REGIONALES

Metropole Münster - über Aufenthalte in der Hauptstadt Westfalens. Eine Rückschau.

von Detlef Rothe aus Hagen in Westfalen (Author: Detlef Rothe)




Münster in Westfalen - das bedeutet für mich eine Metropole, auch wenn die kreisfreie Stadt sich vor Jahren zur Nekropole meiner wissenschaftlichen Karriere entwickelte. Immerhin gab sie mir eine neue Perspektive mit auf den Weg: aus einem einsam begeisterten Altertumspfleger wurde ein staatlich anerkannter Altenpfleger!

Münster habe ich bereits zu Beginn des 1970er Jahrzehnts kennengelernt, als das Hüfferstift als zentrale orthopädische Klinik fungierte und der Alte Zoo von Prof. Landois noch nicht durch den Allwetterzoo ersetzt war. Mit Begeisterung habe ich später den Allwetterzoo besucht, welcher aber letztlich nicht verhindern konnte, daß ich mich von der Zoologie ab- und der Archäologie zuwendete. Auch das Mühlenhof-Freilichtmuseum hat mich schon früh bewegt und seinen Beitrag dazu geliefert, daß ich als Nebenfach bei der Aufnahme meines Studiums anno 1979 die (mittel)europäische und außereuropäische Ethnologie als Nebenfächer wählte (wobei ich aber nur die Volkskunde längerfristig beibehielt).

Vom Oktober 1979 bis zum Dezember 1994 studierte ich (ohne ,Hochschulabschluß') Ur- und Frühgeschichte, Mittlere Geschichte und Volkskunde an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU):
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(Das traditionsreiche Seminar für Ur- und Frühgeschichte - ich erinnere hier bloß an die Professoren A. Stieren und K. Tackenberg - wurde später aus dem Fürstenberghaus entfernt und zu einer Abteilung des ,Historischen Seminars' degradiert.)

Während meiner Studien vor Ort besuchte ich archäologische Unternehmungen im Stadtkreis und nahm auch an solchen teil, und zwar hier als Grabungshelfer des Gebietsreferates des Westfälischen Museums für Archäologie - Amt für Bodendenkmalpflege - des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Es handelt sich um Grabungs-, Dokumentations- und Rekonstruktionsarbeiten im Bereich eines jungstein- bis bronzezeitlichen Bestattungsplatzes (mit jungbronzezeitlicher Trankopferstelle) und einer merowinger- bis karolingerzeitlichen Siedlung im Sandgrubengelände von Gittrup (Mai - Juni 1984; Juli - August 1985; Juli - August 1986).

Einen Überblick über archäologische Tätigkeiten während meiner Studienzeit - ein wichtig gewesener Beitrag zur Sicherung meines Lebensunterhaltes! - finden Sie hier: Praktische Arbeiten im Dienste der archäologischen Forschung während meiner Studienzeit, welche zugleich dem Lebensunterhalt dienten. - Es handelt sich um die korrigierte Fassung eines Anhangs aus dem Studienbericht 1979 - 1994 (1997).

Während meiner Arbeiten an der Universität war ich auch zeitweise ,studentische Hilfskraft', und zwar des Seminars für Ur- und Frühgeschichte (11/1984 - 12/1984) und des Instituts für Frühmittelalterforschung (05/1986 - 03/1990). Beide Tätigkeiten übte ich im Stadtzentrum aus (Fürstenberghaus am Domplatz; Institut in der Salzstraße).

Zum Bestreiten des Lebensunterhalts wurde ich nicht nur archäologisch-geschichtlich tätig, sondern blieb zunächst der Deutschen Bundespost treu und arbeitete in der ,Mühle' (Paket- und Päckchenverteilung) der Hauptpost am Münsteraner Hauptbahnhof (August - September 1981); dazu das Zitat aus einem Brief an meine Oma in Sangerhausen (in der damaligen ,DDR') vom 23. Juli 1981: „Ab 3. August arbeite ich wieder bei der Post, allerdings nicht als Briefträger - wie ich es mir gewünscht habe -; sondern ich muß mich in der Paketverteilung - wie Vater in unregelmäßigen Schichten - zum Teil auch nachts abrackern." - Immerhin lernte ich dabei das rasante Fahren mit dem ,Elektrokarren' schätzen! Erwähnt sei noch die Tätigkeit als Datentypist im Auftrag der Datenerfassung Gaberseck GmbH in der Führerscheinstelle der Stadtverwaltung Münster vom Juni bis Oktober 1993 - mitten im Zentrum am Prinzipalmarkt unweit des Historischen Rathauses.

