REGIONALES: Alles aus Hagen
Hagens Spardose wurde geschlachtet. Erinnerungen an den ,Langen Oskar' (1973 - 2004).
von Detlef Rothe aus Hagen in Westfalen
„Unübersehbar: das Hochhaus der Sparkasse, ein in hoffnungsvollem Grün gehaltener Zeigefinger des Kapitals. Conspicuous: the high building of the Savings Bank, an index finger of capital kept in hopeful green."
Jürgen Mensendiek, Hagen, Grasberg 1995 (ISBN 3-921957-24-9), S. 12
Am 2. November 2002 unternahm der Berichterstatter nach längerer Zeit, in welcher das neue Zentrum von Hagen eine Großbaustelle war (die sogenannte ,Neue Mitte' rund um den Friedrich-Ebert-Platz), eine ,Foto-Safari' durch die Innenstadt; hierbei fand eine einfache, sehr handliche Digitalkamera Verwendung. (Man vergleiche zum Folgendem bitte: Ein Novemberspaziergang durch die Innenstadt von Hagen in Westfalen (2004)). Vom Buschey hinabsteigend (vgl. auch die Bildergalerie-Reihe Wildes Wehringhausen, dort vor allem: Die Buscheystraße) galt mein erster Blick natürlich der alten Penne an der Bergstraße und Goldbergstraße (bzw. am ,oberen' Ende der Kampstraße, welche den direkten Weg vom Goldberg - die Erhebung heißt wirklich so! - zur Neuen Mitte bildet). Der Unterricht im Fichte-Gymnasium Hagen fand gewissermaßen im Schatten des einsamen Wächters ,Langer Oskar' links im Hintergrund des Fotos - in der Körnerstraße gegenüber dem Volkspark - statt:
(Foto: Detlef Rothe, 02.11.2002)
Zum Vergleich ein etwa acht Jahre jüngeres Bild vom Schulhof ohne ein Sparkassenhochhaus im Hintergrund:
(Foto: Detlef Rothe, 18.07.2010)
Es folgt eine Vorausschau entlang der Kampstraße zum Zentrum:

Zum Vergleich dient eine Schwarzweiß-Ansicht von etwa 1900:

Weiter geht es in Richtung Hochstraße und Elberfelder Straße:

Dann - nach dem Passieren der Kreuzung mit der Hochstraße - geht ein Blick zurück zu der verlassenen ,Oberschule':

Verweilen wir noch ein Weilchen in der Kampstraße, denn die nächste Kreuzung - nämlich diejenige mit der Elberfelder Straße - steckt voller Erinnerungen! Rolf Löttgers und Wolfgang Reimann bildeten im Jahr 1989 ein bemerkenswertes Foto in ihrem unter Nahverkehrsfreunden sehr bekannten Buch Rund um Hagen ab (S. 26, Abb. 40), welches eine Straßenbahn der Linie 9 um das Jahr 1947 zeigt, wie sie ein rechtwinklig zu ihr verlaufendes Gleis überquert:
xxxx_D_NRW_HA_Kampstrasse_Kreuzung_ElberfelderStrasse_Strassenbahn_Linie_9_(LoettgersReimann1989S26or).gif)
Bei der Örtlichkeit handelt es sich nicht - wie irrtümlich angegeben - um die Kreuzung der Bachstraße mit der Lange Straße, sondern jene der Kampstraße mit der Elberfelder Straße; dies zeigt ein Vergleich je einer Aufnahme der Kampstraße in Richtung Goldberg von der Kreuzung aus - mit den Fichte-Gymnasium im Hintergrund - vor und nach dem Zweiten Weltkrieg (um 1935 und um 1945):
Im linken Eckhaus befand sich vor dem Krieg das ,Hansa-Haus', im rechten das Kaufhaus Lampe (heute: Galeria Kaufhof); Krüger-Ansichtskarte und Foto Paul Classen.
Zum Vergleich noch eine Aufnahme des Verfassers vom 18. Juli 2010: 
Heute befinden sich in dem erwähnten Hansa-Haus ,randstad', ,Bijou Brigitte' und ein ,TUI Reisecenter'. Das ,Reformhaus' dahinter repräsentiert die Nachkriegsruine hinter dem Hansa-Haus auf dem Straßenbahnbild. Gegenüber befindet sich die ,Galeria Kaufhof' (Ergänzung vom 18. Juli 2010).
Zugabe vom Frühjahr 2011: Da darf ein Filmchen von einer Fahrt vom Friedrich-Ebert-Platz zum Kaufhof (21 MB) nicht fehlen! (Weitere Versatzstücke siehe unter Allgemeines bei Alles aus Hagen.)
Das Hauptinteresse auf meiner Foto-Tour galt freilich anno 2002 nicht dem früher viel begangenen Weg zwischen Schule und Kaufhof entlang der Kampstraße, sondern dem Gelände um den neu erbauten ,Solitär' in der Körnerstraße, welcher - wie ein Denkmal für sich allein stehend - inmitten des alten Friedrich-Ebert-Platzes einen unverkennbaren Akzent gesetzt hat und in seiner Auffälligkeit dem Langen Oskar die Schau zu stehlen drohte. Hier die dazu passende Perspektive vom ,unteren' Ende der Kampstraße:

Links davon - Richtung Norden - galt der zweite Blick dem angeblich abbruchreifen Hochhaus der städtischen Sparkasse in der Körnerstraße, welches noch keine Spuren der anstehenden Demontage erkennen ließ:
(Dieses Foto wurde übrigens am 5. März 2004 im Lokalteil Hagen der Westfälischen Rundschau publiziert und kleinformatig als Nummer 95 in die Internet-Diashow der Westfälischen Rundschau diashow.westfaelische-rundschau.de/wr/hagen.diashow.oskar/wr.hagen.diashow.oskar.php integriert.)
Auf einer aktuelleren Ansicht sieht man über dem neuen Sparkassen-,Karree' nur noch den blauen Himmel und weißen Dunst:
(Foto: Detlef Rothe, 18. Juli 2010)
Baulich wirkte der gesamte Komplex recht ordentlich geschlossen:

Der Solitär brachte durch seine Rundung neuen Schwung in die ganze eckige städtebauliche Angelegenheit:

Diese ,Abrundung' gilt nach weiteren Veränderungen in dieser Ecke des Friedrich-Ebert-Platzes noch immer, aber trotz aller Neuerungen hinterläßt das gesprengte Sparkassenhochhaus - dieser hohe Zacken! - doch eine empfindliche Lücke in der Bebauung, gewissermaßen dem ,Gebiß' mit dem ,Solitär' als isoliertes Kauwerkzeug im Munde (Zunge?), welchen der Platz bildet:
(Foto: Detlef Rothe, 18. Juli 2010)
Die den ,Langen' betreffenden Höhenangaben schwankten übrigens zwischen 98 und 101 Metern - vermutlich wurde der Kran auf dem Dach, welcher wohl die Fensterreiniger bei deren Arbeit beförderte, teilweise mitgerechnet. Jedenfalls stellte ,Oskar' so etwas wie das Herz Hagens dar, auch wenn er nicht direkt im Zentrum der ,Mitte' stand.
Der Friedrich-Ebert-Platz bildete dabei den Mund im Kopfe (der ,Neuen Mitte') Hagens! Dieses Bild läßt sich ergänzen mit der Körnerstraße (oder eventuell auch der Volme) als Wirbelsäule, dem Volkspark als Lunge und dem Bahnhofsviertel als Bauch, läge einem da bloß nicht das Hochhaus des ,Agentur für Arbeit' im Magen!
Die unter dem Kürzel ,Arbeitsamt' bekannte örtliche Bundesagentur für Arbeit - links im Hintergrund des übernächsten Bildes - kennzeichnet zusammen mit der Sparkasse ein ,unteres' und ,oberes' Ende der Körnerstraße, welche als verkehrstechnisches Gegenstück zum Lebensfluß der Stadt parallel zur Volme verläuft und in der Elberfelder Straße ein den Körper formendes Gegenstück besitzt. Hauptpost und Hauptbahnhof machen der Stadt dabei womöglich Beine (von Hand und Fuß sprechen wir hier besser nicht).
Durch die Blockade des zentralen Friedrich-Ebert-Platzes mittels Solitär wirkt die Straßenkreuzung (Körnerstraße mit Bad- und Hohenzollernstraße) nun etwas vom geistigen Zentrum am Rathaus abgeschnitten. Man vergleiche dazu den ,Hals' (der Kreuzungsbereich - bei diesem Bilder möchte ich es dann doch belassen) auf früheren Ansichten:
(am 2. Januar 1967 gebrauchte Postkarte)
Eine im November 2002 geschossene Ansicht vom Sparkassenkomplex versuchte an frühere Sichtweisen anzuknüpfen, wobei sich der Solitär (am linken Bildrand) dabei etwas im Wege stellte (gleichwohl bezeichnete man diesen bald beschönigend als ,Stadtfenster'!):

Ein Foto aus der Zeit um 1955 - aufgenommen bei Restarbeiten an der Kreuzung nach Fertigstellung des Nachkriegsgebäudes der Sparkasse - veranschaulicht immerhin die Weitläufigkeit und Offenheit des Geländes vor dem Bau des Langen Oskars und des Arbeitsamtshochhauses:
(Quelle: Eckehard Frenz u. Wolfgang Reimann, Tram-Tour Ruhr. Straßenbahnen im Ruhrgebiet der Nachkriegsjahre, Freiburg 2008, S. 8, Abb. links unten)
Noch prägte - und das sollte nur wenige Jahre (1973 bis 1976) mit dem Langen Oskar zeitlich zusammen passieren! - die Straßenbahn (hier Linie 2 mit Beiwagen 163 oder 183) den Nahverkehr der Stadt.
Vor dem Bau des ,Arbeitsamtes' an der Altenhagener Brücke bildete der ,Lange Oskar' so etwas wie die Krone der Innenstadt, stach dabei sogar - wie hier in eigenen Fotos vom 7. August 1975 - die Marienkirche aus:

Ein kleiner Spaziergang durch die Mittelstraße und Körnerstraße im Frühling (14. April) des Jahres 1975 mit eigenen Bildern:
xx_03-07_Sparkasse_in_der_Koernerstrasse_mit_Rathaus.gif)
(Auf dem vorletzten Foto fehlt das erst später errichtete ,Arbeitsamt' an der Altenhagener Brücke; es läge etwa in der Fluchtlinie des östlichen Teils der Körnerstraße - siehe das Foto mit dem roten Sparkassenlogo oben!)
Ein Flashback - drei Rückblicke: so sah es an der Gabelung der Mittel- in Elberfelder Strasse und Körnerstraße in den Jahren 1943
, 1948
und 1950
aus!
Zum Vergleich drei Fotos des Verfassers vom 18. Juli 2010:

Schließlich noch ein Rückblick auf eine gewiß kinderfreundlichere Zeit: Einblick in die Aktion Ferienmaus unter'm Oskar im Volkspark (nach einem - leider schlecht reproduzierten - Foto des Verfassers vom 7. Juni 1979):

Fazit: Es erscheint kaum glaubhaft, daß nach der am 7. März 2004 im zweiten Versuch gelungenen Sprengung von der ganzen Pracht nur Staub und Schutt blieb!
Inzwischen wurde der Lange Oskar zusammen mit dem benachbart gewesenen Stadthaus (ursprünglich Stadtbücherei
etc.) durch den Breiten Klaus ersetzt.
Der Lange Oskar hat - quasi ,posthum' - einen Oskar verdient, denn er verwirrte in den letzten Zügen seines zarten Lebens als ,Schauspieler' den Zünd-Computer so sehr, daß dieser kurzfristig ausgetauscht werden mußte. Die Sprengung erfolgte mit einer knappen Stunde Verspätung - eine aufregende Zeit nicht nur für die Leute von Film und Fernsehen (es soll rund 50.000 Zuschauer vor Ort gegeben haben!).
Der ,big bang' ist vollbracht - einfach niederschmetternd
!

Uns Barmer (im Johanneshaus Hans-Sachs-Straße) brachte dies nicht aus der Ruhe.

LINKS
Zeitgeschichtliches
Hier finden Sie einige Links zum Thema Langer Oskar aus der Abbruchzeit (in welcher sogar einzelne Betonbrocken ,verhökert' wurden):
Vom Langen Oskar zum modernen Sparkassen Karree
Alle Daten & Fakten zur mega Sprengung des langen Oskar in Hagen. Mit Live Bilder und Filmmaterial.
www.langer-oskar.de/ -
Langer Oskar
Hauptseite, Deutsche Enzyklopädie, Langer Oskar. Langer Oskar war der Spitzname,
den die Bürger der Stadt Hagen dem 101 Meter hohen ...
www.calsky.com/lexikon/de/txt/l/la/langer_oskar.php -
WDR 2 - Zwischen Rhein und Weser
Zwischen Rhein und Weser: Das NRW Sommerrätsel nachmittags zwischen 15 und 17 Uhr.
Baustelle ???langer Oskar“ in Hagen Beitrag hören. Hinweise im Beitrag: ...
www.wdr.de/radio/wdr2/rheinweser/ sommerraetsel/langer_oskar.html -
Hagener Online - Forum
Hagener Online-Forum. "Langer Oskar". ... "Langer Oskar". Eine Frage ihr Stadtverwalter, warum wurde der lange Oskar abgerissen. Wie viel hat das gekostet. ...
www.hagen.de/dcforum/DCForumID3/205.html -
**Langer Oskar** Infomationen zu Langer Oskar
trafficzauber. Langer Oskar.... Alles über Langer Oskar. ... Langer Oskar. Informationen
über Langer Oskar. Search Groups: [TR] RUMMS! Hagen 6.+7.3. ... ...
www.trafficzauber.de/La/Langer_Oskar_85888.html -
Langer Oskar - Wikipedia
Langer Oskar. aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie. Langer Oskar war der Spitzname, den die Bürger der Stadt Hagen dem 101 Meter ...
www.daswillichwissen.de/Langer_Oskar -
www.attitue.de
www.attitue.de ??? Fotos ??? Langer Oskar. › Fotos: Ausweihung; Adenauerhaus; Langer
Oskar; Weiberkarneval. Spengung des "Langen Oskars" in Hagen. ...
www.attitue.de/fotos/sprengung-hagen/ -
Anfangsseite
" Good bye ! " - Langer Oskar -. Das Hochhaus, der lange ... Fehlentscheidung seitens
der Stadt!!! Die persönlichen Daten: "Langer Oskar!" >>.
www.juergen-michaelis.de/ abschied-vom-langen-oskar-in-hagen-1neu.html -
Rückblickendes
hagen-album.de - Die Website von Udo Ernst Block nimmt sich den ,Langen Oskar' vor!
Hinweis: Für die Aktualität der angegebenen Links erfolgt keine Gewähr!
LITERATUR
Sparkasse der Stadt Hagen (Hg.), Unser Hochhaus / Ein Stückchen Hagen mehr, Hagen o.J. [wohl vom Dezember 1975]
5. Dimension
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Archäologie
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20110725 00:10