleedwood Mac [...]."

Die Osterferien 1978 waren für meine persönliche Entwicklung als ein seit einigen Monaten Volljähriger wichtig: mein zwei Jahre älterer Bruder bezog eine eigene Wohnung, so daß ich das elf Quadratmeter große Kinderzimmer nur noch mit einem Bruder (welcher deutlich jünger war als ich) teilen mußte. Zudem fuhren meine Eltern mit dem Jüngsten in den Osterurlaub, so daß ich die Wohnung während meines hauptsächlich aus Nachtarbeit bestehenden Ferienjobs (im Paketdienst der Bundespost) alleine nutzen konnte. Außerdem nahm ich etwas später am links orientierten ,Festival der Jugend '78' in Dortmund teil, bei dem ich Live-Konzerte hörte, welche meinen Musikgeschmack beeinflußten. Die Veranstalter ,Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend' und ,Marxistischer Studentenbund Spartakus' waren Jugendorganisationen der Kommunistischen Partei Deutschlands (DKP) (puhdys-forum.de, Stand: 17. Juli 2019), und daher spielten dort auch "linientreu" osteuropäische Musiker. Musik aus dem anderen Deutschland - 'mal 'was Neues! In der Folgezeit 1979/80 war dann Karat (Wikipedia-Artikel - Stand: 25.04.2018) neben Udo Lindenberg & Panikorchester eine der ersten deutschsprachigen Gruppen, deren Alben ich kaufte (,Albatros' - in der DDR: ,Über sieben Brücken' - von 1979 und ,Schwanenkönig' von 1980). Für die LP ,Albatros' (bzw. ,Über sieben Brücken') erhielt Karat im Jahr 1984 eine Goldene Schallplatte; bekannt wurde das Lied ,Über sieben Brücken muß Du geh'n' in Westdeutschland allerdings durch die Cover-Version von Peter Maffay.

Musik und Freizeitstätten hatten für mich anno 1978 angesichts von schwer erträglichen Belastungen durch Familie und Schule zunehmend eine befreiende Funktion. Die zwölfte Klasse wiederholend war ich gerade im April über meine persönliche Situation enttäuscht, da die Mehrzahl meiner ehemaligen Klassenkameraden bereits kurz vor den Abiturprüfungen stand. Ich fühlte mich "zurückgesetzt" und entsprechend lustlos. Um so wichtiger wurde die Kommunikation mit (möglichst vertrauten) Gleichaltrigen aus meinem Bekanntenkreis. Zur Veranschaulichung der Situation gebe ich Auszüge aus meinen Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner) wieder:
Zu Donnerstag, den 6. April 1978: „Gegen Abend [erst] begann ich meine Englischhausaufgabe und ging - als ich sie fertig hatte - gegen 18.30 Uhr zum Info[rmationszentrum im Volkspark]. Ich wollte ursprünglich ins Theater, aber da ich mich schämte - ich meinte, nichts Passendes [zur Veranstaltung] zum Anziehen zu haben -, beschloß ich, am Abend entweder ins ,Fäßchen' am Wilhelmsplatz zu gehen, wo ich einige Mitschüler bei einer Folk-Veranstaltung treffen würde, oder mir den Dia-Vortrag über Indien im Infozentrum anzuschauen. Ich entschloß mich für letzteres, da ich ja anschließend immer noch ins ,Fäßchen' gehen konnte. Der Vortrag war aber interessanter und länger als erwartet, so daß ich bis gegen 21.30 Uhr blieb und dann mit Axel S., den ich im Info getroffen hatte, ins ,Chez Nous' ging, wo wir uns über meine familiären Probleme unterhielten. Er sagte mir ganz offen, daß ich zu ängstlich sei und mich mehr durchsetzen müsse. Ich sei nicht energisch genug. Er hatte gute Gedanken, und ich kam mir bald wie ein Kind vor [...]. [...] Gegen 11.30 [= 23.30] Uhr ging ich zurück nach Hause."


Die Single ,Hart wie Marmelade' wurde am 14. April 1980 veröffentlicht (Havaii 2018, S. 210, mittig). Zu Entstehung und Wirkung des Liedes äußerte sich der Sänger "Kai Havaii" (Kay O. Schlasse) in seiner Autobiographie, worauf ich hier verweise (Havaii 2017, S. 85 f.).

Zu Mittwoch, den 19. April 1978: „In der siebten Stunde nahm ich den Chemieunterricht kaum noch wahr. Ich war leer und dachte nur noch daran, mich zu Hause zu entspannen. Das tat ich dann auch. Ich hörte nicht eher auf, mir ,Velvet Rape' [Ersatzlink] von ,Space' [Album ,Magic Fly' (1977); weltweit 12 Millionen verkaufte Alben!] vorspielen zu lassen [sic (D.R.)], bis ich wieder denken konnte. / Gegen 15.30 Uhr kramte ich die Fotokamera meiner Eltern aus, legte einen Film ein und machte einige Bilder [...]. Dann hörte ich noch eine Zeitlang ,Space' und flog dann selbst in die Stadt, ohne meiner Enttäuschung jedoch endgültig zu entfliehen. Gegen 16.15 Uhr war ich beim [Hagener] Heimatbund; anschließend ging ich bis gegen 18.15 Uhr ins Info. Abends ging ich in die ,[Enge] Weste' und anschließend ins ,Chez Nous', wo ich mich mit Axel und einigen anderen Leuten über den Wehrdienst unterhielt."

So in etwa verlief mein Schülerleben damals von nachmittags bis abends nach den Hausaufgaben (sofern ich diese nicht verschieben konnte). Kurz vor Weihnachten 1978 las ich übrigens in einer Übersetzung des nach dem (in dieser Form erdachten) Lied ,If a body catch a body coming through the rye' benannten Romans ,The Catcher in the Rye' von Jerome David Salinger (*1.1.1919 - †27.1.2010) - 1946 hatte die Zeitschrift ,The New Yorker' seine Kurzgeschichte Slight Rebellion Off Madison veröffentlicht, in der erstmals die Figur Holden Caulfield auftaucht, der Protagonist in ,The Catcher in the Rye' - ein aus der Schule geflüchteter Teenager, welcher gegen die Erwachsenen- und Mitschülerwelt rebelliert (siehe die Wikipedia-Artikel). Diese "Geschichte" trug sicherlich ihren Teil zu den Spannungen in meinem Elternhaus bei und führte auch zu einer Suche nach Aufenthaltsalternativen wie das Jugendzentrum (bzw. Haus der Jugend) in Haspe oder das "Info" im Volkspark.





Eigene Wahrnehmung der regionalen Musikszene


Hinsichtlich des musikbewegten Terrains an der Ennepe spreche ich vorzugsweise vom ,wilden Westen' Hagens und ziehe dabei den Raum Haspe ausdrücklich mit ein. Ich wuchs in dieser Gegend auf oder kurvte dort zumindest umher. Zurückblickend kann ich mich auf Aufzeichnungen - zum Teil in Form von Tagebüchern - stützen. Einschränkend muß ich dabei allerdings darauf hinweisen, daß damals Musik nicht im Mittelpunkt meines Interesses stand, denn ich äußerte mich schon damals lieber in Bildern und Texten; immerhin war ich viel unterwegs und photographierte fleißig in meinem Freizeitumfeld. Insofern läßt sich auch so ein gewisser Einblick in die Jugendkulturszene des (erweiterten) ,Bermuda-Dreiecks' zwischen Haspe, Helfe und Priorei gewinnen - freilich aus der Sicht eines "Konsumenten", nicht Produzenten. Fotos aus dem Backstage-Bereich gibt es bei mir nicht!

Hinweisen möchte ich kurz auf die in Hagen und in Nachbarstädten veranstalteten Musikwettbewerbe für Rockbands, welche ich allerdings kaum besucht habe, da mir ein normales Konzert lieber war und ich abends mit Rücksicht auf meine Geschwister auch als Volljähriger in der Regel auf längere Ausgehzeiten verzichten mußte. Als eher ruhiger Typ war ich bei Konzerten mehr an Folk- als an Rockmusik interessiert, wobei ich im Rahmen einer Clique immerhin auch das aufnahm, was in der Nachbarschaft geboten wurde. Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen - hier: „Tagebuch 1979" - zum 5. August 1979: „Am Sonntagmorgen wurde ich von Putte, Kalle und Heinz [..] abgeholt. Wir fuhren nach Herdecke und nahmen in der Sonnenstein-Schule an einem Frühschoppen teil, bei dem eine sehr gute Folkgruppe spielte; ich glaube, sie hieß ,The Backyard Band'. Sie machte recht viel Spaß; die drei Typen waren dufte."

Bezüglich meiner individuellen Mobilität spielte eine gewisse Rolle, daß ich am 20. Juni 1978 ein gebrauchtes Mofa erwarb, welche ich etwas später - wie damals üblich - mittels gewisser Manipulationen ,frisierte' (die Polizei hat's nicht geseh'n" - keine Sorge, mehr als 45 km/h lief der Stuhl nie - manche wollen ja über 50 km/h erreicht haben, um im polizeifreien Verkehr mithalten zu können - siehe Kante 2014, S. 58, unten). So war ich dann öfter und schneller zwischen Haspe und Hohenlimburg unterwegs als vorher mit dem Fahrrad oder im - gähn! - dieselnden Bus. Eine S-Bahn gab's da noch nicht, und die flotte Straßenbahn (welche früher bloß sinnig ,Die Elektrische' genannt wurde) war bis 1976 blöderweise auf Grund zweifelhafter Gutachten beseitigt worden.

Da ich schon - wenn auch indirekt - in Hagen unterwegs bin, so möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß die Glörtalsperre zwischen Breckerfeld (Ennepe-Ruhr-Kreis) und Hagen-Priorei im 1970er Jahrzehnt für naturbewußte und musikbegeisterte junge Leute einen besonderen Anziehungspunkt bildete; dorthin fuhr ich nie mit meinem Mofa. Besonders die Abendstimmung war hier für musisch begabte Wesen ausgesprochen inspirierend:
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"Putte" (links), "Jodel" (daneben) und eine charmante Monika an der abendlichen "Glör" (Foto: Detlef Rothe - 11.06.1979)

Aus meinem „Tagebuch 1979" zu diesem Abend: „Am Montagnachmittag war ich im Info, später [...] fuhr ich aber zu Klaus, wobei ich Putte ([...] aus Hagen-Ambrock) traf, mit dem ich öfters zusammen bin [...]. Mit ihm, einem gewissen Jörg, sowie Kalle [...], Jodel [...] und der [...] Schönen namens Monika fuhr ich gegen Abend zur Glörtalsperre, wo wir ein Bad nahmen und uns entspannten. Ich machte ein paar Bilder, entspannte mich aber nicht, obwohl ich den Sonnenuntergang beobachtete [...]. [...] ich machte mir mehr Gedanken über sie als über die blinkenden, matten Wellen, das leise Plätschern der Brandung, das leise und zugleich schaurige Rauschen in den Wäldern, über den bleichen Spiegel der Wasseroberfläche, über die wenigen, bunten Wolken, die wenigen Leute, den steilen, moderigen Uferstreifen, die zarten Fliegen, das dumpfe Gezwitscher der Vögel in den sich verlierenden Bäumen, die bizarren, versponnenen Wurzeln, die gefährlichen Scherben vergangener Konsumgelage, die einsame Atmosphäre der Zivilisationsoase, die nun selbst bald untergehen soll. [...] Als ich so gegen 9 [= 21] Uhr zu Hause war, war ich nicht zu Hause, sondern ganz woanders."



Inga Humpe (Wikipedia-Artikel) berichtete für die Zeit um 1970 (bei Wahnbaeck 2018, S. 336, unten): „Meine erste wichtige Begegnung in Hagen war mit Axel Kölpin [Adreßbuch 1976, Namenteil, S. 178, Sp. 1: „techn{ischer }Zeichn{er,} Iserlohner-{Straße }44"], später Gitarrist bei Marakesh Express und Liga Agil [...]. Die Glörtalsperre [...] war mein persönliches Woodstock. Dort haben wir Beatles-Lieder zur Gitarre gesungen. Das war der erste Schritt in eine Teenager-Individualität. Diese Talsperre war ein Feld, was von niemanden besetzt war. [...] Man konnte sich ausdrücken, wie man wollte."

Hinweis: Axel Kölpin lebte von 1975 bis 1981 am Niederrhein und kehrte dann nach Hagen zurück (Biographie bei marrakesh-express.de - abgerufen am 28.5.2019). Heutzutage tritt er als (Solokünster auf; er hat allerdings auch schon in der Band Liga Agil mit Frank Röhler - bekannt als Bassist bei The Stripes - zusammen gespielt (Wahnbaeck 2018, S. 305, Abbildung der Gästebuchseite rechts unten).

Auch mein Schulfreund "Putte" betätigte sich als Sänger (mit Gitarre) und trat gelegentlich auf. Aus meinem „Tagebuch 1979" zum 13. Juni 1979, einem Mittwoch: „[...] gegen Abend machte ich mich zum Alten Holz auf, wo im Fachbereich Sozialwesen der Fernuni [richtig: der Fachhochschule Hagen als Bestandteil des Gesamthochschulbereiches Dortmund (Althaus et al. 1977, S. 85)] eine ,kleine' Fete stieg. Dort traf ich Putte [...]. [...] Die Musik war gut; Putte hatte einen guten Auftritt und fuhr mich - nach ein paar Flaschen Alt und gutem Pfeifentabak gegen 11.30 [= 23.30] Uhr nach Hause. Aber da ging es wohl erst richtig los."

Über Hagen hinaus bot sich in der Nachbarschaft vor allem Dortmund als Darstellungsort populärer Musik an, und zwar hier besonders im Bereich der Westfallenhalle, welche ja auch zusätzliche Saalbauten im Umfeld bereitstellte. Für mich hatte das im Mai 1978 stattfindende ,Festival der Jugend '78' Auswirkungen, welche sich allerdings im Nachhinein nur noch schwer umschreiben lassen. Aus meinen Tagebuch-Aufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner) zum 13.5.:
Nach den fünf Unterrichtsstunden fuhr ich ab 11.55 Uhr nach Dortmund. Gegen 13 Uhr besuchte ich [...] Harald und ging mit ihm [...] gegen 15.30 Uhr zu den Westfalenhallen, um am Festival der Jugend '78 teilzunehmen. Ich [...] besichtigte die Hallen, die ich zum ersten Mal von innen betrachten konnte. Ich war über die Zahl [= Anzahl] der Besucher - es mögen tatsächlich um die hunderttausend gewesen sein [es sollen sogar etwa 180.000 gewesen sein (Stand: 17.7.2019)] - überrascht und bald noch mehr über die Atmosphäre. Ich sah mir eine Ausstellung über die Nazi-Zeit in Deutschland an, hörte mir im Eisstadion einige Amateur-Rockgruppen an und ging auch in die große Halle (I). Um 22 Uhr begann im Silbersaal der Film ,Das Brot backt der Bäcker' [richtig: ,Das Brot des Bäckers' aus dem Jahr 1976 - Regie: Erwin Keusch - Kinostart: 26. Februar 1977 - Wikipedia-Artikel - Musik: Condor] [...]. [...]
Am Pfingstsonntag, den 14.5., ging ich nach
[dem] Ende der Vorstellung in die Halle I zu einem Rockkonzert. Von den ,Puhdys' [Wikipedia-Artikel] angeheizt, schüttelte ich den Staub von meinen angestauten Gefühlen ab. Gegen 2 Uhr ging ich zurück [...]. Ich stand erst gegen 13 Uhr wieder auf und war gegen 16 Uhr wieder im Bereich der Westfalenhallen. Ich hörte mir eine Podiumsdiskussion zum Thema Neutronenbombe an und ging gegen 18 Uhr in die große Halle, wo ich mir meine angestauten Gefühle durch die Rockklänge der Gruppe ,Morgenrot' [Wikipedia-Artikel] aufrütteln ließ. [...] Im Stadion hörte ich mir die Bekanntgabe der sechs Gewinner des Amateurwettbewerbs an, versuchte dann, die ,Puhdys' zu finden [...], hatte aber keinen Erfolg. Daraufhin ging ich wieder ins Eisstadion, hörte mir einige der Siegergruppen an und begann, mich zu langweilen. Ich schlenderte durch die Hallen, in denen man mit den Aufräumen begann[,] und ließ mich schließlich wieder in der großen Halle nieder, wo Liedermacher aus verschiedenen sozialistischen Staaten ihren Unwillen [...] kundtaten. Ich begann zu träumen und ließ mich schließlich zum Sozialistentum bekehren. [...] Alles drehte sich nur um das eine [Thema], was das Spruchband verkündete: ,Internationale Solidarität'. Es war ein Christentum, wie es christlicher nicht sein könnte, so frei von aller Frömmigkeit. Ich war enttäuscht, als die Anwesenden dann um 24 Uhr auf das nächste Jahr vertröstet wurden. So fand auch dieser Traum ein Ende. Ich ließ mich - bereits am Montag, den 15.5. - durch die leeren, dunklen und kalten Straßen zurück [...] treiben [...]. Um 6 Uhr war ich wieder auf dem Weg nach Hause."
Die beliebte Rockband Grobschnitt war übrigens nicht dabei; sie spielte am 12.5. im Volkshaus in Zürich (also in der Schweiz!), am 13.5. auf der Jubo-Ranch in Hauenstein und am 14.5. im Reichenbach-Gymnasium in Ennepetal (Kühn-Scholz 2018, S. 48, Tourplan 1978). Ob überhaupt eine Hagener Gruppe live dabei war, geht aus eigenen Unterlagen nicht hervor. Ich war im Großen und Ganzen eher enttäuscht und verzichtete im folgenden Veranstaltungsjahr 1980 auf eine Wiederholung des Festival-Besuchs.

Zum Festival 1978 gibt es im Archiv der Zeitschrift ,Die Zeit' den Beitrag ,Wir sind keine finsteren Typen. 180 000 Besucher feierten mit jung-Kommunisten' von Ulrich Völklein (Textwiedergabe auch im Puhdys-Forum). Demnach spielte neben den Puhdys (welche schon beim ersten Festival zwei Jahre zuvor dabei waren) unter anderem die Folk-Gruppe Hausmannskost, die Münchener Liedermacher Brannasky & Honke, und als weitere Liedermacher waren Franz-Josef Degenhardt, Dieter Süverkrüpp und Hannes Wader vertreten. Welche Bands am Wettbewerb teilnahmen, geht aus dem Bericht leider nicht hervor; es ist lediglich von einer „Rock-Nacht vor drei Bühnen" die Rede. Laut Wikipedia (unter Berufung auf den Artikel in ,Die Zeit'! Stand: 17.7.2019) traten angeblich auch Jutta Weinhold, Snowball und Udo Lindenberg auf, doch geht das aus der archivierten Fassung der Quelle nicht hervor, und ich hätte mich sicherlich sehr bemüht, zumindest Udo Lindenberg zu erleben. Snowball war eine 1977 gegründete deutsch-anglo-amerikanische Funk-Rock Band, welche drei Alben hervorbrachte und sich im Dezember 1981 auflöste. Die deutsche Rockmusikerin Jutta Weinhold arbeitete 1976 bis 1978 mit U. Lindenberg zusammen; sie war spätestens seit 1975 Bestandteil der Hamburger Rockszene. Für eine Beteiligung der drei Genannten an dem Festival habe ich sonst keine Hinweise oder gar Belege gefunden (Stand: 17.7.2019).

Zu den Rahmen, in welchem Rockbands der DDR um die Mitte des 1970er Jahrzehnts aktiv sein konnten, verweise ich auf die Darstellung in der Folge 5 der Dokumentation ,Pop 2000':


Ein im 1970er Jahrzehnt auch für Hagen wichtiger Aspekt, welcher unter anderem von Rolf Brendel und Kay O. Schlasse in ihren Rückblicken (The Stripes/Nena, Extrabreit) angesprochen wurde, ist der Drogenkonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen (vgl. Kante 2014). Haschisch und Ephedrin waren verbreitet, und ihre Einnahme führte mitunter zu unvorhergesehenen Wirkungen, also nicht nur zu - mitunter vorschnell erwarteten - "Bewußtseinserweiterungen". Bei beliebten Bands soll zeitweise Kokain konsumiert worden sein. Für mich war das Thema in Hagen tabu (wobei ich mich schon früh durch Lieder von Juliane Werding und Udo Lindenberg gewarnt sah), wenn ich 'mal von gelegentlichen Hilfen bei Besorgungen absehe. Es war zweifellos ein wichtiges Thema - auch in der Schule - und wurde als solches in der Freizeit diskutiert. Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen:
TB M 1977 zum 13. Dezember 1977 (S. 94 - 98): „Nach zwei Stunden Geschichte bei [Herrn] Jacobs ging ich mit Jürgen H. [...] in die Stadt (= ins Stadtzentrum). Er bat mich, daß ich für ihn in eine bestimmte Apotheke ginge, um eine 20er-Packung ,Ephedrin' - ein Kreislaufmittel - zu besorgen. Er sei da schon so oft gewesen, daß er sich nicht mehr [dorthin] traue. Ich erklärte mich [...] bereit und erfuhr von Jürgen, [...] daß es unter den Hagener Jugendlichen ein begehrtes Mittel sei, um aus ihren Depressionen herau[s]zufinden. Es würden aber auch andere, teuere Mittel benutzt, bis hin zu Haschisch und so. Ich bohrte nicht weiter. In der Apotheke bekam ich zu hören, daß das Arzneimittel - das man offensichtlich rezeptfrei für 1,90 DM bekam - vergriffen sei. In der nächsten Apotheke hörte ich, daß der Laden das Präparat nicht führe; | in einer weiteren [Apotheke] teilte man mir dasgleiche mit. Schließlich war ich neugierig geworden, wie das Zeugs aussah und begleitete Jürgen weiter bis nach Oberhagen zur Löwen-Apotheke, wo ich dann auch eine Packung erstand. Auf dem Rückweg unterhielt ich mich mit Jürgen über unser Verhalten, wobei ich ihn zur Vorsicht ermahnte und er mich beruhigte. Er erzählte mir, daß er sich oft unwohl fühle und was er gegen die Angst vor Isolation [= Einsamkeit] zu tun pflegt. Er schlug mir vor [...], nachmittags bzw. abends aus meinem Loch herauszukommen und ihn in eine Gaststätte zu begleiten [...]. [...] Nun, Jürgen ist ein Mitschüler, den ich seit der Sexta | kenne und der wie ich dieses Jahr zum ersten Mal eine Jahrgangstufe wiederholt. [...] Er [...] erwähnte nur seine Mutter [...]. Die Sorgen, die [ich] habe, habe er schon längst vergessen können. Ich weiß, daß er in einer Hagener Gruppe musikalisch tätig ist - er spielt Gitarre -, und er trägt - was eigentlich längst wieder außer Mode gekommen ist - lange Haare. Ich glaube, daß er mit kurzen [Haaren] weniger sympathisch aussehen würde. Ich verstehe, daß er das Leben so zu nehmen gelernt hat, wie es ist - und nicht, wie es sein könnte [...]. [...] | Da ich noch genug Zeit bis zur fünften Stunde hatte, ging ich mit Jürgen in die ,Öse' im Volkspark [...]. Er erzählte mir von Hasch [...]. Ich wußte nicht, ob er mich auf den Arm nehmen wollte, aber ich traute ihm so etwas für den Augenblick [...] nicht zu. Er erklärte mir die Wirkung dieses Arzneimittels [Ephedrin]; es verursache ein Gefühl der Schwerelosigkeit und intensiviere die Gefühle. Es mochte zwar etwas jucken - etwa auf der Stirn -, doch es würde es halt bringen. Nebenbei erfuhr ich dann noch, daß er im Besitz von Hasch sei [...] - und er beantwortete meine Frage in bezug auf die Wirkung, daß man mindestens zwei- bis dreimal Hasch genossen haben müsse, bis man überhaupt eine angenehme Wirkung verspüren würde. Im übrigen schmecke es süßlich, und zwar erinnere es an Gummi. Ich wußte genug und schwieg betroffen. [...] Solange er noch nicht drogensüchtig ist - das hätte ich ihm angesehen -, mochte ich mich nicht in seine inneren Angelegenheiten einmischen."
TB M 1977 zum 15. Dezember 1977 (S. 102): „Weil ich [nach Abgabe einer „Deutsch-Leistungskurs-Arbeit" (S. 101)] fertig war, ging ich mit Jürgen in die ,Weste'. Auf dem Heimweg besorgte ich ihm auf seine Bitte hin eine Packung ,Ephedrin', übrigens zum letzten Mal."
Einzelblatt-Ordner zum 22. März 1978: „In der langen Pause [...] unterhielt ich mich mit Rudolf [.. (Synthi-Rudi)] über gemeinsame Bekannte, über Jürgen H., über Drogen, Bewußtseinsveränderungen und Träume."

Welchen Einfluß Drogenkonsum auf die Stilbildung heimischer Musik gehabt hat - eine Frage, welche etwa bezüglich "Jimi" Hendrix (†18.09.1970) diskutiert wurde -, überblicke ich nicht. Kokain scheint dazu beigetragen zu haben, den mitunter sehr harten Bedingungen auf Konzert-Tourneen gerecht zu werden (nach Brendel 2014, Kante 2014 und Havaii 2017). Entsprechende bestätigende Doping-Erfahrungen - allerdings bloß mit Einstiegsdrogen - habe ich um die Jahrtausendwende bei meiner zeitweise aufreibenden Tätigkeit als Altenpfleger gemacht.



DOWNTOWN


We're just two lost souls swimming in a fish bowl, year after year,
Running over the same old ground. What have we found? The same old fears.

(Pink Floyd, Wish You Were Here)

Leaving the suburbs we're gonna leave it all behind.
(The Stripes, Leaving The Suburbs)



Nach dem Zweiten Weltkrieg war das geteilte Deutschland ein wichtiger Faktor im Bewußtein auch der Hagener Bevölkerung. Auf dem Berliner Platz (am Hauptbahnhof) erinnerte spätestens seit dem 1960er Jahrzehnt ein Mahnmal an die ausstehende Wiedervereinigung Deutschlands und die Einschließung des 500 km entfernten (und auf dem Berliner Platz symbolhaft als mit Stacheldraht versehene Mauer dargestellte) Westberlin durch den Ostblock. Die verliebte "Nena" fuhr (wahrscheinlich) 1976/77 eine Zeitlang regelmäßig am Wochenende in die zweigeteilte Metropole, wo sie das Großstadtleben kennenlernte (Hagen war zwar bereits seit einem halben Jahrhundert Großstadt, doch man sah es dem Ort nicht mehr an!); sicherlich war sie über die Verhältnisse auf beiden Seiten der Berliner Mauer im Bilde und machte sich darüber Gedanken (wie Mitglieder der Band Extrabreit, wie das Lied ,Wir leben im Westen' auf deren im Oktober 1981 erschienenen zweiten Album ,Welch ein Land! - Was für Männer' zeigt). In Hagen gab es schon früh nach dem Zweiten Weltkrieg politisch Aktive, welche dafür sorgten, daß die Teilung Deutschlands im Fokus blieb, siehe die „Chronik der Stadt Hagen" (im Adreßbuch 1968) zum 16. Dezember 1966: „Das Ortskuratorium UNTEILBARES DEUTSCHLAND eröffnet in der Bürgerhalle des Rathauses eine Ausstellung der aus dem Wettbewerb 1964/65 ausgewählten Jugendarbeiten ,Wir gehören zusammen'." - Bei der Band Nena ging dieses Thema gewissermaßen "in Fleisch und Blut" über (der Text des Liedes stammt offenbar von Carlo Karges):


Hagen kam als Stadt (im Gegensatz etwa zum Staat BRD oder zur Kulturmetropole Berlin) im Ansehen der arbeitenden und noch wenig konsumorientierten Jugend in der zweiten Hälfte des 1970er Jahrzehnts nicht mehr gut weg. Nach der im Jahr 1976 erfolgten endgültigen Beseitigung der Straßenbahnnetzes durch den nach ihm benannten Betreiber (Hagener Straßenbahn AG) fehlte ein wichtiges umweltfreundliches Großstadt-Identifikationsmittel, und eine Stadtbahn - wie sie heutzutage üblich ist - stand nicht zur Debatte. Allenfalls das seinerzeit in Hagen-Vorhalle in Erprobung stehende ,Cabinentaxi' (siehe dazu Göbel & Rudat 2011) im Stile des damals erwartungsfroh ummalten und in Liedern besungenen ,Jahres 2000' vermochte etwas Hoffnung auf Realisierung zu vermitteln - an das ab 2001 geltende dritte nachchristliche Jahrtausend mochte noch niemand denken:


Auf Grund eines frühen Songs von Extrabreit - zu der Zeit, als ihr Frontmann noch Horst-Werner Wiegand hieß - dürfte bekannt sein, daß die Hagener City im ausgehenden 1970er Jahrzehnt auf musikalische junge Leute geradezu öde wirkte (vgl. Wahnbaeck 2018, S. 202):


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Die bauklötzchenartige ,Alptraumstadt' im Februar 1975; positiv hervortretend:
vorne der Saal des Jugendheims am Buschey (Zweigstelle des Fichte-Gymnasiums),
rechts dahinter die damalige Volkshochschule (Villa Lauffenberg);
etwas oberhalb der Bildmitte das Stadttheater (Foto: Detlef Rothe).

Die Dreiheit der Hochhäuser von Arbeitsamt, Sparkasse und Stadtverwaltung (Radiopassiv, Grün & Grau, 1982) machte zu Beginn des 1980er Jahrzehnts (1981 - 1990) die Angelegenheit nicht sympathischer.

Nach der sogenannten ,Wende' um 1990 verfiel Hagen (das galt besonders für seine Straßen) immer mehr. Damals gab es wohl noch mehr Ab- als Zuwanderung, wie sie heutzutage an- bzw. auffällt. Nachträglich habe ich um 2010 versucht, die Stimmung einzufangen - vorzugsweise am Abend:


Doch vorwärts zurück!

Über diesem Textabschnitt könnte ich den Titel einer Abbildung im Bildband ,HAGEN' von Heinrich Witte (Witte 1973, Abb. Nr. 32) ergänzen: „Beat im Volkspark". Das Thema ,Beat' (im Sinne von lauter Musik) kontrastierte hier bereits um 1970 ganz hübsch gegenüber den Modenschauen, und aus Beat wurde dann recht schnell und tragfähig Rock (und es war gewiß kein ,Minirock')! Hier spielte die im 1955 zu Unterhaltungszwecken (Freiluftkonzerte und -modenschauen) errichtete überdachte Bühne an der Körnerstraße - unweit von Elektromark / Südwestfälische Industrie- und Handelskammer / Stadtsparkasse - sowohl die Rolle eines Katalysators als auch Magneten für Jugendliche und Junggebliebene. Aber natürlich gab es auch Häuser, in denen Tanzmusik für junges Volk gespielt wurde!

Über die Modenschauen an der Konzertmuschel im Volkspark berichtete die „Chronik der Stadt Hagen" im Adreßbuch 1968 zweimal, und zwar für zwei aufeinander folgende Jahre:
1966 - September - 24./25.: „Die Hagener Werbegemeinschaft führt im Volkspark vor mehreren tausend Besuchern die alljährlich stattfindende Freilichtmodenschau durch."
1967 - September - 23./24.: „Im Volkspark findet unter großem Publikumsinteresse zum 9. Male die Freilichtmodenschau der Hagener Werbegemeinschaft mit anschließendem großen Höhenfeuerwerk statt."

Das Interesse der Hagener an Modenschauen ließ mit dem Aufkommen der Nietenhosen und Jeansbekleidung sichtlich nach, und der Volkspark im Zentrum der Stadt entwickelte sich stattdessen - ähnlich (aber natürlich bescheidener) wie der Olympiapark in München - im 1970er Jahrzehnt zunehmend zu einem Schau- und Spielplatz für die Jugend, was dankenswerterweise durch die für soziale Belange zuständigen Ämter der Stadt gefördert wurde:
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Umzug beim ,Kinderfest' im Volkspark (Foto: Detlef Rothe - 08.06.1979)
(Ich hab' nachgezählt: für 99 Luftballons hat's nicht gereicht.)

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner) zum 6. Juni 1978: „Am Abend ging ich gegen 18 Uhr in den Volkspark, wo Lee Bach Folklieder spielte [= sang] und ich einige Mitschüler traf. Als gegen 19 Uhr die irische Folkgruppe ,Clannad' [Wikipedia-Artikel] zu wirken begann, machte sich Langeweile und Enttäuschung breit, auch wenn sie einiges Gutes brachte. Gegen 21 Uhr war ich wieder zu Hause [...]."

Die Präsentation von irischer Musik im Volkspark (Informationszentrum/Konzertmuschel) im Jahr 1978 hat mich übrigens zu meiner Irlandreise im nächsten Sommer motiviert.

Im Zentrum der musikalischen Ereignisse des Jahres 1979 stand für mich - der ich ja in der zweiten Hälfte schon vorwiegend in Münster lebte - das Freiluftfestival ,Mit Rock in die Ferien' - das erste seiner Art in Hagen; es fand am 20. Juni 1979 im Volkspark statt. Auf dem zugehörigen Plakat (in Farbe abgebildet bei Wahnbaeck 2018) wird als erste Gruppe Extrabreit genannt, was insofern interessant ist, als der Zeichner des Plakats - Kay Oliver Schlasse - erst anläßlich des Stadtteilfests in Wehringhausen im Herbst singendes Mitglied (namens "Kai Havaii") dieser "Truppe" werden sollte. Im Progamm stand die Band an neunter Stelle, womit vielleicht eine Art Top Act angedeutet ist:
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Plakat zu ,Rock in die Ferien' anno 1979 - Ort: Konzertmuschel im Volkspark (Zeichner: Kay O. Schlasse).

Im Volkspark traf ich mich um 1979 gelegentlich mit "Synthi-Rudi", mit dem ich mich über mancherlei Themen unterhielt, welche junge Erwachsene interessierten, nicht nur über Musik und Mädchen. "Kai Havaii" unterhielt sich hier einen Sommer später (damals grub ich in Niedersachsen Sachsengräber aus) mit dem Hamburger Gitarristen Carlo Karges (*31.07.1951 - †30.01.2002): „[...] wir hingen zusammen im Park herum, redeten über Musik und Comics oder sahen den Mädchen nach." (Havaii 2017, S. 98, mittig) - Nun, Rudi sah nicht bloß, er pfiff auch (daß das Musik war - ähnlich wie in einer Szene des Zeichentrickfilms ,Fritz The Cat' -, will ich aber nicht behaupten).



Konzertmuschel


Da die um 1860 errichtete Villa Funcke an der Karl-Marx-Straße - sie lag gegenüber der Einmündung der Bahnhofstraße und hatte zuletzt militärischen Zwecken gedient - um 1950 abgerissen wurde und nicht - wie aus Kreisen der Bürgerschaft gewünscht - als Ersatz für das gleichfalls zerbombte Viktoria-Café hergerichtet wurde, bedurfte es eines anderen Publikumsmagneten für öffentliche Veranstaltungen in dieser ,Ecke' des Stadtzentrums. Irgendein kluger Kopf beim Hochbauamt der Stadt Hagen kam in der ersten Hälfte des 1950er Jahrzehnts auf die Idee, eine überdachte Bühne gegenüber dem 1954 errichteten Gebäude der Elektromark errichten zu lassen (fertiggestellt im Jahr 1955 - das heißt: zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und im selben Jahr wie die Eröffnung des Kundenzentrums im 1954 entstandenen Elektromark-Hauses auf dem an der Körnerstraße gegenüber liegenden Gelände); in diesem Teil des Volksparkes sollten im und an diesem Musikpavillon (der einen Vorläufer am Vorkriegsparkhaus oberhalb des Stadtgartens hatte) Volkschöre singen, Modeschauen abgehalten werden und Kurorchester spielen:




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Frühkonzert im Volkspark nach einer Werbebroschüre der Stadt Hagen (Stadt 1962) von 1962 (Photograph unbekannt).
Damals war ich drei Jahre alt.



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Cover einer Schallplatte von Bruce Low (Foto: Detlef Rothe)


Da wurde ich schon 5!

Nun - sie kamen, sahen und siegten: die Konzertmuschel wurde - wie der gesamte "Volks"park - zunehmend von den "geburtenreichen Jahrgängen" okkupiert:
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Ausschnitt aus dem undatierten Foto „Beat im Volkspark" von J. Nieswand, Solingen (Witte 1973, Taf. 32)
Wie die Kleinen gewachsen sind, gell?

Legendär ist der Auftritt von Hagens bald bekanntester Rockband am 26. September 1971 im Volkspark - damals noch als Kapelle Elias Grobschnitt (Wahnbaeck 2018, S. 83, Abb. oben rechts und Tourplan unten rechts, sowie Kühn-Scholz 2018, S. 34, Abb. links unten). Dazu ihr Gitarrist und Tourmanager "Lupo" (Kühn-Scholz 2018, S. 34): „Da kam uns das Open-Air in der Konzertmuschel im Volkspark gerade recht und lockte nicht nur die Massen, sondern auch gleich mal die Hagener Polizei an, weil sich einige Anwohner durch die laute Musik gestört fühlten."

Von diesem Konzert ist ein Ausschnitt als ,About My Town' auf dem Album ,Eroc3' erschienen. Dazu der Trommler ("Eroc" - damals auch "Erke" genannt) im März 1979: „ABOUT MY TOWN, auch bekannt als ,Jazzmeier', ist ein frühes Stück von GROBSCHNITT. Zu hören sind BAER [= Bernhard Uhlemann] am Bass und FELIX [= Axel Harlos] am zweiten Schlagzeug. [...] Es war ein warmer Spätsommernachmittag, das Sonnenlicht lag golden auf den Bergen über der Stadt und Hunderte hatten es sich auf den Wiesen gemütlich gemacht. Ich werde dieses Konzert nie vergessen." (Joachim Heinz Ehrig, Album ,Eroc3', Plattenhülle mit Datum „3/79")


Anno 1974 trat hier die Band Fantastic Motorcraft Power Music auf (siehe das Foto bei Wahnbaeck 2018, S. 206, oben rechts; vgl. Havaii 2017, S. 70, mittig), aus welcher vier Jahre später die Punkrock-Formation Extrabreit hervorging.

Am Vormittag des 4. November 1978 war ich wieder 'mal „im Volkspark, wo die Gruppe ,Funny Revival' Rock 'n' Roll spielte." (eigene Tagebuchaufzeichnungen, hier: Einzelblatt-Ordner). Es handelt sich um eine Hagener Band, welche zu der Zeit die Single ,Wir haben Knete, machen Fete' herausbrachte:

Die Gruppenmitglieder nannten sich Tommy L. (Guitar, Voc.), Mony (Bass, Voc.), Mike (Drums) und Jürgen (Leadguitar, Voc.). Die B-Seite der Single hieß ,Yes He Wants My Money' (siehe Kommentar im YouTube-Link).

Am Ende des Schuljahrs 1978/79 fand im Volkspark das erste Festival ,Rock in die Ferien' statt. Die Anwohner - von denen es da gewiß nicht viele gab - hatten sich wieder 'mal zu gedulden (Ohrstöpsel gab's schon damals), und um 22 Uhr war ja Schluß:
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,Rock in die Ferien' (Foto: Detlef Rothe - 20.06.1979).
(Mit neunzehn Jahren hatte ich da meine Schullaufbahn bereits beendet.)

Aus meinem „Tagebuch 1979" zum 20. Juni 1979 (einem Mittwoch): „Die Freibäder schienen mir zu voll zu sein. So hörte ich mir das Rock-Festival zum letzten Schultag vor den Sommerferien an und traf dabei zahlreiche Bekannte. So gesehen litt ich unter keiner Langeweile, sondern zog mit und war wohl zeitweise einer der Ausgeflipptesten. Ich gehörte auch zu den Wenigen, die mittanzten, obwohl ich meine Kameratasche bei mir trug. Auch Kläuschen traf ich, der als guter Bruder und als zukünftiger Beamter sich merklich Sorgen über meinen Zustand machte. Ich wollte mich mal wieder abreagieren, und das war gut so. Um 22 Uhr mußte die Veranstaltung abgebrochen werden [...]." - Das war mein erstes Extrabreit-Erlebnis.

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Rock-Konzerte im Volkspark - Schnee von gestern? (Foto: Detlef Rothe - 31.01.2019)



Stadttheater


Der städtische Musentempel an der Einmündung der Konkordiastraße in die Elberfelder Straße besteht seit 1911 und bietet etwa achthundert Sitzplätze. Hier traten nicht nur nationale und internationale Sangesgrößen wie Johannes Heesters und Karel Gott auf, sondern auch heimatliche Rockbands wie Extrabreit (zwei Gigs bis 1981, siehe Havaii 2017, S. 132, oben). Ich habe keines der Konzerte erlebt, denn ich besuchte dort bloß Theatervorstellungen, und zwar schon als Kind, wobei mir die weihnachtlichen Märchen mit den in diesem Zusammenhang verteilten, gut gefüllten Tüten in wohliger Erinnerung geblieben sind.

Daß das Stadttheater im 1960er Jahrzehnt einen Magneten für deutschsprachige Stars darstellte, steht außer Frage - siehe etwa die „Chronik der Stadt Hagen" im Adreßbuch 1968:
1966 - Juni - 1.: „Nach zehn Gastvorstellungen als Danilo in der Operette ,Die lustige Witwe' nimmt Johannes Heesters Abschied vom begeisterten Hagener Theaterpublikum."

Wahrscheinlich im Sommer/Herbst 1974 - als ich noch kein Tagebuch führte (einige Wochen später, und zwar im März 1975, wurde in Wuppertal der wohl erste Karel-Gott-Fanclub Deutschlands gegründet) - sang hier ,die goldene Stimme aus Prag' Karel Gott (*14.07.1939) und hielt eine Autogramm-Stunde in den später abgerissenen provisorischen Sparkassenbauten zwischen Kegelsportzentrum und Ricarda-Huch-Schule ab, an welcher ich ohne besondere Funktion teilnahm. Wenige Jahre später - im Herbst 1977 - traf ich K. Gott im Hotel Jalta in Prag wieder, worüber ich mich damals - noch immer ein Fan von ihm - sehr freute.