Neben der Arbeits- existierte auch so etwas wie Freizeit, welche ich im Rahmen der Gepflogenheiten des in Münster ansässigen Volkes gestaltete.
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Rosenmontag am Drubbel in Münster anno 1984 (Foto: Norbert Völlmecke, Münster - später: München -)

In diesem Zusammenhang weise ich auf eine vorfastnächtliche Bilderserie bei Facebook hin:

(Auch die anderen Fotos dort möchte ich ausdrücklich empfehlen!)

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Zuversichtlicher Doktorand in seiner Kammer im Frühjahr 1989 (Foto: Lars Erik Berger, Münster in Westfalen)

Seit Januar 1995 - am Ende des Geldes und an der Schmerzgrenze von Schulden und Mißgunst - widmete ich mich dann in Münster nicht mehr der Altertums-, sondern der Altenpflege. Auf Grund des BAFöG-Kahlschlags der Regierung Dr. Helmut Kohl (welche frühere Kürzungen ad absurdum weiterführte), sowie wegen des Unverständnisses maßgeblicher Kreise an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster gegenüber regionalgeschichtlichen Forschungen auf archäologischer Grundlage (welches sich später in der Neuorganisation mit dem Ergebnis einer Dominanz des ,Historischen Seminars' - statt der Gründung eines die Forschungsbereiche vereinenden archäologisch-prähistorisch-historischen Instituts - bestätigte), war ich im 1990er Jahrzehnt zur Aufgabe meiner Promotion zum Doktor der Philosophie gezwungen; die weitere politische Entwicklung und die hohen Kosten meiner Studien ließen eine entschädigungslose Veröffentlichung der archäologischen Studienergebnisse nicht zu, wobei mir auch das Raubgräberunwesen im ,wiedervereinigten' Deutschland Unbehagen bereitete (siehe die Fundumstände beim Diskus von Nebra, welcher zunächst als Sangerhausener (man sagt auch: Sangerhäuser) Fund bekannt wurde). Ich wandte mich - nicht zuletzt mangels anderer Angebote - einem sozial- und gesundheitsorientierten Beruf zu, unterzog mich einer Ausbildung zum staatlich anerkannten Altenpfleger und verließ Münster danach umgehend.

Im Jahr 1995 arbeitete ich aber zunächst - da wegen deren Auflösung und Umwandlung eine Tätigkeit bei der Deutschen Bundespost nicht mehr möglich war - im Rahmen eines verkürzten ,sozialen Jahrs' gewissermaßen zur Probe acht Monate lang als Altenpflege-Praktikant für die Caritas Betriebsführungs- und Trägergesellschaft Münster mbH im (später umgebauten) Altenwohnheim St. Lamberti (Januar bis August 1995) und besuchte dann zwecks Erreichen eines Ausbildungsabschlusses von September 1995 bis August 1998 eine Altenpflegeschule, und zwar das Evangelische Fachseminar für Altenpflege - Diakonissen-Mutterhaus an der Coerdestraße im Kreuzviertel. Damit endete mein trauriges Treiben in Münster gewissermaßen dort, wo es neunzehn Jahre zuvor hoffnungsvoll begonnen hatte!


So war ich dann 'mal weg (mit besten Dank an Silbermond!):



Haupttätigkeiten

Postarbeiter

* im Paketdienst bei der Deutschen Bundespost (08/1981 - 09/1981)


Grabungshelfer

* beim Westfälischen Museum für Archäologie (03/1981 - 03/1981, 02/1984 - 10/1984, 03/1985 - 08/1985, 04/1986 - 09/1986, 04/1990 - 10/1990, 03/1991 - 09/1991, 02/1992 - 08/1992)


Studentische Hilfskraft

* des Seminars für Ur- und Frühgeschichte der Universität Münster (11/1984 - 12/1984)

* des Instituts für Frühmittelalterforschung der Universität Münster (05/1986 - 03/1990)


Datentypist

* bei der Datenerfassung Gaberseck GmbH (06/1993 - 10/1993)


