ARCHÄOLOGIE

Speläologisches: hauptsächlich Be- und Erfahrungen als Schüler und Student

von Detlef Rothe aus Hagen in Westfalen (Author: Detlef Rothe)


Meine ersten Besuche von Höhlen betreffen die westfälische Dechenhöhle (circa 1970) bei Iserlohn, die Heimkehle am Südharz (desgleichen), die slowenische ,Adelsberger Grotte' (1972) bei Postojna und die Volmehanghöhle an der Stadthalle zu Hagen (1975). Zunehmend konzentierte sich mein Interesse auf die geschichtliche Bedeutung der Höhlen im Bergischen Land und Sauerland (rechtsrheinisches Schiefergebirge), was 1983 in einem Vortag und Aufsatz mündete. Das Thema sollte in meiner Dissertation abschließend behandelt werden, wozu es aber bekanntlich nicht kommen konnte.

Postojna (deutsch: Adelsberg) gehört zu den schon früh - nämlich im 19. Jahrhundert - aus touristischen Gründen aufgesuchten Orten im ehemaligen Jugoslawien. Die nach dem Ort benannte Höhle Postojnska Jama (deutsch Adelsberger Grotte, wobei ,Grotte' für ,Tropfsteinhöhle' steht) ist seit langem berühmt, und ihr Besuch gehörte lange Zeit zum Pflichtprogramm der von Wien an die Adria reisenden Honorationen und Abenteurer. Kaum ein Adria-(K)Urlauber aus Mitteleuropa verzichtete seither auf einen Besuch dieses Ortes, welcher über eine Bahnlinie gut erreichbar ist. Die Höhle selbst ist mit einer Bahn zu befahren!

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Höhlen- und Bahnhofseingang der Adelberger Grotte um 1962 (Dahlhaus-Sammlung)

Ich selbst habe die Höhle im Hochsommer 1972 - im wahrsten Sinne des Wortes - befahren, als ich dreizehn Jahre alt wurde (man vergleiche dazu meinen Artikel über Autofahrten durch Slowenien). Die Eindrücke waren so nachhaltig, daß ich mich in Hagen neben archäologischen Interessen auch der Speläologie zuwandte. Meine Erinnerungen an die Grotte sind allerdings mittlerweile sehr begrenzt. Vor dem Höhleneingang war - Hauptsaison! - viel Betrieb, so daß eine längere Wartezeit auf die Bahn erforderlich wurde; dies erinnerte mich immerhin an unternommene Geisterbahnfahrten auf Jahrmärkten. Der Höhlenbesuch war phantastisch, obwohl man in der Flut an Leuten fast zu ersticken drohte. Es gab verschiedenste Gruppen mit Führern, welche sich an einer bestimmten Stelle ,knubbelten' und auf zahlreich versammelte Nationen schließen ließen. Vor oder nach dem Grottenbesuch habe ich mit meinen Eltern und Brüdern im ,Höhlenbahnhofsrestaurant' gut ,jugoslawisch' gegessen. Die obligatorische Begegnung mit dem Grottenolm will ich nur erwähnen. Die Führung war gut und machte gleichfalls Appetit auf mehr. Irgendwie bekam ich noch mit, daß hier sehr aktive ,Höhlenforscher' agierten.


Im Folgenden finden Sie eher zufällig erstellte Auszüge aus meinen Tagebüchern:


Aus dem Tagebuch A, S. 50 f., Eintrag vom 11. September 1975:

Am Sonnabend, den 16.8., ging ich nachmittags zur Volmehanghöhle, wo ich Heinz traf. Ich lernte dort Jochen Hasenpflug und Herrn [Siegfried] Gams kennen. Jochen zeigte mir einen Teil der Höhle[,] und ich fand Gefallen am Durchforschen derselben. Das [= Daß] ich dabei ziemlich schmutzig, lehmbeschmiert wurde, störte mich wenig.

Am Montag, den 18. August, kaufte ich mir gleich eine starke Taschenlampe und nahm sie gleich mit bei der Exkursion zum Lethmather Burgberg, die der Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte
[des Hagener Heimatbundes e.V.] an jenem Tag unternahm. Jochen und Heinz waren dabei, und so untersuchten wir u. a. die Reste der Grürmannshöhle.