Am 5. März 1975 (und nicht 1974) spielte die heimische Art-Rock-Band Verborg Effector, gegründet von dem Saxopho-/Violinisten Martin Verborg (*1955 in Hagen - Diskographie), auf der Städtischen Bühne (Krause 2018, S. 119, Legende zur Abb. links oben). Die Formation wurde wohl später in Headway umbenannt (ebenda, S. 120, oben), blieb mir aber auch mit diesem Namen unbekannt. Anno 1973 hatte die Band, in welcher ein (späterer?) Lehrer der Fritz-Steinhoff-Gesamtschule namens Rolf Esser spielte, zur Gründung des Hagener Jugendtheaters beigetragen.

Am 20. März 1977 gab die heimische Band Grobschnitt ein Konzert im Stadttheater, bei dem auch auf den für sie typischen Feuerzauber nicht verzichtet wurde (Kühn-Scholz 2018, S. 52, oben).



Ischelandhalle


Da die stark beschädigte Stadthalle auf der Springe wie alles andere Mögliche und Unmögliche abgerissen worden war (angeblich weil bei einer Tombola nicht genügend Geld für eine Wiederherstellung beisammen kam), fehlte in der Innenstadt ein größerer Saal für "Mega-Events". Ersatzweise wurde die eigentlich nur für Sportveranstaltungen vorgesehene Ischelandhalle unweit des Theodor-Heuss-Gymnasiums am Höing genutzt. Diese wurde im Januar 1966 als ,Sporthalle Ischeland' eingeweiht (Stadt 1967, 3. Taf. nach S. 14). Dazu hieß es in der „Chronik der Stadt Hagen" im Adreßbuch 1968:
1966 - Januar - 15.: „Die neue Sporthalle Ischeland wird in einer Festveranstaltung ihrer Bestimmung übergeben."

In der Halle fanden unter anderem Darbietungen hiesiger Tanzschulen statt. Darüber berichtete gleichfalls die „Chronik der Stadt Hagen" im Adreßbuch 1968:
1967 - April- 8.: „In der Sporthalle Ischeland wird eine große Tanzschau der Tanzschulen Siebenhüner und Mathes sowie des Ballettstudios Glasow und der Volkstanzgruppe Sauerland durchgeführt."

Anno 1975 führte die Band Verborg Effector zusammen mit dem Hagener Symphonieorchester und einem hundertfünfzigköpfigen Chor unter der Leitung des Kapellmeisters Hans Hofmann das Stück ,Changes' in der Ischelandhalle auf..

In der zweiten Hälfte des 1970er Jahrzehnts waren in der Ischelandhalle als Veranstaltung "für's gemeine Volk" die sogenannten Sockenbälle sehr beliebt: große Fêten mit Live-Musik, wobei das "Fußvolk" Turnschuhe oder dicke Socken tragen mußte, damit das Parkett keinen Schaden nahm. Ich verweise hier auf Hartmut Krause (Krause 2018, S. 116, unten): „[...] der Traum einer jeden Hagener Band war es, einmal beim legendären Sockenball in der Ische (Ischelandsporthalle) vor fast 2000 Turnschuh- und Skisockenträgern aufzuspielen." - Ob der Begriff ,Turnschuhrock' in der "Ische" geprägt wurde (vgl. das Plakat bei Krause 2018, S. 118, links oben), muß ich leider offen lassen.

Im Jahr 1977 (oder 1978?) spielte beim Sockenball die Band Scorpions aus Hannover; als Vorgruppe trat dabei Mandrake aus Lüdenscheid auf; Hartwig Masuch warb bei dieser Gelegenheit den Gitarristen Frank Becking von Mandrake für seine noch neue Formation The Ramblers ab (Becking 2018, S. 126, unten).

Auch mancher Fernseh- und Schlagerstar ließ sich in der "Ische" blicken. Bei deren Veranstaltungen habe ich gelegentlich bezahlte Hilfeleistungen erbracht. Ein im 1970er und teilweise noch im 1980er Jahrzehnt sehr beliebtes Ereignis, welches gewöhnlich in Berlin für das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) produziert wurde, war die ,Hitparade' von und mit "Dieter Thomas Heck" Carl-Dieter Heckscher (*29.12.1937 - †23.08.2018). In dieser Sendung traten bekannte Popstars auf und wetteiferten um die Gunst des Publikums. Das Stadttheater war für solche Veranstaltungen zu klein. Eines dieser Events fand in der Ischelandhalle statt, und zwar im Oktober 1978. Dabei konnte ich als Stagehand - bzw. Side-Crew-Mitglied - teilnehmen und so Einblicke in den Backstage-Bereich und den Umgang mit Größen des Schlager- und Showgeschäfts gewinnen:
D/NRW/HA/Ischeland/19781022_ab_FA0401_EU_D_NW_HA-Ischeland_Ischelandhalle_DetlefRothe_mit_DieterThomasHeck_0910x0900
Verfasser (links) neben "Dieter Thomas Heck" (mittig) (22.10.1978 - Photograph unbekannt)

In der ,Westfalenpost' (N.N. 1978 a) hieß es dazu: „Zwölf Schüler sorgten übrigens mit dafür, daß das ganze Spektakel über die Bühne gehen konnte. Sie waren von 12 Uhr mittags [,High Noon'! D.R.] bis Mitternacht [Geisterstunde! D.R.] mit dem Auf- und Abbau beschäftigt. Während der Show fungierten sie als Platzzuweiser. Ihr Lohn: 15 DM." - In meinem damaligen Einnahmen-Ausgaben-Verzeichnis (E/A 1978/79) heißt es allerdings zum 22.10.1978: „20 DM für Bühnen- und Ordnerarbeit [erhalten]" - gleichwohl: der Sklavenlohn hätte gerade 'mal für den Eintritt zum "Viererband"-Festival in Landshut (siehe oben) gereicht. Um so wertvoller waren für mich die bei den diversen Tätigkeiten in der "Ische" gewonnenen Erfahrungen!

Was war nun meine Aufgabe damals bei der neckisch-Heckischen Parade? Nun, im Wesentlichen ging es darum, die Autogrammjäger, Teenies und "Tweenies" von den Stars fernzuhalten. Bei einem ,ein-Bett-im-Kornfeld'-Typen hatte ich reichlich zu tun, die jungen Damen auf Abstand zu halten. Manche von ihnen erweckten den Eindruck, als wären sie geradewegs von zu Hause durchgebrannt und hätten nichts Eiligeres zu tun, als mit ihrem Idol auf's nächste Schlachtfeld zu ziehen. In der ,Westfalenpost' (N.N. 1978 a) hieß es zu diesem Thema für die Zeit während der Show: „Gleichzeitig mit Jürgen Drews stürmten die ,Teenies' zur Bühne und begleiteten jeden seiner Songs mit emphatischen Zurufen." - Eine ähnliche Atmosphäre ist - allerdings unter Bezugnahme auf die Levis-Tour 1982 - bei Havaii 2017 (auf den Seiten 167 u. 171 f.) dargestellt, wo Kay Schlasse unter anderem von „Groupies" und „minderjährigen Mädchen" spricht und dabei auf den Einfluß einschlägiger Jugendmagazine eingeht; kaum ein Satz trifft wohl so ins Schwarze wie (S. 172, oben): „Auch bis zu Hunters entlegener Ranch [bei Sprockhövel (D.R)] kämpften sich auswärtige Fans vor." - Auch "Eddy Kante" handelte - im Zusammenhang mit Konzerten von Udo Lindenberg - das Thema zwar knapp, aber kennzeichnend ab (Kante 2014, S. 148). Kurzum: Ich habe damals - selber "liebeshungrig" - bloß noch gedacht: ,Ach, Detlef, werde Popstar - mach' Dein Glück!' - In Hagen war ich ja schon, und bis zum ,WM Musikverlag' von Ulrich Wilhelm Wiehagen (Rückblick von Stefan Klein - Stand: 24.3.2019) und Hartwig Masuch (zu ihm siehe unter ,LINKS' - ,Personen') hätte ich mich leicht "vorkämpfen" können (zumindest ab Dezember 1978):
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Pelmkestrasse/GoogleMapsBild_EU_D_NW_HA-Wehringhausen_Pelmkestrasse061_Ladenlokal_mit_Umgebung_1200x0529
Simulationsbild von Google Maps mit dem orangefarbenen Elternhaus ganz links und dem markierten Lokal des Verlags rechts (Stand: 2011/2017)

Das Büro war in der Pelmkestraße 61 (a), und ist dort durch Zeitdokumente für Dezember 1978 bis September 1980 (Wahnbaeck 2018, S. 130, Abb. oben, u. S. 151, Abb. oben rechts; vgl. zum September 1979 ebenda, S. 130, Anzeige links oben) belegt:
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Pelmkestrasse/061/20090215-1205_IMGP2645_EU_D_NW_HA-Wehringhausen_Pelmkestrasse061_Laden_1200x0900
Inzwischen (Stand: Januar 2019) wurde dieser frühere "Tante-Emma-Laden" (Schöller-Eiskrem!) durch zwei Garagen ersetzt (Foto: Detlef Rothe - 15. Februar 2009).

Da der Musikverlag rasch wuchs, wurde er in die Berliner Straße 2 - 8 (spätestens im Februar 1981) verlegt und bestand dort bis zum Frühjahr 1984 (Wahnbaeck 2018, S. 133 f.).

Ach ja - und was die Autogrammjäger anging, so schrieb die ,Westfälische Rundschau' (N.N. 1978 b) dazu: „Der [Show]abend endete mit einem großen Finale, bei der die Bühne dicht umdrängt war. Die zugunsten der Deutschen Krebshilfe verkauften Autogramme fanden reißenden Absatz."

Hierzu noch ein Auszug aus meinen Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner) zu „Sonntag, den 22.10.78":
Ich [...] war [entsprechend einer besonderen Vereinbarung erst (D.R.)] um 13 Uhr in der Ischelandhalle, wo ich nachmittags mit einem Dutzend Mitschülern eine Bühne aufbaute (für eine ,Hitparade' [...]). Abends war ich dann Ordner und bekam einen 30-DM-Sitzplatz. Als Jürgen Drews kam, gab es allerhand zu tun, um die Teenies in Grenzen zu halten. In der Pause holte ich mir Autogramme und sprach mit einigen Künstlern [= Kunstschaffenden (D.R.)]. Gegen 23 Uhr war die Show, die gegen 19.30 Uhr begonnen hatte, zuende, und ich mußte helfen, die Bühne wieder abzubauen. Es war sehr interessant zu sehen, wie man dabei vorgehen mußte.
Am Montag, den 23.10.78, konnte ich mein Rhowdytum
[sic (D.R.)] um 1 Uhr beenden.[...] Ich würde gerne noch einige Eindrücke über die [= von der] Hitparade notieren [...]. Ob es nun Jürgen Drews war [...] oder die Mädchen, die ihn anhimmelten - Überraschung war mir gewiß. Ob ich mich mit Dieter Thomas Heck oder Siw Inger unterhielt - beide faszinierten mich; Heck hauptsächlich wegen seiner Redegewandheit und seines sicheren Auftrittes, seiner Kleidung und seiner leicht zynischen Gesichtszüge; Inger wegen ihres Aussehens und ihrer Stimme. Natürlich fand Drews wegen seiner Ausstrahlung mein Hauptinteresse. Kaum eines der Mädchen, die vor der Bühne knieten und saßen, dürfte ich je gesehen haben [und verhielt mich daher unnachsichtig]. Und doch hatte ich mit den anderen jungen Ordnern bei einigen von ihnen Mühe, sie in der Pause von den Garderobenräumen fernzuhalten. Dennoch fand ich in dieser Zeit Gelegenheit, Autogramme zu kassieren und mir die Stars genauer anzusehen. Viele Mädchen beneideten mich um meinen Job. Übrigens empfand ich die Zwanglosigkeit gegenüber den [...] Stars erfrischend.
Nach der Pause war die Show für mich seltsamerweise gelaufen. Die Stars, die ich erleben wollte, kannte ich
[nun]. Jürgen Drews hatte keine Autogramme mehr bei sich; nur Roy Black sorgte noch für ein wenig Begeisterung, als er mit Rock 'n' Roll loslegte. Am meisten hatte mir nach [dem Auftritt von] Drews allerdings Heck selbst mit seinen Hans-Albers-Liedern gefallen. Nach der Show wurde ich mit dem Bühnenabbau nicht müde. Gegen 1 Uhr war die Halle wieder leer." (notiert am 24.10.1978 nachmittags)

In diesem Zusammenhang vielleicht nicht uninteressant: Die Band Extrabreit weigerte sich in den kommenden Jahren, in "Hecks" ,Hitparade' aufzutreten, weil ihre Mitglieder befürchteten, einen Teil der Fans zu verlieren; die Popgruppe Nena (mit nur teilweise aus Hagen stammenden Mitgliedern) hatte da keine Bedenken. Gabriele Kerner war nach dem mäßigen Erfolg von The Stripes bereit, sich stärker kommerzialisieren zu lassen; so trug die Supernova am deutschen Pophimmel als gelernte Goldschmiedin knalligen Plastikschmuck an Stelle von Gold oder Silber und zeigte statt Armreifen farbige Pulswärmer, einen - allerdings nicht in der ,Hitparade'! - knallroten Minirock usw.; immerhin hat sich hier - im Hinblick auf Musik und Outfit - eine gewisse Qualität gegenüber "Lautheit" und Lautexte durchgesetzt. Beiden Formationen hat ihr gegensätzliches Verhalten gegenüber dem ZDF jedenfalls nicht erkennbar geschadet.

YouTube-Filmausschnitt aus der ,Hitparade' mit dem Verlesen der Absage von Extrabreit:


Besonders gerne erinnere ich mich an eine Show von Otto Waalkes (welcher sich vor Beginn der Veranstaltung als die Ruhe selbst in die Zuschauertribüne setzte und so ganz zu dem Sturm kontrastierte, welcher dann auf der Bühne tobte!).

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner) zu Sonntag, den 12. November 1978: „Um 15 Uhr war ich in der Ischelandhalle, wo ich wieder als Helfer tätig war. Diesmal konnte ich Ottos Show genießen. Gegen 24 Uhr ging ich zu Bett." - Dies war mein letztes Engagement dieser Art.

Das mit dem Popstar-Werden überlegte ich mir dann doch anders. Zunächst einmal hatte ich mich auf die Abiturprüfungen im Frühling 1979 vorzubereiten. Mit neunzehn Jahren glaubte ich noch, als Frühgeschichtler groß 'rauskommen zu können! Mein erstes "Buch" (zur Frühgeschichte Dortmund-Syburgs) war in Arbeit, welches dann im August mehr so in einer Art billiger Broschüre im rechts angehauchten Mannus-Verlag mit heute sehr überholtem Inhalt erschien.



DISKOTHEKEN


Look around and choose your own ground
For long you live and high you fly
And smiles you'll give and tears you'll cry
And all you touch and all you breathe
Is all your life will ever be

(Pink Floyd, Breathe; Text von Roger Waters)



Eine Schlüsselgeschichte für das Verständnis der populärmusischen Entwicklung spielen - neben kirchlichen und städtischen Jugendzentren - die Diskotheken in Hagen; die Anwerbung "Nenas" - der Überlieferung nach (siehe etwa Brendel 2014, S. 24, unten) im Madison - als Frontfrau bei The Stripes sei nur als Beispiel erwähnt. Hier bilde ich zwecks Überblick einen Auszug aus dem Branchenteil im Adreßbuch 1976 ab (S. 22, Sp. 2, Nr. 99):
EU/D/NW/HA/Adressbuch_Hagen_1976_Branchenteil_S22_Sp2_Nr99_Diskotheken_0800x0648
Achtung: Das Las Vegas (später: Madison) wird hier vom Adreßbuchverlag schlicht unterschlagen!

Hier könnte man gleich einen gewissen Eindruck über die Verhältnisse in Hagen zur Mitte des 1970er Jahrzehnts gewinnen. Es gab damals im unmittelbaren Stadtzentrum (von Ausfallstraßen wie die Eppenhausener sehe ich hier ab) tatsächlich nur zwei nennenswerte Diskotheken, und zwar das Las Vegas (Madison) nahe der Volme an der Straße ,Elbersufer' und das Piccadilly (Pink's Place) in der Hindenburgstraße, also im Bahnhofviertel. War in der einen "Disco" viel los, blieb die andere recht leer. So konnte man im Madison mitunter ausgefallene Tanzfiguren hinlegen ("Nena" macht das in ihren frühen Fernsehauftritten glücklicherweise sehr anschaulich!), wenn im "Pinks" keine Maus mehr 'reinpaßte. Insgesamt blieb das ,Vergnügungsviertel' dieser "Industriestadt im Grünen" (so schon die Vorkriegswerbung auf Poststempeln) eher bescheiden und wurde allenfalls durch Nachtclubs wie das Remember ergänzt; unter der Adresse ,Bergstraße 123' firmierte anno 1968 die „Granada-Bar" (Adreßbuch 1968: Branchenteil, S. 22, Sp. 2, unter Gaststätten - Barbetriebe), anno 1976 die „Maxim-Bar (Kabarett)" (Adreßbuch 1976, Branchenteil, S. 31, Nr. 16, unter „Barbetriebe"), sowie das „Remember" - ein Nachtclub mit Striptease-Präsentation - (ebenda, Anzeigenteil „Gastliches Hagen", ganzseitigr Anzeige auf S. 22) und der „Blue Moon" (ebenda, Anzeigenteil, S. 31, Sp. 1, Nr. 162, unter „Restaurants u. Gastwirtschaften"); später war der Komplex als Flamingo-Bar bekannt. Außerdem gab es anno 1976 irgendwo am Volkspark noch ein Strip-Lokal Tiffany mit Film-Darbietungen (ebenda, Anzeigenteil „Gastliches Hagen", S. 23).

Bevor ich mich mehr mit den Lokalitäten befasse, noch ein kleiner Ausblick in die Provinz - generiert aus meinen Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner):
Samstag, 11. Juli 1981: „Am Abend kam Michael E. zu Besuch, mit dem ich [...] zur Diskothek ,Sounds' nach Iserlohn fuhr. Während er viel tanzte [...], amüsierte ich mich vom Sessel aus. Es wurde fast nur einschlägige (im wahrsten Sinne des Wortes) Diskomusik gespielt. Auf der Heimfahrt am Sonntagmorgen gegen 3.30 Uhr hatte ich warme Ohren."



Beverly (Eppenhauser Straße 52 ?)


Seit längerer Zeit rätsele ich darüber, was es mit dem Beverly auf sich hat; dieser Nachtbetrieb wird von Rolf Brendel wiederholt erwähnt (Brendel 2014). Erst eine Durchsicht meiner Tagebuchaufzeichnungen ergab, daß ich diese Einrichtung einmal im Sommer 1979 zwar aufgesucht, mich dort aber nur kurze Zeit aufgehalten habe. Anscheinend ist das Beverly ein Nachfolger des Allround und wäre dann zugleich Vorläufer des Lovers Club (in dieser Schreibweise vertreten in: Das Telefonbuch. Bereich Hagen, Schwelm 2001/2002, hg. v. DeTeMedien, S. 206, Sp. 2 - Stand: Juli 2001), denn es heißt, das Lokal habe den Namen wiederholt gewechselt. Der Lovers Club (Westfalenpost-Artikel vom 21. März 2013) gehörte - wenigstens zeitweise - dem "Rotlichtkönig" Jürgen "Mede" Medenbach, welcher sich in dem Haus erschoß (Günnemann 2014, S. 214 f.); über die Verhältnisse um 1980 bin ich nicht weiter informiert. Das Gebäude liegt unweit der früheren Grenze zwischen den Städten Hagen und Hohenlimburg (siehe Althaus et al. 1977, S. 26, Sp. 1).

Quellen zum Haus Eppenhauser Straße 52:
Adreßbuch 1968: Straßenteil, S. 80, Sp. 2: Eigentümer „Bettermann, H. W., Co." - „Gaststätte Eppenhauser Brunnen" - Bewohner (unter anderem) „Schmidt, Harry, Oberkellner", „Steffens, Ewald, Gastwirt / - Ruth, Gastwirtin"; im Branchenteil (S. 22, Sp. 2, unter Gaststätten - Barbetriebe) wird die „Brunnen-Bar" unter der angegebenen Adresse genannt.
Adreßbuch 1976: Straßenteil, S. 102, Sp. 2: Eigentümer „Mette, Ilona" - „Brunnen-Bar / Eppenhauser Brunnen Gastst." - Bewohner (unter anderem) „Schmidt Harry Oberkellner", „Steffens Ewald Gastwirt"

In der Diskothek Allround trat am 13. November und 15. Dezember 1970 die Band Charing Cross (eine Vorläuferband von Grobschnitt) auf (Kühn-Scholz 2018, S. 32, Tourplan).

Aus meinem „Tagebuch 1979":
Samstag, 21. Juli 1979: „[...] es wurde ein schöner, erholsamer Abend. [...] Die leise Hintergrundmusik der Radiothek veranlaßte uns, über unsere Lieblingsinterpreten zu sprechen [...]. [...] wir [wollten] nach dem Essen noch in eine Diskothek [...]. / Wir fuhren zunächst zum ,Beverly', überlegten es uns dann anders, da wir den Laden beide nicht sympathisch fanden. [...] Wir gingen dafür ins ,Manhattan' [...]. "

Der damalige Freund von Gabriele "Nena" Kerner - Rolf Brendel - teilt für den „Winter 1979[/1980]" mit: „Nena arbeitete ein paar Tage in der Woche als Kellnerin (sie nannte sich selbstironisch Barschlampe) im Beverly, einem Nachtclub in Hagen" (Brendel 2014, S. 45, mittig) und bringt damit die Wohnzeit in Selkinghausen in Verbindung; wenn der Drummer meint, daß die beiden es in diesem Teil des gebirgigen Sauerlandes nur einen Winter (angeblich Winter 1979) lang aushielten (die Darstellung bei Brendel 2014 ist sehr anschaulich und nachvollziehbar!), so kommt dafür eher der Winter 1980/81 in Betracht, der zumindest in Norddeutschland sehr schneereich gewesen ist. Merkwürdig scheint mir zudem, daß er das „Beverly" unterschiedlich definiert: 1. als „die Diskothek Beverly" (S. 23, oben) und 2. als „Beverly, einem Nachtclub in Hagen" (S. 45, mittig), wobei er ergänzt: „Nach Feierabend fuhr ich ins [sic - das ist "Hagen-Sprech" :-) (D.R.)] Beverly, trank an der Bar noch ein Bier und wartete, bis die ,Barschlampe' ihr Geld bekam [...]." (Brendel 2014, S. 45, mittig).

"Nena" selbst gibt in ihren Memoiren für die Zeit als Sängerin bei The Stripes bloß an, sie habe in ihrer „Lieblingsdisco [...] an den Wochenenden gekellnert und genug verdient, um alleine klarzukommen." (Nena & Thesenfitz 2005, S. 135, unten). Nach Angaben von "Eddy Kante" Frank Schröder war "Nena" zeitweise im Piccadilly als „Bedienung" tätig (Kante 2014, S. 174, oben), was allerdings nicht stiimen kann, da diese Diskothek bereits im Mai 1974 durch das Pink's Place ersetzt worden war (siehe unten). Vielleicht hatte er beim Verfassen seiner Memoiren aber bloß die Örtlichkeit - und nicht deren Namen - im Auge. Er selbst hat sich - so mein Eindruck auf Grund seiner Ausführungen - wohl mehr im Madison aufgehalten. Der Job "Nenas" als Kellnerin schließt übrigens einen gelegentlichen Wechsel des Gastronomiebetriebs oder überhaupt der Tätigkeit bis zum Umzug nach Berlin (anno 1982) nicht aus. Hartwig Masuch (im Dezember 1978 wohnhaft gewesen in Hagens Altenhagener Straße, siehe Wahnbaeck 2018, S. 130, Vertrag rechts oben) meinte (laut einem Artikel der Süddeutschen Zeitung - Stand: 16.3.2019) im Hinblick auf die Zeit, als er selbst wie Rolf Brendel noch Mietwagen oder Taxi fuhr (was in Hagen um 1980 viele Musiker taten), Aufträge aus der Zentrale von "Nena" persönlich übermittelt bekommen zu haben. Zwar gibt es auch dafür derzeit keinen Beleg, doch ist bekannt, daß "Nena" 1982 in Berlin einen ersten Job als Telefonistin bei ihrem neuen Manager "Jim Rakete" fand; dieser sagte dazu, "Nena" hatte „diese unglaubliche Stimme, mit der sie sogar aus einem schnöden Telefonat Gold machen konnte" (zitiert nach Brendel 2014, S. 67, unten). Ich halte es für denkbar, daß der Hagener Arbeitgeber Nenas in einer übergreifenden Funktion tätig war und "Nena" nach dem Bedarf flexibel einsetzte; die Sängerin kassierte dabei ihren Lohn jeweils unmittelbar nach der Tätigkeit (so wie ich nach den Veranstaltungen in der Ischelandhalle). Rolf Brendels Bezugnahmen (Brendel 2014) auf das Zuhältermilieu (selbst hinsichtlich Selkinghausen) und auf das Verhalten "Nenas" gegenüber Exekutiv-Organen (sowie bezüglich Straßenverkehrsregeln) und auch auf ihren "Slang" - machen zumindest neugierig auf die damalige Zeit. "Eddy Kante" Frank Schröder war zwar in diesem Milieu aktiv, konzentriert sich in seinen Erinnerungen (Kante 2014) allerdings auf seine Beziehungen zu Udo Lindenberg. - Ich bin "Nena" und ihre "Mitstreiter" jedenfalls in keinem Gastronomiebetrieb oder Verkehrsmittel bewußt begegnet.



Joja (Hindenburgstraße 39 a)


Um die Jahresmitte 1979 bestand in der Hindenburgstraße - neben dem Pink's Place bzw. Hype (Haus-Nr. 19) - eine neue, zweite Diskothek, nämlich das Joja: „jója / THE NEW FLY / LIVE GIGS / AußenCafé / DISCOTHEK / FILM / RockCafé" (Wahnbaeck 2018, S. 324, Anzeige links unten). Über den Zeitraum des Bestehens und sonstige Einzelheiten dieser Einrichtung vermag ich nichts Näheres zu berichten. ("Kai Havaii" erwähnt in seiner Autobiographie zwar - bezogen auf den Sommer 1980 - eine neue Hagener Diskothek, welche auch von "Nena" frequentiert wurde, nennt aber keinen Namen: Havaii 2017, S. 98, mittig.) Auch dieses Lokal habe ich nach meinen - leider lückenhaften - Aufzeichnungen nur einmal aufgesucht.

Aus meinem „Tagebuch 1979":
Sonntag, 15. Juli 1979: „Am Abend kam Michael [..] zu mir, mit dem ich ins ,Joja' ging. Dort war aber nicht viel los, so daß wir gegen 21.30 Uhr ins ,Pink's Place' wechselten [...]."

Das exact in der Hindenburgstraße 39a kann als Nachfolger des Joia gelten:
EU/D/NRW/HA/Hagen/Hindenburgstrasse/039a/20190131w1057_DSC_1165_EU_D_NW_HA-City_Hindenburgstrasse039a_1200x0900
Die Betreiber des exact bezeichnen den "Laden" als ,Club' (Foto: Detlef Rothe - 31.01.2019)



Madison (Elbersufer 4 a)


Unter der Adresse ,Elbersufer 4 a' firmierte anno 1968 gemäß Adreßbuch 1968 (Branchenteil, S. 22, Sp. 2, unter Gaststätten - Barbetriebe) das „Las Vegas"; im Straßenteil (S. 74, Sp. 1) ist es als „Las Vegas Tanzbar" verzeichnet, und zwar im Besitz von „Heyden, Dieter v. d., u. Miteigent.[ümern]". Auch um 1975 hieß es noch Las Vegas, wobei es im Verzeichnis des Adreßbuches von 1976 (Adreßbuch 1976) unter den Diskotheken - siehe oben - merkwürdigerweise fehlt; im Branchenteil desselben (S. 31, Sp. 3, unter Nr. 162 = Gaststätten) ist es als „Las Vegas Dancing Elbersufer 4 a" vertreten, und im Straßenverzeichnis erfährt man (S. 94, Sp. 3), daß die Besitzer noch „Dieter von der Heyden, K-E-Osthaus[straße]-27" und „Miteigent.[ümer]" waren, und findet weitere nützliche Einzelheiten: „Introligator Ahron Barkeeper", „Jans Onno Gesch[äfts]Führ[er]". Unter der Adresse des Nachbarhauses mit der Nr. 4 ist überdies ein „Wilmes Detlef Diskjockey" verzeichnet (ebenda).



Rolf Brendel schrieb: „Mit siebzehn [Jahren, also etwa 1974 (D.R.)] stand ich mit offenem Mund im Pinks Place, das später Madison heißen sollte, an der Bar [...]." (Brendel 2014, S. 19, mittig). Hier kann eigentlich nur das Las Vegas gemeint sein, denn das Piccadilly/Pink's Place hatte eine Pinte, keine Bar.

Am 24. September 1978 hieß die Diskothek nach den Angaben von Heike Wahnbaeck Number One (Wahnbaeck 2018, S. 178, mittig; vgl. ebenda S. 321, Abb. oben rechts, u. S. 324, oben). Unter dieser Bezeichnnung war mir die Lokalität nicht geläufig. Sollte das stimmen, so wurde Gabriele Susanne Kerner von Rainer Kitzmann nicht im Madison "entdeckt" (so Rainer Kitzmann gemäß eines wohl auf Erinnerung beruhenden Zitats bei Brendel 2014, S. 24, unten), sondern im Las Vegas oder Number One - oder erst Monate später als im November 1977 (der Monat ist nur bei Nena & Thesenfitz 2005 - als Textüberschrift! - angegeben, wobei die lange Zeitspanne bis zum ersten Auftritt von The Stripes - ein knappes Jahr - auffallen würde). Auch die Kennenlern-Version Kerner/Kitzmann von H. Wahnbaeck (Wahnbaeck 2018, S. 131, mittig/unten), bei der "Ulli" Wiehagen in's Spiel gebracht wird, erscheint mir übrigens in der geschilderten Form unglaubwürdig (vgl. Wahnbaeck 2018, S. 141, mittig). Man könnte die diversen kursierenden Versionen ja 'mal in einer Art Synopse gegenüberstellen - dies wäre sicher mindestens so spannend wie die Geschichte vom Anruf der Plattenfirma nach dem Auftritt der Nena-Band im ,Musikladen' im August 1982 (viele "Erzähler" - einzige Quelle: Rolf Brendel).

Spätestens um die Jahreswende 1978/79 hieß die Disco Madison entsprechend meinem Einnahmen-Ausgaben-Verzeichnis E/A 1978/79 zum 13.01.1979: „6 DM Eintritt Madison". Frühestens im Februar 1981 wurde das Madison schließlich in Hype umbenannt (Anzeige bei Wahnbaeck 2018, S. 321, unter derjenigen vom Number One bzw. Madison).

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Das Las Vegas am Heyda-Werk eingezeichnet auf einem Perspektiv-Stadtplan
etwa aus dem Jahr 1975 - hier rechts oben (Schwarzweißfoto: Detlef Rothe - 25.02.2019)

Die Diskothek war eigentlich einstöckig, doch befand sich zusätzlich in einem rechteckigen Aufbau (über dem Eingang auf der Seite zur Straße Elbersufer) ein kleines Studio.

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Das Hype - falls die Disco noch so hieß - im Ausschnitt eines Fotos vom Bettermann-Gelände
Foto: Udo Ernst Block anno 1994 (Block 1995, S. 289)

Aus einem Artikel der Funke-Medien (Stand: 23.02.2019): „Eine der angesagtesten Discos war das ,Madison' in der Hagener Innenstadt, das Gebäude ist längst abgerissen. [Rolf] Möller [...]: ,[...] Viele verbinden mit dieser Zeit etwas Spezielles: die erste Liebe, die Musik, das Lebensgefühl.' / ,Neben der Musikszene trafen sich im Madison die Punker, die Rocker, die ersten Raver, die Bhagwan-Jünger, die Popper, die Disco-Leute - Dutzende Szene-Typen in einem kleinen Club.'"

Über das Madison und Hype aus der Sicht eines Gastes der Jahre um 1980 informiert Stefan "Kleinkrieg" Klein in seinen "Kurzgeschichten und Räuberpistolen" (Kleinkrieg 2018, S. 31 ff.) in der "Pistole" ,Nürseltrinken im Madison' ausführlich, und ich empfehle den unterhaltsamen Text ausdrücklich zur Lektüre!

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen (Einzelblatt-Ordner, zum 1. und 2. November 1980; die in Münster-Mecklenbeck beginnende Radtour ist unter Regionales behandelt):
Am Samstag, den 1.11.[19]80 [...]. [... Ich erwog] - angesichts des herrlichen Wetters - mit dem Fahrrad nach Hagen zu fahren (über 100 km). [...] Ich wollte wieder einen Abend in Hagen verbringen [...], um neue Lebenskraft zu schöpfen. [...] Die Überraschung meiner Eltern und von Christof war sehr groß [...]. Ich kostete meinen Sieg aus[] und war trotz schmerzender Knochen glücklich. [...] Bis 21 Uhr hielt ich mich bei meinen Eltern auf, dann fuhr ich von Pinte zu Pinte, um zu sehen, wen ich alles treffen würde. Das Ergebnis war mager. / Ich schaute zunächst ins ,Auberge', dann folgten ,Kronenburg', ,Krönchen', ,[Enge] Weste', ,Chez Nous' und das neue ,Atelier'. Ich dachte, das ,Simpl' hätte [= wäre] bereits geschlossen. Das war sicherlich ein Fehler, wie ich später im ,Madison' erfuhr, wohin es mich schließlich gegen 23 Uhr verschlug. Dort hielt ich es bis Sonntagmorgen um 3.30 Uhr aus, indem ich meinen müden und schmerzenden Knochen das Tanzen lehrte und mich ganz gut amüsierte, weil ich meine Knochen nur solange nicht spürte, wie ich in Bewegung blieb. Irgendwie bekam ich auch mit, daß ich eine gewisse Faszination ausstrahlte; so konnte es passieren, daß ich einfach so von einem Mädchen angequatscht wurde, oder daß ich mich fast die ganze Zeit [über] beobachtet fühlte. Ich wußte, daß ich nicht so blendend aussah, wie sich manche Typen einbilden [...]. Natürlich war ich [...] fertig [...], so daß ich mit keinem der lockenden Mädchen anbändelte." (aufgeschrieben am 3.11.1980)

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen (Einzelblatt-Ordner, zum 31. Januar und 1. Februar 1981): „Da der Fernseher eine wenig interessante Mattscheibe produzierte, ging ich zu Klaus [...]. [...] nach einigem Hin und Her beschlossen wir, ins ,Madison' zu gehen. Es war noch nicht 21.30 Uhr und im ,Madison' folglich noch nicht viel los. Mit der Zeit wurde es dort aber immer wärmer. Ich habe an jenem Abend bzw. in dieser Nacht viel Freude gehabt und mit Klaus zusammen wohl manche Lästerung hervorgebracht, deren Witz nur wir beide verstanden. Hinzu kam - an etwas Ähnliches kann ich mich nicht entsinnen -, daß mein Bruderherz und ich zwei Biere ausgegeben bekamen - der Henker weiß warum! -, und zwar einmal von einem alten Herrn, dem meine Schüchternheit wohl ebenso gefiel wie meine schwungvollen Tanzbeine und dem ebensowenig wie mir entging, wie sehnsüchtig mich so manches Mädchen anvisierte, das mich nicht zu überzeugen vermochte; das andere Mal fand ich in einem alten Bekannten aus der ,frühen' Schulzeit einen ausgelassenen Spender. Es war unser ,Schluckspecht', mit dem ich einst morgens gegen 4 Uhr durch die Wälder von Waldmannshausen zog, um Raubvögeln nachzustellen. Er macht inzwischen auf Gärtner, womit der Fall dann aufgeklärt sei. / Als der Laden morgens um 3.30 Uhr dicht machte, war ich nicht mehr ganz so munter wie vielleicht noch zwei Stunden zuvor. Immerhin war ich der letzte [Gast], der noch tanzte. Übrigens traf ich noch einen anderen Bekannten [sic (D.R.)], jenes Mädchen, das mich einst ,Lotion' nannte, das aber recht kurz angebunden war - wenn überhaupt. [Dabei würde doch ,Ruth Rothe' nicht schlecht klingen - oder?] Immerhin schaffte ich es noch - dazu ohne Murren - alleine nach Hause zu kommen [...]." (aufgeschrieben am 1.2.1981, 12:05-12:40 Uhr)

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It's all over now, babies: Der Parkplatz an der Einmündung der Rathausstraße in den Märkischen Ring,
auf dem einst (unter anderem) die Diskothek residierte (Fotos: Detlef Rothe - 24.04.2010 - Montage)



Manhattan (Frankfurter Straße 76)


Schon 1968 bestand unter der Adresse ,Frankfurter Straße 76' die „Gaststätte Manhattan Discothek (Adreßbuch 1968, Straßenteil, S. 92, Sp 1); als Eigentümer des Hauses ist dort die „Wohnungsbau-Ges. m. b. H." angegeben. Auch im Adreßbuch 1976 wird das Manhattan erwähnt (im Branchenteil ,Manhatten' geschrieben - siehe den Auszug weiter oben); im Straßenteil (S. 118, Sp. 1) heißt es dort: „Manhattan Discothek", und als Eigentümer wird die „Schilling Wilh[elm] KG" geannt. Die Diskothek bestand 1979 noch unter dem selben Namen. Sie wurde von mir 1978 bis 1979 zwar dreimal in Tagebuchaufzeichnungen erwähnt, aber nur einmal besucht:

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen:
Einzelblatt-Ordner - zu Samstag, den 17. Juni 1978: „Das [Fichte-Abiturienten-]Fest [in der Waldlust] mußte am Sonnabend, den 17. Juni, um 2.30 Uhr abgebrochen werden, ,weil die Gastgeber zu Bett gehen wollen' (Gerber). Einige Mitschüler fuhren noch ins ,Manhattan'; ich ließ mich aber zu Hause absetzen, weil mein Geld knapp geworden war."
Tagebuch 1979" - zu Samstag, den 21. Juli 1979: „Wir fuhren zunächst zum ,Beverly', überlegten es uns dann anders [...]. [...] Wir gingen dafür ins ,Manhattan'[...]. Da wurde zwar nur Diskotheken-Musik gespielt, doch Andrea gewöhnte sich auffallend schnell an sie. WIr unterhielten uns dort über ihre Arbeit, Disco-Musik sowie über die Gretchenfrage [...]."



Pink's Place (Hindenburgstraße 19)


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Das Haus Hindenburgstraße 19 in heutigen Zeiten (Foto: Detlef Rothe - 31.01.2019)

Das Pink's Place hieß anno 1968 noch Pferdestall (Adreßbuch 1968, Straßenverzeichnis, S. 128, Sp. 2: „Gaststätte ,Pferdestall'"), etwas später dann Piccadilly (belegt für den 4.12.1970 - siehe Kühn-Scholz 2018, S. 35, Plakat links oben), und zwar bis mindestens 1973 (Wahnbaeck 2018, S. 324, oben). Der Schlagszeuger Rolf Brendel spricht in seiner Nena-Bandgeschichte vom „Pferdestall [...], einem Live-Club, in dem sich die Hagener Musikszene traf" (Brendel 2014, S. 16). Von spätestens 1976 bis mindestens 1979 wurde der Betrieb dann Pink's Place genannt (vgl. Adreßbuch 1976, Namenverzeichnis, S. 261, Sp. 2: „Pinks place Discothek Hindenburg-19") und endete schließlich 1981 - nach Havaii 2017 (S. 117, unten) zu Anfang des Jahres - als Neue Heimat.

In der Diskothek Piccadilly trat am 4. und 31. Dezember 1970 die Band Charing Cross (eine Vorläuferband von Grobschnitt) auf (Kühn-Scholz 2018, S. 32, Tourplan; vgl. Plakat-Abbildung bei Kühn-Scholz 2018, S. 35, rechts oben).

In einer Anzeige der Hagener Schülerzeitung ,Die Lupe' wurde im Mai 1979 auf das fünfjährige Bestehen von Pink's Place hingewiesen (Ausgabe 65 vom Mai 1979, S. 29, Anzeige); demnach bestand diese Disco seit dem 22. Mai 1974:
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Christa "Mausi" Dürholt berichtete zum Jahr 1973 (bei Wahnbaeck 2018, S. 324, oben): „Für die Diskothek Piccadilly [...] suchte der damalige Besitzer Günther [sic! (D.R.)] Krismansky einen Keeper mit Jazz-Kenntnissen - mein Detlef war wie dafür geboren. Zwei Jahre arbeiteten wir dort hinter der Theke." - Heike Wahnbaeck ergänzte: „Bald suchte Günther Krismansky Ersatz für seinen aussteigenden Kompagnon Eckhard Gebers. [...] Auch Detlef wurde gefragt. Und mit der finanziellen Unterstützung durch Mausis Vater stiegen er und Mausi ins Geschäft ein. Zusammen mit einer dritten Teilhaberin, die Pink hieß, worauf das Piccadilly bald in Pink's Place umbenannt wurde. Öffnungszeiten samstags und mittwochs. [...] Es dauerte nicht lange, bis Mausi und Detlef von den Anteilen am Pink's Place leben konnten: ,Ich mußte nicht mehr an der Theke arbeiten', so Mausi. Dann starb Detlef; es war das Jahr 1979, und Mausi wurde mit 25 Jahren Witwe. Sie verließ Hagen noch im selben Jahr, folgte Inga Humpe nach Berlin. [...] Mit den Eindrücken aus der Berliner Szene startete Mausi noch einmal durch, verwandelte Pink's Place in die Neue Heimat." - „Volker Makuske [...] wurde der erste D[isc]J[ockey] der Neuen Heimat. [...] Sie bekamen den neuen Laden in Schwung, [= ;] The Stripes, Wirtschaftswunder und die Neonbabies traten auf. [...] Der Schub der Neuen Heimat hielt [aber] nicht lange an. Nach dreieinhalb Monaten war Schluss." (Wahnbaeck 2018, S. 325, oben, u. S. 327, mittig/unten)

Inga Humpe berichtete: „Als ich etwa 16/17 Jahre alt war [also um 1972/73 (D.R.)], ging man samstags um 17 Uhr in die Pinte der Disco Pic[c]adilly [...]. Da gab es einen kleinen Fernseher || hinterm Tresen, und man sah sich gemeinschaftlich den Beat-Club an. Jochen Eierdanz hinter der Theke, das war ein lustiger Typ [...]." (bei Wahnbaeck 2018, S. 336/338) - Man vergleiche im Adreßbuch 1968, Namensteil, S. 51, Sp. 1, unter „Eierdanz": „- Jochem [sic (D.R.)], Angest.[ellter], Berliner Str. 76a"

Der Gitarrist und Tourmanager "Lupo" Gerd Otto Kühn-Scholz der Band Grobschnitt erinnert sich: „An den konzertfreien Wochenenden oder nach Auftritten im Ruhrgebiet zog es uns fast immer noch zum ,Absacken' in Hagens [19]70er Jahre Kultschuppen Piccadilly in der Hindenburgstraße. Alle, die etwas mit Musik am Hut hatten, waren hier am Wochenende anzutreffen: Inga Humpe, Hartwig Masuch, Sweet Poison, Nena, King Ginger und natürlich auch viele Grobschnitt-Fans, die sich freuten, mit uns ein wenig zu quatschen. Wir sind die einzige Band, die zweimal im Piccadilly aufgetreten ist, was eine absolute Ausnahme darstellt, denn jede Gruppe wurde dort aus Prinzip nur ,einmal' engagiert." (Kühn-Scholz 2018, S. 60, oben)

Im Adreßbuch von 1976 (Adreßbuch 1976, Werbeteil ,Gastliches Hagen', S. 17) befindet sich eine ganzseitige Anzeige:
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Das Foto aus der Anzeige aus dem Jahr 1976:
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Der Mann hinter der Pintentheke hieß von 1973 bis 1975 Detlef Dürholt (†1979) und war der Ehemann von "Mausi"
(Wahnbaeck 2018, S. 324, mittig; vgl. Michael Koch in der Westfalenpost Hagen vom 18.9.2018).
Das von I. Humpe angesprochene TV steht oben links.