Altenpflege-Praktikant

* der Caritas Betriebsführungs- und Trägergesellschaft Münster mbH im Altenwohnheim St. Lamberti (01/1995 - 08/1995)


Altenpflege-Praktikant

* am Evangelischen Fachseminar für Altenpflege - Diakonissen-Mutterhaus (09/1995 - 08/1998):

D/NRW/MS/Kreuzviertel/19980826_Muenster_Diakonissenmutterhaus_Altenpflegeabsolventen D/NRW/MS/Kreuzviertel/199602xx



Meine Wohnsitze


08/1979 - 05/1980:
EU/D/NRW/MS/Kreuzviertel/19800114_Zimmer EU/D/NRW/MS/Kreuzviertel/19800921_Coerdestrasse17 EU/D/NRW/MS/Kreuzviertel/19800412_Ausblick
Coerdestraße 17, Münster-Kreuzviertel (1. Etage)

05/1980 - 08/1981:
D/NRW/MS/Mecklenbeck/19801102_Wohnung D/NRW/MS/Mecklenbeck/19801107_Ausblick D/NRW/MS/Mecklenbeck/19801107_Ausblick
Heroldstraße 41, Münster-Mecklenbeck (Dachgeschoß)


Zitat aus einem Brief an Oma Jaeckel (Sangerhausen, DDR) vom 23. Juli 1981: „Ich habe heute morgen -endlich- ein Zimmer im Studentenwohnheim gefunden. Das ist für mich wegen der Kürzung der Bundesausbildungsförderung viel günstiger. Es ist zwar klein, aber meiner finanziellen Situation eher angemessen. Ab 1. August lautet meine Adresse: Detlef Rothe / - Studentenwohnheim Block C, Zi. 419 - / Boeselagerstraße 75 / 4400 Münster"

08/1981 - 03/1982, 08/1982 - 07/1983 und 09/1983 - 07/1985:
D/NRW/MS/Mecklenbeck/19850418_Zimmer D/NRW/MS/Mecklenbeck/19830611_0253_Fotoalbum980_Heck-Meck D/NRW/MS/Mecklenbeck/19811119_0952_Fotoalbum805_Ausblick_Boeselagerstrasse75
Boeselagerstraße 75, Münster-Mecklenbeck (Dachgeschoß)

07/1985 - 10/1998:
D/NRW/MS/Geistviertel/HammerStrasse/198908xx_Luftbild_HammerStrasse+Geiststrasse D/NRW/MS/Geistviertel/HammerStrasse/HammerStrasse118nach19940626 D/NRW/MS/Geistviertel/HammerStrasse/19870112_0831_31-27_Eisblumen
Hammer Straße 118, Münster-Geistviertel (1. Etage)
Das zweite Foto zeigt die Hausfassade nach dem Brand vom 26. Juni 1994, welcher einen eigenen Aufsatz verdient hätte.

Ein Schlaglicht auf die Situation am vorzeitigen Ende meines Universitätaufenthalts wirft mein Brief aus Münster an die Oma in Sangerhausen vom 18. Januar 1994 (Ausdruck eines Amiga-DTP-Programms mit Porträtfoto):
„[...] ich [übersende] Dir (zwei) Fotos von meiner derzeitigen Zimmer-Einrichtung. Es war angesichts der [...] drangvollen Enge nicht einfach, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.... Es versteht sich nahezu von selbst, daß dieses "Doktoranden-Chaos" kein Dauerzustand sein kann. Ich mache mir zur Zeit ernsthafte Gedanken um eine mögliche "Umschulung" und konsultiere daher derzeit das hiesige Arbeitsamt bzw. sein Berufsinformationszentrum häufiger als Alma Mater (Uni). Sobald sich eine akzeptable Lösung abzeichnet, erfährst Du mehr... Weihnachten zu Hause [in Hagen] war schön, das Wetter allerdings grausam. [...] Ich war, wenn es ging, auf Wanderschaft (im Stadtwald) und habe bereits in Hagen auf dem Arbeitsamt (dasjenige mit der schönen Aussicht) "vorbeigeschaut". Nirgends tatsächlich schöne Aussichten, aber hin und wieder ein Hoffnungsschimmer (nur abseits von Uni und Archäologie). Alle "Berater" setzen auf Technokratie, ohne jedoch gesamtwirtschaftliche Lösungen bzw. Perspektiven aufzeigen zu können; da bleibt nicht viel "Spielraum" für nicht-Karriere-"bewußte" Individuen (außer vielleicht im sozialen Bereich)!"