Am nächsten Tag, Dienstag, den 19. August, nahm ich am Ausflug zur Kluterthöhle teil, zu der Herr Gams die Hagener Jugend eingeladen hatte. Es kamen, wenn ich mich nicht irre, ca. 50 zum Teil ziemlich kleine Kinder
[,] und ich hatte mit den anderen älteren Jungen einiges zu tun, um sie von Vogelsang über den Berg zur Kluterthöhle zu schaffen. Es hat uns allen aber Spaß | gemacht[,] und es wurde ein schöner Tag. Ich beschloß, am folgenden Dienstag einen zweiten Ausflug mit demselben Ziel, nämlich Klutert- und Bismarckhöhle, mitzumachen.

Am Vormittag des nächsten Tages, Mittwoch, den 20.8., besuchte ich mit Heinz, Jochen und zwei Mädchen, die auch am Vortage dabeigewesen waren, die Volmehanghöhle - ich zum 2 Mal.
"


Aus dem Tagebuch A, S.63 f., Eintrag vom 20. Oktober 1975:

Heute, am 20. Oktober, habe [...] ich [...] nachmittags mit Heinz L[..] eine Radtour nach Dahl gemacht. Wir sind gegen | halb 2 [= 13:30 Uhr] losgefahren und waren gegen 14 Uhr zwischen Ambrock und Dahl. Wir bogen nach links von der Hauptstraße ab und folgten der Volmeuferstraße in Richtung ,Finking'. An der Stelle, wo ein Bach in die Volme einbog, bestiegen wir rechts zwischen Tälchen und Volmetal den Berggrat und folgten ihm einige Dekameter. Anschließend balancierten wir am Hang entlang[,] bis wir zu einer kleinen Höhle, eher einem Felsloch[,] kamen. Wir krochen hinein und sahen zahlreiche ca. 3 cm große Spinnen ([berechnet] mit Beinen natürlich!) und einige Schmetterlinge. Es handelt sich hierbei um ein[en] Felsspalt im Rotliegenden(?), also keine Kalk- und deshalb auch keine Tropfsteinhöhle; er führte vielleicht 5 Meter in den Berg hinein. An seinem Ende konnte man sogar stehen, er war dort 1 m breit. Heinz vermutet, daß es die Finkinghöhle sei. Ich finde sie aber zu klein, als daß sie in Sagen erwähnt sein könnte. Anschließend sind wir zurück zu unseren Fahrrädern geklettert und haben unsere Fahrt fortgesetzt.
EU/D/NRW/HA/Dahl/19751020_D_NRW_HA_Dahl_Finkinghoehle_Skizze_TagebuchA_S64_von_DetlefRothe
Ich habe die Höhle kurz aus meiner Erinnerung gezeichnet. Der Eingang ist ca. 50 x 70 cm groß.
"



Ein eigenes Kapitel zum Thema ,Speläologie' könnten künstliche Höhlen bilden, welche gewöhnlich als Grotten bezeichnet werden. Ich zähle hierzu allerdings nicht nur Nachbildungen von Tropfsteinhöhlen (aus kunsthandwerklichem und künstlerischem Interesse), sondern auch die mit Erdhügeln überdeckten sogenannten Großsteingräber (auch die etwas südlicher in Mitteleuropa anzutreffenden Galeriegräber), die sogenannten ,Erdställe' (bayerische und österreichische ,Zwergenkeller') und auch - um eine andere existenzielle Erfahrungsebene anzusprechen - die Bunkeranlagen des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Man könnte noch Bergbaustollen anführen, doch steht hier ein eher wirtschaftliches Phänomen im Vordergrund. Hinsichtlich der Ur- und Frühgeschichte des Menschen sollten diese ,Vorstöße in den Untergrund' aber wegen der damals normal gewesenen Mehrdeutigkeit von Objekten ,im Hnterkopf' behalten werden!
Während und nach meiner ,Bayernzeit' (1982/83) haben mich die sogenannten ,Erdställe' (in festem Lößlehm) fasziniert, stellen sie für uns heute wegen ihrer vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten doch ein interessantes ,Rätsel' dar. Dazu empfehle ich ein Video von spiegel.de vom Sommer 2011:
Archäologie: Irrgärten der Unterwelt
Beiläufig erwähnen möchte ich, daß ich bei Künzing bzw. Girching (Landkreis Deggendorf) einen unten trichterförmig erweiterten Schacht in einem Erdwerk (anscheinend der eisenzeitlichen Hallstattkultur) dokumentieren konnte, welcher auf Grund seiner Dimension bereits an die Erdställe erinnert, wohl aber als Getreidesilo gedient haben wird.