Die der Disco angeschlossene Kneipe wird übrigens im Adreßbuch 1976Künstler-Pinte" genannt (Branchenverzeichnis, S. 31, Sp. 1, unter Nr. 162 = Gaststätten).

Gemäß Straßenverzeichnis (Adreßbuch 1976, Straßenverzeichnis, S. 167, Sp. 4) war 1976 der Hauseigentümer die „Schilling Wilh[elm] KG" - die Hausverwaltung von Wilhelm Schilling befand sich (siehe Adreßbuch 1976, Straßenverzeichnis, S. 93, Sp. 1) im Hause von ,Radio Schilling' in der Elberfelder Straße 46.

Aus meinem „Tagebuch 1979":
Sonntag, 15. Juli 1979: „Am Abend kam Michael [...]. [...] wir [gingen] gegen 21.30 Uhr ins ,Pink's Place' [...]. Das Bier stimmte, der Eintrittspreis, die Musik, die Lichteffekte[,] und auch die Frauen [brachten mich in Stimmung]. Mir gefiel ein Teenie [besonders], weil es einen leicht melancholischen Eindruck machte. Als ich sie [sic (D.R.)] fragte, ob sie Lust zum Tanzen hatte [= habe], schüttelte sie [aber] den Kopf. Nun ja, ich ließ es bleiben. Ich tanzte selbst nicht [...]. Gegen 23 Uhr ging ich [...]."


Freitag, 3. August 1979: „Nach einem kurzen Aufenthalt im Simpl fuhren wir zum Pinks. Vor dem Eingang trafen wir [...] Klaus, der das selbe Ziel hatte. Wir erlebten einen sehr unterhaltsamen Abend, wobei ich mich sehr über meine Tischnachbarn amüsieren konnte. Im Laufe der Zeit wurde [zudem] die Musik besser - anfangs hörte ich nur Disko[sound] - und das Lokal war später auch nicht mehr so überfüllt. Ich rauchte das erste Mal seit dem Aufenthalt in Aachen wieder, und zwar ziemlich viel. [...] An diesem Abend kam ich wohl gegen 23 Uhr ins Bett."
Sonntag, 12. August 1979: „Nach dem Abendessen zu Hause hielt ich mich bis spät im Pink's Place auf, ohne einen Bekannten zu treffen."

Zur von ihm als Club bezeichneten Neuen Heimat im „Frühjahr 1981" lieferte "Kai Havaii" eine "Szene"-Beschreibung unter besonderer Berücksichtigung der dort angesagten Musik, auf welche ich hier ausdrücklich verweise (Havaii 2017, S. 117 - 121).



Siebenhüner (Elberfelder Straße 64)


Nach Absolvierung eines Tanzkurses suchte ich wiederholt die ,Disco' der betreffenden Einrichtung namens Siebenhüner auf, so etwa am Samstag, den 21. Januar 1978, im Alter von achtzehn Jahren. Diese Tanzschule wurde im Jahr 1961 von dem Ehepaar Ulla und Helmut Siebenhüner in der Bahnhofstraße gegründet, und seit 1971 befindet sie sich im sogenannten ,Capitol Center' in die Elberfelder Straße 64 am Theaterplatz. Möglicherweise war der Zugang zur Disco "zu meiner Zeit" auf gegenwärtige und vormalige Kursteilnehmer beschränkt.

Der Gitarrist "Lupo" Gerd Otto Kühn-Scholz berichtet zu den frühen Erfolgen mit der heimischen Cover-Band The Crew anno 1968 (Kühn-Scholz 2018, S. 31, oben): „Auch die stadtbekannte Tanzschule Siebenhüner wurde auf uns aufmerksam und engagierte uns für zwei Veranstaltungen. Den Instrumentaltitel Spanish Gipsy Dance von The Spotnicks mussten wir zur Begeisterung der Tanzschüler gleich drei Mal hintereinander spielen."

Aus eigenen Tagebuchaufzeichnungen:
TB L 1977, zu Samstag, den 15. Oktober 1977 (S. 80 f.): „Abends ging ich mit Michael und Rainer [..] in die Diskothek der Tanzschule Siebenhüner. | Die Mädchen, die ich dort sah, machten es mir leicht, mich [...] zu versöhnen [...]."
Tagebuch N 31.12.77 - 15.01.78, zu Samstag, den 7. Januar 1978 (S. 21): „Abends war ich von 18 bis 21.30 Uhr mit Klaus, Heinz und Michael in Siebenhüners Disko, danach sah ich [...] im Fernsehen einen Science-Fiction-Film."



GASTSTÄTTEN



Zur Entwicklung der Gaststättenbetriebe in Hagen zitiere ich den profunden Kenner Ulrich Günnemann, da ich die betreffende Zeit nicht selbst "vor Ort" erlebt habe: „Der übliche Kneipenbetrieb - Bier an der Theke, Kartenspiele am Tisch, Vereinssitzungen usw. - änderte sich in den 1960er Jahren in einigen Gaststätten durch die Auftritte junger Livebands. / Es war die Zeit des Beats. Da formierten sich junge Musiker zu Bands, die in Kneipen ihre ersten Erfolge feierten. So waren die Gaststätten ,Nordpol' [„Familie Steffen, erfahrene Gastronomen des ,Nordpol' am Remberg" (Günnemann 2014, S. 215, oben)], ,Westfalenhof' und ,Eppenhauser Brunnen' [die spätere Diskothek Allround (D.R.); Mitglieder der „Familie Steffen {...} übernahmen von der Brauerei Bettermann den Eppenhauser Brunnen" (Günnemann 2014, S. 215, oben)] bald die angesagtesten Kneipen, in denen mehrmals in der Woche ,die Post abging'."

Der Eppenhauser Brunnen ist (wie der Pferdestall) ein Beispiel dafür, wie sich aus einer normalen Gaststätte des 1960er Jahrzehnts (mit gelegentlicher Live-Musik) eine "Musikkneipe" und schließlich - im 1970er Jahrzehnt - eine Diskothek entwickeln konnte, was einen weiteren Schritt in Richtung Nachtclub nicht ausschließt.

Für die Kommunikation der jungen Erwachsenen und auch Teenager waren dann im 1970er Jahrzehnt Musikkneipen (meist ,Pinten' genannt) wichtig, welche sich allerdings wiederum hauptsächlich auf die Vororte ("Suburbs") verteilten, wie das Auberge (Wehringhausen; Eugen-Richter-Straße), Bei Rainer am Wilhelmsplatz (Wehringhausen, Bismarckstraße; später in der Nähe als Sumpfblüte weitergeführt), Chez Nous (am Remberg - Nachfolger vom Nordpol?), Enge Weste (Stadtzentrum; Goldbergstraße), Im Fässchen (Wehringhausen; Lange Straße), Krönchen (Stadtzentrum; Körnerstraße), Kronenburg (Stadtzentrum; Berliner Platz), Simpl (Wehringhausen; Wehringhauser Straße) und so weiter. Bei einigen Pinten bin ich mir nicht sicher, ob sie als Ableger von Restaurants schon bestanden. Die Spinne war zunächst ein kreisförmiger Bierausschank mit großem Spinne-Modell an der Thekenüberdachung (von diesem gibt es ein Foto im ,Gastliches Hagen'-Teil vom Adreßbuch 1976) im Balkanrestaurant Calaminus unweit des "Info" (Hohenzollernstraße), Im Tönnchen ein Ableger im Restaurant Ratskeller des Rathaus-Altbaus.

Beispiele für eigene "Kneipenbummel" nach meinen Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblattordner):
Donnerstag, 26. Januar 1978: „Woyzeck [im Stadttheater hat mir] nicht gefallen. Einige dumme Gänse haben [durch ihr Kichern/Plappern] gestört. Langweilig - stimmungslos. 21.10 [Uhr] zuende. Anschließend zur ,Weste'. Klaus kam gegen 21.30 [Uhr]. Bis gegen 22 [Uhr] in der Weste geblieben, dann zu ,Bei Rainers' am Wilhelmsplatz. Dort nicht geblieben, [sondern] weiter zum ,Auberge' [...]. Dort gefiel es uns."
Samstag, 11. März 1978: „Abends sah ich mit Klaus bis gegen 22 Uhr fern, dann gingen wir ins ,Auberge', ,Simpl', in die ,Weste' und ins ,Chez Nous'; gegen 24 Uhr ging ich zurück nach Hause [...]."

Der Gitarrist und Musikproduzent Frank Becking berichtete (bei Wahnbaeck 2018, S. 125, oben): „Ich wohnte in den [19]80er Jahren in Hagen-Wehringhausen. Die Kneipenszene in dieser Zeit war sehr aktiv. In der Eckkneipe Bei Rainer am Wilhelmsplatz und später in der Sumpfblüte traf man dann alle Musiker der Stripes [...]."

Neben Gaststätten in Hagen wurden von Musikern auch solche in der Umgebung frequentiert. Bekannt war das Grün-In in Gevelsberg-Silschede (Ennepe-Ruhr-Kreis), welches ich im Jahr 1979 auch ein- oder zweimal aufgesucht habe, ohne daß ich damit Aufzeichnungen oder Erinnerungen verbinden kann. Hier wurde vor dem Februar 1979 die Band Deutsch-Amerikanische Freundschaft (kurz: DAF) gegründet (Spiegel-Artikel von 1982; Wikipedia-Artikel) und - daraus resultierend - im Oktober 1981 die Gruppe Mau Mau, nachdem hier bereits 1977/78 die Jazzrock-Formation YOU beheimatet gewesen sein soll (Wikipedia-Artikel, abgerufen am 22.4.2019).



Auberge (Eugen-Richter-Straße 4)


Das Auberge lag in unmittelbarer Nähe der Wohnungen, in welchen ich aufwuchs, und ich habe das Lokal schon früh besucht. Es war mein erstes Stammlokal. Später machte ich hier bloß noch Station auf dem Weg zum Simpl oder auf dem Weg in die Innenstadt, sofern nicht - was gelegentlich vorkam - eine Band spielte. Das Lokal wurde mir dadurch verleidet, daß man die Konservenmusik so laut präsentierte, daß ich mich am Tisch kaum noch unterhalten konnte. An der Theke - gleich vorne am Eingang - ging das so, aber da fiel mir der "Absprung" sowieso am leichtesten.

Im 1960er Jahrzehnt hieß die Gaststätte Meisterklause; hier wurde das von der Bettermann-Brauerei erzeugte ,Meister-Pils' ausgeschenkt. Im Jahr 1968 hieß der Gastwirt Hans Groppel (Adreßbuch 1968, Straßenteil, S. 81, Sp. 4).

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Die Eugen-Richter-Straße mit den Häuser 10, 8, 6 und 4; im Vordergrund Klaus und Detlef Rothe;
im Erdgeschoß des Hauses ganz rechts die Meisterklause (Foto: Wilhelm Rothe - Winter 1963/64).

Die Brauerei wurde geschlossen und der Name des Lokals daher hinfällig. Im Jahr 1976 hieß die Gaststätte Auberge (Adreßbuch 1976, Branchenteil, S. 31, Sp. 1, u. Straßenteil, S. 105, Sp. 2); der Name des Wirtes geht aus dem Adreßbuch nicht hervor. Im Februar (oder eventuell erst im März) 1976 schoß ich von der Kreuzung Pelmkestraße aus ein Foto vom Anfang der Eugen-Richter-Straße bei Kälte und Nacht, welches ganz rechts hinter dem Friseursalon ,Espelage' das Auberge zeigt:
EU/D/NRW/HA/Wehringhausen/Eugen-Richter-Strasse/EinmuendungPelmkestrasse/19760(2)xx-xxxx_H_36_(D_19)_D_NW_HA-Wehringhausen_Eugen-Richter-Strasse_von_Pelmkestrasse_aus_bei_Nacht_KLEIN_1200x0708

Dazu ein Vergleichsfoto - aufgenommen bei Tage - aus heutiger Zeit (Foto: Detlef Rothe - 2. Juni 2019)
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Wann ich das erste Mal das Auberge besucht habe, weiß ich nicht mehr. Anfang 1978 war ich bereits 18 1/2 Jahre alt. Damals war das Lokal bei Differenzen mit meinen Eltern und/oder jüngerem Bruder eine Art Zufluchtsort, wurde von mir aber auch sonst häufiger frequentiert als im Folgejahr:

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen:

Einzelblatt-Ordner:
26. Januar 1978: „Bis gegen 22 [Uhr] in der Weste geblieben, dann [...] weiter zum ,Auberge' in der Eugen-Richter-Str[aße]. Dort gefiel es uns. Gegen 23 Uhr nach Hause."

Zettelkasten:
28. Februar 1978 : „Abends mit Klaus in der [sic (D.R.)] Auberge gewesen bis 21.15 [Uhr]."

Einzelblatt-Ordner:
15. März 1978: „Abends ging ich mit Schneider [...] in die ,Auberge', und anschließend erschien ich gegen 22 Uhr [zur Ferienarbeit] bei der Post [...]."
19. März 1978: „[...] am Abend [mußte] Klaus [...] enttäuscht von dannen ziehen [..], weil ich [wegen Übermüdung] nicht mit ihm ins ,Auberge' ging."
21. März 1978: „Gegen 19.30 Uhr ging ich mit Klaus ins ,Auberge'[...]."
25. März 1978: „Ich sah mir um 19 Uhr die Nachrichten im ZDF an, dann kam Klaus, und wir gingen bis gegen 22.30 Uhr ins ,Auberge' - obwohl ich mir das eigentlich nicht leisten wollte. Aufgrund meines ungewöhnlichen Tagesrhythmus' [bedingt durch die Nachtarbeit in der Hauptpost] fiel es mir [aber] auch schwer, Schularbeiten und dergleichen zu machen."
3. April 1978: „Anschließend [= nach dem Abendessen] betrat ich das ,Auberge', wo ich bis gegen 23.30 Uhr blieb und mit Mitschülern einer Bluesjazz-Band zuhörte."
1. Juni 1978: „[...] als ich mir zu Hause das Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft '78 im Fernsehen nicht anschauen durfte (wenigstens nicht ganz), so ging ich ins ,Auberge' und hatte es dort wenigstens in Farbe."
12. August 1978: „[...] ich [...] ging gegen 22 Uhr ins Auberge, wo ich mit einigen Leuten Würfel spielte. Einer (Peter Ludwig) erzählte mir, daß ich mit vier Jahren [= 1963/64] mit seinem Wiking-Autos gespielt hätte, und eine andere [Person] erwies sich als eine Arbeitskollegin von Klaus. Mit viel Freude spielte ich bis 23.15 Uhr [...]."

Aus meinem „Tagebuch 1979":
12. Juli 1979: „Ich verließ das Info [...], schaute kurz in die Weste [...] und fuhr mit dem Bus nach Wehringhausen [...]. Unterwegs traf ich meinen Bruder Klaus zusammen mit Siegmar [..], die mich dann begleiteten. Im Auberge probierte ich einen Whisky, trank Alt und unterhielt mich, doch blieb [ich appetitmäßig] unbefriedigt. Schließlich überredete ich die beiden zu einem gemeinsamen Essen [in einem Restaurant]."
19. Juli 1979: „Da ich zu Hause nach Rückkehr meiner Eltern wieder arg strapaziert wurde, verzog ich mich ins Auberge, traf dort Kalle und wechselte ins Simpl [hin]über. [...] Gegen 21.30 Uhr fuhr ich mit einigen ehemaligen Mitschülern zurück ins Auberge, wo ich bis gegen 23.30 Uhr blieb. Am interessanten war wohl, daß sie mir das Geheimnis lüfteten, warum ich Ostern 1974 während meines Aufenthalts in Waldmannshausen bei Elbgrund ins Wasser gefallen war." - Zur Erläuterung ein Auszug aus einem älteren Tagebuch: „[...] (18.4. - 26.4.74), [damals] hatte ich mich im Schullandheim aufgehalten [..]. Ich kann mich [..] noch daran erinnern, wie sehr ich litt, als ich einmal aus Übermut leichtsinnig wurde und durch ein Vollbad im Fluß (über den wir eine primitive Seilbahn gebaut hatten) belohnt wurde." (TB E 1977, Eintrag vom 22. April 1977). Büchners ,Woyzeck' ließ grüßen: "Der ist ins Wasser gefallen". (Zu meinen Aufenthalten in Waldmannshausen siehe den Abschnitt HESSEN in meinem Kinderheime-Artikel.)
25. Juli 1979: „Gegen 22 Uhr schaute ich ins Auberge, langweilte mich aber dort erst recht, so daß ich nicht lange blieb."

Viele Jahre später - da wohnte ich in Schwelm (1998/2004) - befand sich hier übrigens statt einer Gaststätte der exotisch anmutende Bordell-Betrieb ,Asia-Team'.



Bei Rainer am Wilhelmsplatz (Bismarckstraße 28)


Bei Rainer am Wilhelmsplatz war eine von Künstlern und "Alternativen" frequentierte "Musikkneipe" an der Ecke Kottmann-/Bismarckstraße. Das Lokal ist im Adreßbuch 1976 noch nicht erwähnt, wurde aber noch im selben Jahr eröffnet, wie eine von Kay Oliver Schlasse gestaltete Anzeige in der Null-Nummer des ,Hagener Volksblatts' vom November 1976 zeigt (Wahnbaeck 2018, S. 176, Foto oben). Den gastlichen Ort hat vor allem Kay Schlasse rückblickend dargestellt, allerdings aus einer sehr eigenen Sichtweise (siehe etwa Havaii 2017, S. 61 f.). Ich habe die Gaststätte kaum besucht, weil ich "es dort nicht aushielt" (siehe unten). Die Bierpreise waren hier immerhin sehr "zivil", und dieses Lokal war schon deshalb bei eher "klammen" Künstlern und Studenten beliebt. Extrabreit hat Bei Rainer am Wilhelmsplatz einmal einen eigenen Song gewidmet, welcher gerne auf Kassette abgespielt wurde. Das gute Stück gilt als verschollen! Nachfolgerin der Pinte - mit dem selben Wirt - war am Anfang des 1980er Jahrzehnts die Sumpfblüte.

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Die Ecke Kottmann-/Bismarckstraße am Wilhelmsplatz heutzutage (Foto: Detlef Rothe - 31.01.2019)

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Vergleichsbild zum Plakat des Stadtteilfestes vor 40 Jahren: das Haus Bismarckstraße 28 (Foto: Detlef Rothe - 23.03.2019)

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen:
TB M 1977 zu Dienstag, 13. Dezember 1977 (S. 94 f.): „Nach zwei Stunden Geschichte [...] ging ich mit Jürgen H. [...] in die Stadt (= ins Stadtzentrum). [...] Er schlug mir vor [...], nachmittags bzw. abends aus meinem Loch herauszukommen und ihn in eine Gaststätte zu begleiten, z. B. in die ,Bei Rainers' [sic (D.R.)] am Wilhelmsplatz. Dorthin würde er sich meistens verziehen, wenn er sozialen Kontakt brauche, und dort würde er auch Mitschüler treffen. [...] Die Sorgen, die [ich] habe, habe er schon längst vergessen können. Ich weiß, daß er in einer Hagener Gruppe musikalisch tätig ist - er spielt Gitarre [...]."
Einzelblatt-Ordner - zu Donnerstag, 26. Januar 1978: „Bis gegen 22 [Uhr] in der Weste geblieben, dann zu ,Bei Rainers' [sic (D.R.)] am Wilhelmsplatz. Dort nicht geblieben, [sondern] weiter zum ,Auberge' [...]. Dort gefiel es uns."
Tagebuch 1979" zu Freitag, 14. September 1979: „Gegen 20 Uhr war ich im ,Auberge', traf dort Axel [..] - ansonsten war dort nicht viel los. Eine Stunde später war ich im Simpl, wo ich bedeutend mehr Bekannte fand. Dort hielt ich es eine Weile aus. Nach 22 Uhr wechselten Andreas V., Kalle, Frank [..] und ich zu ,Rainer' am Wilhelmsplatz über. Es war das erste Mal, daß ich es in dem Laden länger als 15 Sekunden aushielt. Wo die ,Weste' dichtgemacht hatte, mußte ich mich schon nach einer Alternative umschauen. Ich fand es diesmal dort ganz nett, traf aber weiter keine Bekannten. Überrascht war ich darüber, daß das Bier dort mit 1,30 DM für 0,3 l sehr preiswert war. Gegen 23.30 Uhr ging ich todmüde nach Hause."

Der Umzug zur Bismarckstraße 18 mit Neueröffnung der Gaststätte als Sumpfblüte fand offenbar im Winter 1980/81 statt, bzw. kurz bevor die Band Extrabreit das berühmte Lied ,Polizisten' schuf (Havaii 2017, S. 117, oben) - Polizei(un)wesen und Blüte des Sumpfes sind hier sicherlich in Relation zueinander zu beschau'n.



Chez Nous (Remberg)


Die genaue Adresse am Remberg ist mir bei diesem Lokal nicht mehr bekannt, denn 1976 hieß es offenbar noch anders (Bedue in der Rembergstraße 15?). Im 1960er Jahrzehnt war es anscheinend als Nordpol bekannt. Das Lokal wurde von mir häufiger frequentiert, da es in meiner Mitschülerschaft - zumal bei denen, welche "rechts der Volme" bzw. nördlich des Marktes (Springe) wohnten, beliebt war.

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner):
17. Februar 1978: „[Gegen] 19 Uhr das Haus verlassen und zu Axel gegangen, mit ihm und seiner Schwester ins ,Chez Nous', [und] dort bis 22 Uhr geblieben."
10. März 1978: „Abends war ich ab etwa 21.30 Uhr im ,Chez Nous', wo ich einige Mitschüler traf. Gegen 23.30 Uhr ging ich zurück nach Hause."
29. Mai 1978: „Gegen abend [sic (D.R.)] ging ich [...] ins ,Chez Nous' und in die ,Weste'."



Enge Weste (Hochstraße 87)


Diese Gaststätte wird im Adreßbuch 1976 bereits Enge Weste genannt, allerdings nennt es keinen Gastwirt (Branchenteil, S. 31, Sp. 2, u. Straßenteil, S. 169, Sp. 4, unter Hochstraße 87). Acht Jahre vorher befand sich an ihrer Stelle die Bäckerei Maria Schulte (Adreßbuch 1968, Branchenteil, S. 9, Sp- 3, u. Straßenteil, S. 129, Sp. 4). Anscheinend hat das gegenüber liegende neue Haus der Begegnung die Bildung von Gastronomie in der Nachbarschaft begünstigt.

Seit wann ich die Enge Weste - kurz "Weste" - aufzusuchen pflegte, vermag ich nicht mehr zu sagen; wegen der Nähe zum Fichte-Gymnasium geschah dies sicher relativ früh. Nicht nur als Ersatzaufenthaltsraum für ältere Schüler war sie gefragt - am Abend war hier oft "der Teufel los":

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen:

TB M 1977 zum 15. Dezember 1977 (S. 102): „Weil ich [nach Abgabe einer „Deutsch-Leistungskurs-Arbeit" (S. 101)] fertig war, ging ich mit Jürgen in die ,Weste'. [...] Ich unterhielt mich mit einigen Mitschülern über die Arbeit über eine Zigarettenlänge und bei einem kleinen Pils, das mir umso besser schmeckte, als mich die Tatsache unangenehm berührte, daß mein Geld an gefährlichen Mangelerscheinungen litt."
Einzelblatt-Ordner:
26. Januar 1978: „Woyzeck [im Stadttheater hat mir] nicht gefallen. [...] 21:10 [Uhr] zuende. Anschließend zur ,Weste'. Klaus kam gegen 21.30 [Uhr]. Bis gegen 22 [Uhr] in der Weste geblieben, dann zu ,Bei Rainers' am Wilhelmsplatz."
2. März 1978: „[...][Nach zwei Unterrichtsstunden] frei, wegen Beerdigung von Frau Sachse. 11 Uhr bei der Beerdigung gewesen, danach gegen 12 in der Weste. Gegen 13 Uhr nach Hause."
14. März 1978: „[...] ich [...] aß zu Abend und ging anschließend in die ,Weste', wo ich mich mit einem ,Arbeitskollegen' [von der Hauptpost] traf. Um 22 Uhr war ich wieder zu Hause [...]."
10. April 1978: „Am Nachmittag fuhr ich um 13.20 Uhr nach Bonn [...]. [...] Ich fühlte mich elend [...]. Als ich gegen 19 Uhr wieder zurück war, ging ich in die ,Weste', wo ich einige Mitschüler traf. Bei Zigaretten und Alt begann ich, mich wieder normal zu fühlen."
2. Mai 1978: „Gegen 21 Uhr bin ich in die Stadt zur Weste gegangen."
22. Mai 1978: „Abends ging ich in die ,Enge Weste', wo ich einige Ehemalige traf, die gerade ihre letzte Abiturprüfung hinter sich hatten."
29. Mai 1978: „Gegen abend [sic (D.R.)] ging ich [...] ins ,Chez Nous' und in die ,Weste'."
Tagebuch 1979":
15. Juni 1979: „[...] [Ich bin k.o.,] weil ich nach einem Aufenthalt in einer engen Weste mit Fachsimpelei über Fotoentwicklung recht blaugescheuert und ,zu' bin, [...] bin zum Denken zu fix." (Anspielung auf das Fixierbad) - „Am Abend sah man mich in der Weste, wo ich auch genug zu brabbeln hatte, wobei ich auch jenes interessante Mädchen erwähnen möchte, [...] die [= welches] mir mal nicht böse war, als ich einen Vergleich mit Mona Lisa probierte. Naja [...]."
19. Juni 1979: „Nach 17 Uhr hielt ich mich in der Weste auf - ohne Gewähr!" (Aber, aber: mit Fotos! Siehe unten.)
2. Juli 1979: „Bis 20 Uhr war ich in der Weste, wo ich mich mit Ehemaligen unterhielt, die nicht beim Bund waren[, um ihren "Wehrdienst" abzuleisten]."
9. Juli 1979: „[...] um 19 Uhr [...] ging ich [..] in die Weste, wo ich zunächst keinen Bekannten traf. Ich hielt mich an der Theke auf, rauchte viel und trank. [...] Ich spielte mit [...] Udo [..] ,Schock[en]', ein Würfelspiel, und gesellte mich später zu einigen anderen Leuten, die ich aus dem Info kannte. Ich schaute zu, wie Doppelkopf gespielt wurde [...]. Gegen 21 Uhr fuhr ich nach Hause."
10. Juli 1979: „Gegen 18 Uhr fuhr ich [..] in die Stadt. Bis 19.40 Uhr etwa hielt ich mich in der ,Weste' auf, wo ich Joachim [..] und Frank [..] traf, die aus dem ,Urlaub' (Kreuzfahrt per Inter-Rail) zurückgekommen waren und wie ich einiges zu erzählen hatten. Danach ging ich [...] zum Info [...]."
14. September 1979: „Nach 22 Uhr wechselten Andreas V., Kalle, Frank [..] und ich zu ,Rainer' am Wilhelmsplatz über. [...] Wo die ,Weste' dichtgemacht hatte, mußte ich mich schon nach einer Alternative umschauen."

Warum die Enge Weste im September 1979 geschlossen war, ist mir nicht bekannt. Später befand sich hier vorübergehend ein Restaurant. Heutzutage finden in der namentlich unveränderten Location sogar Live-Konzerte statt; dafür war es dort um 1978 zu eng (nomen est omen).

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Die Theke der Engen Weste (Foto: Detlef Rothe - 19.06.1979)

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Der Wirt (Bernd) der "Weste" (Foto: Detlef Rothe - 19.06.1979)



Im Fässchen (Lange Straße 51)


Dieses schon vor dem Krieg bestehende Lokal war eher ruhig und daher als Veranstaltungsort des im Jahr 1975 von Siggi Papke gegründeten Hagener Folk-Clubs prädestiniert. Da die Räumlichkeiten recht beschränkt waren und die Zahl der Interessierten stetig zunahm, fanden die Liederabende allerdings vermehrt in anderen Lokalitäten statt. Siggi Papke dazu: „Bei unseren Veranstaltungen [...] sind damals Künstler aufgetreten, die teilweise später große Karrieren machten. Beispielsweise Herbert Grönemeyer; er war zu der Zeit Auszubildender [...]." - „In den Anfängen trat man vor ganz kleinem Publikum auf. Es passten maximal 50 Zuschauer in die kleine Eck-Kneipe. [...] Diese kleine Kneipe hat dann durch die verschiedenen Aktivitäten sehr schnell einen Kommunikationszentrum-Charakter bekommen. [...] Es waren die Anfänge der Grünen, der Widerstand gegen Atomkraft, der politische Büchertisch, der Filmclub Celluloid, die Treffen von Bürgerinitiativen, der Anti-AKW-Kreis, das Hagener Volksblatt. All das fand im Fässchen statt. Für die monatlichen Sondergastspiele musste bald ein größerer Raum gefunden werden." (Papke 2018, S. 110, unten, u. S. 111, oben)

Kleiner Hinweis am Rande: mein Exemplar von Gerhard Seyfrieds ,Wo soll das alles enden' (Rotbuch 189; ISBN 3-88022-189-8) - darin manches Vorbild für Cartoons von Kay O. Schlasse - habe ich dort (als eines von zwei Büchern) am 12.04.1979 für 8 DM erworben! (BL 1979; vgl. E/A 1978/79)

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Die Lange Straße in Wehringhausen von der Einmündung der Roonstraße aus westwärts gesehen; die Straßenbahn-Linie 8 fuhr schon einige Jahre nicht mehr.
Ganz links geht's in's "Fässchen" (Foto: Detlef Rothe - 27.02.1975).

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Im Fässchen heutzutage (Foto: Detlef Rothe - 31.01.2019)

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Anzeige aus der städtischen Broschüre Informationen für Neubürger, Ausgabe 1990.

Aus Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner) zum 20. April 1978: „Abends ging ich ins ,Fäßchen', wo eine Jazz-Swing-Country-Band spielte. Ich fand es dort sehr gemütlich. Gegen 23 Uhr war ich wieder zurück." - (Vgl. TK 1978: „Fäßchen / 19.30 Uhr / 1,50 DM / ,Heupferd'").

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Folk-Club-Abend im "Fässchen" (Foto: Detlef Rothe - 24.05.1979)

Aus meinem „Tagebuch 1979" zum 14. Juni 1979 (einem Donnerstag): „Ich [...] fuhr mit Putte zum ,Fässchen', wo ich mich bei echt starker Musik herzlich amüsierte. [...] Es spielten und sangen da so 'n süddeutscher Ungar mit Frau und noch 'n Mann; die waren ganz fidele und brachten Stimmung ins Haus. Um 22.30 Uhr war leider Schluß, so daß ich mich um 23 Uhr da wiederfand, wo ich zu Hause bin."

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Siggi Papke moderiert beim Clubabend (Foto: Detlef Rothe - 03.04.1980)



Krönchen (Körnerstraße 45 a)


Das Krönchen ist im Adreßbuch 1976 nocht nicht erwähnt; an seiner Stelle befand sich offenbar eine Drogerie (Christiane Heckmann) und/oder Metzgerei (Helmut Kohlof).

In dem Lokal an der Körnerstraße 45 a fanden im Jahr 1979 gelegentlich Live-Konzerte statt, welche ich aber nur ausnahmsweise besuchte, da mir der "Laden" dafür zu eng bzw. zu voll erschien. Erstmals erwähnte ich es in meinen Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner) zum 2. September 1978, sofern ich nichts übersehen habe. An jenem Tag war ich erst um Mitternacht mit meinen älteren Bruder dort, nachdem wir uns einen Film angeschaut hatten.

Aus meinem „Tagebuch 1979":
Montag, 10. September 1979: „Am Abend traf ich Udo [..], Andreas [..], dessen Freundin und Joachim [..] im ,Krönchen', wo ich bis spät blieb."
Mittwoch, 12. September 1979: „Anschließend [= am Abend] wollte ich noch ins ,Krönchen' hineinschauen, wo ein Typ musizieren sollte, war aber zu früh und ging daher [...] nach Hause." . Nach meiner Erinnerung war es mir schon zu voll, so daß ich nicht warten wollte.

Eine letzte Erwähnung fand ich in meinen Aufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner) zu Samstag, den 1. November 1980: „Ich schaute zunächst ins ,Auberge', dann folgten ,Kronenburg', ,Krönchen', ,[Enge] Weste', ,Chez Nous' und das neue ,Atelier'."

Wie lange die Kneipe bestand, vermag ich nicht zu sagen. Anfang des 2010er Jahrzehnts befand sich hier ein Weight-Watchers-Studio.



Kronenburg (Graf-von-Galen-Straße/-Ring 25)


Im Straßenverzeichnis der Ausgabe 1976 des Hagener Adreßbuchs werden bei der „Graf-von-Galen-Straße" unter Haus Nr. 25 zwei Gaststätten, und zwar „Briefkasten" und „Kronenberg" (sic!), genannt (Adreßbuch 1976, S. 139, Sp. 2); da Letztere im Branchenverzeichnis unter den Gaststätten fehlt, dürfte ,Briefkasten' die bis dahin übliche Bezeichnung desselben Lokals sein (im Adreßbuch 1968 wird im Branchen- - S. 23 - und im Straßenverzeichnis - S. 107 - nur die Gastwirtin Helene Spies genannt). Die Kronenburg darf nicht mit dem Krönchen in der Körnerstraße verwechselt werden, in dem auch um 1979 Livemusik zu hören war. Das hier behandelte Lokal lag am Berliner Platz dem Hauptbahnhof direkt gegenüber. Ich besuchte es - wie übrigens auch das Krönchen - erst 1979 im Alter von neunzehn Jahren; da war es in der Musikszene bereits wohlbekannt. Inga Humpe (mit ihrer Schwester Annette in Berlin zusammen ein bekanntes Gesangsduo - beide stammen aus Herdecke) gab an, etwa 1977/78 „in der Kronenburg gearbeitet" zu haben (bei Wahnbaeck 2018, S. 338, oben), bevor sie ihrem Freund Klaus Bauschulte, der (siehe Einwohnerteil im Adreßbuch 1976, S. 16, Sp. 3) in der Altenhagener Straße gewohnt hat, nach Berlin folgte - Inga und Klaus lebten allerdings 1976/77 zeitweilig in den USA (Wahnbaeck 2018, S. 338, mittig).

Nach Angaben des Taxifahrers Rainer Schürmann ("Taxi Rainer") im September 2018 (in der Lokalpresse) habe auch "Nena" hier gekellnert, als "Nena" noch nicht "Nena" hieß, sondern die Susanne aus Hagen-Haspe gewesen sei. Richtig müßte es da eigentlich Gabi oder Gabriele heißen; "Nena" wohnte tatsächlich zeitweise in der Warburger Straße 59 (siehe Wahnbaeck 2018, S. 135, Abb. oben) - diese für November 1979 belegte Adresse liegt innerhalb des Hasper Stadtbezirks, denn das ist in der Geweke. Sollte die Job-Angabe stimmen, dann gilt sie vermutlich erst für die Zeit ab Beginn ihrer Volljährigkeit (März 1978) und bis zum Auszug anno 1982 aus der Lange Straße in Wehringhausen (siehe dazu Brendel 2014, S. 45). In Wehringhausen hat "Nena" schon früher (bis 1975) gelebt und hier ihre ersten Schuljahre verbracht (siehe dazu meinen Artikel ,Heimat Wehringhausen'); sie hätte sich insofern genauso gut als Wehringhausenerin bezeichnen können. "Nena" selbst "verrät" in ihrer Autobiographie nur, daß sie während ihrer Zeit bei The Stripes in ihrer „Lieblingsdisco" gejobbt habe (Nena & Thesenfitz 2005, S. 135, unten). Aber was spielt das auch für eine Rolle? Ich halte es nicht für wahrscheinlich, daß Inga Humpe und Gabriele Kerner zur gleichen Zeit in der Kronenburg gearbeitet haben, was wegen beider Gesangstätigkeit im Hinblick auf die Stil-Bildung interessant gewesen wäre. Inga H. sang privat schon als Teenager an der Glörtalsperre zumindest Lieder von The Beatles (siehe bei Wahnbaeck 2018, S. 336, unten) - Nena war in ihrer Anfangszeit mehr ein Fan von The Rolling Stones und The Ramones (eine Band, welche in Deutschland weitgehend unbekannt blieb, siehe die Konzert-Liste).

Welche Bands um 1980 in der Kronenburg auftraten, weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich nur an ein Konzert - das wird wohl ein Gig von Aragon aus dem Hagener Süden. Die Pinte war da sehr gut besucht, was angesichts der verkehrsgünstigen Lage und der Nähe zu anderen Freizeitstätten (ich denke vor allem an Diskotheken - Joja, Pink's Place - und Kinos - Bali, Gloria, Lux) nicht verwundert. So hielt ich mich etwa am 10.10.1979 - wenn auch nur kurz - in der Kronenburg auf, um dann gegen 21 Uhr mit der Bahn zurück nach Münster zu fahren (UT 1979/80). Kay O. Schlasse berichtet von einem Konzert der Gruppe Extrabreit (Havaii 2017, S. 76 f.), bei dem ich nicht anwesend war.

Am 9. November 1979 trat die Band Extrabreit in der Kronenburg auf; sie schließt nach dem Konzert einen Vertrag mit dem WM Musikverlag von Ulrich Wiehagen und Hartwig Masuch ab (Havaii 2017, S. 76 - 78; Schlasse 2018, S. 204 f.; vgl. Stefan "Kleinkrieg" Klein in Kante 2014, S. 154 f.).

Eine letzte Erwähnung in meinen Aufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner) fand ich zum 1. November 1980 anläßlich eines "Kneipenbummels" „zunächst ins ,Auberge', dann folgten ,Kronenburg', ,Krönchen', ,[Enge] Weste', ,Chez Nous' und das neue ,Atelier'". Damals wohnte ich nur noch gelegentlich - und dann gewöhnlich am Wochenende - in Hagen.

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Ein Vorläufer der Kronenburg (ziegelfarbenes Haus) auf einer colorierten Ansichtskarte (Poststempel vom 20.04.1962)


Diese Aufnahme (mit der Einmündung der Bahnhofstraße rechts) entstand übrigens vom Uhrturm des Hauptbahnhofs aus.

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Die Kronenburg im Ausschnitt eines anonymen Fotos aus dem Jahr 1979
(Quelle: 125 Jahre Hagener Straßenbahn AG 1884 - 2009, Hagen 2009, S. 28)


Man könnte meinen, daß gerade die Tristheit der Bauten eine besondere Herausforderung (Ansporn) nicht nur für Fassadengestalter, sondern auch für musische Künstler war. - Von den Schutzgelderpressungen und den Rockern in der Kronenburg, von denen "Eddy Kante" Frank Schröder in seiner Autobiographie berichtet (Kante 2014, S. 92 - 96; vgl. Havaii 2017, S. 182 f.), habe ich unmittelbar nichts Auffälliges mitbekommen. Gelegentlich gab es dazu wohl Artikel in den Lokalzeitungen - etwa auch zur Neuen Heimat -, deren Inhalt ich mir aber nicht merkte. Manche Lokalitäten waren da für mich kein Thema mehr, denn ein Großteil meiner Bekannten verzog sich um 1980 gleichfalls aus Hagen. Gabriele Susanne Kerner machte sich später auf ihre Weise in dem Film ,Gib Gas - ich will Spaß' (erschienen 1983) über die Rockerszene lustig.



Oase (Körnerstraße 33)


Als Ersatz für das kriegszerstörte Viktoria-Kaffeehaus wurde unweit der Konzertmuschel im Volkspark um 1960 eine Milchbar gebaut:
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Die spätere ,Öse' nach einer Werbebroschüre der Stadt Hagen von 1962 (Photograph unbekannt)

Die Milchbar hieß bei ihrer Eröffnung noch ,Milchstube' (so die Neon-Beschriftung über der Eingangstür - siehe die Abbildungen bei Stadt 1962 und Köhler 2014, S. 207, mittig), und es wurden dort anfangs nur Milchprodukte verkauft. Als sie in der zweiten Hälfte des 1970er Jahrzehnts ,Oase' hieß (ein angesichts der damaligen städtischen Wüste -Abbrucharbeiten nach dem Krieg noch und nöcher! - durchaus sinniger Name), waren dort auch andere Getränke erhältlich (E/A 1978/79). Nicht nur die Außengastronomie war beliebt, sondern auch die gemütliche Enge im Innern, wo Pärchen gemeinsame Schulfreistunden recht kuschelig verbringen konnten. Das Lokal wurde daher von seinen jungen Kunden schlicht "Öse" genannt.


Die Milchstube im Jahr 1964.