D/NRW/MS/Geistviertel/HammerStrasse/1993-4(Winter)_EU_D_NW_MS_HammerStrasse118_Zimmer_Arbeitsfront D/NRW/MS/Geistviertel//HammerStrasse1993-4(Winter)_EU_D_NW_MS_HammerStrasse118_Zimmer_Herrenzimmerschrank
(Das Mobiliar wurde teilweise von meiner in Sangerhausen lebenden Großmutter gespendet.)


Etwas von mir seit dem Abschied von Münster arg Vermißtes - da kann es nur heißen: Daumen hoch!

Herzlichen Glückwunsch!
Möge Münster in Westfalen hier für andere Orte Vorbild bleiben!




Ausblick


Im Oktober 1998 zog ich nach Schwelm um, wo ich meiner Heimat Hagen ein Stück näher war. Das Verlassen der Versager-Stadt Münster habe ich nie bedauert, auch wenn ich ab und an mit Wehmut an die dort verbrachte Computerpionierzeit zurückblicke (mit einem der ersten Amiga vor Ort war ich Mitglied im Information-Exchange-Club, als der Sinclair QL mit seinem Multi-Tasking-Betriebssystem dort für Begeisterung sorgte). Ich bedaure es nach wie vor, daß es zum Scheitern der ,Neuen Technologien' kam (neben dem Commodore Amiga ging auch der SubLOGIC Flight Simulator, ein unter dem Label ,Microsoft' bekannter gewordenen PC-Flugsimulator, sang- und klaglos unter) und in Münster sich diesbezüglich Langeweile ausbreitete. Ein Angebot zur Mitarbeit an der Mediadatenbank ,Encarta' (vermittelt durch einen Studienfreund, der in die bayerische Hauptstadt gewechselt war) lehnte ich einst ab, da ich mir keinen leistungsfähigen ,IBM-kompatiblen' PC anschaffen konnte und wollte! Die archäologischen Beiträge des digitalen Nachschlagewerkes kamen dann gleichfalls aus München statt aus Münster - doch auch das ist schon Geschichte.

Im Nachhinein stellt sich mir Münster als eine Art ,Deppenmetropole' dar, was ich allerdings (zumal im Hinblick auf bodendenkmalpflegerische Maßnahmen) noch näher erläutern müßte - ich bitte da um Nachsicht! Der Alternativtitel für diesen Artikel könnte jedenfalls auch ,Madiges Münster' lauten. Ich habe immerhin auch sehr positive Erfahrungen machen können (Stichwort: Gaberseck)! Meine rückwärts gewandte Kritik richtet sich vor allem gegen die Landespolitik, und zwar einerseits gegen das ,Personal' im Landeshaus (welches nicht einmal die Geschehnisse vor dem eigenen Domizil mitbekam) und andererseits an die mit der Umsetzung von Gesetzen an der WWU beauftragten ,Vertreter der Öffentlichkeit'. Hierzu gäbe es viel zu sagen - ich mache es mir da recht einfach: Schwamm drüber; den Schaden haben schließlich alle Beteiligten zu (er)tragen.



LINKS

Allgemeines

offizielle Seite der Stadt Münster.

Wikipedia-Artikel zu dieser Stadt.

Webcams in Münster.


Hauptbahnhof

Der Bahnhof, so wie ich ihn zuletzt kannte (nicht zuletzt mit seiner typischen Geräuschkulisse!), in Aufnahmen vom Sommer bis Winter 1995 von ,Udjat Pictures' bei YouTube (mit besten Dank für damit verbundenen Erinnerungen an einen traurigen Abschied):


Der Abriß des Hauptbahnhofs in Aufnahmen von Detlev Helmerich und veröffentlicht am 23.01.2015 bei YouTube:



Museen

Münsteraner Museen auf einer Seite.


Trödelmarkt

Seit Jahrzehnten ein überragendes Ereignis (neudeutsch: Event), bei dem sich immer irgendwie etwas Passendes findet: Der Münstersche Flohmarkt!


Hinweis: Für die Aktualität, Funktionalität und Korrektheit der angegebenen Links erfolgt keine Gewähr!



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06.06.2016 20:22