Ein Hinweis zum Hintergrundmotiv: Die Hünenpforte (hier als ,Tapete' der Seite verwendet) bei Hagen-Holthausen steht nicht einzig dar, sondern hat etwa in Baden-Württemberg zwischen Reichenbach und Egesheim ein vergleichbares ,Naturdenkmal'; siehe dazu den Artikel der Schwäbischen Zeitung, erschienen am 20. Januar 2014 (mit Dank an Andreas Gut für das Facebook-Posting!).



Links


Nordrhein-Westfalen


Meine Aufsätze zur Höhlen-Archäologie finden Sie als 4. Thema: Speläologie auf der Seite Archäologie

Fotos zu Naturdenkmälern (in) der Stadt Hagen bei Facebook


Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Nordrhein-Westfalen e.V.

Speläologische Vereinigung Nordrhein-Westfalen (SVNW)

Speläo-Gruppe-Sauerland e.V. (SGS)

Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. (AKKH)

HöhlenWestfalen@amazon.de



Blätterhöhle zu Hagen in Westfalen


Erforschung der 'Blätterhöhle'
Offizieller Link im Porträt der Stadt Hagen zu dieser prähistorischen Kultstätte.

Album der Stadt Hagen zur ,Blätterhöhle' bei Facebook


Hier wäre auch eine eher kindgerecht-spannend gestaltete Homepage der Stadt Hagen zu einer Ausstellung 2010/11 in Hagen-Eilpe zu erwähnen (für Religionsgeschichtler weniger geeignet - so nach dem eingesehenen Stand von 2011):
,Das Geheimnis der Blätterhöhle'

Natürlich haben sich keine Westfalen in vorchristlicher Zeit an der ,Blätterhöhle' aufgehalten (dort sollen nach Meinung diesbezüglich ungebildeter Medienvertreter ,die ältesten Westfalen' gefunden worden sein - was immerhin die Freunde des historischen Hasper Ulks freuen wird), denn Angehörige dieses altsächsichen Teilstammes kamen erst im 7./8. Jahrhundert in das heutige Nordrhein-Westfalen bzw. in die ,Landschaft' Westfalen-Lippe!

Von mir zur Einführung empfohlen:
Blätterhöhle in Westfalen: Abstieg ins Totenreich der Steinzeit - SPIEGEL ONLINE - Wissenschaft - 01.08.2012

Zu den jüngeren Forschungen in der Blätterhöhle hat der WDR ein Artikel mit Video und Fotogalerie publiziert, dessen Text (wohl von Annika Zeitler) allerdings wiederum mit Vorsicht ,zu genießen' ist, da auch hier den Westfalen ein unglaubliches Alter zugewiesen wird (,die Macher' geschichtlich gesehen also auf dem Holzweg sind):
Forschung in der Blätterhöhle: Wie die frühen Westfalen lebten



Ennepetaler Kluterthöhle in Ennepetal-Milspe


Die Kluterthöhle bei akkh.de (Arbeitskreis Kluterthöhle e.V.)



Oegersteiner Höhle in Hagen-Hohenlimburg (Oeger Höhlenruine)





Literatur


Josef Bernhard Nordhoff, Das Westfalenland und die urgeschichtliche Anthropologie (Römerspuren, Erd- und Steindenkmäler, Kleinwerke, Höhlen und ethnographische Altertümer), Münster 1890 [Nachdruck von 2007 unter ISBN 0-543-71862-X (Paperback) bzw. -1 (Hardcover) erhältlich.]

Franz Lotze (Schriftleiter), Karst und Höhlen in Westfalen und im Bergischen Land (Hagener Beiträge zur Geschichte und Landeskunde, hg. v. d. Stadt Hagen, Heft 3 = Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde, hg. v. Verband der Deutschen Höhlen- und Karstforscher, 2. Jahrgang), Hagen und Münschen 1961

Dieter W Zygowski, Bibliographie zur Karst- und Höhlenkunde in Westfalen (unter Einschluß des Bergischen Landes) (Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde, hg. v. Westfälischen Museum für Naturkunde - Landschaftsverband Westfalen-Lippe, 50. Jg. - 1988 - Beiheft), Münster 1988 - ISBN 3-924590-17-6

Christiane Terhalle, Geschichte der Höhlenforschung im Sauerland ab 1945. Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt Primarstufe, Münster, den 12. Juni 1994 (Beihefte zur Zeitschrift Antiberg, Nr. 2)



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