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Ausblick von der Teestube im "Info" zur "Öse" (Foto: Detlef Rothe - 04.11.1978)

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Die Oase im Volkspark wurde erweitert und - dem zuwiderlaufend - in ,Öse' umbenannt (Foto: Detlef Rothe - 31.01.2019)

Musik gehörte nicht unbedingt zum Angebot des Lokals (damals verfügte eigentlich jedes zumindest über ein Kassettendeck mit Boxen), aber es profitierte natürlich von seiner Nähe zur Konzertmuschel, zum Info-Zentrum und (zumindest später) zum Tuba-Keller bei der Spinne (vormals Balkan-Restaurant Calaminus).

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen:
TB M 1977 zu Dienstag, 13. Dezember 1977 (S. 97 f.): „Da ich noch genug Zeit bis zur fünften Stunde hatte, ging ich mit Jürgen in die ,Öse' im Volkspark [...]. [...] Nebenbei erfuhr ich dann noch, daß er im Besitz von Hasch sei [...] - und er beantwortete meine Frage in bezug auf die Wirkung, daß man mindestens zwei- bis dreimal Hasch genossen haben müsse, bis man überhaupt eine angenehme Wirkung verspüren würde."
TB M 1977 zu Mittwoch, 14. Dezember 1977 (S. 99 f.): „Ich erfuhr, daß ich in der fünften Stunde mit einem Englischtest rechnen mußte, und beschloß kurzfristig, die dritte und vierte Stunde bei Paula blau zu machen, um noch etwas zu büffeln. Als ich mich [...] im Aufenthaltsraum häuslich niederlassen wollte, wurde ich von Elmar [...] angesprochen, der mich fragte, ob ich mit ihm in die ,Öse' gehen wolle. Ich begleitete ihn und lernte am Volkspark bei einem Whisky und einigen Zigarettenlängen Englischvokabeln. Wir waren die ersten [Gäste] in der Pinte, doch ab 10 Uhr füllte sie sich allmählich mit Schülern und Studenten [...]. Es kamen auch noch einige Mitschüler, die mit Elmar und mir in der fünften Stunde Englisch haben sollten, wobei diese allerdings Englisch blau machen|wollten. Ich lernte als einziger [Testaspirant] Englisch, während sich die anderen über Rockmusik unterhielten. Als ich schließlich zur fünften Stunde zum Unterricht erschien, wurde kein Test geschrieben; es fehlten wohl zu viele Schüler."
Einzelblatt-Ordner zu Montag, 13. Februar 1978: „[...] 2 Std Englisch, danach zwei Freistunden. In diesen zur Bank, 30 DM abgeholt, Tabakutensilien gekauft, offiziell zum Raucher geworden, Ohrhörer gekauft, zum Lesesaal [der Stadtbücherei gegangen] [...], anschließend zur Oase (,Öse') und mich unterhalten, Mathe blau gemacht (keine Schularbeiten gemacht, weil in den beiden Freistunden unterwegs gewesen [...]). [...] Gegen 12.30 [Uhr] zurück nach Hause."
Tagebuch 1979" zu Montag, 16. Juli 1979: „Es war ein Scheißwetter, so daß ich [am Nachmittag] nicht gleich nach Hause ging, sondern bis zum Abend in die Öse, wo ich keinen Bekannten traf, sondern mitansehen mußte, wie einige Teenies mit ihren Typen knutschten. In jeder Ecke ein Pärchen."
Tagebuch 1979" zu Dienstag, 17. Juli 1979: „[...] während das Scheißwetter anhielt [...] ging ich [am Nachmittag] wieder in die Stadt, setzte mich in die Öse und trank Glühwein, während ich rauchte und eine Tageszeitung las. Unterwegs traf ich Rudolf [..], der sich die Hacken nach ein bischen [= Bißchen] Shit wundlief, als ich mich [...] auf den Weg machte."



Simpl (Wehringhauser Straße 72)


Das Simpl ist im Adreßbuch 1976 nocht nicht erwähnt; nebenan - in Haus Nr. 70 - befand sich 1976 aber die Gaststätte Tiemesmann (oder Timmesmann mit „H Osthoff" als Inhaber (Straßenteil, S. 341, Sp. 3).

Das Simpl war - nicht weit vom Bodelschwinghplatz in Wehringhausen - im Erdgeschoß des heutzutage verfallenen Fachwerkhauses Wehringhauser Straße 72:
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Das Simpl im 2010er Jahrzehnt (Foto: Detlef Rothe - 2.9.2016)


Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner):
Zu „Samstag, den 23.4.78": „Am Nachmittag machte ich meine Geschichtshausaufgabe, nahm Musik auf und ging gegen 17.15 Uhr in die Innenstadt. Meine Gefühle trieben umher wie ein verwelktes Blatt auf einer Straßenpfütze. Ich hatte eine Wut im Bauch und wußte nicht wohin damit. / Abends ging ich bis 21.30 Uhr ins ,Simpl'."
Zu „Samstag, den 4.11.78": „Am Abend versuchte ich mich an einem kleinen Gedicht, gab mir aber nicht viel Mühe. [...] Es hat die Nummer 56. Später sah ich fern und fuhr gegen 20.30 Uhr in die Stadt. Ich blieb bis 21.30 Uhr in der Weste, nachdem ich im Simpl keinen Bekannten angetroffen hatte. Als ich dann im Simpl mehr Glück hatte, blieb ich dort bis kurz nach 22 Uhr (machte u. a. einige Dias) [...]."
Dieses Lokal war seinerzeit nicht nur wegen seiner heißen Käsebrötchen beliebt - Musik läßt sich (trotz aufmerksam lauschender Gäste und des Tapedecks rechts von der Stirn des Wirtes) freilich nicht sehen:
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An der Theke (Foto: Detlef Rothe - 4.11.1978)

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Guten Appetit! (Foto: Detlef Rothe - 4.11.1978)

Zu „Samstag, den 9.12.78": „Gegen 21.30 Uhr ging ich für eine Stunde ins Simpl, danach zu Bett. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich durch erneute Demütigungen meiner Eltern [mir gegenüber], besonders durch meine Mutter, einen neuen seelischen Tiefpunkt erreicht. Ich beschloß, über diese Art von Demütigungen ein Gedicht zu schreiben."
Zu „Samstag, den 23.12.78": „Am frühen Abend brachte ich das Gemälde ,Das Irrtum' zu Papier und sah fern. Um 21.45 Uhr betrat ich das Simpl, und gegen 23 Uhr belegte ich mein Bett."

Aus meinem „Tagebuch 1979":
Samstag, 16. Juni 1979: „So nach 21 Uhr suchte ich das ,Simpl' auf, wo ich jedoch niemand[en] aus meiner Clique antraf [...]. [...] Ich las [...] nur Rainer [..] und Klaus [..] auf, mit denen ich mich über Bund und ZVS ergehen ließ [= ausließ]."
Mittwoch, 25. Juli 1979: „Am Abend schaute ich zunächst bei Herrn [Johann] Janßen vorbei und ging anschließend ins Simpl. Dort traf ich einige Bekannte, mit denen ich mich zunächst unterhielt. Es gab allerdings nicht viel zu sagen; ich verspielte so einiges Geld am Automaten, obwohl ich auch einiges gewann. Fast immer, wenn ich ein 5-Mark-Stück in das Gerät warf, gewann ich zunächst etwa 2 DM dazu, und dann kam das große Schlucken. Gegen 22 Uhr schaute ich ins Auberge [...]."

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Stimmung in der Clique (Fotos: Detlef Rothe - Mai 1979)

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Anzeige aus der Schülerzeitung Die Lupe vom Mai 1979, dem Monat meiner "allgemeinen Hochschulreife".

Aus meinen Zettelkasten-Aufzeichnungen, hier zu Freitag, den 30. Mai 1980: „21.18 [Uhr] Zug Gevelsberg - Wehringhausen - 21.30 Ankunft im Simpl - 22.46 Zug Wehringhausen - Hagen"

Aus mir nicht mehr bekannten Grund nahm ich im Oktober 1980 an, daß das Simpl bereits dichtgemacht hätte, doch wurde ich bald korrigiert, wie meine Tagebuchaufzeichnungen (Einzelblatt-Ordner) zum 1. November 1980 zeigen: „Bis 21 Uhr hielt ich mich bei meinen Eltern auf, dann fuhr ich von Pinte zu Pinte, um zu sehen, wen ich alles treffen würde. [...] Ich dachte, das ,Simpl' hätte [= wäre] bereits geschlossen. Das war sicherlich ein Fehler, wie ich später im ,Madison' erfuhr [...]."



Sumpfblüte (Bismarckstraße 18)


Die Sumpfblüte habe ich nur einmal - zu Beginn des 1980er Jahrzehnts - besucht und fand keinen Grund, wiederzukommen. Gegenüber befand sich ein besetztes Haus (wohl das einzige in Hagen), und von dort aus (genauer: aus dem 2. Stock) hat mir 'mal ein früherer Klassenkamerad auf den Kopf gespuckt. So etwas habe ich zwar auch (allerdings von vorne) auf einem Londoner Vorortbahnhof erlebt (Punks eben), aber daß mir "Mutter" (auf Grund von Gestalt und Habitus eher nicht identisch mit „Jörgs Silvester-Alptraum" nach Havaii 2017, S. 120, unten, bzw. vorher S. 79 f.) dies aus Liebe antat, habe ich damals doch bezweifelt (er behauptet später - als ob das eine Begründung wäre -, für Extrabreit zu arbeiten); mir wurde die Gegend jedenfalls suspekt, und fortan benutzte ich (bis zur Räumung des besetzten Hauses) einen anderen Weg in Richtung Hauptbahnhof.

"Kai Havaii" von Extrabreit gibt zu dieser Lokalität mit "Szenerie" eine kurze Beschreibung, da din diese Etage die eigentliche "Homebase" der Band verlegt wurde, und zwar etwa zu der Zeit, als das Lied ,Polizisten' entstand (Havaii 2017, S. 116 f.).

Zu Anfang des dritten nachchristlichen Jahrtausends befand sich im Erdgeschoß des sagenumwobenen Hauses Bismarckstraße 18 noch eine "Szene-Kneipe" Louvre (Quelle: Helga Fischer, Jenseits vom ,Fürstentum Rehsiepen'. In: Evang.-Luth. Paulus-Kirchengemeinde Hagen (Hg.): Spurensuche [Obertitel: Erzählte Geschichten vom ,Blauen Montag'], Bd. 3, Hagen 2005, S. 83 - 86, hier: S. 83). Diese habe ich - erst im Oktober 2004 nach Hagen zurückgekehrt - nicht mehr kennengelernt.

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Die Bismarckstraße 18 in heutigen Tagen (Foto: Detlef Rothe - 26.3.2019)

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Vor der Sumpfblüte am Wilhelmsplatz - Ausschnitt eines Pressefotos Quelle: funkemediennrw.de. Das Bild entstand anscheinend
bei der Räumung des besetzten Hauses, als der Drummer Gerhard Sperling von Extrabreit über das Dach kletterte (Havaii 2017, S. 174 f.).



Westfalenhof (Emilienplatz 16)


Der ehemalige Weltkriegsbunker am Emilienplatz diente in der wirtschaftlich gar nicht so wunderbaren Wirtschaftswunderzeit als Hotel:


Im Hotel Westfalenhof fanden 1967/68 regelmäßig Tanzabende mit Live-Musik statt, darunter mindestens ein Auftritt der Grobschnitt-Vorläuferband The Crew (Kühn-Scholz 2018, S. 30, unten). Auch als dann um 1970 mit dem Aufkommen der Diskotheken das Interesse an (Jugend-)Tanzabenden nachließ, wurde noch Live-Musik geboten. Nach einem Gig von Kraftwerk - ihr bekanntestes Stück heißt ,Autobahn', und daher paßte die Lage des Lokals am noch neuen Autobahnzubringer wie die Faust auf's Auge - am 30. April 1972 wurde die Band Fantastic Motorcraft Power Music von "Kleinkrieg" und einem gewissen "Bockig" gegründet; auf Grund ihres Gitarristen Stefan Klein kann sie als ein Vorläufer von Extrabreit gelten (vgl. Havaii 2017, S. 70, mittig). - Laut Adreßbuch 1976 (Namenteil, S. 25, Sp. 3, und Straßenteil, S. 97, Sp. 2) war anno 1976 die Witwe Ilse Bienek Inhaberin des Hotels.

Heutzutage befindet sich in dem Gebäude eine Einrichtung von ,Arche Gemeinde und Sozialwerk Hagen e.V.':
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Die Arche (Foto: Detlef Rothe - 28. Juli 2019)



SCHULEN UND ANDERE JUGENDZENTREN



Für die Jugendlichen unter achtzehn Jahren wichtig waren die irreführend als ,Jugendheime' bezeichneten Jugendzentren der Stadt, denn hier fand außerhalb von Schulen und Sporteinrichtungen eine zukunftsweisende bzw. entwicklungsförderliche Kommunikation unter durchaus nicht immer Gleichgesinnten statt, welche dem Zusammenleben der jungen Leute stets neuen Auftrieb verlieh. Dabei will ich durchaus nicht vergessen - auch wenn ich diesen Punkt hier nicht eingehender behandele -, daß weiterführende Hagener Schulen in den Jahren um 1980 nicht nur eingeführten oder sich neu formierenden Bands zu Probezwecken zur Verfügung standen, sondern auch selbst Veranstaltungslokalitäten für Live-Konzerte darstellten, die es ja neben gewöhnlichen "Oberstufenfêten" (mit Platten-Musik) weiterhin gab; dabei blieb mir vor allem die Fritz-Steinhoff-Gesamtschule zu Hagen-Helfe in Erinnerung, welche unter dem Begriff ,Gesamtschule Boele' geläufig ist. Für Theater- und Musikdarbietungen standen aber auch die Aulen der Kaufmannschule, der Ricarda-Huch-Schule und des Theodor-Heuss-Gymnasiums zumindest zeitweise zur Verfügung, wobei bei dieser Gelegenheit an die früher beliebten Gesangsvereine erinnert sei. Die „Chronik der Stadt Hagen" im Adreßbuch 1968 berichtete:
1967 - März- 4.: „In der Aula der Ricarda-Huch-Schule findet aus Anlaß des 120jährigen Bestehens des Hagener Männergesangsvereins von 1846 ein Festkonzert statt."

Nicht nur im Hinblick auf "Nena", welche ihre Gymnasialzeit dort in Haspe am Ende der elften Klasse im Sommer 1976 abbrach, könnten für die städtischen Verhältisse meine Ausführungen vom 29. April 1977 interessant sein (geschrieben im Alter von 17 Jahren - Klasse 12 = Unterprima): „Manchmal wünsche ich, daß nach den Studentenunruhen [...] nun einmal eine Schulrevolte an der Reihe wäre, auch wenn dies wohl keine positiven Folgen haben würde. Die Aggressionen, die in der ,Penne' gezüchtet werden, müssen sich eines Tages zwangsläufig entladen, auch wenn sie noch so unterdrückt und abgelenkt werden. In unseren Schulen ist 'was faul! Nicht nur das Personal. Ich bin der Meinung, daß Probleme, wie sie in bezug auf eine zukünftige ,kooperative Schule' [politisch] gesucht und übersehen werden, nur nebensächlich sind. Vorerst geht es um unsere Schule und um uns selbst. In Leserbriefen der ,Westfalenpost' vom Montag und auch Sonnabend kann man schnuppern, wo es stinkt. Doch dort geht es nur um Zahlen. Was wird aus den Schülern selbst (und wurde??)? Was wird aus mir?" (TB E 1977, ohne Seitenangabe) - Nun, weil die Unterprima so schön war, durfte ich sie wiederholen, und Gymnasien und Gesamtschulen blieben uns erhalten. Die Aufmunterung durch die Rockband Ton, Steine, Scherben ,Macht kaputt, was euch kaputt macht' (auf dem ersten, im September 1971 erschienenen Album ,Warum geht es mir so dreckig?') blieb langfristig folgenlos, und die bekannte, unüberhörbare Freude von Extrabreit (,Hurra, hurra, die Schule brennt') kam erst später auf. Ein Teil der Schülerinnen und Schüler flüchtete tatsächlich in laute Musik (oder auch leisere Töne), ein anderer in Drogen; Terrorimus fand auch ein gewisses Interesse (zumal angesichts ungünstiger Berufsaussichten), und dazu kamen ,alternative Bewegungen': Umweltschutz war angesagt, sozialistische Aktivitäten beliebt, neue Schulformen fanden Zulauf und überhaupt antiautoritäre ,Erziehung'. Als Thema ein Dauerbrenner (zumal jetzt wegen der abnehmenden Trennungen in den Gesamt- und Oberschulen) war das geweils andere ,zarte oder harte' Geschlecht. Es waren aufregende Zeiten!



Christian-Rohlfs-Gymnasium (Uferstraße 3)


Über die schulischen (und musikalischen) Verhältnisse am Christian-Rohlfs-Gymnasium, welches "Nena" vom Sommer 1969 an bis zum vorzeitigen Abbruch zum Ende der elften Klasse (1976) besuchte, liegen mir keine Informationen vor; geleitet wurde es gemäß Behördenteil des Adreßbuch 1976 von einem „Oberstudiendirektor Kocher" (S. 8, Sp. 2). Als Mädchen-Gymnasium bestand es seit 1957 (Eckhoff 1982, S. 322).



Fichte-Gymnasium (Goldbergstraße 20)


Das Fichte-Gymnasium als älteste "Oberschule" der Stadt (aber nach dem Krieg ohne Aula) stellte sich mir um 1978 als eine Art altrömischer Würfelturm dar, und außer diversen "Disco-Abenden" wurde den Schülern (und den deutlich minderzähligen Schülerinnen) nichts Unterhaltsames geboten (wenn man einmal von der Theatergruppe von Herrn Dr. Weinand absieht). Mir (und manchen anderen Gymnasiasten) hat es in der Pubertät zweifellos geschadet, daß die ersten - und noch wenigen! - "regelmäßigen" Gymnasiastinnen erst ab Sommer 1973 diese Institution mitbevölkerten; sie war bis dahin - und das nicht einmal ungewöhnlich - eine Knabenschule. Ich kann meine "Penne" also getrost übergehen. Es sei aber erwähnt, daß mein Klassenzimmer bis zur "differenzierten Oberstufe" jahrelang in das Jugendheim am Buschey "ausgelagert" war, ähnlich wie vorher das Jenige in der Hindenburgschule (in Wehringhausen), welches im vierten Schuljahr (1968/69) in die benachbarte Pelmkeschule (das heutige Kulturzentrum Pelmke) verlegt war, wo ich somit damals für ein Jährchen Mitschüler der späteren Sängerin Gabriele S. Kerner wurde (welche dort - wie ich nebenan - zu Ostern 1966 eingeschult worden war). Insofern war die Grundschulzeit für mich wichtiger als alle späteren "Schulungen"; die Gymnasialzeit erforderte viel Eigeninitiative, um sie unbeschadet zu überstehen!

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen:

18. Dezember 1976: „Gestern abend (Freitag) gab es im Fichte[-Gymnasium] die alljährliche Schulfête, zu der ich selbstverständlich hinging. [...] Ich war gegen 19.30 Uhr im Fichte, doch es war noch nichts los. Ich wunderte mich ein wenig [sic (D.R.)] über die vielen fremden Gesichter, erinnerte mich jedoch daran, daß in Hagen seit einiger Zeit keine öffentlichen [Schul-]Fêten mehr stattfanden, da der neue Direx des Theodor-Heuss-Gymnasiums sich weigerte, ,seine' Aula zur Verfügung zu stellen." (TB C 1977, S. 28, unten)


Um 1978 gab es an diesem Gymnasium eine Schülerband namens Lightning, welche bei kleineren Anlässen Rock 'n' Roll spielte; wo sie dafür probte, ist mir nicht bekannt, aber wahrscheinlich nicht in der Schule. Ich weiß auch nicht mehr, welche Schüler da mitwirkten.



Theodor-Heuss-Gymnasium (Humpertsraße 19)


Die Aula dieses anno 1965 bezogenen Gymnasiums erlangte bald nach der Gründung dieser Knaben-Oberschule (das Konkurrenzprodukt am Goldberg verfügte nicht einmal über eine solche Räumlichkeit - zum "Fichte" und "T.H.G." siehe Kontraste 1974) eine gewisse Berühmtheit. Hier fanden Musikveranstaltungen statt, und sie diente der bekannten heimischen Rockband Grobschnitt ab September 1971 als Proberaum (siehe unten im entsprechenden Kapitel).

Im Oktober 1969 gab die Vorläuferband The Crew (zeitweise Crew Blues Session genannt) von Grobschnitt hier eine Art ,Abschiedskonzert'. Dazu "Eroc" Joachim Heinz Ehrig anläßlich einer Teilveröffentlichung der Darbietung: „Das letzte Stück [auf dem Album ,Eroc3'] ist ein Ausschnitt aus einer 20minütigen Improvisation [...]. Mit ihr ging mehr als nur der Auftritt zu Ende. Sie war das letzte Stück, das die CREW BLUES SESSION je spielte. Das Grundthema stammt von LUPO [= Gerd Otto Kühn] und WILDSCHWEIN [= Stefan in seiner Autobiographie Schlasse 2017Danielak], und diese Improvisation war die erste Version eines Stückes, welches Jahre später die Gruppe GROBSCHNITT berühmt machen sollte: SOLAR MUSIC..." ("ERKE EROC", Album ,Eroc3', Plattenhülle mit Datum „3/79")


Auf ihrer Fly-to-the-Rainbow-Tour trat - etwa um die Jahreswende 1974/75 - die deutsche Hardrock-Band Scorpions im Theodor-Heuss-Gymnasium auf, wobei als Vorgruppe die Formation Mandrake aus Lüdenscheid spielte (Wahnbaeck 2018, S. 84, mittig). Das Datum konnte bislang nicht ermittelt werden (Stand: 6.8.2019).

In diesem Zusammenhang sicherlich nicht uninteressant ist die Tatsache, daß "Kai Havaii" Schüler dieser städtischen Lehranstalt war - offenbar von Anfang an (er schildert in seiner Autobiographie Schlasse 2017 ausführlich die Abiturzeugnis-Aushändigung; man vergleiche dazu die Schülerlisten in Kontraste 1974).

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen (hier: TB C 1977, S. 28, unten) zum 18. Dezember 1976: „Ich [...] erinnerte mich [..] daran, daß in Hagen seit einiger Zeit keine öffentlichen Fêten mehr stattfanden, da der neue Direx des Theodor-Heuss-Gymnasiums sich weigerte, ,seine' Aula zur Verfügung zu stellen." - Aus welchem Grund dies geschah, und wie lange der Zustand anhielt, ist mir nicht bekannt.
Bei dem angesprochenen neuen Schulleiter handelt es wohl nicht um Heinz Steven, welcher im Jahr 1974 ,ständiger Vertreter des Direktors' war - also des (Gründungs-)Direktors 1965 - 1974 (Stadt 1998, S. 77, Sp. 1; vormaliger Fichte-Chef) Dr. Werner Hövelmann (†3.12.1998 86jährig), siehe Kontraste 1974, S. 116, oben, vgl. ebenda, S. 11, unten); im Behördenteil des Adreßbuch 1976 heißt es zum Theodor-Heuss-Gymnasium: „Leitung: Oberstudiendirektor Dr. Jansen" (S. 8, Sp. 2).



Fritz-Steinhoff-Gesamtschule (Pappelstraße zwischen Boele und Helfe)


Die sogenannte Gesamtschule Boele wurde - nach Willy Timm - am 2. Juli 1976 als „Fritz-Steinhoff-Schule" eröffnet (Timm 1979, S. 30). Sie war ein Experimentierfeld für sozialdemokratisch-liberale Bildungspolitik. Dies bekamen herkömmliche "Oberschulen" bald zu spüren.

Erste Eindrücke schilderte ich in einer längeren Passage meiner Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner) anläßlich einer Konzert-Veranstaltung mit der The Jesse Ballard Band (LP ,Livin' Like Fire' 1977) am „Samstag, den 28.10.78", bei der Just We als Vorgruppe spielte: „Am Nachmittag fuhr ich zur Gesamtschule Boele, wo ich bei den Vorbereitungen für das Konzert der Jesse-Ballard-Band und der Gruppe Just We half. Der Schulkomplex beeindruckte mich von seiner Architektur und Inneneinrichtung her sehr. Einmal mehr wurde mir klar, daß das Fichte[-Gymnasium] ein ausgebrannter Ofen ist, während wir es bei der Gesamtschule in Boele eher mit einer modernen Zentralheizung zu tun haben, die besser temperiert und keine Schüler verheizt. Die ganze Atmosphäre schien mir gelöster; beinahe neidisch wurde ich, als ich über Workshops, Discos und dergleichen las, die auf meiner Penne unmöglich scheinen. Außer der Einmal-im-Jahr-Feté [sic (D.R.)] ist da nichts los. Schulen sind Kommunikationszentren und als solche wichtige Bestandteile im Leben der Schüler und Schülerinnen. Das wurde mir hier klar. Das Konzert, das gegen 19 Uhr losging, war enttäuschend. Die Gruppe Just We brachte es überhaupt nicht; es war auch zu wenig Publikum da. Ich wechselte mich mit anderen Bekannten aus dem Info-Zentrum am Verkaufsstand ab. Als die Jesse-Ballard-Band gegen 20 Uhr das Hauptprogramm füllen sollte, spielte sie nur [sic (D.R.)] zweieinhalb Stunden. Die Sängerin fehlte. Positiv wirkte sich die Tatsache, daß nur wenige hundert Zuhörer anwesend waren, insofern aus, daß man nach Belieben tanzen konnte. Stimmung kam aber erst gegen 22 Uhr auf. Als das Konzert gegen 22.30 Uhr zuende war, blieb ich noch eine Stunde und half beim Aufräumen. Gegen 24 Uhr war ich wieder zu Hause."

Am 8. Dezember 1980 fand in der Fritz-Steinhoff-Gesamtschule ,Die Rocknacht' statt - mit den Gruppen Extrabreit, Lamain, The Ramblers und The Stripes (Wahnbaeck 2018, S. 144, Abb. oben und unten: The Stripes; Faksimile des zugehörigen Flugblatts ebenda auf S. 156, oben). Diese Veranstaltung war für Hagen und die damalige Zeit sicherlich ein Spitzenereignis, doch wurde ich in Münster nicht darauf aufmerksam - wie überhaupt die Zeit gegen Hagen als Schauplatz populärer Musik-Events lief - trotz in Bau befindlicher (Teppichboden-)Stadthalle und trotz diverser Rockfestivals wie die zum Ende eines Schuljahrs.



Haus der Jugend (Am Gosekolk 2, früher ,Talstraße 2')


Herausragend für musikinteressierte junge und junggebliebene Leute für ganz Hagen war das Jugendzentrum im Hasper Stadtpark am Gosekolk unweit der Talstraße mit zwar kleinen Räumlichkeiten, aber fast durchgehend richtungsweisender Musik (um 1978):
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Haupteingang des Jugendzentrums im Hasper Stadtpark (Foto: unbekannt - undatiert)

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Kindergarten Am Gosekolk - das ehemalige Jugendzentrum Haus der Jugend in Haspe (Foto: Detlef Rothe - 8. Juni 2019)

Schon im Jahr 1971 war im Hasper Stadtpark "der Bär los"; die Hagener Kultband Grobschnitt spielte hier gleich dreimal (unter dem Namen Elias Grobschnitt: 1.5., 26.6. und 8.10.), und die Location wurde nur durch das Haus der Begegnung im Stadtzentrum "getoppt" (15.5., 3.7., 4.9. und 30.10.) (Kühn-Scholz 2018, S. 33, Tourplan 1971). Dazu der Gitarrist und Bandmanager "Lupo": „Am spektakulärsten waren die Grobschnitt-Auftritte im Hasper Jugendheim an der Talstraße. Da paßte keine Maus mehr zwischen die Leute [...]." (Kühn-Scholz 2018, S. 340, oben)

Am Freitag, den 8. Oktober 1971 (vorgesehener Zeitrahmen: 16 bis 23 Uhr), traten im ,German Progressive Pop-Meeting' (Eintritt: 3,00 DM) im Haus der Jugend neben der Kapelle Elias Grobschnitt die Formationen Weed, Cravinkel, Eternal Light, Franz K., Manxomes Theory, Götz und Percussion King Ginger auf (gemäß einem Zeitungsausschnitt, dargestellt in dem Video ,GROBSCHNITT - DER ANFANG ( Rückblick 1969-1972 )').

Anno 1978 gab es hier eine Art ,Disco-Keller' mit Lichtorgeln, Spiegelkugeln und ähnlichen Farbspielereien (in der Art von Lavalampen), in dem man gut abhängen konnte - nicht selten im süßlichen Duft von irgendwelchen Haschzigarettchen. Auch wurde hier hin und wieder Live-Musik dargesboten. "Nena" erinnert sich an insgesamt 28 Leute - zumeist Bekannte - bei ihrem ersten Auftritt (am 21.12.1978) mit der Formation The Stripes (Nena & Thesenfitz 2005, S. 16 - 20; vgl. Brendel 2014, S. 28/30).

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner):
30.10.1978: „Abends fuhr ich ins [sic (D.R.)] Jugendzentrum in Haspe, wo ich zunächst fernsah und dann in der Disco das tat, was man gemeinhin tanzen nennt. Um 22 Uhr kam ich zurück nach Hause [...]."
13.11.1978: „Abends sah ich fern und fuhr nach Haspe, von wo ich gegen 21 Uhr zurückkehrte." (Vgl. E/A 1978/79 zu diesem Tag: „Hasper Disco")
16.11.1978: „Am Abend war ich zunächst in Haspe [...]."
07.12.1978: „Am Abend machte ich meine Englisch-Hausaufgabe und fuhr nach Haspe. Im Haus der Jugend hielt ich mich in der Teestube mit dem Lesen von Gedichten und Kurzgeschichten aus einem Deutschen Lesebuch auf, da der Disko-Keller [sic (D.R.)] voll und stickig war. Gegen 22 Uhr ging ich zu Bett."
11.12.1978: „Gegen 20.00 Uhr fuhr ich nach Haspe, wo ich erst im Disco-Keller Musik hörte und später selbst zu Rockmusik tanzte. Gegen 22 Uhr war ich wieder zu Hause."
21.12.1978: „Am Abend ging ich nach Haspe, wo die Rockgruppe ,Condor' spielte. Gegen 22 Uhr war ich im Bett." - Dumm gelaufen! Bedauerlicherweise verpaßte ich da den ersten Auftritt von The Stripes. Die Band Condor war bekannt und stand zudem als Wehringhausener Gruppe im Vordergrund meines Interesses. Was nach ihrem Gig spielte, hielt mich nicht auf. Rolf Brendel schilderte die Veranstaltung in seinem Nena-Band-Buch anno 2014 folgendermaßen: „[...] wir [hatten] ein halbes Dutzend Songs zusammen und wagten den Sprung auf die Bühne: Wir meldeten uns für das Rockfestival im Jugendzentrum Hagen-Haspe an [...]. Wir waren als dritte Band angesetzt und sollten eine halbe Stunde lang spielen. Die beiden vor uns spielenden Bands waren ziemlich dilettantisch und hatten offenbar zu viel Pink Floyd gehört." (Brendel 2014, S. 28, mittig) - die weitere Schilderung des Abends erspare ich mir ebenso wie die bei Nena & Thesenfitz 2005 (S. 16 - 20, hier mit Datum „1978").



Jugendheim am Buschey (Konkordiastraße 23-25)


Im Jugendheim am Buschey (heutzutage Kultopia; Fertigstellung im Jahr 1962 - nach anderer Angabe 1963) spielten Bands mit eigenen und gecoverten Songs; der Saal war relativ geräumig, aber dennoch mitunter brechend voll; Stadtzentrum halt:
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Das heutige Kultopia: rechts der Mehrzwecksaal (Fotos: Detlef Rothe - 9. und 16.02.2019)

Im Jugendheim am Buschey fanden in der zweiten Hälfte des 1960er Jahrzehnts regelmäßig Tanzabende mit Live-Musik statt (vgl. Kühn-Scholz 2018, S. 30, unten). im Jahr 1967 wurde auch ein Beat-Festival geboten, bei dem die Gruppe The Crew - eine Vorläuferband von Grobschnitt - so gefiel, daß sie von dem Heimleiter umgehend zu einem Gig verpflichtet wurde (Kühn-Scholz 2018, S. 30, unten). Der Gitarrist "Lupo" zur Beliebtheit der Grobschnitt-Vorläuferband The Crew (Kühn-Scholz 2018, S. 31, mittig): „[...] es sollte nicht lange dauern, bis wir zur Freude der immer größer werdenden Crew-Anhängerschar fast jeden zweiten Monat in unserem neuen Wohnzimmer, dem Jugendheim am Buschey, spielten. Wir hatten uns dort eine regelrechte Fanbase aufgebaut [...]."

Zu Beginn der Karnevalssaison vier Jahre später, also am 11. November 1971 (vgl. die Konzertliste der Gruppe), trat hier die Rockband The Sweet auf (da besuchte ich die "sweete" Quarta b im benachbarten Gymnasium, also noch die Unterstufe). Zwar könnte es sich bei dem erwähnten „Jungen Zebtrum Hagen Germany" theoretisch auch um eine andere Lokalität in Hagen gehandelt haben, doch wird die "Location" am Buschey von anderer Seite bestätigt (ohne daß ich den Beleg dazu parat habe). Die britische Glam-Rock-Band war in meinen schulischen Umfeld noch Jahre später sehr beliebt; ihr Gig nebenan hat anscheinend nachhaltig gewirkt.



Jugendinformationszentrum im Volkspark (Hohenzollernstraße 8)


Nicht sehr geräumig, aber gleichwohl gerne als Veranstaltungsort genutzt (noch zentraler gelegen als das Jugendheim am Buschey!) war das sogenannte "Info" - das (Jugend-)Informationszentrum im Volkspark schräg gegenüber der sogenannten "Öse" (der Milchbar Oase); es wurde am 1. April 1976 eröffnet (Tagebuchaufzeichnungen - hier: Einzelblatt-Ordner - zum 29.3.1978; UT 1980). Auch hier spielten hin und wieder Bands. Siggi Papke blickt diesbezüglich auf die Musikabende des von ihm bereits 1975 gegründeten Hagener Folk-Clubs zurück: „Die ersten größeren Events fanden im Haus der Begegnung [...] statt - einem kirchlichen Raum. [...] Weil es im Haus der Begegnung Probleme mit der Lautstärke gab, zogen wir ins Info-Zentrum in den Volkspark um, doch das wurde bald zu klein." (Papke 2018, S. 111, oben)

Seit dem Frühling 1978 war das "Info" neben dem Lesesaal der Stadtbücherei im ,Stadthaus 1' - heute Sparkassenkarree - mein "place to be" für nachmittags, das heißt: zum Entspannen nach der Schule (bis April 1979) oder zur Erholung nach dem "please-mister-postman"-Run (April bis Juli 1979). (Zu Hause hatte ich mit meinen Brüdern zusammen nur ein elf Quadratmeter großes Kinderzimmer zur Verfügung.)

Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner):
28/29. März 1978: „Am Dienstag, den 28.3.78, stand ich [nach einem Nachtdienst mit anschließender Schlafphase] gegen 17 Uhr auf, ging abends gegen 19 Uhr zum ersten Mal ins Informationszentrum am Volkspark, war gegen 23 Uhr zurück [...]. / Am Mittwoch, den 29.3., blätterte ich bis etwa 1.20 Uhr im Info-Programm ,ZIZ'. / Im Info war ein Diskussionsabend mit Erdbeerbowle. Das Info feierte jene [= in jener] Woche ihr [sic (D.R.)] zweijähriges Bestehen. Rudolf [= "Synthi-Rudi"] hatte mich auf den Gedanken gebracht, ins Info zu gehen. Ich fühlte mich dort einigermaßen wohl und beschloß, des Abends öfter dort zu erscheinen." - Anmerkung: Der gestelzte Stil läßt darauf schließen, daß ich mir noch nicht sicher war, ob diese "Location" für mich eine geeignete "Homebase" sein würde. "Synthi-Rudi" hatte ich erst kürzlich bei einem Paketdienst-Ferienjob in der Hauptpost kennengelernt.
31. März 1978: „Am Freitag, den 31.3.78, ging ich nach 16 Uhr noch einmal in die Stadt, kaufte mir Rolf Hachmanns neu erschienenes Buch ,Die Germanen' und ein Buch über Psychoanalyse und blieb anschließend bis 18 Uhr im Info."
25. April 1978: „Abends war ich im Infozentrum, wo ich bis 21.45 Uhr Lee Bach zuhörte."
23. Mai 1978: „Am Abend ging ich ins Info, wo ich mir eine Ausstellung mit dem Thema ,Umweltfreundliche Energiequellen' ansah und an einer Diskussion teilnahm. Um 22.30 Uhr ging ich zu Bett."
8. Juni 1978: „Am Nachmittag hörte ich gelangweilt Musik und ging erst gegen 16 Uhr in die Stadt; im Info-Zentrum traf ich Rudolf [..], mit dem ich mich über meinen und seinen Job bei der Post unterhielt."
16. Juni 1978: „Am Nachmittag ließ ich mich - hundeelend wie mir war [weil ein Großteil meiner früheren Klassenkameraden gerade erfolgreich ihr Abitur absolviert hatten und ich sie darum beneidete] - mit Musik berieseln [...]. Als ich es nicht länger aushielt, ging [ich] in Richtung Stadt. Da traf ich Axel, mit dem ich ins Infozentrum fuhr [sic (D.R.)]. Ich unterhielt mich dort bis gegen 18.30 Uhr [...]."
23. Juni 1978: „Am Nachmittag schrieb ich Tagebuch und arbeitete an meiner Schul[noten]statistik und erkannte dabei, [...] daß ich mich über den bisher besten Durchschntt während meiner Laufbahn auf dem Fichte-Gymnasium freuen konnte. Gegen 15 Uhr fuhr ich zum Info-Zentrum. Ich blieb aber nicht lange dort [...]."

Aus meinem Tagebuch 1979:
26. Juni 1979: „Am Nachmittag [..] hielt [ich] mich unter anderem im Info auf. Am Abend spielte dort Michael Thilo [Discographie], dem man echt zuhören konnte. Gegen 23 Uhr kam ich ins Bett."
3. Juli 1979: „Gegen 20 Uhr begann die zweite Vorstellung von Lee Bach im Info, an der ich teilnahm. Nach einigen belebenden Liedern zeigte sie einen selbstgedrehten Film über ein indisches Entwicklungsprogramm, d. i. eine indische Schule für klassenlose [= kastenlose] Kinder. Gegen 23 Uhr ging ich zu Bett."
10. Juli 1979: „Bis 19.40 Uhr etwa hielt ich mich in der ,Weste' auf [...]. Danach ging ich [...] zum Info, wo John Vaughan Gitarre spielte und einige Songs zum Besten gab. Ich unterhielt mich dabei ganz prima [...]."

Heute befindet sich in dem Pavillon die ,Beratungsstelle Hagen' der Verbraucherzentrale NRW e.V.:
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Das "Info" heutzutage (Foto: Detlef Rothe - 31.01.2019)

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Auftritt der Hans Keller Gruppe im "Info" (Foto: Detlef Rothe - 03.02.1979)


Trödelmarkt am "Info" vom 11. bis 13. Mai 1979 (TK 1979)



KIRCHLICHE EINRICHTUNGEN



Nicht unerwähnt bleiben dürfen die kirchlichen Einrichtungen, denn hier bot man den Jugendlichen schon im 1960er Jahrzehnt sogenannte ,Tanzabende', bei denen wenigstens zum Teil nicht nur Platten aufgelegt, sondern auch Live-Bands engagiert wurden. Für solche Formationen fand sich Gelegenheit, ihr Können bei überschaubarem Publikum zu testen. Ich gehe hier nur auf die bedeutendste ,Location' ein, weil sie auch vom Hagener Folk-Club genutzt wurde. Was die ,Tanzabende' angeht, so wurde im 1970er Jahrzehnt dort weniger getanzt (das verlagerte sich in ,Musikkneipen' oder verwandelte sich in ,Fêten' zu bestimmten Anlässen), aber es wurde um so mehr gebannt gelauscht.



Haus der Begegnung (Hochstraße 83 b)


Am bekanntesten war wohl das Haus der Begegnung gegenüber der Gastwirtschaft Enge Weste in der Goldbergstraße (nahe ihrer Einmündung in die Hochstraße). Es wurde ,HdB' abgekürzt (ausgesprochen: Hadebé); das Gebäude wurde anscheinend um 1965 errichtet:
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Ausschnitt einer Luftbild-Ansichtskarte von der Marienkirche mit Umgebung von 1969:
Kirchturm, sowie Haus der Begegnung mit Saal an der "oben linken" Seite und
- an der Goldbergstraße gegenüber - die Enge Weste (Photograph unbekannt)

Am 13. und 27. März 1971 spielte die Band Charing Cross im noch recht neuen Haus der Begegnung (Kühn-Scholz 2018, S. 32, Tourplan).

Im selben Jahr 1971 spielte dann die Hagener Kultband Grobschnitt (welche unter anderem aus Charing Cross hervorgegangen war) mehrfach im Haus der Begegnung, und zwar am 15.5., 3.7., 4.9. und 30.10. (Kühn-Scholz 2018, S. 33, Tourplan 1971). Dazu meinte der Gitarrist und Bandmanager "Lupo": „Zwischen Mai und September 1971 spielten wir insgesamt viermal im Haus der Begegnung[,] und die Hütte war immer rappelvoll, sodass wir etliche Fans nach Hause schicken mussten." (Kühn-Scholz 2018, S. 34, oben) - Siggi Papke blickt auf den von ihm im Jahr 1975 gegründeten (und bis 1986 bestehenden) Hagener Folk-Club zurück (Papke 2018, S. 111, oben): „Es war in Hagen lange Zeit ein Problem, für Veranstaltungen geeignete Räume zu finden. Die ersten größeren Events fanden im Haus der Begegnung [...] statt - einem kirchlichen Raum. [...] Wir konnten bis zu 250 Besucher und Besucherinnen begrüßen. [...] Weil es im Haus der Begegnung Probleme mit der Lautstärke gab, zogen wir ins Info-Zentrum in den Volkspark um [...]."

Gemäß meiner Unterlagen war ich - erstmals? - am 11. Mai 1978 im „HdB" (E/A 1978/79), doch habe ich mir dazu weiter keine Notizen gemacht, so daß es sich um eine Filmvorführung oder ähnliches gehandelt haben könnte: „Abends war ich bis 23 Uhr im Haus der Begegnung."

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Eine mir mittlerweile unbekannte Folk-Gruppe im Haus der Begegnung (Foto: Detlef Rothe - ca. Anfang Mai 1979)

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Folk-Club-Liederabend mit der norddeutschen Folkgruppe Liederjan im Haus der Begegnung (Foto: Detlef Rothe - 07.06.1979)

Anno 1979 erschien von den ehemaligen Hamburger Studenten - welche zunächst als Tramps and Hawkers irische Musik brachten - ,Volksmusik aus der heilen Welt' (Wikipedia-Artikel).

Aus meinem „Tagebuch 1979":
Donnerstag, 13. September 1979: „Um 18 Uhr war ich am Karl-Ernst-Osthaus-Museum. [...] Dort erhielt ich meinen Anteil an der ersten Ausgabe der ,Hagener Neuen Literaturhefte', die gerade erschienen war. [...] Danach ging ich ins HdB (Haus der Begegnung), wo Thommie Bayer [= die Thommie Bayer Band von Thomas Bayer-Heer (Wikipedia-Artikel), abgerufen am 5.5.2019] spielte und wo ich die ersten Exemplare der Literaturzeitung loswerden konnte. Ich traf Guido [...] und einige andere Ehemalige. Die Musik war gut und hielt lange an. Gegen 23 Uhr ging ich befriedigt nach Hause."



PROBERÄUME

In den Kellern proben Tausende...
In Hagen geht am Wochenende keiner raus - man geht ins Studio

(Extrabreit, Komm nach Hagen)



Ein schwieriges Kapitel betrifft das Thema ,Proberäume', in welchen die Hagener Bands für ihre Auftritte üben konnten. Deren Bedeutung kann eigentlich nicht unterschätzt werden. Der Schlagzeuger Rolf Brendel: „Hier wird nicht nur Krach gemacht, [sondern] hier bereitet man sich auch gewissenhaft auf das Rockstarleben vor, beseelt von Sex, Drugs and Rock 'n' Roll." (Brendel 2014, S. 24, mittig)

Die Situation wurde um die Jahreswende 1980/1981 dramatisch, wie sich "Kai Havaii" später erinnerte (Havaii 2017, S. 119, mittig): „Spätestens nach Jörgs [= Jörg A. Hoppes] ,Neue Welle Festival' quollen die Proberäume unserer Heimatstadt über von Neu-Musikern, die ihren Bands Namen wie X-Quadrat, Sperrmüll oder Jägerschnitzel gaben."

In Hagen mußten um 1980 teilweise lange Anfahrtswege in Kauf genommen werden, und zwar nach Hohenlimburg (der ehemaligen Residenzstadt der Grafschaft Limburg), nach Selkinghausen (Lage: hinter Priorei) oder gar bis Sprockhövel (Ennepe-Ruhr-Kreis).
In einem Gebäude der Färberstraße in Hohenlimburg probten unter anderem die Bands Freak Brothers aus Hohenlimburg und Condor aus Wehringhausen (Krause 2018, S. 118, mittig).

In der Sedanstraße - im "Hinterland" des Hauptbahnhofs - gab es immerhin mehrere Proberäume, und zwar an verschiedenen Stellen, aber auch hier keineswegs ausreichend.

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Werksgebäude in der Sedanstraße mit früherer Werkstatt meines jüngeren Bruders,
wo einst lauter laute Leute läuteten - oder so ähnlich :-) (Foto: Detlef Rothe - 27.08.2014)

Übungsräume gab es auch am Remberg, also noch näher beim Hagener Stadtzentrum, nämlich als Studio über der Diskothek am Elbersufer (Haus-Nr. 4 a) und - allerdings nur bis zu ihrem Abriß bald nach 1974 - in der Brauerei Bettermann (vgl. dazu meinen Spaziergänge-Artikel):
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Das Bettermanngelände an der Einmündung der Rathausstraße in den Märkischen Ring (Foto: Detlef Rothe - 16.02.2019)



Immerhin gab es größere, ruhig gelegene Räume in weiteren stillgelegten Fabriken oder sonstigen Werksbauten, welche für kleines Geld genutzt werden konnten (zum Beispiel in Hohenlimburg).



Extrabreit


Stefan Klein zur Gründungszeit der Band Extrabreit 1978: „Unser erster und eigener Übungsraum war in der Fabrik Gökke in der Färberstraße [in Hohenlimburg (D.R.)]. [...] Wenn man sich dem Gelände der Fabrik Gökke auf mehr als 50 Schritt näherte, war es wie eine Schallglocke, die sich über alles legte und die immer lauter wurde, je näher man kam. Die Bands probten in ausgeräumten Büros, die alle beidseitig zu einem etwa 20 m langen Flur lagen. 3 Proberäume auf der linken Seite, 2 rechts und einer vor Kopf. Der vor Kopf hatte aber soviel Platz wie alle anderen zusammen und wurde teilweise von 2-3 Gruppen im Wechsel benutzt. Später teilten wir ihn uns auch mal eine Zeit mit den „Stripes“, Nenas erster Band. [...] Diese Anordnung der Räume war aber nur der erste Stock, dazu kamen noch ein bis drei Proberäume in dem anderen Flügel dieses Gebäudes und soweit ich mich richtig erinnere, hielt das gegenüberliegende Haupthaus auch noch einige Bands beherbergt." (Die Kartei der Ehemaligen! Teil 2 - abgerufen am 24.3.2019).
Spätestens im März 1981 ging Extrabreit nach Hagen-Eckesey in das Gelände um Bahnbetriebswerk und Güterbahnhof: „Im sogenannten Eisenbahnerhäuschen, einer flachen[,] kleinen Baracke am Ende der Sedanstraße, gleich hinter dem Güterbahnhof, hat man einen neuen Proberaum bezogen." (Schlasse 2018, S. 227, unten) - vgl. die Abb. aus eben diesem bei Schlasse 2018, S. 220, links oben). Dort blieben "die Breiten" bis mindestens Februar 1982 (siehe dazu außerdem "Kurt Grosskurt"/"Kai Havaii" Kay Oliver Schlasse: Die EXTRABREIT-Story, Teil 42). Sehr lesenswert sind meines belanglosen Dafürhaltens dazu die Ausführungen Stefan "Kleinkrieg" Kleins in seinen "Kurzgeschichten und Räuberpistolen" (Kleinkrieg 2018, S. 31 - 33)!



Grobschnitt


Der anfängliche Proberaum von Grobschnitt war in der Reichbahnstraße 7 in Hagen-Vorhalle. Das Theodor-Heuss-Gymnasium am Ischeland stellte der Band vom September 1971 an bis in das Jahr 1979 seine Aula zum Proben zur Verfügung (Kühn-Scholz 2018, S. 34). Das blieb aber eine Ausnahme. Die Band gelangte dann 1979 über ihren Bassisten Wolfgang "Hunter" Jäger, welcher auf den betreffenden Hof zog, in den Genuß eines Proberaums bzw. Studios in einer umgebauten Scheune des heutigen Reiterhofes Obere Gethe in Sprockhövel (Straße ,Auf der Gethe 4' - nahe dem Autobahnanschluß) im Ennepe-Ruhr-Kreis (Kühn-Scholz 2018, S. 60, unten).



Styx


Vereinzelt stellten weitere Schulen vorübergehend Räumlichkeiten zum Üben zur Verfügung: laut Heike Wahnbaeck ab 1973 die Käthe-Kollwitz-Schule am Kratzkopf für Styx. Diese war am 25.07.1966 als ,Mädchenberufsschule' eingeweiht worden (Stadt 1967, 1. Taf. nach S. 68), und es gab zumindest anfangs erhebliche bautechnische Probleme, siehe die „Chronik der Stadt Hagen" im Adreßbuch 1968:
1967 - Februar - 28.: „Ein Orkan zieht über Hagen! Die gesamte Feuerwehr befindet sich im Sturm- und Regeneinsatz. Großen Schaden richtet der Sturm bei der im Juni vorigen Jahres ihrer Bestimmung übergebenen Käthe-Kollwitz-Schule an. Das Dach des Haupttraktes wird vom Orkan total abgedeckt."

Im 1970er Jahrzehnt scheint bei dem Bau alles okay gewesen zu sein. Heutzutage handelt es sich um ein Berufskolleg.



The Stripes


Der Drummer Rolf Brendel von The Stripes erinnert sich: „Unsere ersten Demosongs nahmen wir in der Rockranch [in Hagen-Vorhalle] auf, in der es auch ein kleines Tonstudio gab. Dabei erhielten wir Unterstützung von Frank Becking, dem Gitarristen der Hagener Kultband The Ramblers. Mit den Demos in der Tasche marschierten wir zu Uli [= Ulrich Wiehagen]." (Brendel 2014, S. 30, unten) - Der Produzent Frank Becking meinte dazu (bei Wahnbaeck 2018, S. 124, unten): „Wir hatten keine gute Technik[,] und das Studio war klein. Das Rockranch Studio wurde später zum Proberaum von Extrabreit."
Gemäß Ulrich Wiehagen war sein damaliger Wohnsitz (siehe Wahnbaeck 2018; vgl. Brendel 2014, S. 45, oben) Selkinghausen hinter Priorei (nahe an der Bundesautobahn "Sauerlandlinie"); im Oktober 1978 lautete seine Kontaktadresse noch „Kampstraße 10", siehe Wahnbaeck 2018, S. 134, Plakat links oben). Im Sommer 1980 teilten sich nach Oliver Schlasse The Stripes mit Extrabreiteinen größeren Proberaum im nahegelegenen Lüdenscheid" (Schlasse 2018, S. 213, unten).



THE HALL OF FAME

You're halfway up and you're halfway down
And the pack on your back is turning you around.
Throw it away, you won't need it up there, and remember
You don't look back whatever you do.

(Genesis, Dance on a Volcano)



Unerkannt durch Märchenland? Für die meisten Bands im Hagener Raum wird dies im 1970er Jahrzehnt gegolten haben, zumindest so lange wie kein Fachmagazin über sie berichtete oder sie nicht durch Auftritte im öffentlichen Raum auf sich aufmerksam machen konnten. Ganz oben auf dem Podest ist auch nicht viel Platz, und ohnehin toben da bekanntlich die Geister. Ich mache es mir einfach: ich picke bloß einige Rosinen aus dem Notenteig und überlasse den Rest dem Staub (star dust?), der sich über alles legt.



Extrabreit


Extrabreit ist verhältnismäßig spät, nämlich im letzten Viertel des Jahres 1978, entstanden, und zwar als eine Gründung von Stefan "Kleinkrieg" Klein aus Hagen-Emst zusammen mit dem Schlagzeuger Gerhard Sperling (siehe Die Kartei der Ehemaligen! Teil 1 - Rückblick von Stefan Klein - gemäß Kommentar von "Thomas B." vom 10.04.2006 wohnte G. Sperling seinerzeit in der Mauerstraße in Wehringhausen - Stand: 24.3.2019; das Adreßbuch 1976 wußte das noch nicht :-) ). Stefan Klein spielte vor der Gründung von Extrabreit die Gitarre in der - von ihm zusammen mit einem "Bockig" genannten Freund gegründeten - Formation Fantastic Motorcraft Power Music (vgl. Havaii 2017, S. 70, mittig) und trat dabei unter anderem im Jahr 1974 in der Volkspark-Konzertmuschel auf (siehe das Foto bei Wahnbaeck 2018, S. 206, oben rechts), welche Bands eine zentrale Möglichkeit bot, in "Hagentown" bekannt zu werden. Nun, zwei Musiker machen noch keine Band. Stefan "Kleinkrieg" erinnert sich: „Aber es nahte Hilfe und Unterstützung in unserem Kampf gegen die Stille und Ohnmacht im Alltag. Es war Ralf Denz alias „Rava“. Er spielte Bass in der berühmt, berüchtigten Rock & Roll Formation „The Ramblers“ [...]." (Die Kartei der Ehemaligen! Teil 1 - abgerufen am 24.3.2019) - Hinzu kam als Sänger und Texter der Liedermacher Horst Werner Wiegand (Die Kartei der Ehemaligen! Teil 2 - abgerufen am 24.3.2019; vgl. Biographie der Band bei ichwillspass.de - Stand: 20.3.2019; zu H. W. Wiegand siehe S. Klein, Die Kartei der Ehemaligen! Teil 3 - abgerufen am 24.3.2019). Damals hatte "Kleinkrieg" bereits selbst zu texten begonnen: „Ich hatte schon angefangen Lieder zu schreiben[,] und mein erstes Werk war „Lottokönig“. [...] Horsti sang wie ein Weltmeister[,] und wir spielten wie die einzige Rockband des gesamten Universums. [...] Ich gab ihm die Gitarre[,] und er spielte uns die „Alptraumstadt“ vor [...]." (Die Kartei der Ehemaligen! Teil 2 - Stand: 24.3.2019; fertig getextet hatte S. Klein anscheinend auch schon ,Bus Baby' - siehe den roten Text bei 06 - Alle Vier und die Leuchterschlange ! - Stand: 24.3.2019)

Die neue Band wurde erst richtig bekannt, nachdem der Graphiker Kay Oliver Schlasse im Herbst 1979 seinen ersten Auftritt als ihr Sänger hatte (auf einem Stadtteilfest in Hagen-Wehringhausen - siehe dazu Fotogalerie vom "Ex-Hometowner" Peter zu Soest zum Gig der Band - Stand: 24.3.2019); dieser erhielt damals den Künstlernamen "Kai Havaii" (,die Sirene aus Übersee'). Damals spielte Piet Wortmann (†01.11.2007) die zweite Gitarre. Im Jahr 1980 wurde die erste Langspielplatte (,Ihre größten Erfolge') veröffentlcht, welcher weitere Großerfolge folgten. Songs wie ,Polizisten', ,Hurra, Hurra, die Schule brennt' oder ,Der Präsident ist tot' erreichten "Kultstatus". Im Jahr 1982 erhielten "die Breiten" zwei Goldene Schallplatten überreicht - am Erfolg zweifelte da - wie angesichts der provokanten Texte die Kritiker - wohl niemand mehr! Die Kontakt-Adresse der Band war 1982 ,Augustastraße 37' in Hagen-Wehringhausen (siehe Hülle der dritten LP); zuvor befanden sich entsprechende Räumlichkeiten hinter der Gaststätte Sumpfblüte in der Bismarckstraße 18, also gleichfalls in Wehringhausen, wo die "Kraftquelle" der nimmerleisen Musiker zu "verorten" ist. Alles Weitere findet sich - und darauf sei hier aus Platzmangel ausdrücklich verwiesen - in den autobiographischen Darstellungen von "Kai Havaii" und Stefan "Kleinkrieg"!

Am 19. September 1998 gab Extrabreit in der ausverkauften Hagener Berlet-Halle ein Abschiedskonzert, an welcher die Pop-Sängerin Gabriele "Nena" Kerner teilnahm (Stadt 1998, S. 58, Abb. mit Legende links oben).

Liebe Breitlinge! Extrabreit ist nach weiteren zwei Jahrzehnten lebendig wie Untersterbliche:


Eigene Playlist zu Live-Auftritten von Extrabreit:




Grobschnitt


Grobschnitt ging aus The Crew und Charing Cross hervor und entwickelte sich kometenhaft zu einer sehr bekannten Gruppe. Der Musiker und Produzent Franz Becking meinte: „Die Vorgänger-Band mit dem Namen Charing Cross empfand ich damals [= vor der Gründung von Grobschnitt (D.R.)] als die wichtigste Band mit dem besten Sound überhaupt. Der Gitarrist Gerd Kühn-Scholz war für mich ein Gott. Als ich 1972 anfing[,] Musik zu machen, besuchte ich alle sein Konzerte in den Jugendzentren. Charing Cross machte Blues Rock [...]." (Zitat bei Wahnbaeck 2018, S. 125, oben)

Neben Charing Cross ist allerdings die andere Vorläuferband The Crew/Crew Blues Session nicht weniger wichtig. Dazu "Eroc" Joachim Heinz Ehrig: „Im Herbst 1965 begann ich, Schlagzeug zu spielen. Mit ein paar Schulkameraden übten wir im Keller eines Kirchturms [von St. Meinolf, Hagen-Boelerheide]. [...] Wir nannten uns THE CREW und spielten Stücke von Eric Burdon, Cream, Pretty Things, Yardbirds und Kinks. [...] Mein Vorbild war Ginger Baker. Unser Gitarrist hieß LUPO [= Gerd Otto Kühn-Scholz] [...]. ,KASI' KLASSEN sang, spielte Mundharmonika und Gitarre und hatte immer gute Einfälle. Etwas später holten wir uns den Dicken aus Boelerheide, weil der unheimlich gut singen konnte. Heute wird er WILDSCHWEIN [= Stefan "Willi Wildschwein" Danielak] genannt; damals war er eins. / Vier Jahre lang schlugen wir uns mit Auftritten und ,Tanzabenden' in Lokalen und Jugendheimen durch. [...] 1968 tauften wir uns in CREW BLUES SESSION um [...]. Wir brachten sämtliche Beatfestivals in der Umgebung durcheinander und waren bald als die wildesten, verrücktesten und frechsten Radaubrüder verschrieen. Man ließ uns in den Jugendheimeen nicht mehr auftreten." - „HE'S AROUND HERE war unsere erste Plattenaufnahme. Im Januar 1969 machte die CREW BLUES SESSION auf dem Recklinghauser Beatfestival in der Festlandhalle von 90 Gruppen den 5. Platz und [die Aufnahme] sollte mit auf eine Sieger-LP kommen [...]. Warum die LP nie erschien, weiß ich nicht." ("ERKE EROC", Album ,Eroc3', Plattenhülle mit Datum „3/79")

Zu "Eroc" heißt es im Adreßbuch 1976 (Namenteil, S. 70, Sp. 2): „Ehrig Joachim Chemielaborant Heinitz-[straße ]22" - zu "Willi Wildschwein" ebenda (Namenteil, S. 55, Sp. 3): „Danielack [sic] Stefan kfmAng [= kaufmännischer Angestellter] Freiligrath-[straße ]15". "Lupo" war einer der ehemaligen Klassenkamerad von "Eroc" (Kühn-Scholz 2018, S. 29), welcher 1976 schon ("Eroc" erst später) in der Pelmkestraße 78 (a) in Wehringhausen wohnte (Adreßbuch 1976, Namenteil, S. 192, Sp. 3): „Kühn Gerd kfmAng Pelmke-78a").

Im Herbst 1969 löste sich die Crew Blues Session auf. Dazu nochmals "Eroc": „Wir waren zu wild geworden, kein Übungsabend ging mehr ohne Prügelei ab." ("ERKE EROC", Album ,Eroc3', Plattenhülle mit Datum „3/79")

Zur Gründung von Grobschnitt äußerte sich "Eroc" J. H. Ehrig im März 1979: „LUPO hatte [..] mit FELIX [= Axel Harlos] und BAER [= Bernhard Uhlemann] unter ,Charing Cross' Hardrock gemacht, während WILDSCHWEIN sich von den [...] CREW-Jahren erholte. Ein gewisser ,kleiner Mann' [...] brachte eines Tages das Foto von der alten Soldatenkapelle ,Grobschnitt' mit. Unter diesem Namen gründeten im Jahr 1971 LUPO, FELIX, BAER, WILDSCHWEIN und ich eine neue Gruppe. Der ,kleine Mann' ist heute als TONI MOFF MOLLO bekannt [= Rainer Loskand]. In den letzten 8 Jahren hat auch GROBSCHNTT wieder etliche Festvals durcheinandergebracht und ist ziemlich berüchtigt geworden. 1972 gingen FELIX und BAER, und der Organist MIST [= Volker Kahrs (*08.05.1951 - †20.07.2008)] kam zu uns, 1975 stieg der Bassist POPO [= Wolfgang Jäger (*28.03.1953 - †03.05.2007)] bei uns ein. In einigen Städten haben wir Auftrittsverbot, Prügeleien gibt's auch noch hin und wieder." - „BAER ist Lehrer geworden und macht keine Musik mehr, FELIX [...] verdient seine Brötchen als Polizist [...]. [...] KASI [...] arbeitet als Grafiker." (Joachim Heinz Ehrig, Album ,Eroc3', Plattenhülle mit Datum „3/79")

Zu "Mist" heißt es im Adreßbuch 1976 (Namenteil, S. 157, Sp. 2): „Kahrs Volker Monschauer-[Straße ]18"; eine Berufsangabe fehlt hier. Zu Wolfgang Jäger finden sich zwei Einträge (Namenteil, S. 150, Sp. 1): „Gluck-16" (Lützowviertel) und „Elektr[iker] Knüwen-51" (Boele).

Im Jahr 1972 erschien die erste Langspielplatte (,Grobschnitt'), 1974 bereits die zweite, und zwar als Doppelalbum ,Ballermann'. Die Gruppe gehörte bald darauf zu den Gefragtesten in Deutschland. Eine vom 8.9. bis zum 29.11.1978 laufende Tournee stand unter der Leitung des Gitarristen Gerd Otto "Lupo" Kühn-Scholz, wohnhaft Pelmkestraße 78 (a), und führte durch ganz Westdeutschland (Kühn-Scholz 2018, S. 49). Am 8. Dezember 1978 trat die Band dann im Rahmen der WDR-Rockpalast-Konzerte in der Dortmunder Westfalenhalle auf, wurde zur beliebtesten Rockpalast-Live-Gruppe des Jahres 1978 gekürt und fand so auch international größere Beachtung (Kühn-Scholz 2018, S. 56 f.).


"Eroc" Joachim H. Ehrig im März 1979: „Manchmal ist sogar der Teufel los, wenn wir auftreten." (Joachim Heinz Ehrig, Album ,Eroc3', Plattenhülle mit Datum „3/79") - Zur Wirkung der Band in der lokalen Szene meinte der Musikmanager Hartwig Masuch - welcher einst Leadsänger bei The Ramblers war und zeitweise auch in anderen Formationen spielte - im Westfalenpost-Interview: „Grobschnitt hatte natürlich auch eine Vorbildfunktion. Da saß man damals in einer Hagener Kneipe mit 20 nicht-erfolgreichen Musikern, die sich den Deckel hin- und hergeschoben haben. Und einer steht völlig entspannt da, weil er gerade ein Konzert in der ausverkauften Gruga-Halle gegeben hat. Das war Lupo von Grobschnitt. Auch wenn man sagt, das ist nicht die Musik, die ich machen will, hat das natürlich einen Effekt. Da denkt man: Der hat es ja auch geschafft, das sollte man nicht unterschätzen. [...] Die Grobschnitt-Jungs waren damals immer extremst freigiebig mit Tipps."

Die im März 1981 erschienene Langspielplatte ,Illegal' von Grobschnitt wich zwar inhaltlich von den bisher veröffentlichten Alben ab, fand aber wieder begeisterte Hörer, denn auf ihr wurden politische und soziale Themen kritisch beleuchtet (was damals eher für Extrabreit typisch war); die Aufnahmen fanden in einer bandeigenen "Studioscheune" in Sprockhövel statt, der finale Mix in der Pelmkestraße 78 (Heimstudio von "Eroc" Joachim Heinz Ehrig) in Hagen-Wehringhausen. Dazu der frühere Tourmanager und Gitarrist der Band "Lupo" in einem powermetal.de-Interview vom 11.10.2015: „"Illegal" war stilistisch Lichtjahre von "Rockpommel" entfernt, weil eben auch vier Jahre dazwischen lagen. Die 70er Jahre waren passé, die Songs gestalteten sich komprimierter und nicht mehr so ausufernd lang. Die Musikmagazine verkündeten: "Neue Klänge braucht das Land." Bands wie YES oder GENESIS, mit denen wir ja auch schon mal in einen Topf geworfen wurden, hatten sich längst aus der Ära der Siebziger verabschiedet und formierten sich ständig um. Bei YES konnte man auf der Suche nach neuen Erfolgen locker einen großen Reisebus mit ehemaligen Bandmitgliedern füllen. Im Vergleich dazu waren wir immer noch eine verschworene Gemeinschaft, und "Illegal" traf 1981 voll den Nerv der Leute." (abgerufen am 8.4.2019)

Ein stärkeren Einschnitt stellte die im April 1982 erschienene, allerdings bereits im Sommer 1981 aufgenommene LP ,Razzia' dar, denn hier wurde konsequent deutschsprachig getextet. Ungewohnter als die sprachliche Neuerung (die sich bereits in der entsprechenden Zweitfassung von ,Jumbo' 1976 einfand) ist allerdings das Fehlen des langjährig aktiven Keyboarders Volker "Mist" Kahrs (*08.05.1951 - †20.07.2008). Da kein Nachfolger vorhanden war, spielen die Keyboards (dieser Part wurde eventuell von Schlagzeuger "Eroc" Joachim Heinz Ehrig übernommen) eine untergeordnete Rolle. ,Razzia' wurde von den Fans als wesentlich härter und gitarrenorientierter empfunden als die vorherigen Grobschnitt-Alben, und man wies auf Einflüsse von Punk und sogar von der Neuen Deutschen Welle hin (babyblaue-seiten.de - abgerufen am 8.4.2019) - hier wird besonders auf das Lied ,Schweine im Weltall' verwiesen - allerdings unter Bezugnahme auf Extrabreit (ebenda), welche in ihrem Selbstverständnis als Punkrockgruppe mit NDW aber eigentlich nichts am Hut haben wollten. Auch auf das Lied ,Der alte Freund' wird als NDW-"verdächtig" hingewiesen (ebenda). Hymnencharakter erhielt das Stück ,Wir wollen leben', in dem Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht zur Sprache kommen (ebenda) - ein Thema, welches man aus dieser Zeit von Extrabreit kannte und in dem die Spannungen in der damaligen zweideutschen Gesellschaft angesprochen wurden (Atomkraft, Geldgier, Militarismus, Terrorismus, Umweltzerstörung). Dazu Gerd Otto "Lupo" Kühn-Scholz in dem powermetal.de-Interview: „Urplötzlich wurden wir zu TV-Auftritten eingeladen, und alle, die uns nicht wirklich kannten, reduzierten uns auf diesen Song. Schwuppdiwupp meldeten sich dann auch einige Pseudo-Kritiker zu Wort und steckten uns in die NDW-Kiste. "Razzia" hatte aus unserer Sicht aber nichts mit der aufkommenden Neuen Deutschen Welle zu tun, obwohl einige Leute versuchten, die Platte in diese Genre-Ecke zu drängen. Das Album war lediglich ein weiterer notwendiger Wechsel im Stil und in der Band und hätte auch mit Mist tendenziell nicht völlig anders geklungen."

Wie bei Extrabreit folgten noch viele erfolgreiche Jahre, weil "die Schnitten" (wie die Fans ihre Idole nannten) sowohl eigenständige Ziele verfolgten als auch aufkommende Zeitströmungen sinnvoll verarbeiteten. Mit ,Kinder und Narren' erschien 1984 das erste Album ohne den Schlagzeuger (und Tontechniker) "Eroc" Joachim Heinz Ehrig, welcher die Gruppe ein Jahr zuvor verlassen hatte. Seinen Part übernahm Peter Jureit, und die Keyboards bediente Jürgen "J.R." Kramer; dieser stand schon bei der ,Razzia'-Tour 1982/83 mit auf der Bühne (Grobschnitt Acoustic Party - abgerufen am 7.4.2019). Dazu Gerd Otto "Lupo" Kühn in dem powermetal.de-Interview: „Nach Erkes Ausstieg im Juni 1983 - das war der zweite einschneidende Musikerwechsel in dieser Zeit - haben wir einen Neustart, aber keinen beabsichtigten Umbruch vollzogen und auf eine weitere mögliche Zusammenarbeit mit ihm ohne jegliche Animositäten verzichtet. [...] Mit Peter Jureit kam ein neuer Schlagzeuger, während "JR" Jürgen Kramer ja bereits auf der "Razzia"-Tour im Einsatz gewesen war. Beide waren exzellente Musiker, sonst hätten wir sie auch nicht genommen. Was ihnen fehlte, war das vielgerühmte charismatische GROBSCHNITT-Gefühl und der Musikgeist der wilden 70er Jahre. Das brauchte aber auch Zeit, und die hatten wir leider nicht. [...] Glücklicherweise hatten die beiden späteren Bandmusiker "Tarzan" Waskönig, von 1985 bis 1988 Keyboarder, und "Admiral-Top-Sahne-Ernie-Möller", von Mitte 1986 bis 1989 Schlagzeuger, den GROBSCHNITT-Humor-Virus schon nach kurzer Zeit aufgesogen und konnten gar nicht genug davon bekommen."

Insgesamt entstanden in den Jahren 1972 bis 1989 vierzehn Alben, welche allesamt später in überarbeiteter Fassung und mit Ergänzungen neu veröffentlicht wurden - bis 2019 sogar in Vinyl (Grobschnitt Acoustic Party - abgerufen am 7.4.2019). Ihre (bis 2019 ungebrochene!) Publicity verdankt(e) Grobschnitt vor allem der grandiosen Performance; dazu "Lupo" (Gerd Otto Kühn-Scholz) rückblickend: „Der Mix aus Musik, Theatralik, Dialogen, Feuerwerk war als mehrstündige Bühnenshow nicht nur abgefahren, sondern etwas völlig Neues, und damit trafen wir den Nerv der Leute. Bei den Konzerten konnten wir uns richtig austoben oder besser gesagt: die Sau rauslassen!" (Kühn-Scholz 2018, S. 38, unten). Die Band löste sich 1989 nach einem Abschiedkonzert in der Hagener Stadthalle auf. 2006 gab es eine Wiedervereinigung, an der einige alte Mitglieder wie auch (zumindest zeitweise) ihre Söhne beteiligt waren bzw. sind.

Grobschnitt lebt!


Update von Stephan Schelle - Juni 2019 (musikzirkus-magazin.de)



Kein MenscH!


Kein MenscH! ist eine Gründung von Gabriele Lambrecht aus dem Jahr 1979, welche den Künstlernamen "Gabi Lappen" angenommen hatte und Mitbewohnerin der in medial interessierten Kreisen wohlbeachteten Wohngemeinschaft ,B 56' von Kay Oliver Schlasse, Wolfgang Luthe und manch anderem den Zeitgeist mitprägenden Individuum war (Buscheystraße 56 in Hagen-Wehringhausen; zu dieser WG beachte man vor allem die autobiographischen Darstellungen des bekanntesten Extrabreit-Sängers "Kai Hawaii" (Schlasse 2018; vgl. Klüsener 2018, S. 285, oben). Fast alle Mitglieder der hier interessierenden Band waren Geschwister - aufgewachsen in Hagen-Emst (Schwelmstück) -, und aus dieser Vertrautheit heraus entstand manch' futuristisch anmutendes "experimentelles" Projekt: Man kombinierte Synthesizer-Sounds mit E-Gitarren und akustischen Instrumenten, und dabei wurde das obligatorische Schlagzeug durch einen Drumcomputer ersetzt (vgl. Lambrecht & Hahn 2018, S. 298). Zwei Singles, mehrere Beiträge zu Samplern und eine Kompaktcassette (1982) konnten veröffentlicht werden, wobei eine Auswahl des Kassetteninhalts 35 Jahre später auch seinen Weg auf CD und LP fand (Tonträger-Liste: Lambrecht & Hahn 2018, S. 298). Die erste Single ,Kein MenscH!' erschien 1981 auf dem Hagener Independent-Label Tonträger 5:


"Kai Havaii" erinnerte sich (Havaii 2017, S. 119, mittig): „Meine Mitbewohnerinnen Gabi und Sybille gründeten mit Gabis Brüdern, den sogenannten ,L-Einheiten', die betont coole Post-Punk-Band KeinMensch [sic (D.R.)], deren gleichnamige Single dann oft in ,John Peel's Music' auf BFBS gespielt wurde, was in der Indie-Szene [= Independent Music Scene] einem Ritterschlag gleichkam."

Die zweite Single ,Süchtig' wurde im Tonstudio Hiltpoltstein aufgenommen und erschien im Folgejahr 1982 auf dem Major-Label Virgin (Lambrecht & Hahn 2018, S. 299; Wikipedia-Artikel - abgerufen am 20.3.2019):


Anno 1984 war die Band in dem Fernsehfilm ,Deutschland-Tournee' (Regie: Berengar Pfahl - Wikipedia-Artikel - abgerufen am 20.3.2019) zu sehen (Kein MenscH! - Wikipedia-Artikel - abgerufen am 20.03.2019). Weiteres war über meine Internet-Recherchen bis jetzt (April 2019) nicht herauszufinden, was ich bedauere, da einer der Bandmitglieder ("Rü") anscheinend ein ehemaliger Mitschüler ist. Die beiden Damen der "Truppe" standen immerhin im Jahr 2017 für ein Foto ehemaliger WG-Bewohner zur Verfügung (Wahnbaeck 2018, S. 351, unten).



Styx


In der Band Styx (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Rockband aus Chicago, welche 1972 gegründet wurde!) spielten um 1973 Leute, welche später für andere bekannte Gruppen arbeiteten: Wolfgang "Hunter" Jäger (*28.3.1953 in Herne - †3.5.2007 in Hagen) beispielsweise war der Bassist, und der Bankkaufmann Frank Becking spielte die Gitarre (Adreßbuch 1976, Namenteil, S. 19, Sp. 1: „Becking Frank BankKfm Arndt[straße ]-28"). Der Musikstil liegt in etwa zwischen der 1967 gegründeten britischen Classic Rock Band Jethro Tull - ohne die für sie typische Querflöte - und (den Gesangspart des zweiten Stückes betreffend) Simon & Garfunkel (stephan-schelle.de - abgerufen am 8.4.2019). Es wurden in einem Musikstudio zu Gelsenkirchen zwei Musikstücke aufgenommen, doch ist es nie zu einer Veröffentlichung gekommen. Damals war "Eroc" Joachim Heinz Ehrig in dem Studio Tontechniker. Dazu Wolfgang Jäger in einem Interview vom 27.03.1999: „Während der Zeit bei Styx habe ich erstmals Eroc kennengelernt. Er hat uns in einem Gelsenkirchener Studio aufgenommen. Zwei Stücke, die wir gespielt haben, hat er zum ersten Mal in Mehrspurtechnik – ich glaub 8 Spuren waren das - aufgenommen. War das eine Aufregung. Eroc hat damals dort gearbeitet und war gleichzeitig Schlagzeuger bei Grobschnitt. Aber jetzt kommt der Hammer!!! Weihnachten 1997 bekomme ich Post. Ich dachte ich trau meinen Augen nicht. Als Eroc sein Wohnzimmer bzw. sein Büro aufräumte, hat er die alten Bänder gefunden. Das Masterband hat er noch mal neu gemastert und es ist echt geil geworden. Er hat mir aus diesem Material, was er damals aufgenommen hat, eine frisch gebrannte CD zugeschickt. Ich bin aus allen Socken gefallen. [...] Ziemlich chaotisch die Musik, aber trotzdem vom Herzen." (abgerufen am 8.4.2019)

"Hunter" (zeitweise auch "Pepe" oder "Popo" genannt) wechselte im Jahr 1974 anläßlich eines zweiten Konzerts der Band zu Grobschnitt, dem später weitere Wechsel - zu The Stripes und The Blue Boys und schließlich 1980 zu Extrabreit - folgten. Dazu "Hunter" in dem Interview vom 27.03.1999: „Der eine hörte gerne Jimi Herndrix, der eine hörte gerne Jethro Tull und der andere hörte was weiß ich was. Das wurde alles in einen Topf geworfen, weil ja jeder nur das spielen konnte, was er gerne mochte. Daraus ist dann eine Band entstanden, die Styx hieß. Was für eine Musikrichtung das war, weiß ich nicht. Drei Jahre lang haben wir zusammen gearbeitet und sind in dieser Zeit zweimal live aufgetreten. Beim zweiten Auftritt haben sie mich dann direkt von der Bühne weggekauft (Lupo), weil Grobschnitt einen Bassisten suchte, da der Baer ausgestiegen war bzw. aussteigen wollte." (abgerufen am 8.4.2019)

Auch Frank Becking entwickelte sich zu einem gefragten Musiker; er war ab 1977 bei The Ramblers aktiv und zeitweise (um 1980) auch bei The Stripes, wirkte aber dann mehr bei heimischen Plattenaufnahmen als Produzent und spielte vorübergehend in weniger bekannten Gruppen. Im 1990er Jahrzehnt war er allerdings eine Zeitlang Mitglied der Nena-Band (Frank Becking - Wikipedia-Artikel - abgerufen am 16.3.2019).

Das Mischpult der Band wurde von Robert Schwarz bedient, welcher später die Tontechnik zu seinem Beruf machte (stephan-schelle.de - abgerufen am 8.4.2019).



The Ramblers


Gründer und Leadsänger der 1976 gegründeten Band The Ramblers war "Christian Schneider" Hartwig Masuch (Adreßbuch 1976, Namenteil, S. 220, Sp. 1: „Mecklenburger-{Straße }12"]), welcher später zusammen mit seinem Freund "Ulli" Ulrich Wilhelm Wiehagen in Hagen den WM-Musikverlag gründete. Im Jahr 1977 gab es bereits einen Plattenvertrag. Die Kontakt-Adresse lautete zunächst ,Kampstraße 10' (Wahnbaeck 2018, S. 134, Abb. links oben: Plakat zum 11. Oktober 1978). Gemäß Heike Wahnbaeck wurde in der „Wohnung in der Stadtmitte [...] nicht nur der Musiker [eine Zeitschrift für Musiker (D.R.)] fabriziert [..], sondern auch die Band wohnte" dort (Wahnbaeck 2018, S. 130, mittig). Noch vor Jahresende 1978 lautete die Kontakt-Adresse dann ,Pelmkestraße 61', war also beim neu gegründeten WM-Musikverlag in Hagen-Wehringhausen.

The Ramblers orientierten sich stark an The Rolling Stones und brachten neben eigenen Stücken auch Coversongs von dieser Band - mitunter auch solche, welche "die rollenden Steine" selbst (bzw. ihre Firma) nicht einmal auf Platte zu bringen wagten. Insofern nicht uninteressant ist es, daß einer der beiden Gitarristen - nämlich Martin Polack (nicht: Polak) - ein Sohn des Pfarrers Dietrich Polack ist, welcher mich konfirmiert hatte (Adreßbuch 1976, Namenteil, S. 264, Sp. 1). Beide wohnten im Pfarrhaus Siemensstraße 25 neben der evangelischen Pauluskirche in Wehringhausen, und Martins Beruf war 1976 Industriekaufmann (ebenda). Pastor Polack war 1968 mit seinen Kindern aus der DDR gekommen und hatte im Oktober jenes Jahres die zweite Pfarrstelle der Paulus-Gemeinde in Wehringhausen übernommen (siehe dazu Schulz 2000); im Gegensatz zu seinen Kollegen war er bei den Jugendlichen ziemlich beliebt. - Die andere Gitarre spielte übrigens Thomas Hermann (*18.04.1951 - †31.03.2014), welcher auch in der "Wehrdichhausener" Band Bruno Bond und die Alternativ-Casanovas und anderen lokalen Musikgruppen wirkte.

Bassist war anfangs Ralf Teuwen (Adreßbuch 1976, Namenteil, S. 352, Sp. 2: „Hohenlimburger-[Straße ]90"); das Schlagzeug bediente zunächst Bernd Eichinger (Wahnbaeck 2018, S. 126, Bandmitglieder-Listen). Frank Becking spielte eine Zeitlang (um 1979) in dieser Formation Gitarre - ebenso Carlo Karges. Letzterer reiste - nach einem kurzen Intermezzo bei Extrabreit - anno 1980 zurück nach Berlin, spielte dann 1982 in der Band von Ulla Meinecke und wechselte noch im selben Jahr zur Nena-Band von Gabriele Kerner. Auch als Texter spielte er eine wichtige Rolle; so stammt etwa das weltbekannte Lied ,99 Luftballons' der Nena-Band von ihm. Er war von 1971 bis 1975 als Gitarrist bei Novalis tätig und dichtete für diese Band im Jahr 1973 das Lied ,Wer Schmetterlinge lachen hört'.

Frank Becking ging erst später nach Berlin und spielte vorher in diversen lokalen Bands Guitarre oder Bass; er verlegte sich dabei zeitweise auf das Produzieren von Platten, während der Sänger Hartwig Masuch später Verlagstätigkeiten ausübte.

Die Band The Ramblers veröffentlichte 1978 die Langspielplatte ,Kids Are Back to Rock 'n' Roll'; daraus wurde die Single ,We Want the World'/,New York City' ausgekoppelt und noch im selben Jahr herausgebracht. 1979 folgte das zweite Album ,Streetheat'. 1980 wurde noch eine dritte LP ,Strange Life' veröffentlicht, doch blieb die Gruppe im Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad deutlich hinter Grobschnitt zurück und löste sich im Jahr 1981 auf. Dazu Frank Becking: „Die richtig geile Zeit der Ramblers war bis 1980. Als ich dann ausgestiegen bin, kamen der Gitarrist Rüdiger Elze und der Schlagzeuger Rüdiger Braune in die Band. Das waren extrem gute Musiker, und die wollten auch ihre Musikalität zeigen. Das war aber nicht unbedingt das Konzept der Ramblers. Wir spielten eher New Wave und Punk, hielten uns nicht mit schwierigen Sachen auf." (Wahnbaeck 2018, S. 124, oben/mittig)

Gabriele Susanne Kerner ("Nena") war ein begeisterter Fan von The Ramblers (Havaii 2017, S. 99, unten) und lernte entsprechend frühzeitig die Musiker Frank Becking, Carlo Karges und Hartwig Masuch kennen; diese spielten dann zeitweise in den Bands, in welchen sie als Sängerin tätig wurde, oder übernahmen in diesem Zusammenhang andere Funktionen (H. Masuch). Der Roadie Rainer Kitzmann von The Ramblers wurde zudem eigentlicher Entdecker ihres Talents, welches sie dann ab 1978 entfaltete.



The Stripes


The Stripes (von den Fans auch "die Streifen" genannt - siehe etwa Jörg Albert Hoppe im Lokalteil Hagener Rundschau, S. H 3, der Westfälischen Rundschau Nr. 236 vom 10.10.1979, abgebildet bei Wahnbaeck 2018, S. 153, oben) ist die Gründung eines Roadies von The Ramblers namens Rainer Kitzmann. Seine damalige Adresse ,Plessenstraße 14' (Wahnbaeck 2018, S. 151, links unten) - gewissermaßen die "Homebase", wo die 40000 DM Vorschuß der Plattenfirma CBS umherflatterten (Nena & Thesenfitz 2005, S. 21, unten; Brendel 2014, S. 31, unten; vgl. Rolf Brendel bei Wahnbaeck 2018, S. 150, mittig) - existiert übrigens auf Grund von Abrißarbeiten für die Bahnhofshinterfahrung nicht mehr. Als Gründungstermin der Band gibt Heike Wahnbaeck (Wahnbaeck 2018, S. 131, mittig/unten) fälschlich „im Juli '79" an (vgl. Jörg Albert Hoppe im Lokalteil Hagener Rundschau, S. H 3, der Westfälischen Rundschau Nr. 236 vom 10.10.1979, abgebildet bei Wahnbaeck 2018, S. 153, oben: „Im Sommer dieses Jahres"); in der englischen Ausgabe von Wikipedia wird sogar ein konkretes Datum angegeben, nämlich der 2. Juli 1979 (Stand: 15.5.2019), und zwar mit Verweis auf die Seite ,nena.de', und in der Tat heißte es dort unter dem 2. Juli 1979: „Nena Kerner und Rainer Kitzmann haben die Band „The Stripes“ gegründet." (Stand: 15.5.2019) - Dieser Termin liegt mir allerdings zu spät, denn der erste Auftritt fand ja bereits im Dezember 1978 statt (im Hasper Haus der Jugend). Hier wäre zunächst der Augenblick der Anwerbung "Nenas" zu berücksichtigen, welcher einersseits Gabriele "Nena" Kerner selbst in den „November 1977" legt (Nena & Thesenfitz 2005, S. 13), während andererseits Rolf Brendel darauf hinweist (Brendel 2014, S. 24, oben), daß der Band im „Sommer 1978" noch „eine Frontfrau, die den Stripes ein Gesicht gab," fehlte. Erst als der Bandgründer Rainer Kitzmann, welcher mit "Nena" Songs von The Ramones geprobt hatte, diese Rolf Brendel vorstellte, zeigte sich: „She's the one" (Brendel 2014, S. 24, mittig)!

Just a little time warp... (without a rocket of course...):

„[...] ich [konnte] jetzt ,Sheena Is A Punk Rocker' singen, ohne mich dabei blöd zu fühlen..." (Nena & Thesenfitz 2005, S. 15, oben)

Dieses Musikstück von The Ramones scheint bei punkigen Rockbands aus Hagen beliebt gewesen zu sein, denn es wurde üblicherweise von den Extrabreit-Musikern unmittelbar vor einem Gig angestimmt, um sich in Stimmung zu bringen (Havaii 2017, S. 156, oben, hier: im Dezember 1981). Bei The Stripes gehörte es zum Repertoire.

Bei der Zeitbestimmung der Gründung kommt es zudem auf das Datum des ersten Live-Auftritts der Band an. Jörg Albert Hoppe schrieb dazu: „[...] daß das Stripes-Konzept Erfolg hat, bewies kürzlich [sic! (gemeint ist wohl der 21.12.1978 - D.R.)] ihr erstes Konzert beim Festival im Haus der Jugend in Haspe. Die bis dato Unbekannten waren der unerwartete ,Top-Act' des Abends." (Westfälische Rundschau, Nr. 236 vom 10.10.1979, Lokalteil Hagener Rundschau, S. H 3; der Artikel ist abgebildet bei Wahnbaeck 2018, S. 153, oben). Rolf Brendel erinnerte sich in seinem Buch über die Nena-Band (Brendel 2014, S. 28, mittig), daß es sich bei diesem ersten öffentlichen Auftritt um ein Rockfestival handelte, bei der die Gruppe an dritter Stelle spielte; dieses habe im „Sommer 1979" stattgefunden: „Im Sommer 1979 hatten wir ein halbes Dutzend Songs zusammen und wagten den Sprung auf die Bühne: Wir meldeten uns für das Rockfestival im Jugendzentrum Hagen-Haspe an" (Brendel 2014, S. 24, oben). Bei Nena & Thesenfitz 2005 - ausführlicher Bericht auf den Seiten 16 bis 20! - wird sich leider zum Datum ausgeschwiegen, obwohl ein Brief vom Folgetag wiedergeben ist - auf S. 20 heißt es schlicht: „1978" (vgl. die Fotos von „1978" aus dem Jugendheim Haspe bei Wahnbaeck 2018, S. 145). Als weitere Gruppe spielte gemäß Hartmut Krause die Band Condor: „Diese trat am 21.12.1978 im Jugendzentrum vor den Stripes auf." (Krause 2018, S. 118, mittig) - diese Formation habe ich mir damals dort angehört, machte mich aber anschließend auf den Weg nach Hause, so daß ich das Live-Debüt von The Stripes verpaßte (Tagebuch-Aufzeichnungen - hier: Einzelblatt-Ordner - zum 21.12.1978). Bei Rolf Brendel gerät bedauerlicherweise bezüglich 1979 und 1980 Manches zeitlich durcheinander - so etwa der strenge Winter in Selkinghausen, den er nach 1979/80 datiert (Brendel 2014, S. 45, oben). Verwirrung schafft zu allem Überdruß auch ein Artikel der Westfalenpost vom 11.11.2017 (Stand: 8.4.2019), in dem es zu „Nena" heißt: „1978 war in Gevelsberg der erste Auftritt" - Diese Auffassung ist schon dank der Untersuchungen zur Hagen-Popstar-Glück-Ausstellung anno 2018 passé. Die Eintrittsgebühr von 1 DM, welche H. Krause zum Festival (Rock-Wettbewerb) in Hagen-Haspe erwähnt, kann ich übrigens bestätigen: „1 DM [für den Eintritt in] Haspe" (E/A 1978/79 zum 21.12.1978).

Die Band spielte nicht nur eigene Songs. Auf ihrer einzigen LP ist ein gecovertes Stück von dem im September 1977 erschienenen sechsten Studioalbum ,Beauty on a Back Street' des amerikanischen Pop-Rock-Duos Daryl Hall und John Oates (Hall & Oates (Stand: 15.5.2019) vertreten: ,You Must Be Good for Something'. Das Stück ,Sweet Little Sixteen' von "Chuck" Berry wurde schon bei der Debüt-Vorstellung im Dezember 1978 in Hagen-Haspe gespielt (Brendel 2014, S. 30, oben). Als weiterer Cover-Song wurde nach Rolf Brendel ,These Boots Are Made for Walkin’ (Nancy Sinatra) geboten (Brendel 2014, S. 38, oben).

Gabriele S. Kerner trainierte nicht nur ihre Fähigkeiten als Sängerin, sondern versuchte sich auch am Schlagzeug: „Ich fing an, Schlagzeug zu spielen. Geübt habe ich nie, aber ich konnte Boom Bah..." (Nena & Thesenfitz 2005, S. 23, mittig/unten) - Ein Einstieg als Drummerin bei der offenbar nach Christa "Mausi" Dürholt benannten Mädchenband Die Mausis (Diskographie bei discogs.com; siehe auch Klüsener 2018, S. 288, mittig/unten) kam allerdings nicht zu Stande, angeblich weil es die Bassistin (wohl die aus Ennepetal stammende Graphikerin Gundi Brühl) nicht einmal für nötig hielt, ihr Instrument in der richtigen Höhe zu platzieren (Nena & Thesenfitz 2005, S. 23, unten). Die Band, zu der auch Ute Sieweke gehörte (Adreßbuch 1976, Namenteil, S. 330, Sp. 2: „Höxter-[Straße ]6"), bestand nur kurze Zeit (Klüsener 2018, S.288, mittig/unten). G. Brühl wurde Chefredakteurin eines Musikmagazins in München (Klüsener 2018, S.288, unten). Als Schlagzeugerin konnte man Fräulein Kerner aber bei ihrer neuen Band Nena auf der zweiten Tour von 1983 erleben (siehe das Foto auf Seite 96 bei Brendel 2014), wobei Carlo Karges und Uwe Fahrenkrog-Petersen in dem Stück ,Ich lieb' dich' den Gesangspart übernahmen. Schon am 7. März 1983 im Rockpalast war ein Auftritt mit zwei Drumkits zu erleben (ab ca. min. 26) - beim Pinkpop-Festival in Geleen, Niederlande, am 23.5.1983, hörten rund 50.000 Leute zu (hier: ca. min. 5 - 9):


Die Macher der Zeitschrift ,Musiker' waren schon im September 1979 an der Gruppe The Stripes interessiert, denn das Blatt berichtete bereits in der Ausgabe 9/1979 vom 20.09.1979 über sie (Abb. des Titelblatts mit Hinweis bei Wahnbaeck 2018, S. 147, unten mittig). Die Qualität des Dargebotenen sprach sich offenbar herum. "Nena": „[...] wir, THE STRIPES, [sind] in irgendeiner Schulaula in Hagen nach einem Konzert einfach so gekauft worden. Da kam nämlich die große Plattenfirma aus Frankfurt, weil sie von uns gehört hatte." (Nena & Thesenfitz 2005, S. 21, oben/mittig; vgl. Brendel 2014, S. 30 f.) - Das dürfte im (frühen) Herbst 1979 gewesen sein (vielleicht auch an dem gelegentlich als Gründungsdatum der Band genannten 2. Juli 1979), denn die erste Platte erschien noch im selben Jahr.

Die erste Single ,Ecstasy' (B-Seite: ,Normal Types') der Band wurde in Markt Hiltpoltstein (Landkreis Forchheim, Bayern) aufgenommen und erschien vor Jahresende 1979 bei der CBS Schallplatten GmbH (Wahnbaeck 2018, S. 131, unten, u. S. 132, oben)

(Ausschnitt der zensierten Plattenküche-Sendung)
Die B-Seite enthält ,Normal Types (beide Stücke fehlen übrigens auf der LP):

Das Titelfoto zu ,Ecstasy' wurde bei einem Photographen produziert, welcher gewöhnlich Katalogbilder für die damals in Hagen-Kückelhausen ansässige Firma Nordwest Handel AG anfertigte (Wahnbaeck 2018, S. 131, unten); dementsprechend "brav" kommt - trotz Streifendekor - das Platten-Cover optisch daher. Der Song ,Ecstasy' wurde laut "Nena" von Frank Becking arrangiert, da der Band-Gründer Rainer Kitzmann „damals noch nicht so weit" gewesen sei (Interview im Musikertreff 4/1980; Zitat bei Wahnbaeck 2018, S. 124, mittig).
Rolf Brendel - der Schlagzeuger der Band - meinte zum Erfolg der Debüt-Single: „Unsere erste Single ist für eine deutsche Gruppe gut angekommen. Die wurde dauernd im Rundfunk gespielt, bei RTL, [sowie] RIAS. Bei der Deutschen Welle war sie sogar eine Zeit lang auf Platz 2, hinter [einer Single von The (D.R.)] Police." (In: ,Musikertreff! Hagen * Herdecke * Wetter * Witten', Ausgabe 4/1980; Rezitat bei Wahnbaeck 2018, S. 144, unten; vgl. die Abb. des Titelblatts ebenda, S. 147, links unten; vgl. den Zeitungsartikel im Lokalteil Hagener Rundschau der Westfälischen Rundschau vom 10.03.1980 - Foto bei Wahnbaeck 2018, S. 152, links unten). Um so mehr verwundert es mich, daß die Stücke nicht auf der Langspielplatte präsent sind. Die Songs ,Ecstasy' und ,Strangers' sind (zeitlich vertauscht) immerhin als Live-Bonus-Tracks auch auf dem am 17. September 2010 erschienenen Live-Doppelalbum ,Made in Germany Live' (Stand: 15.5.2019) enthalten. ,Ecstasy' erschien zudem in Originalfassung auf der zweiten CD des Doppelalbums ,NENA 40' - allerdings bloß unter "ferner liefen" an vierzehnter Stelle. Mehr "Vergangenheitsorientierung" hätte ich mir schon gewünscht!

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Lederjackengruppe: die wahren "phantastischen Fünf" (zu sehen sind hier nur drei) wollen ,Ecstasy'
(nach Video-Mitschnitt der ,Plattenküche' vom 3. Juni 1980 - Montage: Detlef Rothe)

Im Spätjahr 1979 hatte "Nena" ihre Goldschmiedelehre vorzeitig beendet, um unabhängiger zu sein (Nena & Thesenfitz 2005, S. 24, oben). Die Bandmitglieder strebten eine professionelle Musikkarriere an. Die Formation spielte mit wechselnden Bassisten, da Frank Peter "Röhli" Röhler (*28.03.1960 - †11.04.1996) auf Grund des abzuleistenden Wehrdienstes eine längere Pause machen mußte. Im April bis Juli 1980 wurde die einzige Langspielplatte ,The Stripes' (Lyrics) im (Porst-)Studio von Markt Hiltpoltstein und auch in den Hotline Studios zu Frankfurt am Main aufgenommen (Angaben auf dem Plattencover). Die Bandmitglieder von The Stripes wohnten wenigstens zum Teil während des ausgesprochen harten Winters 1980/81 wie ihr Manager Ulrich Wilhelm Wiehagen auf einem Gestüt in Selkinghausen östlich Priorei im Mittelgebirge am südlichen Stadtrand von Hagen (Brendel 2014, S. 45 - hier ist allerdings schon von 1979 die Rede). Rolf Brendel meinte dazu: „Nach dem ersten Winter [gemeint: 1980/81] hatten wir genug. Es [= „Das Gestüt in Selkinghausen" (ebenda)] lag zu weit weg vom Rest der Welt." (Brendel 2014, S. 45, unten).


Neben den Songs der ersten Single fehlt auf dem Album - welches laut offizieller Nena-Seite im September 1980 erschien (Stand: 1.5.2019) - auch die B-Seite von ,Strangers'; ,Lose Control' kommt allerdings auch nicht so gut 'rüber:



Im Jahr 2004 (Stand: 15.5.2019) wurde eine ,New Edition' genannte CD (Stand: 1.5.2019) publiziert, welche als Bonus Tracks auch die drei fehlenden Songs enthält.

Nach den schlechten Erfahrungen mit Schneeverwehungen zogen "Nena" und Rolf Brendel im Jahr 1981 in die Lange Straße nach Wehringhausen, also in das damalige Zentrum populärer Musikkultur und der alternativen Szene in Hagen (Brendel 2014, S. 45, unten). Sie schafften sich ein Klavier an, um eigene Musikstücke zu komponieren. Das fand zwar offenbar nicht das Gefallen von Rainer Kitzmann (Brendel 2014, S. 51 f.), aber offenbar das der Plattenfirma, auf die es ja letztlich ankommt; der Stil einer Band wird von den Produzenten meistens mitgeprägt, und im Studio klingen Musikstücke mehr oder weniger anders als bei der Live-Präsentation. Fakt ist: in Hagen und Umgebung (und offenbar auch in Frankfurt am Main) fand die Formation nicht genügend Beachtung. Über die wenig erfreuliche Endphase der Band schrieb Gabriele Kerner in ihren Erinnerungen: „[...] es [wurde] jetzt richtig eng in Hagen. Was sollte ich hier noch, und was wollte ich überhaupt? Ich wollte weg, und zwar schnell. Der letzte Versuch, hier doch noch etwas zu bewegen, waren neue STRIPES-Demos. In Hagen aufgenommen und in Hagen beerdigt. [...] Schon eine Weile kam sie leise angeschlichen, die Nebelwolke, die Inspiration und Begeisterung frisst. [...] Ganz gute Songs, ja, aber niemand, der so richtig bereit war, ihnen das Leben einzuhauchen. Der Nebel verdichtete sich, und dann war sie vorbei, diese Zeit. Einfach vorbei." (Nena & Thesenfitz 2005, S. 24, oben) - Wenn ich mir dazu eine Bemerkung erlauben darf: dieses Gefühl kenne ich nur zu gut von meiner in Münster begrabenen Promotion her: niemand interessierte sich ernsthaft für die Forschungsergebnisse, und der Aufenthalt in jener mit viel dünnem Papier auf feuchten Sand gebauten Stadt erschien mir zunehmend sinnlos! Da hilft vor dem Verrücktwerden nur ein radikaler Themen- und Ortswechsel.



Doch zurück zu The Stripes: Die Eigenproduktion einer zweiten LP war wohl nicht möglich; dagegen sprachen wahrscheinlich die Vertragskonditionen bei der Plattenfirma, sofern diese nicht von sich aus absprang. Rolf Brendel erläuterte die Situation schriftlich gegenüber der CBS (Brendel 2014, S. 52, oben). Die Gruppe The Stripes zog in der Folge nicht um, sondern löste sich im Frühjahr 1982 auf (wobei es anscheinend in Berlin noch eine kurze Versuchsphase gab). Auf der leider nicht sehr zuverlässigen (siehe die Angaben zum Gründungsdatum) Website ,nena.de' heißt es zum Datum „Mittwoch, 3. März 1982" schlicht: „The Stripes haben sich aufgelöst. Nach Unstimmigkeiten innerhalb der Band, wird das zweite Album nicht mehr veröffentlicht." (Stand: 15.5.2019)

Frontfrau "Nena" und Schlagzeuger Rolf Brendel siedelten mit Unterstützung der CBS nach West-Berlin über (Nena & Thesenfitz 2005, S. 24 f.; Brendel 2014, S. 59; Nena-Artikel von Wikipedia - abgerufen am 16.3.2019), während "Röhli" nach R. Brendel in Hagen bleiben wollte. Frank Röhler spielte später in der Hagener Band Liga Agil (Wahnbaeck 2018, S. 305, Abbildung der Gästebuchseite rechts unten). Rainer Kitzmann hatte gleichfalls eigene Vorstellungen hinsichtlich seiner Weiterentwicklung und übernahm unter anderem Band-Management-Aufgaben.

Man darf dabei nicht vergessen, daß sich die einzige veröffentlichte LP ,The Stripes' anscheinend schlecht verkaufte und den Musikern (beiderlei Geschlechts) wie die ausgekoppelten Singles und gelegentlichen Fernsehauftritte nur wenig Einnahmen brachten, so daß die Band (einschließlich Tourmanager und Roadies) sich neben gewöhnlichen Auftritten auf individuelle Jobs zum Lebensunterhalt konzentrieren mußte. Zudem fand sich als Vertretung für Frank Röhler - der seinen Wehrdienst ableistete - kein beständig zur Verfügung stehender Bassist; so wechselte der im Oktober 1980 angeworbene (Wahnbaeck 2018 S. 147, zur Abb. mittig rechts) Wolfgang "Hunter" Jäger bereits nach zwei Monaten zu Extrabreit. Frank Becking war nur zeitweise Mitglied von The Stripes; er pflegte ab etwa 1980 eher bei Bedarf als Musiker (eher Gitarrist) auszuhelfen und brachte sein Können mehr als Produzent zur Geltung (Studio Rockranch in Hagen-Vorhalle; vgl. dazu Frank Becking bei Wahnbaeck 2018, S. 124, unten). Früh im 1990er Jahrzehnt spielte er zwar wieder eine Zeitlang mit "Nena" zusammen, da war allerdings der Schlagzeuger Rolf Brendel bereits "ausgestiegen" und somit an eine etwaige Wiederbelebung der "Streifen-Musik" - nicht nur für Polizisten - nicht mehr zu denken.

Rainer Kitzmann äußerte sich zur Spätphase der Band: „Ich hatte [...] zehn bis zwölf Songs für eine zweite LP komponiert - zunächst wieder mit englischen Texten. Der Neuen Deutschen Welle geschuldet, habe ich dann angefangen, die Stücke mit deutschen Texten umzuschreiben, aber das war einfach nicht mehr stimmig und nicht mehr die Musik, die ich mir für The Stripes vorgestellt hatte." (Wahnbaeck 2018, S. 156) - Rainer Kitzmann spielte in der Folgezeit die Gitarre bei den Bands Caprifischer und Tirami Su. Wäre die Musik bei Caprifischer nicht über Längen hin nervtötend, könnte man sicher manchen Anknüpfungspunkt an (in Rückübersetzung) The Stripes und sogar zur Nena-Band finden. Am liebsten wäre mir freilich, wenn die englischen, für ein zweites Album vorgesehenen Originalstücke von R. Kitzmanns und/oder G. Kerner/R.Brendel einmal (wieder)belebt würden! (Nur geträumt!)

"Nena" und Rolf gründeten in Berlin - unterstützt von Mitgliedern der Band Spliff (für welche "Nena" die Fan-Post bearbeitete) - schließlich eine eigene Formation: Nena. Carlo Karges wurde Gitarrist und Texter der neuen Band. Auf Grund von dessen Talent und Erfahrung kann dies als ausgesprochener "Glücksgriff" gewertet werden! Es war der Start zu einer sehr bemerkenswerten Erfolgsserie, welche hier aber im Einzelnen nicht weiter verfolgt werden kann; auch die anderen Musiker haben gewiß ihren Anteil am Erfolg der Band gehabt. Mitunter vermisse ich allerdings die Ausdrucksstärke und Frische, welche mich bei "Nenas" frühen englischen Gesang bei The Stripes immer wieder fasziniert. Ihr Stimme kam meiner Ansicht nach jetzt vor allem bei Livekonzerten zur Geltung. Auf dem ersten, 1983 veröffentlichten Album ,Nena' gibt es allerdings auch Stücke, welche mich an frühere Stücke erinnern - zum Beipiel das als erstes auf der LP veröffentlichte Lied ,Kino'; diese knüpft stimmig und inhaltlich stark an die Musik von The Stripes an (man vergleiche dazu auch die 1984 veröffentlichte englische Fassung ,At The Movies' von Rolf Brendel und Roy Brown). Auch der englische Song ,Hero' (Alternativlink für den Text) des 1989 erschienenen ersten Solo-Albums ,Wunder geschehn' von "Nena" gibt ordentlich 'was auf die Ohren. Doch genug davon, sonst verlaufe ich mich noch (mitten in der Nacht). Die einzelnen von Gabriele Kerner besungenen Langspielplatten klingen je nach eingesetzten Instrumenten und Computern ziemlich heterogen, so daß sich einem Vergleich mit dem englischsprachigen Debütalbum "Nenas" eher entziehen. Geändert haben sich jedenfalls Ausdruckskraft und -weise der Sängerin.

In Hagen gründete sich nach der Abwanderung von "Nena" und Rolf Brendel bereits in der ersten Jahreshälfte 1982 die Band Tirami Su, deren Mitglieder teils von The Stripes teils von Lolitas kamen (Klüsener 2018, S. 286 f.). Die Sängerin hieß Katja Rischenau, welche vorher Mitglied der Band Lolitas war (vgl. Klüsener 2018, S. 286, Abb. oben links). Insgesamt erschienen zwei Singles, und zwar zunächst ,Für eine Nacht' (1983, Maxisingle); als Autor (Text und Komposition) der A-Seite wird bei discogs.com Rainer Kitzmann angegeben:


Die B-Seite der Single ,Für eine Nacht' heißt ,Besessen' und hat als Komponisten und Texter gleichfalls Rainer Kitzmann (discogs.com - abgerufen am 26.4.2019).

Im Jahr 1984 folgte ,Zwei Schritte' - erschienen bei Mercury (ichwillspass.de - abgerufen am 20.3.2019; Küsener 2018, S. 287 f.):


Für die A-Seite wird als Autor (Writer) Rainer Kitzmann angegeben. Die B-Seite der Single ,Zwei Schritte' heißt ,Heut' hält uns keiner auf' und nennt als Autoren (Writer) Frank Becking und Rainer Kitzmann.

Beide Singles floppten. Offenbar handelt es sich bei diesen Songs um vorher unveröffentlichte Titel, welche ursprünglich für The Stripes vorgesehen waren und von englisch auf deutsch umgeschrieben wurden. Seitens der Presse wurde versucht, die Sängerin "Nena" gleichzustellen, allerdings erfolglos (Frank Becking - Wikipedia-Artikel - abgerufen am 16.3.2019). Dazu Rainer Kitzmann: „[...] ich [habe] zwei von den Songs genutzt, die eigentlich zu Stripes-Zeiten für eine geplante zweite LP entstanden sind. Ich fand es schade, dass das musikalische Material in irgend einer Schublade verschwinden sollte, und so war ich froh, Katja Rischenau zu treffen. [...] Die Songs wurden nun mit deutschen Texten versehen. Und der Witz ist, dass wir dann mit Tirami Su und Nena in der gleichen Fersehsendung aufgetreten sind: im August 1982 im Musikladen." - „[...] für uns [hat sich] leider niemand interessiert. [...] Danach habe ich die Lust verloren, bin aus der Musik-Szene ausgestiegen und habe angefangen, Wirtschaft zu studieren." (zitiert nach Küsener 2018, S. 287 u. 288) - Im Jahr 1985 war er zudem als Bandmanager für Days of Sorrow tätig (Klüsener 2018, S. 288, zur Abb. oben). K. Rischenau wurde die feste Freundin des Extrabreit-Sängers Kay O. Schlasse (vgl. das in der Gaststätte Klarsicht am Bodelschwinghplatz in Wehringhausen aufgenommene Foto bei Wahnbaeck 2018, S. 323, unten). Sie studierte mit dem Berufsziel Lehrerin und gab wohl die Tätigkeit als Sängerin (und Fotomodell - siehe die bunten Bilder im Magazin ,Marabo', September-Ausgabe 1986, wiederabgedruckt bei Wahnbaeck 2018, S. 330) auf; sie heiratete einen anderen Mann (vgl. die Liste der Ausstellungsförderer bei Wahnbaeck 2018, S. 348).

Die Musikszene in Hagen wurde jedenfalls um zwei Bands mit interessanten Sängerinnen ärmer.


Eigene YouTube-Playlist zu The Stripes:




PLAYING IT AGAIN: AS TIME GOES BY

You can't be twenty on sugar mountain.
(Neil Young, Sugar Mountain)

Should the sand of time run out of you
Don't let it bring you down

(Wings, Don't Let It Bring You Down)



1971: From blues to rock

Anfang 1971: "Eroc" steigt bei der Gruppe Charing Cross ein, die "Lupo" ein Jahr zuvor gegründet hatte. Mit dem Einstieg von "Eroc" und Stefan "Willi Wildschwein" Danielak entsteht eine ganz neue Band mit zwei Schlagzeugern - einer davon ist "Eroc"; der Bandname wird später von Charing Cross in Kapelle Elias Grobschnitt geändert und dann - mit der ersten Plattenveröffentlichung - in Grobschnitt abgekürzt (Deutsche-Mugge-Artikel - abgerufen am 10.6.2019).

07.03.1971: In der sogenannten Wartburg der katholischen Kirchengemeinde St. Elizabeth (an der Scharnhorststraße im Lützowviertel) tritt die Band Charing Cross auf (Kühn-Scholz 2018, S. 32, Tourplan).

13.03.1971: Im Haus der Begegnung an der Marienkirche tritt die Band Charing Cross auf (Kühn-Scholz 2018, S. 32, Tourplan).

27.03.1971: Die Band Charing Cross spielt erneut im Haus der Begegnung (Kühn-Scholz 2018, S. 32, Tourplan).

12.04.1971: Bei ihrem Gig im Gemeindehaus der evangelischen Lukaskirche in Eckesey gibt die Band Charing Cross bekannt, daß sie ab sofort als Kapelle Elias Grobschnitt auftreten wird (Kühn-Scholz 2018, S. 33, unten).

01.05.1971: Die Kapelle Elias Grobschnitt tritt im Hasper Haus der Jugend auf (Kühn-Scholz 2018, S. 33, Tourplan 1971).

02.05.1971: Im Kirchengemeindehaus Wartburg (Lützowviertel) gibt die Band Kapelle Elias Grobschnitt ein Konzert (Kühn-Scholz 2018, S. 32, Tourplan).

15.05.1971: Die Kapelle Elias Grobschnitt spielt im Haus der Begegnung (Kühn-Scholz 2018, S. 33, Tourplan 1971).

26.06.1971: Die Kapelle Elias Grobschnitt tritt im Hasper Haus der Jugend auf (Kühn-Scholz 2018, S. 33, Tourplan 1971).

03.07.1971: Die Kapelle Elias Grobschnitt spielt im Haus der Begegnung (Kühn-Scholz 2018, S. 33, Tourplan 1971).


?.09.1971: Das erste Album (,Warum geht es mir so dreckig?') der deutschsprachigen, gesellschaftskritisch engagierten Rockband Ton, Steine, Scherben wird auf einem Independent-Label herausgebracht (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 27.7.2019)). Als bekannteste Lieder daraus gelten ,Macht kaputt, was euch kaputt macht', ,Ich will nicht werden, was mein Alter ist' und ,Der Kampf geht weiter'.


04.09.1971: Die Kapelle Elias Grobschnitt spielt im Haus der Begegnung (Kühn-Scholz 2018, S. 33, Tourplan 1971).

26.09.1971: Die Kapelle Elias Grobschnitt gibt ein Freiluftkonzert im Volkspark. (Kühn-Scholz 2018, S. 33 f.; vgl. die Plattenumhüllung des Albums ,Eroc3' von "Eroc", hier zu ,ABOUT MY TOWN')

08.10.1971: Die Kapelle Elias Grobschnitt spielt im Hasper Haus der Jugend (Kühn-Scholz 2018, S. 33, Tourplan 1971). Bei diesem ,German Progressive Pop-Meeting' (Eintritt: 3,00 DM) traten neben Grobschnitt (unter dem alten Namen) die Formationen Weed, Cravinkel, Eternal Light, Franz K., Manxomes Theory, Götz und Percussion King Ginger auf (gemäß einem Zeitungsausschnitt, dargestellt in dem Video ,GROBSCHNITT - DER ANFANG ( Rückblick 1969-1972 )').

30.10.1971: Die Kapelle Elias Grobschnitt spielt im Haus der Begegnung (Kühn-Scholz 2018, S. 33, Tourplan 1971).


?.11.1971: Die erste LP (,Lindenberg') von Udo Lindenberg erscheint (gemäß Cover von ,German Rock Scene Vol. IV' von GOVI-Schallplatten, Hamburg (1978). Das vierte Album (mit vier kryptischen Symbolen als Titel) von Led Zeppelin wird veröffentlicht; das Paradestück der Platte ist die Rockballade ,Stairway to Heaven' - das bekannteste Lied der Band; die LP gehört in den USA zu den vier am häufigsten verkauften Alben überhaupt Wikipedia-Artikel).


11.11.1971: Gemäß einer Konzertliste tritt die Rockband The Sweet in einem ungenannten Jugendzentrum (wahrscheinlich im Jugendheim am Buschey) in Hagen auf; am 13.12.1973 folgt dann ein Auftritt in „Dortmund Kleine Westfahlenhalle" (ebenda).


12.11.1971: Die dritte LP (,Nursery Cryme') von Genesis - aufgenommen im August 1971 - wird veröffentlicht und hat wie die vorherigen Alben zunächst nur mäßigen Verkaufserfolg; die Zeit muß es noch reifen lassen (Genesis-Biographie des Fanclubs; Wikipedia-Artikel).


?.12.1971: Die Kapelle Grobschnitt unterzeichnet bei ,Metronome Records' in Hamburg ihren ersten Plattenvertrag (Wahnbaeck 2018, S. 35, unten).


1972: The show goes on


Frühjahr 1972: Genesis gelingt der Durchbruch in Europa: nach Erfolgen in Belgien (die LP ,Trespass' erreicht hier die Charts-Spitze) und Italien (,Nursery Cryme' auf Platz 4) hat die Gruppe im Januar einen Auftritt in Brüssel und spielt im April gleich dreizehn Konzerte in Italien; auf dem Rückweg gibt sie im Frankfurter Sinkkasten ihr Deutschland-Debüt; zu großer Popularität verhilft der Band eine exzentrische Bühnenshow bzw. die Verknüpfung von Musik und Optik in den Konzerten (Wikipedia-Artikel - Stand: 15.03.2019).


?.04.1972: Das erste Album von Grobschnitt (,Grobschnitt') erscheint bei Metronome Records in Hamburg; aufgenommen wurde es in den Windrose-Dumont-Studios ebenda; nicht nur für Grobschnitt, sondern für ganz Hagen ist die Veröffentlichung eine Premiere, denn es handelt sich um die erste Langspielplatte einer hiesigen Band. (Kühn-Scholz 2018, S. 36, oben/mittig)


16.04.1972: Das Electric Light Orchestra gibt in A target="_blank" href="http://www.5dim.de/html/London1978+1979.html" class="postlink">Croydon (im Süden Londons) sein Live-Debüt. (Deicke & Rausch 1991, S. 228)


30.04.1972: Im Hotel Westfalenhof am Emilienplatz (damals anscheinend auch ,Haus Westfalenhof' genannt), findet ein wegweisendes Konzert von Kraftwerk statt, welches schlußendlich zur Entstehung von Extrabreit beiträgt, da es Stefan "Kleinkrieg" Klein zur Gründung einer Band anregt.

11.07.1972: Erstes Konzert der neugegründeten Paulus-Kantorei in der Pauluskirche zu Wehringhausen unter der Leitung von Helmut Hemmerich; es werden Werke alter Meister gespielt, wobei der Chor durch Solisten und Mitglieder des Kammerorchesters Herdecke musikalisch unterstützt wird (Scholz 2000, S. 40).



1973: Crisis - what crisis?


Nicht mehr ,Kommune', sondern ,Wohngemeinschaft' heißt das neue Ideal. [...] / Aus dem Lautsprecher dringen die verträumten ,Tubular Bells' von Mike Oldfield, tönen hippieske Folksongs [...] und ländliche, englisch-irische Mythen [...]. Man liebt immer noch den trockenen Rory Gallagher [...]." -„In den Charts läuft Rock 'n' Roll [...]. Suzie Quatro [...] grölt ,Can The Can' und ,48 Crash'. The Sweet beschleunigen mit ,Blockbuster', ,Ballroom Blitz' und ,Hell Raiser' in eine härtere Gangart. [...] Status Quo [...] haben die Akkorde und den Rhythmus entdeckt [...]. [...] 10 CC donnern mit ,Rubber Bullets' auf Platz eins [...]. Elton Johns ,Crocodile Rock' schafft eine Nummer eins in den Staaten [...]. / Und natürlich: Auch braver Kitsch [...]. ,My Love' schluchzt Paul Mc Cartney mit seiner Familienband Wings [...]. Die Carpenters [...] dudeln sich mit ,Top Of The World' an die Top Of The Charts." (Deicke & Rausch 1991, S. 107 u. 108)

Nun ja, aber da war sicher noch 'was! Wir schauen in die Folge 5 (1970 - 1976) der Dokumentation ,Pop 2000':


Auf dem Gut Jellinghausen bei Ennepetal (Ennepe-Ruhr-Kreis) wird eine Wohngemeinschaft gegründet, um alternative Landwirtschaft und Lebensweise (einschließlich der Musik) zu pflegen (Wahnbaeck 2018, S. 112). Udo Lindenberg gründet in Hamburg mit Gottfried Böttger das Panikorchester.

Februar bis Juli 1973: Klaus Schulze nimmt das Doppelalbum ,Cyborg' auf - mit von der Partie: 1 VCS 3 Synthesizer, 1 Orgel, 1 Perkussion, 3 Kontrabässe, 4 Flöten, 12 Cellos und 30 Geigen (laut Angaben auf dem Cover).

?.07.1973: Das Album ,Alles klar auf der Andrea Doria' von Udo Lindenberg und dem Panikorchester erscheint (und wird dann über 100.000 Mal verkauft ).

30.12.1973: Erstsendung von ,Fünf nach sieben – Radiothek' des Westdeutschen Rundfunks (kurz: WDR).



1974: Summer - sugar - sensations


Die Sommerhits klingen überall und immer wieder gleich. [...] Terry Jacks | [„kitzelt"] mit ,Seasons In The Sun' die Tränendrüse. Die Rubettes - noch eine streng durchkostümierte Pop-Band - bekleistern ihre Lieder [...]: ,Sugar Baby Love' und ,Tonight' klingen [...] identisch, dennoch [...] zwei Hits. [...] / ,Summerlove Sensation' - die Bay City Rollers werden zur Teenie-Bopper-Spitzenband des Jahres: Eine Truppe wie das Werbekonzept für Schokoriegel. [...] Noch ein Sommerhit [...]: Carl Douglas und ,Kung Fu Fighting'." (Deicke & Rausch 1991, S. 111 f.)


29.01.1974: Der Leiter der Paulus-Kantorei zu Wehringhausen, Helmut Hemmerich, gründet als weiteren Chor den ,Singkreis Wehringhausen', der für leichteres Singgut gedacht ist (Scholz 2010, S. 41).


?.02.1974: In Hagen-Haspe entsteht die Prog-Rock-Band Albatros (Krause 2018, S. 116, oben; YouTube-Link zur A-Seite der LP).


30.03.1974: Erster Auftritt von The Ramones in New York (Deicke & Rausch 1991, S. 218).


?.04.1974: Das zweite Album ,Ballermann' von Grobschnitt erscheint; als Doppellangspielplatte ist es für Hagen wieder eine Premiere; die Feierlichkeiten rund um einen Plattenladen in der Marienstraße sorgen für ein Verkehrschaos in der Hagener Innenstadt. (Wahnbaeck 2018, S. 37, oben)

22.05.1974: Die Diskothek Pink's Place kommt in Hagens Bahnhofsgegend zur Welt (Schülerzeitung ,Die Lupe' in Hagen, Ausgabe 65 vom Mai 1979, S. 29, Anzeige der Disco).


01.11.1974: Das zweite Album ,Fly To The Rainbow' der deutschen Hardrockband Scorpions erscheint. Nach einer Umbesetzung, die seit Veröffentlichung des Vorgängers ,Lonesome Crow' (1972) stattfand, ist der Stil gegenüber dem Debütalbum stark verändert (Wikipedia-Artikel - Stand: 6.8.2019). Auf der Fly-to-the-Rainbow-Tour (1974-1975: 91 Konzerte) tritt die Band auch im Theodor-Heuss-Gymnasium auf (Datum unbekannt!), wobei als Vorgruppe die Band Mandrake aus Lüdenscheid spielt (Wahnbaeck 2018, S. 84, mittig).

18.11.1974: Das Doppelalbum ,The Lamb Lies Down on Broadway' von Genesis wird veröffentlicht; es gilt bei vielen Fans als künstlerischer Höhepunkt der Schaffensperiode mit dem Gründungsmitglied und Frontmann Peter Gabriel; der Gebrauch verzerrter Instrumente, elektronischer Keyboardsounds und anderer synthetischer Klänge rückt mehr in den Vordergrund (Wikipedia-Artikel - Stand: 15.03.2019).



1975: Rock on the road


Lichtblicke des Jahres sind allenfalls Steve Harley & Rockney Rebel (,Make Me Smile') und Queen, die mit ,Bohemian Rhapsody' einen der erfolgreichsten Titel der Siebziger herausbringen [...]. / Der Rest ist Langeweile [...]. / Das kreative Rock-Leben hat sich in die Versenkung zurückgezogen und arbeitet [...] aber dafür mit Spaß, Witz und Rotzigkeit." (Deicke & Rausch 1991, S. 114)

Die niedersächsische Hardrockband Scorpions unternimmt ihre erste Europa-Tournee und tritt im Vorprogramm von The Sweet auf; die Gruppe findet eigenartigerweise vor allem in Japan Gefallen, wo die erscheinenden Platten nunmehr "vergoldet" werden - 1979 lassen sich dann die USA "erobern" (Wikipedia-Artikel - Stand: 30.07.2019).


Als mögliche Einnahmequelle entsteht auf dem Gut Jellinghausen die Coverband Roaring Sixties; aus ihr geht später Green hervor, welche eigene Kompositionen darbietet (Wahnbaeck 2018, S. 113). Manager von Green wird Hartwig Masuch, welcher bei Roaring Sixties als Sänger fungiert, bevor er im Jahr 1976 The Ramblers gründet und dort als Frontmann auftritt (Wahnbaeck 2018, S. 114). - Siggi Papke gründet den Hagener Folk-Club (Papke 2018, S. 110, unten). Aus der schon einige Jahre bestehenden Gruppe Styx geht Mandrake mit Sitz in Lüdenscheid hervor (Wahnbaeck 2018, S. 82, unten). Deren Proberaum befindet sich vorübergehend auf dem Gelände der stillgelegten Brauerei Bettermann (sogenanntes ,Bettermann-Gelände') in Hagen-Unterberg (Wahnbaeck 2018, S. 83, rechts).


22.02.1975: Die Gruppe Karat aus Ostberlin gibt in Heidenau bei Dresden ihr erstes Konzert (Wikipedia-Artikel - Stand: 25.04.2019).


05.03.1975: Die Hagener Art-Rock-Band Verborg Effector spielt auf der Städtischen Bühne zusammen mit dem Städtischen Sinfonie-Orchester und einem Chor von etwa 150 Jugendlichen (SPEKTAKEL IN HAGEN; Krause 2018, S. 119, Legende zur Abb. links oben).

05.-07.1975: Aufnahme der englischen Version der Langspielplatte ,Jumbo' von Grobschnitt (Wahnbaeck 2018, S.42, oben; vgl. GROBSCHNITT MACHT "SAHARA-SHOW").


?.09.1975: Der Film ,Rocky Horror Picture Show' wird uraufgeführt und bleibt zunächst weitgehend unbeachtet (Deicke & Rausch 1991, S. 116 f.).

12.10.1975: The Faces geben - mit Rod Stewart als Leadsänger - auf Long Island bei New York ihren letzten Live-Gig. (Deicke & Rausch 1991, S. 310).



1976: Changing of the guards


Pink Floyd sind immer noch en vogue; da ist diese Nummer, wo die Autotür zuschlägt und dann eine einsame akustische Guitarre [...] die wehmütige Melodie anstimmt [...]. Die Charts? Ein Supermarkt aus Plastik - Langmähnige und Punks wenden sich gleichermaßen angewidert ab: ,Mamma Mia'!" (Deicke & Rausch 1991, S. 120)


Die Formation The Ramblers wird gegründet - mit The Rolling Stones als Vorbild (Hartwig Masuch - Interview an der Ruhr-Universität Bochum - 17. Nov. 2017).

?.01.1976: Ergänzende Aufnahmen für die deutschsprachige Version der Langspielplatte ,Jumbo' von Grobschnitt (Wahnbaeck 2018, S.42, oben).

31.01.1976: Die Rockband Mandrake aus Lüdenscheid spielt im evangelischen Gemeindehaus zu Hagen-Vorhalle (Wahnbaeck 2018, S. 83, Textkasten ,Mandrake').

01.04.1976: Das Jugendinformationszentrum im Volkspark wird eröffnet (UT 1980; vgl. eigene Tagebuchaufzeichnungen - hier: Einzelblatt-Ordner - zum 29.3.1978).


10.06.1976: Paul McCartney & Wings geben in Seattle (Boeing-Produktonsstätte in den USA) ein Konzert mit über 67000 Besuchern und stellen dadurch einen Hallenrekord auf (Deicke & Rausch 1991, S. 255).

19.07.1976: Deep Purple geben offiziell ihre Trennung bekannt (Deicke & Rausch 1991, S. 271; vgl. aber die
Konzertlisten!).


Herbst 1976: I can see you in the morning when you go to school. Don't forget your books, you know you've got to learn the golden rule. (Supertramp, School) - Die sechszehnjährige Gabriele Susanne Kerner ("Nena") hört nicht auf so 'was, bricht vielmehr am Ende der elften Klasse ihre Oberschulzeit auf dem Christian-Rohlfs-Gymnasium in Hagens Vorstadt Haspe ab und beginnt nun eine dreijährige Lehre als Goldschmiedin in Schwelm (Adresse: ,Neumarkt 8`). Nebenbei bemerkt: auch wenn die Band Extrabreit später davon singt, daß „,die kleinen Mädchen aus der Vorstadt' ihre Schule abfackelten" (Havaii 2017, S. 172, unten, unter Bezugnahme auf das Lied ,Hurra, hurra, die Schule brennt' des Debütalbums ,Ihre größten Erfolge' von 1980), so wird uns diese "Penne" erhalten bleiben. Während Ihrer Ausbildungszeit in der Goldschmiede lernt "Nena" den Hobby-Musiker Stefan Klein (später "Stefan Kleinkrieg" bei Extrabreit) aus dem Hagener Vorort Emst kennen, welcher mit dem selben Zug nach Schwelm zu fahren pflegt; er arbeitet nahebei in dem Kaufhaus ,Kaufhof' als Dekorateur (siehe Stefan Klein bei Schlasse 2018, S. 213, unten; vgl. Schlasse 2017, S. 100, unten); mochte Schwelm auch als Arbeitsort dienen - die Musik spielte in Hagen.


16.10.1976: Das Duo Ike & Tina Turner (= Annie Mae Bullock) trennt sich nach neunzehn Jahren (Deicke & Rausch 1991, S. 312 u. 333).

22.10.1976: Mit der ersten Single ,New Rose' von The Damned erscheint die erste echte Punk-Platte (Deicke & Rausch 1991, S. 118).

19.11.1976: The Sex Pistols veröffentlichen bei EMI ihre Single ,Anarchy In The UK'. (Deicke & Rausch 1991, S. 330).



1977: High noon


Kein Lichtblick im verkaufträchtigen Pop-Business. [...] Allenfalls die neu besetzten Fleetwood Mac (ihre ,Rumours' zählen zu den bestverkauften LPs des Jahres), Stevie Wonder (,Sir Duke'), Eagles (,Hotel California') und Manfred Mann's Earth Band (mit ,Blinded By The Light' [...]) sorgen für ein paar erfrischende Takte Musik. / Oben tut sich noch nichts, aber unten [...]. Ganze Horden stürzen sich 1977 ins Rockgeschäft." - „Kleine Labels schießen aus dem Boden - Gruppen wie The Police bringen ihr Debüt auf eigenene Kosten auf den Markt." (Deicke & Rausch 1991, S. 124)

Ulla Meinecke und Udo Lindenberg finden im Januar als Team zusammen. Aus dieser Zusammenarbeit entsteht U. Meineckes erste LP ,Von toten Tigern und nassen Katzen'; das Stück ,Ex und hopp Mann' erscheint auch auf dem Sampler ,German Rock Scene Vol. IV' von GOVI-Schallplatten, Hamburg (1978). Eric Victor Burdon zieht mit seiner Frau Rosie Marks und seiner Tochter Mirage nach Deutschland, wo das Rockalbum ,Survivor' entsteht; nach dessen Veröffentlichung tourt er durch Holland und lernt Udo Lindenberg kennen, mit dem er auf Deutschlandtournee geht (Wikipedia-Artikel, abgerufen am 28.5.2019).


20.03.1977: Grobschnitt gibt ein Konzert in dem nur etwa achthundert Sitzplätze bietenden Hagener Stadttheater. (Wahnbaeck 2018, S.52, oben)

02.07.1977: Grobschnitt gibt ein abendliches Freilichtkonzert im Hohenlimburger Schloß. Als Vorgruppe spielt die Hagener Band Sweet Poison (Wahnbaeck 2018, S.52, mittig). Open-Air-Konzerte sind für Grobschnitt untypisch (eines fand 1974 bei Tage auf den Ruhrwiesen unweit Bochum statt).


16.08.1977: Todestag von "the king of Rock 'n' Roll" Elvis Presley (Deicke & Rausch 1991, S. 123 f.).


?.09.1977: Die achte LP (,Panische Nächte') von Udo Lindenberg erscheint. Sie gilt als das bislang melodischste und vollendetste Album des Deutschrockers. Das wohl bekanntestes Stück daraus ist der Antidrogensong ,Schneewittchen'; dieser erscheint auch auf dem Sampler ,German Rock Scene Vol. IV' von GOVI-Schallplatten, Hamburg (1978), sowie als Live-Version auf der Doppel-LP ,Udo Lindenberg livehaftig' (1979).


?.11.1977: Nach einem Auftritt in Düsseldorf findet die Band The Ramblers zunehmend Interesse bei Medien und Publikum (Frank Becking - abgerufen am 16.3.2019). Die Goldschmiede-Auszubildende Gabriele Kerner - ein Fan von The Ramblers - wird von Rainer Kitzmann im Madison gefragt, ob sie Sängerin bei der Hagener New-Wave-Band The Stripes werden wolle; sie sagt sofort zu (Nena & Thesenfitz 2005, S. 13; Brendel 2014, S. 24/27).


14.12.1977: Der Film ,Saturday Night Fever' mit dem "Frauenheld" John Travolta feiert in New York Weltpremiere. (Deicke & Rausch 1991, S. 343; vgl. ebenda, S. 128).



1978: New wave or no future


Spätestens mit ,Saturday Night Fever' und ,Grease' wird Disco zur Lebensart [...]. Weg mit den Turmschuhen: Sonnabend-Nacht werden die hohen Pumps aus dem Schrank geholt [...]." (Deicke & Rausch 1991, S. 129)

Die erste LP ,Karat' der Rockpopband Karat, auf der eine Auswahl der bis dahin entstandenen DDR-Rundfunkaufnahmen enthalten ist, wird veröffentlicht (Wikipedia-Artikel - Stand: 25.04.2018).

Frühjahr 1978: Der New-Wave-Band Blondie (1974 von Debbie Harry und Chris Stein in New York City gegründet) gelingt mit dem Song ,Denis' - einer Coverversion des Liedes ,Denise' von Randy & the Rainbows - der Durchbruch; er erreicht in Großbritannien Platz 2 der Charts; Blondie pflegt noch das Image einer Punkband (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 28.5.2019).

?.01.1978: Tangerine Dream produziert in Berlin (Audio Studios) das Album ,Cyclone' (gemäß Cover der LP)

09.01.1978: Die US-Amerikanerin Helen Schneider hat in der Sendung ,Session' des Saarländischen Rundfunks ihr deutsches TV-Debüt (Wikipedia; Stand 2.3.2019).


20.04.1978: „[Im] Fäßchen / 19.30 Uhr {Beginn] / 1,50 DM {Eintritt] / ,Heupferd [Jug Band]'" (TK 1978) (Alben: ,Heupferd Jug Band' 1974, ,Come on in!' 1977) - „eine Jazz-Swing-Country-Band" (Tagebuchaufzeichnungen, hier: Einzelblatt-Ordner) (teilgenommen)

25.04.1978: „ 19.30 Uhr Info: / LEE BACH / 2 DM" - „2 DM" wurde gestrichen und durch „frei!" ersetzt. (TK 1978; vgl. Tagebuch-Aufzeichnungen, hier: Loseblatt-Ordner) (teilgenommen)


13.+14.05.1978: „Festival der Jugend ['78 in Dortmund]" (TK 1978); es spielen Morgenrot aus West-Berlin, Die Puhdys aus der DDR und diverse regionale Amateur-Rockbands (Tagebuch-Aufzeichnungen, hier: Loseblatt-Ordner) (teilgenommen)


Sommer 1978: Die Gründungsmitglieder von The Stripes finden - unter Mitwirkung von Frank Becking - zusammen (Brendel 2014, S. 24, oben; vgl. Nena & Thesenfitz 2005).

06.06.1978: Auftritt der Folksängerin Lee Bach und der irischen Folkgruppe Clannad [Wikipedia-Artikel zu Clannad] im Volkspark (nach meinen Tagebuchaufzeichnungen, hier: Einzelblatt-Ordner) (teilgenommen).

27.06.1978: „abends ,Augenfete' im Info" (TK 1978) (nicht teilgenommen)

01.07.1978: „Theaterfete" (E/A 1978/79) (teilgenommen)


04.07.1978: Steven Demetre Georgiou schwört der Musik ab, wird Moslem und nennt sich ab jetzt nicht mehr "Cat Stevens", sondern "Yusuf Islam". (Deicke & Rausch 1991, S. 265; Westfalenpost Nr. 164 vom 16.07.2008, S. PWC1_neu).


22.08.1978: „abends Oldiefete im Info" (TK 1978)

?.09.1978: Grobschnitt veröffentlicht die LP ,Solar Music Live', welche auf einem Konzert vom 8.4.1978 in Mülheim an der Ruhr basiert. Dieses Live-Album gilt als bedeutendstes Werk der Band (Wahnbaeck 2018, S.53, mittig). Das namengebende Musikstück hat da bereits eine etwa zehnjährige Geschichte "auf dem Buckel" (siehe ,Crew Blues Session' auf der LP ,Eroc3' von Joachim Heinz Ehrig und Begleitdoku auf der Plattenumhüllung).

11.10.1978: Auftritt von The Ramblers und Altenativcasanovas im Kino Lichtburg an der Moltkestraße in Wehringhausen (Wahnbaeck 2018, S. 134, Plakat-Abb. links oben).

19.10.1978: „[Im] Fässchen / zwei Straßenmusikanten / 1,50 DM 20 Uhr" (TK 1978)

22.10.1978: Hitparade mit "Dieter Thomas Heck" (Carl-Dieter Heckscher) in der Ischelandhalle; er selbst gibt Songs von Hans Albers zum Besten (das ,Fliegerlied' ist wohl nicht dabei); außerdem treten auf: Bernhard Brink (,Alles braucht seine Zeit'), Gebrüder Hoffmann und Hoffmann (,Himbeereis zum Frühstück', ,Rose of Cimarron'), Jürgen Drews (,Ein Bett im Kornfeld', ,Wir zieh'n heut' Abend auf's Dach'), Roland Kaiser (,Sieben Fässer Wein', ,Zieh' Dich nicht aus, Amore mio'), "Roy Black" Gerd Höllerich (,Eine Rose schenk' ich Dir', ,Ganz in Weiß'), Siw Inger (,Hey, nur nicht drängeln, junger Mann', ,Värmeland, du schönes Land') und Tony Holiday (,Tanze Samba mit mir'). (N.N. 1978 a; N.N. 1978 b) (als Helfer teilgenommen)

28.10.1978: Konzert von The Jesse Ballard Band in der Fritz-Steinhoff-Gesamtschule bei Hagen-Boele; als Vorgruppe spielt Just We (eigene Tagebuchaufzeichnungen, hier: Einzelblatt-Ordner) (als Helfer teilgenommen).

04.11.1978: Am Vormittag spielt „im Volkspark [..] die Gruppe ,Funny Revival' Rock 'n' Roll" (eigene Tagebuchaufzeichnungen, hier: Einzelblatt-Ordner) (teilgenommen, Fotos).


09.11.1978: Im Ratinger Hof zu Düsseldorf spielt die Punk-Band Wire ein Konzert, welches die regionale Musikszene stark beeinflußt; die Mitglieder der Jazzrock-Formation You, welche in einer Wohngemeinschaft im Gasthof ,Grün In' in Gevelsberg-Silschede (Ennepe-Ruhr-Kreis) leben, beginnen bald damit, ihren Stil in Richtung New Wave umzuorientieren; die Band ändert ihren Namen in Deutsch Amerikanische Freundschaft - abgekürzt DAF (Wikipedia-Artikel zur Band Mau Mau - abgerufen am 17.03.2019; vgl. Havaii 2017, S. 118, unten).


12.11.1978: „Ottos Show" von Otto Waalkes (Wikipedia-Artikel mit Discographie) „in der Ischelandhalle" (eigene Tagebuchaufzeichnungen, Einzelblatt-Ordner) (als Helfer teilgenommen).

16.11.1978: „20 Uhr [Im] Fässchen / Blues 1,50 [DM]" (TK 1978; vgl. eigene Tagebuch, hier Einzelblatt-Ordner; beides ohne nähere Angaben) (teilgenommen).

Ende 1978: Stefan "Kleinkrieg" Klein aus Hagen-Emst gründet mit dem Liedermacher Horst Werner Wiegand die deutschsprachige Punkrockgruppe Extrabreit (Biographie der Band bei ichwillspass.de).

08.12.1978: Im Rahmen der WDR-Rockpalast-Konzerte in der Dortmunder Westfalenhalle erreicht die Gruppe Grobschnitt den 1. Platz unter den beliebtesten Rockpalast-Livebands des Jahres 1978 (Rockpalast-Archiv - abgerufen am 21.3.2019; Wahnbaeck 2018, S. 56 f.).

11.12.1978: in Hagen-Haspe (Jugendzentrum) „im Disco-Keller [...] Rockmusik" (Tagebuchaufzeichnungen, Einzelblatt-Ordner) (teilgenommen).

21.12.1978: Die Band The Stripes mit Frontfrau "Nena" (ihr erster Auftritt) spielen an diesem Donnerstag im Hasper Jugendheim im Rahmen eines kleinen Festivals (Nena & Thesenfitz 2005, S. 19 f.), anscheinend als dritte Gruppe (Brendel 2014). Aus meinen Tagebuch-Aufzeichnungen (hier: Einzelblatt-Ordner) zu diesem Tag: „Am Abend ging ich nach Haspe, wo die Rockgruppe ,Condor' spielte. Gegen 22 Uhr war ich im Bett."- (anfangs teilgenommen; vgl. E/A 1978/79: „1 DM [für den Eintritt in] Haspe") - Wer als zweite Band auftrat, ist mir noch nicht bekannt.


1979: Rock in the park


Plötzlich werden die Hitparaden mit einer neuen Welle durchgespült [...]. Der Rock-Pöbel drängt aus den Clubs und Kellern, nachdem die Punks gezeigt haben, wo es langgeht - und plötzlich ist alles machbar. [...] / Für die Altstars bleibt zwar Platz in den Charts: Britscher Spitzenreiter des Jahres ist Art Garfunkel mit ,Bright Eyes' - aber die neuen Musiker kommen. Sie haben kurze Haare [...] | [...]. Sie tragen Anzüge oder Lederjacken, bonbonbunte Hemden oder zerrissene T-Shirts [...]. [...] Üppige Haarpracht als stille Provokation Altvorderer hat ihre Wirkungskraft verloren." (Deicke & Rausch 1991, S. 131 f.)


Das zweite Album (,Streetheat') von The Ramblers erscheint (Wahnbaeck 2018, S. 20, Abb. der Themenwand). Die Progressive-Rock-Band Albatros aus Hagen-Haspe veröffentlicht in Eigenregie ihre erste LP ,Garden Of Eden' (Krause 2018, S. 116, oben; YouTube-Link zur LP). Gabriele Kerner und Rolf Brendel werden ein Paar; diese Beziehung wirkt sich auch auf die gemeinsame Musik aus ("Nena" spielt zeitweise auch Schlagzeug), und sie hält allen Höhen und Tiefen bis 1987 - also bis zum Ende der Nena-Band - stand.


Frühjahr 1979: Die US-amerikanische Band Blondie hat mit ,Heart of Glass' (Lyrics) ihren größten Erfolg; das Lied wird ein Nummer-eins-Hit in den USA, Großbritannien und Deutschland (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 28.5.2019); Debbie Harrys wasserstoffblonde Haare sowie ihre oft unterkühlte, teilnahmslos wirkende Stimme werden zum Markenzeichen der Band Blondie (ebenda). Helen Schneider unternimmt eine 14-Städte-Tournee durch Österreich, die Schweiz und Westdeutschland; dabei wird in Hamburg ihr Live-Debütalbum ,Helen Schneider - ein Mädchen aus New York' aufgezeichnet (es erscheint gemäß Cover offenbar noch im selben Jahr), und das in diesem Zusammenhang entstandene Fernsehspiel ,Ein Mädchen aus New York' erregt als Deutschlands Beitrag zum Filmwettbewerb in Montreaux Aufsehen in ganz Europa (Münstersche Zeitung vom 1.9.1981). In Berlin entsteht die Band Neonbabies mit den Schwestern Annette und Inga Humpe aus Herdecke (Ennepe-Ruhr-Kreis) als Gründungsmitglieder; sie wird ein fester Bestandteil der Berliner Musikszene und dort bald nahezu kultartig verehrt.

10.01.1979: Die Rockband Mandrake gibt im Jugendheim der "Homebase" Lüdenscheid ihr Abschiedskonzert, welches vom WDR für die Sendung ,Kontaktschuppen' aufgezeichnet wird (Wahnbaeck 2018, S. 95, unten).


16.01.1979: „19.30 [Uhr Beginn im] Info / Rudolf [..] spielt Synthesizer" (TK 1979), denn „Auch [Synthi-]Rudi hat es festgestellt: Hagen ist die Szene der Welt!" (Sperrmüll, Für Rudi, 1982):


27.01.1979: „3 DM Eintritt [für die Band] Aragon" (E/A 1978/79; teilgenommen; nach meiner Erinnerung war der Gig in der Kronenburg)

03.02.1979: „Hans Keller Gruppe spielt im Info / [Beginn] 19 Uhr / [Eintritt] 3 DM" (TK 1979) (teilgenommen, Fotos)


07.02.1979: Die Deutsch Amerikanische Freundschaft (DAF) gibt ihr Debüt-Konzert im Ratinger Hof zu Düsseldorf (Wikipedia-Artikel zur Band Mau Mau - abgerufen am 17.03.2019); DAF gilt als Pionier und Inspirationsquelle für die Genres Electropunk, Electronic Body Music und Techno (Wikipedia-Artikel zur Band Deutsch Amerikanische Freundschaft - abgerufen am 17.03.2019).


08.02.1979: „abends HdB: The Bully Wee Band" (TK 1979)

13.02.1979: „Christof Stählin / im Info abends / angeblich etwas Besonderes" (TK 1979; das zugehörige Plakat ist auf dem Foto vom 3.02.1979 aus dem "Info" mit der Hagen-Keller-Gruppe zu sehen). C. Stählin (*18.06.1942 - †09.09.2015) ist Schriftsteller, Liedermacher, angesehener Kabarettist und seit 1970 auf Tourneen mit eigenen Liedern und Texten unterwegs.

20.02.1979: „Klassik-Abend im Info / Eintritt 2 DM" (TK 1979).

26.02.1979: „Rosenmontag / 16 Uhr Sockenball [in der Ischelandhalle]" (TK 1979; vgl. E/A 1978/79 - teilgenommen).

03.03.1979: „[Die 3]Tornados im Info / 3 DM / abends" (TK 1979). Dazu Siggi Papke vom Hagener Folk-Club: „die legendären Drei Tornados - das Politkabarett aus Berlin" (Papke 2018, S. 111, mittig; vgl. Havaii 2017, S. 55, oben, u. S. 57, oben) - gegründet 1977, siehe Wikipdia-Artikel - abgerufen am 13.6.2019 (teilgenommen).

12.04.1979: Folkabend im "Fäßchen" (teilgenommen).

26.+27.04.1979: Erste öffentliche Auftritte von Extrabreit als Vorgruppe bei einer am Folgetag wiederholten Veranstaltung in der Kaufmannsschule in Hagen (Rückblick von Stefan Klein - Stand: 24.3.2019; vgl. Havaii 2017, S. 56 f.; das Plakat ist abgebildet bei Wahnbaeck 2018, S. 191).

15.05.1979: „abends Info-Fete" (TK 1979).

24.05.1979: Folkabend im "Fäßchen" (teilgenommen, Fotos).

26.05.1979: Bei der Schulentlassungsfeier für die Abiturienten des Fichte-Gymnasiums spielt (gemäß Programm-Übersicht) die Gruppe Lightning (eine Schülercombo) ein ,Rock 'n' Roll Medley' (teilgenommen).

07.06.1979: „abends Liederjan" (TK 1979) im Haus der Begegnung (teilgenommen, Fotos).

08.06.1979: „Kinderfest -> Abschlußfete der Helfer " (TK 1979) im Jugendinformationszentrum (teilgenommen, Fotos).


16.06.1979: In Frankfurt am Main findet das (erste) Festival ,Rock gegen Rechts' (Wikipdia-Artikel) statt, welches großen Einfluß auf die rockige Musikszene in Deutschland hat; es wird von etwa 50.000 Menschen besucht. Dabei tritt - neben einer österreichischen (Schmetterlinge) und einer britischen (Misty) Gruppe - unter anderen auch die niederländische Band Bots auf, welche seit kurzem neben niederländischen auch deutschsprachige Songs bietet; diese beruhen zum Teil (zum Beispiel ,Sieben Tage lang') auf westeuropäischen ,traditionellen' volkstümlichen Liedern; für das deutsche Album ,Aufstehn!' (erschienen 1980) wird die besonders in der Friedensbewegung populäre Gruppe eine Goldene Schallplatte erhalten (Wikipdia-Artikel - Stand: 25.7.2019).


20.06.1979: Freiluftfestival im Volkspark: ,Mit Rock in die Ferien' - das erste seiner Art in Hagen (teilgenommen, Fotos).

25.06.1979: Mit ihrer zweiten Single ,Kids Are Back to Rock 'n' Roll' tritt die Band The Ramblers in der von Ilja Richter moderierten ZDF-Sendereihe ,Disco' auf (Frank Becking - Wikipedia-Artikel - abgerufen am 16.3.2019; vgl. Wahnbaeck 2018, S.20, Abb. der Themenwand, u. S. 124, oben).

26.06.1979: „[...] im Info [...]. Am Abend [...] Michael Thilo" (Tagebuch 1979); (LP ,Von Mäusen, Zuhältern und der ewigen Unzufriedenheit' 1975 - diverse Singles 1973 - 1985, siehe die Discographie) (teilgenommen).

03.07.1979: Auftritt der Folksängerin Lee Bach im "Info" mit Liedern und einer Filmvorführung (Tagebuch 1979).


14.07.1979: Ein Gig von Jean-Michel Jarre - der über Eurovision im Fernsehen gesendete Live-Auftritt auf der Place de la Concorde in Paris - wird von Lichteffekten, Projektionen und Feuerwerk begleitet, und über eine Million Zuschauer erwirken einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde für das zuschauerstärkste Konzert aller Zeiten (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 25.4.2019; vgl. den Konzerte-Überblick).


10.07.1979: Auftritt von John Vaughan im "Info" (Tagebuch 1979).

03.08.1979: Angeblicher Auftritt von The Stripes mit Gabriele Susanne Kerner als "Nena" im Haus der Jugend in Haspe (gemäß Artikel von Jens Strubbe vom 17. Februar 2010 bei wp.de). Ein ,kürzlicher' Auftritt wird auch in zeitgenössischen Quellen (September 1979) erwähnt, allerdings ohne Datum.

29.08.1979: Der WDR zeichnet in Köln eine Live-Show von The Ramblers für die Sendereihe ,Rockpalast' auf (Frank Becking - Wikipedia-Artikel - abgerufen am 16.3.2019). Dabei spielt die Band dreizehn Songs (Becking 2018, S. 124, oben; siehe die Setlist).


?.09.1979: Die DDR-Rockpopband Karat darf erstmals im Westen kommerziell auftreten, und zwar in Westberlin (Wikipedia-Artikel - Stand: 25.04.2018).


13.09.1979: „20 Uhr HdB / Thommie Bayer [Band] / 4 DM" (TK 1979) - „HdB (Haus der Begegnung), wo Thommie Bayer" spielt; es handelt sich um Thomas Bayer-Heer (* 22.04.1953) (Wikipedia-Artikel, abgerufen am 5.5.2019) (teilgenommen).


14.09.1979: Mit der Veröffentlichung des Albums ,Stormwatch' (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 28.5.2019) zeigt Jethro Tull, daß auch in dieser zuletzt der Folkmusik nahestehenden Rockband (Wikipedia-Artikel) die Politik zunehmend eine textliche Rolle spielt; so wird hier die Ölförderung in der Nordsee kritisiert (ebenda).


29.09.1979: Wehringhausener „Stadtteilfest [auf dem] Wilhelmsplatz" (TK 1979) mit erstem Auftritt von Kay-Oliver Schlasse ("Kai Havaii") als Frontmann von Extrabreit (Havaii 2017, S. 72 - 74; auf dem von ihm entworfenen Plakat (Abb. bei Havaii 2017, Tafelteil nach S. 160, u. Wahnbaeck 2018, S. 173) schrieb er: „SCHNALLT EUCH SCHON MAL AN!" (Fotogalerie vom "Ex-Hometowner" Peter zu Soest zum Gig der Band - Stand: 24.3.2019). Als Vorgruppe spielt die „Coverband ,Just For Fun'" (Havaii 2017, S. 72, mittig) (nicht teilgenommen).

04.10.1979: „Wild Geese / HdB 20.00 / 3,50 DM" (TK 1979).

23.10.1979: ,Wann hört dieser Wahnsinn endlich auf?' - Extrabreit gibt ein Konzert (wo?) und füllt damit eine Musikcassette (,Rock aus Wehrdichhausen' - Stand: 20.3.2019), welche in kleiner Auflage im Eigenvertrieb unter die Leute kommt und so in einschlägigen Kreisen für Aufmerksamkeit sorgt (Biographie der Band bei ichwillspass.de - Stand: 20.3.2019). Mit von der Partie ist "Gabi Lappen" Gabriele Lambrecht, welche das Piano bedient und sonst mit ihren Geschwistern und Sybille Hahn die Band Kein MenscH! (Wikipedia-Artikel, abgerufen am 20.3.2019) betreibt (vgl. Havaii 2017, S. 41 f.).

26.10.1979: „20.00 Info / Rock - Jazz (Rockomotive)" (TK 1979) (nicht teilgenommen).

09.11.1979: Der Auftritt von Extrabreit in der Kronenburg führt - nach Inaussichtstellung eines Plattenvertrags - zu einem Management-Vertrag mit dem WM Musikverlag von Ulrich Wiehagen und Hartwig Masuch (Havaii 2017, S. 76 - 78; Schlasse 2018, S. 204 f.; vgl. Stefan "Kleinkrieg" Klein in Kante 2014, S. 154 f.) (nicht teilgenommen).

Ende 1979: "Nena" Kerner beendet ihre Lehre in Schwelm; die erste Single von The Stripes namens ,Ecstasy' erscheint bei der Plattenfirma CBS (Wahnbaeck 2018, S. 124, unten; Wikipedia - Stand: 13.02.2019 - dort genannte Quelle: discogs.com).

31.12.1979: Die Silvesternacht ins letzte Jahr des 1970er Jahrzehnts 1980 mit Extrabreit aus Hagen, Hans-A-Plast aus Hannover und der Quietschboys Revival Band aus Bochum im Haus Waldfrieden in Hagen-Fley endet im Chaos (vgl. Havaii 2017, S. 78 - 81) - Stefan "Kleinkriegs" Kommentar (nach "Kai Havaii"): So sind sie halt, die Kinder (Schlasse 2018, S. 205, mittig) (nicht teilgenommen).


1980: Gold Mount music


Die Rocklandschaft ist im Aufbruch - auch in Deutschland. Unvermeidlich nach dem Herüber-|schwappen der britischen ,New Wave' formiert sich auch eine ,Neue Deutsche Welle'. Ganz oben auf dem Haufen kräht Nina Hagen, Ziehkind Wolf Biermanns [...].[...] Inzwischen hat die schrille Diva ihre Musiker entlassen [...]. [...] In der Bundesrepublik entsteht eine Selfmade-Szene aus Heimstudio-Tüftlern, winzigen Labels [...] und unbändiger Kraft. Selbst Superseller wie Ideal begannen ihre Karriere mit einer selbstproduzierten Single [...]." (Deicke & Rausch 1991, S. 137)


Die dritte LP ,Strange Life' von The Ramblers erscheint bei CBS (Frank Becking - Wikipedia-Artikel - abgerufen am 16.3.2019). Die zweite Single ,Strangers' von The Stripes wird veröffentlicht (Wikipedia - Stand: 13.02.2019). Die erste LP ,Ihre größten Erfolge' von Extrabreit erscheint (wochenkurier Hagen vom 29.8.2018, S. 16). Es enthält 13 "Alltagshymnen", darunter ,Hart wie Marmelade', ,Lottokönig', ,Sturzflug' und ,Junge, wir können so heiß sein', findet aber zunächst nur wenig Interesse (Kurzbiographie der Band).


Frühjahr 1980: Das von lyrischen Stücken geprägte dritte Album ,Schwanenkönig' von Karat erscheint; die Texte stammen hauptsächlich von dem Journalisten Norbert Kaiser (Wikipedia-Artikel - Stand: 25.04.2018).


Frühjahr 1980: Frank Becking, Hartwig Masuch, Rolf Brendel und Wolfgang "Hunter" Jäger musizieren in der Band The Blue Boys (Wahnbaeck 2018, S. 136, zur Abb. oben rechts, u. S. 137, zu den 2 Abb. oben).

06.03.1980: „[Im] Fäßchen Folk / deutsch[e] + amerik[anische] Lieder / 1,50 [DM Eintritt]" (UT 1980).

20.03.1980: „[Im] Fäßchen / linke Lieder / 1,50 DM" (UT 1980).

03.04.1980: „20 Uhr [Im] Fäßchen / Folkrock / 2,- [DM Eintritt]" (UT 1980) (teilgenommen, Fotos).

14.04.1980: Die erste Single ,Hart wie Marmelade' von Extrabreit erscheint zum 23. Geburtstag ihres Sängers "Kai Havaii" (Kay O. Schlasse) (Havaii 2018, S. 210, mittig).

?.4.1980-?.7.1980: Aufnahme der Langspielplatte ,The Stripes' im Studio Hiltpoltstein; anschließend Aufnahme and Mix in den Hotline Studios zu Frankfurt am Main (Angaben auf dem Plattencover).

14.+15.05.1980: Amateur-Rockfestival in der Diskothek Madison; für die Endrunde qualifizieren sich Streamliner, Stainless, Emozion, Just For Fun, Touch, Die Helden, 007 und The Blue Boys (Wahnbaeck 2018, S. 136, zur Abb. oben rechts).

?.06.1980: Zweites Freiluftfestival ,Mit Rock in die Ferien'; dieses Ereignis findet auf dem Goldberg (im Hagener Stadtwald statt) - insofern wieder eine Premiere!

03.06.1980: Auftritt von The Stripes mit dem Song ,Ecstasy' in der ,Plattenküche' des Westdeutschen Rundfunks (ohne Ankündigung auch hier) (Brendel 2014, S. 38, oben/mittig). Auf Grund eines in die Sendung eingebauten albernen Sketches und eines durch den Zensor eingeblendeten Gemäldes - welcher den kompletten Anblick einer (damals sehr angesagten) Tanzbewegung "Nenas" verhindert - kommen Band und Tanzgruppe bedauerlicherweise nicht angemessen zur Geltung. In der Sendung treten noch Hot Chocolate (mit ,No Doubt About It') und Marius Müller-Westernhagen (,Lady') auf (Brendel 2014, S. 38, mittig).

6.+7.06.1980: Das ,Neue-Welle-Festival' im ,Lux Rock-Kino' zu Hagen-Hohenlimburg findet ohne Beteiligung von Bands aus Hagen statt (organisiert von Jörg A. Hoppe).


16.+17.06.1980: In Frankfurt am Main findet das zweite Festival ,Rock gegen Rechts' statt, wobei dieses durch Hausbesetzer gestört wird (Wikipdia-Artikel - Stand: 24.7.2019).

Herbst 1980: Helen Schneider und Udo Lindenberg beginnen eine große gemeinsame Deutschland-Tournee (Münstersche Zeitung vom 1.9.1981).


?.09.1980: Das erste Album von The Stripes erscheint (laut offizieller Nena-Seite - Stand: 1.5.2019)

01.09.1980: The Stripes beginnen „pünktlich zum Erscheinen ihrer ersten Langspielplatte" eine Tournee, welche bis zum Jahresende dauern soll (Flugblatt des WM Musikverlags, abgedruckt bei Wahnbaeck 2018, S. 151, rechts oben).

?.12.1980: Der Bassist Wolfgang Jäger verläßt nach zwei Monaten Mitgliedschaft The Stripes und wechselt zu Extrabreit.


04.12.1980: Der Tod des Schlagzeugers John Bonham im September 1980 bedeutet - so die Pressemitteilung des Tages - das Ende der mit 300 Millionen verkauften Alben zu den erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte zählenden Gruppe Led Zeppelin, welche zu den Pionieren des Hard Rock, Blues Rock, Progressive Rock und Heavy Metal gehört, wobei die Musik sogar Folkmusik-Elemente enthält (etwa in der Rock-Ballade ,Stairway to Heaven') (Wikipedia-Artikel - Stand: 30.7.2019).


08.12.1980: ,Die Rocknacht' in der Fritz-Steinhoff-Gesamtschule in Hagen-Helfe findet - fast pünktlich zum Nikolaus - mit den Gruppen Extrabreit, Lamain, The Ramblers und The Stripes statt (Wahnbaeck 2018, S. 144, Abb. oben und unten: The Stripes; Faksimile des zugehörigen Flugblatts ebenda auf S. 156, oben).


30.12.1980: Letzter Sendetag von ,Fünf nach sieben – Radiothek' des Senders ,WDR 2': die Radiothek-Redaktion bieten eine viereinhalbstündige Live-Sonderausgabe namens ,Das war’s – Radiothek', welche in der Stadthalle zu Köln-Mülheim mit etwa 1500 Zuschauern stattfindet; mit Beiträgen beteiligen sich unter anderem der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch, die Liedermacher Frank Baier, Dieter Süverkrüp und Walter Mossmann, die Kabarettgruppen Karl Napps Chaos Theater und Die 3 Tornados, die Bluesband Das dritte Ohr und die Kölner Rockgruppe BAP; dabei führt die Aufführung des Sketches ,Krippenspiel' durch Die 3 Tornados zu heftigem Hörer- und Kirchen-Protest, welcher die - später aufgehobene - fristlose Kündigung des verantwortlichen WDR-Hörfunkredakteurs bewirkt (Wikipdia-Artikel - Stand: 26.7.2019).



1981: Disco kills the dog

Eröffnung der neuen Hagener Stadthalle am Ausgang des Wasserlosen Tals. Diese wird - im Gegensatz zur Vorgängerin, welche man dreißig Jahre zuvor schlicht "platt machte" - salopp gehegt und suffig gepflegt: Karneval ja, Rock nein. Erst im ausgehenden Folgejahr darf dort eine Rockband auftreten. - Die Electronic-Music-Band Kein MenscH! veröffentlicht ihre erste Single ,Kein MenscH!' auf dem Hagener Independent Label Tonträger 58 (Lambrecht & Hahn 2018, S. 298 f.). "Eroc" Joachim Heinz Ehrig veröffentlicht nach dem Erfolg von ,Wolkenreise' (erschienen 1979) die zweite Single ,Vogelfrei' als Maxisingle (B-Seite: ,Zimperlein'); deren Sound erinnert mehr an den von Tangerine Dream, und die Scheibe ist weniger gefragt als das Wolkenstück.


Das Album ,Blackout' gehört zu dem 3 wichtigsten Alben der norddeutschen Band Scorpions und gilt als bestes Hard-Rock-Album des Jahres; es erreicht sogar die Top Ten der US-amerikanischen Charts (Wikipedia-Artikel - Stand: 30.7.2019).


?.01.1981: Zehnjähriges Jubiläum der Paulus-Kantorei zu Wehringhausen, wo unter der Leitung von Kantor Helmut Hemmerich Erwachsene, Jugendliche und Kinder im Chor oder als Musizierende mit Blockflöte, Gitarre oder in Orffschen Kreisen tätig sind; neben dem Gottesdienst stehen Konzerte, Voführungen in Krankenhäusern und Altenheimen, bei Gemeindefeiern, Kammermusiken und Orgelstunden auf dem Programm (Scholz 2010, S. 45).

16.02.1981: The Stripes präsentieren in der von Ilja Richter moderierten ZDF-Sendung ,Disco' (bzw. ,Disco '81') den Titel ,Tell Me Your Name' (wochenkurier Hagen vom 29.8.2018, S. 16; Frank Becking - Wikipedia-Artikel - abgerufen am 16.3.2019; vgl. Wahnbaeck 2018, S. 156). Nach Rolf Brendel wurde des Sendung am 14.02.1981 aufgezeichnet; mit von der Partie seien Abba, Bonnie Tyler und Claus Mathias gewesen (Brendel 2014, S. 38, mittig).

?.03.1981: Die LP ,Illegal' von Grobschnitt erscheint; der finale Mix fand bei "Erke" ("Eroc") Joachim Heinz Ehrig in der Pelmkestraße zu Hagen-Wehringhausen statt (Wahnbaeck 2018, S. 62, unten). Eine Autogrammstunde von Extrabreit im Kaufhaus Quelle gegenüber dem Stadttheater Hagen endet in einer Massenplünderung der Plattenabteilung (Wahnbaeck 2018, S. 225 f.).

11.07.1981: Zweite Hagener Folk-, Pop- & Blues-Nacht in der Fritz-Steinhoff-Gesamtschule in Hagen-Helfe (Faksimile von Ausschnitten der Ankündigung per Flugblatt bei Papke 2018, S. 110, oben).


17.07.1981: Auftritt von The Pretenders (mit Chrissie Hynde als Sängerin) im ,Rockpalast' des WDR - hier: in der Grugahalle zu Essen an der Ruhr.

?.08.1981: Die Single ,Rock ’n’ Roll Gypsy' von Helen Schneider erscheint und landet in der 8. Woche auf den ersten Platz in den schweizer und in der 26. Woche auf Platz 6 der deutschen Charts (Wikipedia; Stand 2.3.2019).

?.09.1981: Die DDR-Band Karat stellt im Rahmen eines Live-Auftritts zum Weltfriedenstag in Ostberlin der Öffentlichkeit das Lied ,Der blaue Planet' vor; die bald darauf erscheinene Single gleichen Namens wird zum Verkaufsrenner (Wikipedia-Artikel - Stand: 25.04.2018).


?.10.1981: Die zweite LP ,Welch' ein Land - was für Männer' von Extrabreit erscheint (wochenkurier Hagen vom 29.8.2018, S. 16).


?.10.1981: Der 1980/81 bei der Bavaria in München (einer Tochtergesellschaft des Westdeutschen Rundfunks) gedrehte Film ,Das Boot' von Wolfgang Petersen - mit der bewegenden Musik von Klaus Doldinger und dem Film-Debüt von Herbert Grönemeyer - kommt in die deutschen Kinos. Er gilt bald - außer bei Kritikern - als bester Film Nachkriegsdeutschlands, kommt 1985 als Langfassung sechsteilig in's Fernsehen und wird 1996 von der Columbia als "Director's Cut" neu herausgebracht (Kommentar-Untertitel und Cover der DVD).

10.10.1981: In Bonn kommt es zu einer Großdemonstration der Friedensbewegung, an welcher rund 300.000 Menschen teilnehmen (Archiv der Friedenskooperative - Stand: 24.7.2019). Bei der zentralen Kundgebung im Hofgarten (Universitätsgelände) und den Auftaktkundgebungen treten neben Rednern auch Liedermacher und Bands auf, zum Beispiel Bots aus den Niederlanden, welche vorher schon auf Festivals in der DDR aufgetreten war (Wikipdia-Artikel - Stand: 24.7.2019), und die Gruppe Zupfgeigenhansel. (teilgenommen)



1982: Singing deutsch

Da [= als er 1982 nach Hamburg zog (D.R.)] war für mich schon klar, dass sich die ganze Szene in Hagen auflöste: Nena war nach Berlin gezogen[,] und Extrabreit stürzten mit dem Niedergang der Neuen Deutschen Welle relativ schnell ab." (Hartwig Masuch bei Wahnbaeck 2018, S. 133, unten) - Die Band Caprifischer wird gegründet, bestehend aus befreundeten Hagener Musikern; zur Besetzung gehören neben Frank Becking Rainer Kitzmann (Gitarre), Uwe Himmelrath (Bass; *23.05.1957 - †27.04.2010), Helmut Voigt (Schlagzeug) und die Sängerin Heike Grumpe. Es bleibt bei nur einer LP (,Caprifischer') (Liste der Stücke). Die Besetzung ist ähnlich wie bei Tirami Su, aber Musikstil und Sängerin unterscheiden sich deutlich. In Hagen wird nach ,Alles aus Hagen' ein zweiter Sampler unter dem Plattenlabel ,Tonträger 58' veröffentlicht: ,stars auf 58' (Wahnbaeck 2018, S. 185).


Was war so los in 1982? Klar, in der Prog-Welt kam die 2. Generation in die Gänge und eine (damals noch überschaubare) neue Prog-Szene etablierte sich weltweit; interessierte halt wenige. Durch die Charts stürmten die neuen Romantiker und natürlich Falco, UKW, Trio und die Spider Murphy Gang. Ich schaue gerade durch die Charts des Jahres und mir schaudert." (Günter Schote am 12.04.2018 auf den ,Babyblauen Seiten')


Anfang 1982: Die Band The Stripes löst sich auf; deren Frontfrau "Nena" und der Drummer Rolf Brendel ziehen gemeinsam nach Berlin. "Nena" beginnt im Büro des Photographen "Jim Rakete" zu arbeiten, kümmert sich um die Fanpost von Spliff und lernt so, wie deren (weibliche) Fans ticken: Ich habe heute nichts versäumt, denn ich habe nur von dir geträumt. (Ähnliches konnte ich bei Fans anläßlich der ,Hitparade' am 22.10.1978 erfahren.) Reinhold Heil und Manne Praeker von Spliff beginnen, die neugegründete Band Nena bzw. deren Platten zu produzieren.

?.01.1982: „Gastspielreise ('...von 0 auf 58') im Januar 82 mit: Kein MenscH! * betamax * No Names * X-Quadrat u.a." (Cover der LP ,Alles aus Hagen' - discogs.com-Artikel, abgerufen am 20.3.2019; vgl. Wahnbaeck 2018, S. 185):


?.02.1982: „Auf den "begrünten" Verkehrsinseln in HOMETOWN [= Hagen in Westfalen] stecken die ersten Schneeglöckchen ihren Hals aus dem abgasgrauen Schnee und im "Eisenbahnerhäuschen" in der Sedanstrasse – gleich hinter dem Güterbahnhof - wird bei gewohnt kräftiger Lautstärke für die "Levis-Tour" geprobt, die im März beginnen soll." ("Kurt Grosskurt"/"Kai Havaii" Kay-O. Schlasse: Die EXTRABREIT-Story, Teil 42; vgl. das eingangs abgebildete Ticket!)

?.04.1982: Von Grobschnitt erscheint bei Metronome das im Studio The Shed zu Sprockhövel (Ennepe-Ruhr-Kr.) bereits im Sommer 1981 aufgenommene Studioalbum ,Razzia'; damit stellt die Band endgültig auf deutsche Texte um, wenn man von dem 1975 erschienenen Album ,Jumbo' absieht, zu dem 1976 eine deutsche Fassung nachgereicht wurde; das ausgekoppelte Lied ,Wir wollen leben' wird eine Art Hymne der Ökologie-Bewegung und erreicht noch im Jahr 1982 Platz 1 der Schlagerrallye des Radiosenders WDR2 (babyblaue-seiten.de - abgerufen 8.4.2019)

?.05.1982: Die erste Single ,Nur geträumt' (Artikel von Wikipedia - .abgerufen am 16.3.2019) der n.euen Band Nena von Gabriele Kerner - aufgenommen in den Berliner Spliff-Studios - erscheint, bleibt aber ein Vierteljährchen lang unbeachtet (Nena-Artikel von Wikipedia - abgerufen am 16.3.2019).

28.+29.05.1982: Zweitägiges Fernsehfestival ,Rockpop in Concert' in Dortmund mit BAP, Extrabreit, Hubert Kah, Ideal, Spider Murphy Gang und UKW (Schlasse 2018, S. 255, unten).


01.06.1982: Die im Oktober 1981 gegründete Band Mau Mau aus Gevelsberg-Silschede (Ennepe-Ruhr-Kreis) tritt in der Berliner Music Hall als Begleitband des Performance-Künstlers Wolfgang Luthe aus Hagen auf (Klüsener 2018, S. 284 f.); Artikel ,Mau Mau (Band)' von Wikipedia - abgerufen am 17.3.2019).


?.07.1982: Die dritte Langspielplatte von Extrabreit wird „Abgemischt im Union-Studio / München von MACK, Juli 82 [...] Besonderer Dank gilt: [...] allen Bewohnern von Markt Hiltpol[t]stein für die Nacht vom 6. auf den 7. Juli 82" (so auf der betexteten Plattenhülle). Von dieser Nacht - „Superhelden rasen" (vgl. Havaii 2017, S. 194 - 198) - werden wohl spätere Generationen noch zu erzählen wissen!

21.08.1982: Die Ausstrahlung ihres am 17.8. aufgezeichneten Auftritts im ARD-,Musikladen' von Radio Bremen (siehe dazu Brendel 2014, S. 88 f.; vgl. Nena-Artikel von Wikipedia - abgerufen am 16.3.2019) bringt der neuen Band Nena den kommerziellen Durchbruch. Mindestens 38.000 verkaufte Singles ,Nur geträumt' allein am darauf folgenden Werktag! Für die Plattenfirma CBS bedeutet dies einen neuen Verkaufsrekord (Artikel ,Nur geträumt' von Wikipedia - abgerufen am 16.3.2019). Nena ist nicht die einzige Band mit Hagener Wurzeln, welche in dieser Sendung ihren Auftritt hat. Grobschnitt spielt ,Wir wollen leben' (Kühn-Scholz 2018, S. 84, oben), und Tirami Su - die Sängerin heißt Katja Rischenau (damals oder erst später mehrjährige Freundin des Extrabreit-Sängers "Kai Havaii") - ist mit ,Zwei Schritte' vertreten; Tirami Su findet allerdings kaum Interesse (Klüsener 2018, S. 287 f.). - "Nena" macht dagegen unter anderem wegen des ledernen Minirocks der Sängerin Furore; mich verwundert dies nicht, denn ich hatte gesehen, welchen Eindruck das Auftreten der Extrabreit-Musiker in kurzen Trachtenlederhosen in Landshut hinterließ. Heiß!

Herbst 1982: Die dritte LP ,Die Rückkehr der phantastischen Fünf' von Extrabreit erscheint; das Album schließt die Trilogie der Extrabreit-Frühwerke mit Nummern wie ,Kleptomanie', ,Superhelden', ,Kokain', ,Komm nach Hagen' und ,Duo Infernal' (mit Marianne Rosenberg) ab (Kurzbiographie der Band - abgerufen am 16.3.2019).

13.09.1982: Die Band Nena erreicht erstmals eine Platzierung in den deutschen Plattenverkaufslisten: die Single ,Nur geträumt' erreicht Platz 2 der deutschen Singlecharts (Nena-Artikel von Wikipedia - abgerufen am 16.3.2019), und noch im September 1982 gibt es für die Band die erste Goldene Schallplatte (Artikel ,Nur geträumt' von Wikipedia - abgerufen am 16.3.2019).

04.11.1982: Erster Auftritt von Grobschnitt in der Hagener Stadthalle (N.N. : ,Heimspiel' für Grobschnitt, in: Westfalenpost Hagen Nr. 258 vom 5.11.1982, S. HA3; Wahnbaeck 2018, S. 65, unten, dazu Faksimile des WP-Artikels oben rechts).


17.12.1982: The Who spielen in Toronto (Kanada) das letzte Konzert ihrer Abschiedstour (Deicke & Rausch 1991, S. 344).



1983: Game over

Die bereits totgesagten Ton, Steine, Scherben (welche sich erst 1985 auflösen, um im April 2014 zusammen zu finden) spielen - nach dem Einsteg von Claudia Roth als Tourmanagerin - ein Unterstützungskonzert für den Hagener Folk-Club in der Fritz-Steinhoff-Gesamtschule zu Hagen-Helfe (Papke 2018, S. 111, unten). Die Hagener Band Tirami Su veröffentlicht ihre erste Single ,Für eine Nacht' (ichwillspass.de - abgerufen am 20.3.2019).


Frühjahr 1983: Die DDR-Band Karat erhält in der BRD eine Goldene Schallplatte für ihr Album ,Der blaue Planet' (Wikipedia-Artikel - Stand: 25.04.2018).


?.01.1983: Als zweite Single der Band Nena wird der Titel ,99 Luftballons' (Artikel von Wikipedia - abgerufen am 16.3.2019) veröffentlicht; der Song gelangt Ende März 1983 auf Platz 1 der Verkaufslisten in Deutschland (ebenda) und entwickelt sich ab Dezember 1983 auch weltweit zu einem Megahit (Nena-Artikel von Wikipedia - abgerufen am 16.3.2019). Der Titel bleibt allerdings der einzige Hit der Band Nena außerhalb Europas (Artikel von Wikipedia - abgerufen am 16.3.2019).

04.01.1983: Die erste LP (Studioalbum) ,Nena' der Band Nena erscheint bei CBS; sie wurde im Studio der Formation Spliff in Berlin aufgenommen (Artikel ,Nena (Album)' von Wikipedia - abgerufen am 16.3.2019); innerhalb kürzester Zeit gelangt sie auf Platz 1 der LP-Charts in Deutschland, und Ende April 1983 gibt's dafür prompt eine der seltenen Platinplatten (Artikel ,Die Biografie von Nena' von musik-charts.net - abgerufen am 16.3.2019).

04.02.1983: Start der Kinokomödie (mit Musik und Sketchen) ,Gib Gas, ich will Spaß', in dem neben "Nena" der NDW-Star "Markus" (Markus Mörl), Endrick "Enny" Gerber (*1950 - †8/2001) von Morgenrot (Wikipedia-Artikel - Stand: 29.4.2019), der Komiker Karl Dall und - in einer kleinen Nebenrolle als "Ordnungsmacht" - die Band Extrabreit auftreten (Artikel ,Gib Gas – Ich will Spaß' von Wikipedia - abgerufen am 16.3.2019).


02.03.1983: Die Plattenfirmen Sony, Philips und Polygram stellen die Compact Disk (CD) vor (Deicke & Rausch 1991, S. 205).

07.03.1983: Auftritt der Band Nena im ,Rockpalast' des WDR (in der ,Zeche' in Bochum) (Zweitlink) - fünf Jahre nach Grobschnitt (in Dortmund) und vier nach The Ramblers (in Köln) (vgl. Rockpalast-Archiv - Stand: 28.4.2019).

01.07.1983: Der Kantor Helmut Hemmerich zu Wehringhausen begeht sein 25jähriges Jubiläum im kirchlichen Dienst (Scholz 2010, S. 45).


06.07.1983: Als Reaktion auf die Kommerzialisierung der Musikszene nimmt Jean-Michel André Jarre das Album ,Music for Supermarkets' auf, läßt genau eine LP pressen und diese an diesem Tag in Paris für 69.000 Französische Francs versteigern. Das ganze Werk wird später nur einmal im französischsprachigen Radiosender RTL monophon gespielt, und die Mastertapes werden anschließend vernichtet, so daß nur schlechte Kopien existieren (Wikipedia-Artikel - Stand: 25.4.2019).

24.07.1983: „'S is wieder Sommer, Sommer in der Stadt" (Spider Murphy Gang, Sommer in der Stadt):

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Sommerfest auf dem Coubertinplatz im Außengelände des Olympiaparks zu München (Foto: Detlef Rothe - 24. Juli 1983).

Hab' 'nen Luftballon gefunden
Denk' an dich und laß' ihn fliegen
"
(Nena, 99 Luftballons;
Text von Carlo Karges)




FAZIT

Einfach vorbei. Und es gab nichts zu trauern."
("Nena", Willst du mit mir gehn = Nena & Thesenfitz 2005, S. 24, mittig)



Allein schon ein Blick in die Chronik 1971 - 1983 zeigt, auf welch' ausgedehnter Ebene und auf welch' hohem Niveau die in Hagen präsentierten Musikdarbietungen des ausgehenden 1970er Jahrzehnts beruhen, wobei hier nur die populäre Musik (und nicht klassische) behandelt wurde. Daß aus der positiven Grundstimmung jener Zeit eine gewisse Kreativität erwuchs, welche nach mehr Gehörtwerden, Vervielfältigung und Anerkennung strebte, wird kaum noch irgendjemand verwundern. Dieses nach Fortschritt drängende Phänomen ist allerdings keineswegs nur eine Angelegenheit der Musikszene. Auch im wissenschaftlichen Bereich - etwa in der Archäologie und Speläologie - gab es ähnliche Bestrebungen. Nach anfänglichen Erfolgen und gewährter Unterstützung verlief das Große und Ganze (vermittelt etwa im Hagener Heimatbund und diversen Kunst- und Literaturforen) allerdings im Fortschreiten des 1980er Jahrzehnts zunehmend im Sande. Im gewissen Sinne läßt sich der 1978 geäußerte Satz von "Dieter Thomas Heck" in der Hagener Ischelandhalle (welcher sich auf das Publikum bezog), wonach man euch in Berlin haben müßte, prophetisch auffassen: ein Teil der Band The Stripes zog 1982 nach Berlin, und Extrabreit landete schließlich im 1990er Jahrzehnt - nach einem "Liebäugeln" mit München - auch dort, wenn auch nur vorübergehend. Im 2000er Jahrzehnt - als "die Wende" und das Internet voll zum Tragen kamen - durchwehte "die Plattenindustrie" bereits ein ganz anderer Wind, und neue Bands brauchte und durchzogen das Land (meine Favoriten hießen dann Luxuslärm und Silbermond).

Heute - am Ende des zweiten Jahrzehnts eines früher angehimmelten Jahrtausends - muß man mitunter tief graben, um die Relikte jener großen Zeit zurück an's Licht zu holen! Bei aller Bewunderung für die "musikalische Zeit" sollte nicht vergessen werden, daß manch' erfolgversprechendes "Unternehmen" wie das von The Stripes auch scheitern konnte, da es in Hagen schlicht an den richtigen Managern fehlte, welche früh für eine regionale Bekanntheit von "Newcomern" sorgte. Die Band The Stripes ist vor Ort anfangs kaum in Erscheinung getreten, nicht einal bei ersten ,Rock in die Ferien' oder vergleichbaren Veranstltungen, obgleich eine solche für "Nena" den Start ihrer Karriere als Sängerin bedeutete.. Hätte es nicht in Frankfurt am Main einen gewissen Andreas "Andy" Kirnberger gegeben (siehe Nena & Thesenfitz 2005, S. 24 f.), wäre aus "Nena" kein nationaler Popstar geworden. Hätte es für The Stripes eine angemessene Förderung gegeben (und wäre man dem Englischen treu geblieben), würde sich aus dieser Band vielleicht ein internationaler Shooting Star ergeben haben - Grobschnitt und The Ramblers hatten da um 1980 schon etwas angedeutet, wohin die Reise hätte gehen können! Diese Reise hat dann Extrabreit unternommen, auch wenn hier natürlich wegen der bevorzugten Muttersprache wie bei Nena ein gewisser geographischer Rahmen blieb. Die Neue Deutsche Welle verebbte - die Musik-Szene an sich blieb international. Diverse Versuche bei Extrabreit und der Nena-Band, durch englisch- und - weniger deutlich - französischsprachige Elemente international mehr Aufmerksamkeit zu erregen, fruchteten nicht, sondern irritierten eher; die Verkaufszahlen der betreffenden Alben sprechen da für sich. Und Hagen? Hagen verpaßte seine Chance auch hier, durch die Förderung neuer Entwicklungen (in Kultur und Technik) hervorzutreten.



In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre kam die Bezeichnung ,New Wave' allmählich außer Gebrauch. Zu dieser Zeit beherrschten unter anderem ,Eurodisco' und einfacher ,Pop' die Charts, darunter auch Bands und Solokünstler, welche früher selbst der New-Wave-Bewegung zugerechnet worden waren und sich allmählich von ihren Punk- und Post-Punk-Wurzeln entfernt hatten (Wikipedia-Artikel zur ,New Wave'-Bewegung - abgerufen am 28.05.2019)



IT'S ALL OVER NOW - SO: BACK TO THE ROOTS


And then one day you find ten years have got behind you
No one told you when to run, you missed the starting gun
And you run and you run to catch up with the sun, but it's sinking
And racing around to come up behind you again

(Pink Floyd, Time; Text von Roger Waters)



Heutzutage nehme ich gerne Gelegenheiten zur Rückbesinnung auf die sagenhaften Siebziger wahr, in dem ich Bücher über diese Zeit lese und Musik dieser experimentalen Phase höre; auch der eine oder andere Film (auf der "Mattscheibe" oder bloß in meinem Kopf) trägt zu einer gewissen nostalgischen Grundstimmung bei. Hin und wieder mache ich mich auf den Weg und suche alte "Brennpunkte" auf, aber nicht zu häufig, denn Enttäuschungen sind da beinahe schon "vorprogrammiert".



Abschließend eine kleine Empfehlung: als Bildergalerie habe ich zwei Wanderungen vom Januar 2019 auf den Spuren von Extrabreit, Grobschnitt, Nena, The Ramblers und den WM Musikverlag (von U. W. Wiehagen und H. Masuch) bei Facebook veröffentlicht:
06.01.2019 Homegrown-Tour + 19.01.2019 Homegrown II

Ergänzend dazu ein kleiner Film vom 9. Februar 2019:


Hin und wieder nehme ich auch in anderen Bildergalerien des "Wintersemesters" 2018/19 Bezug auf Ereignisse vor immerhin vier Jahrzehnten. Ich hoffe, daß ich Sie nicht gelangweilt habe und danke für Ihre Aufmerksamkeit!



KOMMENTARE

Da sich meine Erinnerungen und Notizen zur Musik- und Kneipenszene im "Bermudadreieck" Hagens nahezu auf den Zeitraum 1978 bis 1981 beschränken, bin ich an "Leserbriefen" und andere Stellungnahmen aus dem Kreis der "Dazugehörenden" interessiet. Ich gebe sie hier gerne wieder, wobei ich auf Anonymität achte - sofern nicht ausdrücklich anders gewünscht. Für alle zugesendeten Beiträge sage ich: Herzlichsten Dank!


Den Anfang macht hier MM, welcher ich auch an dieser Stelle besten Dank abstatten möchte! - „Ich bin Jahrgang 56, mein Mann 51. Wir haben uns in der "Engen Weste" kennengelernt Anfang der 80er und sind da oft und gerne gewesen. Später haben wir gerne im "Ratskeller" verkehrt. War immer toll, besonders Freitagabends! Davor, in meiner Sturm- und Drangzeit, war ich viel im "Alt Nürnberg" und anschließend ging es ins "Las Vegas". "Eppenhauser Brunnen" seltener. Hin und wieder "Pinks Place", erst Disco, dann die Kneipe. Wishful Thinking mit Hiroshima oder Emerson, Lake & Palmer mit C'est la Vie gab's zu vorgerückter Stunde. Das war so "geil" und das genieße ich heute noch! "Auberge" war ich auch oft, "Simpel" seltener. Dafür "Tante Alma" in Herdecke oder "Krönchen". Sind mit drei Altbierbowlen noch nach Hause gefahren! 🤔 In Haspe gab's noch das "Kommödchen". Aber das war für uns zu weit. [...] Irgendwie bekam man früher auch immer einen Parkplatz in der Stadt und konnte die paar Schritte in die Pinten alleine zu Fuß gehen ... [...] Später war ich auch öfters im "Chez Nous" am Remberg. Hatte, glaube ich, Jonny Lausch, der heute das "Jekyll" bewirtschaftet. Hinten am "Fichte" Goldbergstraße war auch so eine Schülerkneipe."
Aus meinem Antwortschreiben: „[...] im Pinks; da hieß es bei mir: erst Pinte, dann Tanzfläche (Mut antrinken?); aber ich war ja auch meistens alleine unterwegs [...]. Alkohol habe ich auch recht locker genommen und bin mit Wer-weiß-wie-viel-Promille noch geradelt oder Mofa gefahren (ich war ja Schüler/Student). Das Alt-Nürnberg [Elbersufer 10] kannte ich zwar, mochte es aber wohl nicht, dabei lag das beim Madison gleich um die Ecke. [...]
Die WDR-Radiothek mit S. M. (beep, beep, beep) habe ich auch viel gehört; es gab sonst ja kaum interessante Radio-Sendungen, außer bei Privaten oder Ami-Sendern.
In Haspe war ich eine Zeitlang in der Deele, wohl Tillmannsstraße, sonst nur im Haus der Jugend.
[...]
Auch ich hatte zunächst (Konfirmationsgeschenk) nur einen Mono-Kassettenrekorder für Musik - da nahm ich dann zunächst die Winnetou-Melodie von Martin Böttcher oder das Bonanza-Dengderendendeng auf, und Schlager jeder Güte, bevor ich mich dann mit Gleichaltrigen "kurzschloß" und Beatles und richtigen Rock hörte (Deep Purple, Genesis) - zeitweise war ich von Bravo beeinflußt und hörte Slade, Smokie, Suzi Quatro und dergleichen; von meinem ersten Ferienjob-Verdienst hatte ich mir dann 1977/78 bei Quelle einen Universum-Stereoradiorekorder zugelegt. War ich stolz! Spät erst kam der erste Plattenspieler dazu, da war ich dann zum Plattenkauf in Dortmund, weil die LPs (Singles habe ich nie gehabt) dort günstiger waren. Da waren dann Udo Lindenberg, Pink Floyd, Space, Supertramp usw. angesagt - die Platten höre ich heute mitunter noch. ALs die neue Welle überschwappte, habe ich dann natürlich auch die (Extra-)"Breiten" und die (Grob-)"Schnitten" gehört - die Ramblers und die "Streifen" sind mir irgendwie entgangen, und die Nena-Band war mir dann zu "teeniös" und rangierten gleich hinter Beach Boys, John Travolta
[...].
Was Kleidung angeht, so war ich auf meine schwarzblaue Samtjacke stolz, mit dieser bin ich auf meiner
[= meinem] zitronengelben Kreidler-Mofa durch die Gegend gesaust und habe sie auch bei der ZDF-Hitparade im Ische getragen [...]. Ansonsten trage ich heute noch vorzugsweise Blue Jeans - da kann sich die Mode ändern, wie sie will.
[...] Fragen [habe ich noch] bezüglich der "Pelmke-Alm" (O-Ton Lupo von Grobschnitt, der wie sein Kumpel Eroc da in der Nr. 78 oder 78a hauste, während Nena als Teenie ja unterm Dach der 79 schlummerte). Welch' geile Zeit! Die Vögel da am Waldrand hört man dann bei "Vater Schmidts Wandertag" - da hat Eroc wohl einfach das Mikro aus dem Fenster gehalten...
Die Vögel höre ich mir vielleicht morgen bei Dets Wandertag an.
" (20.4.2019)



LINKS



Allgemeines


Eigene YouTube-Playlist zur WDR-Dokumentation ,Pop 2000- 50 Jahre Popmusik und Jugendkultur in Deutschland' aus dem Jahr 1999 (Produzent: Jörg A. Hoppe) - vereinzelte Lücken sind durch Sperrung bedingt:

FOLGEN:
1: 1949 - 1963 Halbstark
2: 1962 - 1965 Beat Beat Beat
3: 1965 - 1968 Das Ende der Unschuld
4: 1968 – 1970 Sex - Drugs - Rebellion
5: 1970 – 1976 Keine Macht für Niemand
6: 1975 - 1980 Night Fever & No Future
7: 1980 – 1984 Popper, Punks und Pershing
8: 1982 – 1985 Gib Gas, ich will Spaß!
...

Riebes Fachblatt für die Musikszene 1972 - 1976

Eigene YouTube-"Playlist" zur Entwicklung der deutschen Rockmusik - einschließlich elektronischer Entwicklungen - um 1970/1975:


Für die Beurteilung der Bands wichtiger Wikipedia-Artikel zur ,New Wave'-Bewegung (abgerufen am 28.05.2019)


Punk, Postpunk, NDW & Co. um 1980:


Die neue Popwelt der 1980er Jahre dank ,Music Television' (Clips und Clubs; Scheinen statt Seinen - oder so ähnlich) und Synthesizer; Rückblick auf ein Eldorado junger Friseusen und Elektronik-Freaks:


Film Neue Deutsche Welle - Revolte, Spass und Da-Da-Da 1980 - 1985:


SPIEGEL-Redakteur Rainer Weber über die neue Kultur-Aufbruchstimmung im Ruhrgebiet (04.01.1982)

Interview von Signed Media mit Kay O. Schlasse aus dem Jahr 2009:


Ein "Sammelsurium" an NWD-Hits (mit Liste zum Auswählen!)




Alles aus Hagen


Hagener Musikszene um 1980



Es war einmal… in Hagen (Artikel von muzikquest.de vom 18.08.2016)

Überblick bei Breitbandbuero (Stand: 5.5.2019)

„Komm nach Hagen, werde Pop-Star“ (Autor: Gerd Dapprich; Datum: 29.11.2017; ein Beitrag der "Fernuni" Hagen - Stand: 8.4.2019)

Wie Westfalens Musik die Republik überwältigte - das Spezial (Westfalenpost-"Menü" - nach 27.9.2018 - Stand: 19.2.2019)

NDW-Metropole Hagen: Als in der Stadt die Hölle los war (Westfalenpost - 11.11.2017 - Stand: 8.4.2019)

Milla Kapolke: Wie in der Arbeiterstadt Hagen eine Musikrevolution ausbrach (Funke-Medien-Interview - undatiert, vor 27.9.2018; Stand: 23.2.2019)

Inga Humpe: "Gelebte Provinz - spezielle Qualität" (Funke-Medien-Interview - undatiert, vor 27.9.2018; Stand: 19.2.2019)

Hartwig Masuch: „Ich sehe keine Stadt in den Fußstapfen von Hagen“ (Westfalenpost-Interview - 27.9.2018)

Ausstellung ,Hagen - Popstar - Glück' (Westfalenpost - vor 1.9.2018 - Stand: 26.4.2019)

Eigene YouTube-"Playlist" zur Neuen Musik-Welle in Hagen um 1975/1980 (einschließlich ,Vorspann' und ,Reaktionen'):




Hagener Disco- und Kneipenszene


Warum die fetten Jahre im Hagener Nachtleben vorbei sind (undatiert - abgerufen am 9.2.2019)

Kult-Wirtin Mausi prägt Hagens wilde Musik- und Partyszene (Interview von Michael Kleinrensing mit Christa "Mausi" Dürholt - undatiert - abgerufen am 23.2.2019)



Bands


Extrabreit


Kay Oliver Schlasse ("Kurt Grosskurt"): Die Extrabreit-Story (mitunter genauer als die Memoiren!)

Stefan Klein: "Bei Rainer" - Wo die Geschichte von Extrabreit begann (Stand: 19.02.2019)

Biographie der Band bei ichwillspass.de

Kurzbiographie der Band

Übersicht zur Band bei rateyourmusic.com





Grobschnitt


YouTube-Bilderfolge zu den Anfängen um 1970:


YouTube-Playlist zum uDiscover-Portrait zu Grobschnitt:


Grobschnitt (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 8.4.2019)

Grobschnitt-Porträt - Deutsche Mugge (abgerufen am 8.4.2019)

Fan-Homepage von Stephan Schelle (abgerufen am 8.4.2019)

Interview von FOCUS-Online-Redakteur Julian Rohrer mit "Eroc" Joachim Heinz Ehrig und Gerd Otto "Lupo" Kühn-Scholz - 27.07.2015 (abgerufen am 8.4.2019)

powermetal.de-Interview mit Gerd Otto "Lupo" Kühn-Scholz anläßlich der erweiterten Veröffentlichung des Gesamtwerkes ab dem 15. Mai 2015 als ,79:10' (11.10.2015 - abgerufen am 8.4.2019)

Grobschnitt - Westfalenhalle Dortmund 08.12.1978 (Last Update 22.02.2019 - mit Diskographie und Fotogalerie - abgerufen am 8.4.2019)



Kein MenscH!


Kein MenscH! (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 20.3.2019)

Diskographie bei discogs.com



Styx


Wolfgang Jäger alias Pepe, alias Popo alias Hunter (Artikel bei stephan-schelle.de - abgerufen am 8.4.2019)



The Ramblers


Diskographie bei discogs.com

Diskographie bei rateyourmusic.com (abgerufen am 8.4.2019)

Frank Becking (Wikipedia-Artikel; mit Angaben zur Band - abgerufen am 16.3.2019)



The Stripes


The Stripes (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 16.3.2019)

The Stripes. Not to be confused with The Strypes. (englischer Wikipedia-Artikel - abgerufen am 15.5.2019)

The Stripes (discogs.com-Artikel - abgerufen am 17.3.2019)

The Stripes (Diskographie - abgerufen am 21.3.2019)



Tirami Su


Ich will Spass: die Band "Tirami Su" (Neue Deutsche Welle) (abgerufen am 26.4.2019)

Tirami Su | Discography & Songs | Discogs (abgerufen am 26.4.2019)




Personen



Frank Becking (The Ramblers, The Stripes u. a.)


Frank Becking (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 16.3.2019)



"Erke"/"Eroc" Joachim Heinz Ehrig - *15.11.1951 (Grobschnitt, Eroc (& Friends))


Eroc-Homepage (abgerufen am 7.6.2019)


Musiker und Mastering-Spezialist Eroc - studerundrevox.de (April 2002 - abgerufen am 7.6.2019)


Eroc (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 7.6.2019)

Eroc (Deutsche-Mugge-Artikel - abgerufen am 10.6.2019)

Konzert 1998 live beim Elektronik-Festival Eurosonic in Schweden:




"Nena" Gabriele Susanne Kerner - *24.03.1960 (The Stripes, Nena)


Nena (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 16.3.2019)

Die Biografie von Nena (Artikel von musik-charts.net - abgerufen am 16.3.2019)

Liste der Lieder von Nena (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 16.3.2019)

»Mir fehlt manchmal die Wildheit der Achtzigerjahre« (Interview der Süddeutschen Zeitung mit Jakob Schrenk - 27.04.2018)



Axel Kölpin (Sweet Poison, Marrakesh Express, Liga Agil, Penguin Tango)


Axel Kölpin (marrakesh-express.de - abgerufen am 28.5.2019)

Axel Kölpin (thetwotones.de - abgerufen am 28.5.2019)



"Käptn Horn" / "Horrible Horn" Gerhard Sperling (Extrabreit)


Die Kartei der Ehemaligen! Teil 1 (Rückblick von Stefan Klein - abgerufen am 24.3.2019)



"Christian Schneider" Hartwig Masuch (Styx, The Ramblers)


Vom Taxifahrer zu Musikmanager (14. März 2016, 10:18 Uhr - abgerufen am 16.3.2019)

Hartwig Masuch - Interview an der Ruhr-Universität Bochum - 17. Nov. 2017< (abgerufen am 16.3.2019)



Horst Werner Wiegand (Extrabreit)


Die Kartei der Ehemaligen! Teil 3 (Rückblick von Stefan Klein - abgerufen am 24.3.2019)



"Kai Havaii" Kay Oliver Schlasse (Extrabreit)


Kai Havaii (Wikipedia-Artikel - abgerufen am 18.3.2019)

Kai Havaii (discogs.com-Artikel - abgerufen am 18.3.2019)



Ralf Denz (Extrabreit, The Ramblers)


Die Kartei der Ehemaligen! Teil 2 (Rückblick von Stefan Klein - abgerufen am 24.3.2019)



Rolf Brendel (The Stripes, Nena)


Rolf Brendel (Homepage - abgerufen am 21.3.2019)

Rolf Brendel (Diskographie - abgerufen am 21.3.2019)

Rolf Brendel (dalila-light.de-Artikel - abgerufen am 18.3.2019)



"Stefan Kleinkrieg" Stefan Klein (Extrabreit


Betrachtungen eines mittleren Charakters - kleinkrieg.com (Blog von Stefan Klein - abgerufen am 24.3.2019)



"Hunter"/"Popo" Wolfgang Jäger (Styx, Grobschnitt, The Stripes, Extrabreit)


Interview vom 27.03.1999 mit Wolfgang Jäger bei stephan-schelle.de (abgerufen am 8.4.2019)

Wolfgang Jäger alias Pepe, alias Popo alias Hunter (Artikel bei stephan-schelle.de - abgerufen am 8.4.2019)

Diskographie Wolfgang Jäger (abgerufen am 8.4.2019)



LITERATUR UND SONSTIGE SCHRIFTQUELLEN



Stadt 1962: Stadt Hagen - Verkehrs- und Presseamt (Hg.): HAGEN, o.O. 1962 (ohne ISBN-Nr.)

Stadt 1967: Stadt Hagen (Hg.): Jahresbericht des Oberstadtdirektors 1966, Hagen 1967 (ohne ISBN-Nr.)

Adreßbuch 1968: Verlag Carl Hinnerwisch KG (Hg.): Adreßbuch der Stadt Hagen. Ausgabe 1968/69 / 42. Auflage, Hagen o.J. (ohne ISBN-Nr.)

Witte 1973: Heinrich Witte: HAGEN, Frankfurt am Main 1973 (ISBN 3 8035 0461 9)

Adreßbuch 1976: Verlag Carl Hinnerwisch (Hg.): Adreßbuch der Stadt Hagen 1976. 47. Auflage, Hagen o.J. (ohne ISBN-Nr.)

Althaus et al. 1977: Richard Althaus unter Mitarbeit von H. Käsberg, Herta Hesse-Frielinghaus, Anton Schücking und Anna-Christa Funk: EPPENHAUSEN. Emst - Bissingheim - Haßley. Landschaft - Geschichte - Menschen (Band II der Schriftenreihe Hagen einst und jetzt, Sonderreihe Die Hagener Stadtbezirke), Hagen 1977. (ohne ISBN-Nr.)

TB C 1977: Detlef Rothe: Tagebuch C (1976/II - 1977/I) [Manuskript im Besitz des Verfassers]

TB E 1977: Detlef Rothe: Tagebuch E (3.4.77 - 6.5.77) [Manuskript im Besitz des Verfassers]

TB L 1977: Detlef Rothe: Tagebuch L (28.9. - 24.11.1977) [Manuskript im Besitz des Verfassers]

TB M 1977: Detlef Rothe: Tagebuch M (16. - 30.12.1977) [Manuskript im Besitz des Verfassers]

N.N. 1978 a: N.N. [gezeichnet mit ,ens']: Hitparaden-Heck: ,Euch müßte man in Berlin haben'. 55jähriger Hohenlimburger avancierte zum ,Star'. In: Westfalenpost, Nr. 247, Lokalteil ,Hagener Zeitung', Ausgabe vom 24.10.1978, S. HG 2

N.N. 1978 b: N.N. [gezeichnet mit ,A. S.']: Fast 1300 begeisterte Musikjünger sahen Hitparade in der Halle. Bei viel Show, Gesang und Musik. Beifall für ,Schnellschuß' Heck, in: Westfälische Rundschau, Nr. 247, Lokalteil ,Zeitung für Hagen', Ausgabe vom 24.10.1978, S. o. A.

TK 1978: Detlef Rothe: o.T., o.O. 1978 [persönliche Notizen im Taschenkalender für 1978]

E/A 1978/79: Detlef Rothe: o.T., o.O. 1978/79 [persönliche Notizen im Einnahmen-/Ausgabenbuch 12.04.1978 - 28.04.1979]

BL 1979: Detlef Rothe: BÜCHERKÄUFE - ERWERBUNGEN bis 18.6.1979, Hagen 29.3.1975 - 18.6.1979 [Manuskript im Besitz des Verfassers]

Tagebuch 1979: Detlef Rothe: Tagebuch 1979 (10.6. - 12.9.: ohne ,Irisches Tagebuch') [Manuskript im Besitz des Verfassers]

Timm 1979: Willy Timm: Hagener Chronik. Über 400 Daten zur Geschichte der Stadt Hagen. (Hagener Hefte, hg. v. Stadtarchiv Hagen, Heft 9), Hagen 1979. (ISBN 3-87298-021-1)

TK 1979: Detlef Rothe: o.T., o.O. 1979 [persönliche Notizen im Taschenkalender für 1979]

UT 1979/80: Detlef Rothe: o.T., o.O. 1979/80 [persönliche Notizen im Unitimer für das Wintersemester 1979/80]

UT 1980: Detlef Rothe: o.T., o.O. 1980 [persönliche Notizen im Unitimer für das Sommersemester 1980]

Eckhoff 1982: Michael Eckhoff: Schulen in Haspe, in: Hagener Heimatbund e.V. (Hg.): Hspe. Eine Stadt im Wandel (Hagen einst und jetzt, hg. v. Hagener Heimatbund e.V., Band IX), Hagen 1982, S. 312 - 36.

Deicke & Rausch 1991: Joachim Deicke u. Burghard Rausch: DIE ROCKJAHRE. Musik * Politik / Moden * Trends / Kulte * Stars * Fakten / Tendenzen * Daten. Sonderdruck für TIME-LIFE BOOKS B.V., Amsterdam 1991 (Februar)

Block 1995: Udo Ernst Block: Hagen 1746 - 1996 - 250 Jahre Hagen * Bilder vom Stadtkern, Hagen 1995.

Stadt 1998: Presse- und Informationsamt der Stadt Hagen (Hg.): Das Jahr in Hagen 1998, Hagen o.J. (ohne ISBN-Nr.)

Schulz 2000: Hans Schulz, 90 Jahre Pauluskirche. Geschichte und Chronik der Evang.-Luth. Paulus-Kirchengemeinde Hagen - Wehringhausen. Aufgestellt im Jahre 2000. o.O. o.J. (gedruckt in Hagen)

Nena & Thesenfitz 2005: Nena (= Gabriele Susanne Kerner) und Claudia Thesenfitz: Willst du mit mir gehn, 1. Aufl., Bergisch Gladbach 2005 [veröffentlicht am 17. Oktober 2005] (ISBN 3-7857-2135-8)

Zarnke 2010: Jürgen Zarnke: WEHRINGHAUSEN. BILDER und DOKUMENTE [so auf dem Deckblatt], Hagen 2010 (November), herausgegeben im Selbstverlag

Göbel & Rudat 2011: Dirk Göbel und Jörg Rudat: Träumen, erfinden, die Welt verbessern: Nahverkehrssystem Cabinentaxi, in: Hagener Heimatbund e.V. (Hg.): HagenBuch 2012. Impulse zur Stadt-, Heimat- und Kunstgeschichte [= Band 6], Hagen 1. Aufl. 2011 (November) [ISBN 978-3-942184-21-2], S. 39 - 47.

Brendel 2014: Rolf Brendel: NENA. Geschichte einer Band, 1. Aufl., Berlin 2014 (ISBN 978-3-351-05015-3)

Günnemann 2014: Ulrich Günnemann: Eppenhauser Brunnen und Friedrichslust - ,Als Großvater und Großmutter sich vergnügten'. In: Hagener Heimatbund e.V. (Hg.): HagenBuch 2015. Impulse zur Stadt-, Heimat- und Kunstgeschichte, Hagen 2014 (November), S. 211 - 218. (ISBN 978-3-942184-41-0)

Kante 2014: Eddy Kante (= Frank Schröder): In meinem Herzen kocht das Blut. Ein Leben auf der Kante - Die Autobiografie, 1. Aufl., Berlin 2014 (September). (ISBN 978-3-86265-281-5)

Köhler 2014: Hubert Köhler: Amaretto, Stracciatella, Espresso und Mocca-Milch - Eisdielen und Milchbars in Hagen. In: Hagener Heimatbund e.V. (Hg.): HagenBuch 2015. Impulse zur Stadt-, Heimat- und Kunstgeschichte, Hagen 2014 (November), S. 193 - 210. (ISBN 978-3-942184-41-0)

Havaii 2017: Kai Havaii (= Kay Oliver Schlasse): HART WIE MARMELADE. Erinnerungen eines Wahnsinnigen, Lizenzausgabe der Originalausgabe von 2007, Essen 2017 (ISBN 978-3-8375-1865-8)

Kleinkrieg 2018: St. Kleinkrieg (= Stefan Klein): Das Rumpsteak und der Dalai Lama - Kurzgeschichten und Räuberpistolen von Extrabreit-Gitarrist Stefan Kleinkrieg. 2. Aufl. Hamburg 2018 (ISBN 978-3-86282-596-7).

Becking 2018: Frank Becking: Zwischen Gitarre, Mischpult und Mikro [Obertitel: Ob in Bands oder Studios - Frank Becking mischte mit]. In: Wahnbaeck 2018, S. 122 - 125.

Krause 2018: Hartmut Krause: Am Vorabend der Neuen Deutschen Welle [Obertitel: Eine Rückschau auf die 70er Jahre in Hagen]. In: Wahnbaeck 2018, S. 116 - 121.

Klüsener 2018: Edgar Klüsener: Komm nach Hagen, werde Popstar, mach Dein Glück! [Obertitel: Hagen-Hype]. In: Wahnbaeck 2018, S. 282 - 295.

Kühn-Scholz 2018: Gerd [Otto] Kühn Scholz: Grobschnitt - eine Bandgeschichte [Obertitel: Hagens erste Gruppe, die groß raus kam]. In: Wahnbaeck 2018, S. 28 - 73.

Lambrecht & Hahn 2018: "Gabi Lappen" Gabriele, Hans-Uli u. Rüdiger "Rü" Lambrecht & "Bille Balle" Sybille Hahn: Kein MenscH! [Obertitel: Synthesizer-Sounds gepaart mit E-Gitarren]. In: Wahnbaeck 2018, S. 298 - 299.

Papke 2018: Siggi Papke: Anarchie positiv realisiert [Obertitel: Der Gründer von Hagens Folk-Club blickt zurück]. In: Wahnbaeck 2018, S. 110 - 111.

Schlasse 2018: Kay O.[liver] Schlasse: Die Wahrheit über Extrabreit [Obertitel: Die Bandgeschichte - erzählt]. In: Wahnbaeck 2018, S. 202 - 281.

Wahnbaeck 2018: Heike Wahnbaeck (Hg.): Komm nach Hagen, werde Popstar, mach Dein Glück! ... sich trau'n, mal außer der Reihe die Zukunft zu bau'n. Ausstellung im Osthaus Museum Hagen 31. August bis 23. September 2018, 1. Aufl. Essen 2018 (Juli) (ISBN 976-3-8375-2011-8)



DANKSAGUNG



Den engagierten Mitarbeitern des Stadtarchivs Hagen danke ich für die Bereitstellung seltener Fotos bei Facebook, welche für meine eigene Arbeit förderlich sind!

Dann bin ich speziell dem Schöpferkreis der Ausstellung Hagen - Popstar - Glück im "Osthaus Museum Hagen" Karl-Ernst-Osthaus-Museum (Sommer/Herbst 2018) mit seinem umfangreichen Katalog für seine herausragende Arbeit sehr dankbar.

Darüber hinaus danke ich Frank Schröder, Gabriele Susanne Kerner, Kay Oliver Schlasse, Rolf Brendel und Stefan Klein für ihre in Buchform gefaßten Rückblicke!

Nicht eigens erwähnen, aber aufrichtig danken, möchte ich den Musikanten, Filmleuten und Internet-Autoren für Ihre informativen und unterhaltsamen Werke, welche zum Thema begleitend oder ergänzend wirken.

Viel zu kurz ist das Minutenglück, und ich muß wieder auf die Straße zurück. (Spider Murphy Gang, Ich schau' dich an)

(No Artist, Rettet den Sampler, 1982)


Hinweis: Für die Aktualität, Richtigkeit und Funktionalität der angegebenen Links erfolgt keine Gewähr!




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19.08.2019 12:09