REGIONALES: Hagen
Die Buscheystraße in Hagen-Wehringhausen
von Detlef Rothe (D-58135 Hagen in Westfalen)
Vorbemerkung: Neben eigenen Photographien wurden fast ausschließlich ältere Ansichtskarten verwendet, deren Künstler nicht mehr bekannt sind.
Die annähernd von Nordosten nach Südwesten verlaufende Buscheystraße zieht sich parallel zu Lange Straße und Wehringhauser Straße durch den Stadtteil Wehringhausen und ist namengebend für das Hagener Buscheyviertel (zum Vergleich siehe das in der Karwoche 2011 aufgenommene Mono-Video (2D-Movie) einer Krankenwagenfahrt vom Buschey zu meinem Elternhaus in der Dömbergstraße (50 MB), welches die Buscheystraße vom Bergischen Ring bis zur Bachstraße und diese von dort bis zur Dömbergstraße enthält.
Als südwestliche Fortsetzung der Buscheystraße führt die Eugen-Richter-Straße (welche anfangs als Feldstraße bezeichnet wurde) westlich der Pelmkestraße (das ist die nächste Seitenstraße nach der Bachstraße) durch das zu Wehringhausen gehörende und sich an den Buscheybezirk anschließende) Paulusviertel bis nach Kückelhausen, wo sie an der Hördenstraße endet. Der nordwestliche Teil des Bergischen Rings, an dem die Buscheystraße heutzutage ihren Anfang nimmt, begrenzt das Buscheyviertel (und den Stadtteil Wehringhausen selbst) nach Nordosten hin. Der östliche (etwas an den Goldberg geschmiegte) Teil des Bergischen Rings war früher Teil der Buscheystraße, welche also eigentlich weiter östlich (jenseits des Allgemeinen Krankenhauses) beginnt, während der nordwestliche Teil des Bergischen Rings früher Wilhelmstraße hieß (im oberen, an die Buscheystraße einmündenden Teil bis nach dem Ersten Weltkrieg Lessingstraße); zur Lokalität siehe den Lageplan im angegebenen AKH-Link, welcher als PDF-Datei zum ,Download' verfügbar ist - 1,7 MB - Stand: November 2010), sowie den Plan von Hammerschmidt um 1920:

Die Namensänderungen im 1970er Jahrzehnt resultieren aus der Konzeption eines vierspurigen Straßenverkehrsringes um die Innenstadt (und auf der Eingemeindung von Hohenlimburg).
Tagebucheintrag vom 9. Februar 1976 (Band B, S. 10):
„Ich erinnere mich noch daran, daß Klaus und ich unsere Mutter immer [von Haus 5 der Eugen-Richter-Straße aus] mit in die Stadt begleiten mußten, was wir überhaupt nicht schön fanden. Auf der Rückkehr [vom Einkauf bei Aldi an der Ecke Böhmerstraße/Frankfurter Straße] hatten wir beide den ziemlich beladenen Kinderwagen [von Christof - also um das Jahr 1966 herum -] den Buschey, der damals noch von kleinen Kastanienbäumen an der Hangseite [gemeint: Talseite] geschmückt [war], hinauf[zu]schieben. Die Buscheystraße wurde dort erst verbreitert, als ich [= nachdem ich im Jahr 1969] auf das Fichte-Gymnasium kam."
Zum Vergleich ein Foto anno 1955 von Hans Wehner, entnommen dem hervorragenden Erinnerungsbuch von Dirk Göbel und Jörg Rudat BITTE EINSTEIGEN, S. 45 unten:
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(Im Hintergrund ist die Einmündung der Goldbergstraße mit dem Fichte-Gymnasium links zu sehen.)
Das Foto wurde im Jahr der Einstellung der Straßenbahn-Linie 9 aufgenommen, deren Oberleitung und Schienen auf den Bild noch sichtbar sind. Auch ein Streugutkasten steht noch bereit.
Zum Vergleich ein eigenes Foto vom 18. Juli 2010:

Die ,obere' Buscheystraße ist - früher wie heute - in ihrem Wesentlichen durch Villen auf der Südost- und mehrstöckigen Mietshäusern auf der Nordwestseite gekennzeichnet. Am Buschey selbst sieht es allerdings noch anders aus, denn hier - wo die Buscheystraße seit einiger Zeit der Straße Bergischer Ring zugeschlagen wurde - bleibt die Talseite von Bebauung frei, wodurch sich idyllisch anmutende Eindrücke gewinnen lassen:
(Fotos vom 20. April 2011)
Die Bergseite der Ringstraße wird zum Allgemeinen Krankenhaus hin durch einen bunten Block von Mietshäusern geziert. (Die Farbfotos datieren vom 2. November 2002, soweit nicht anders angegeben.)
In unmittelbarer Nähe des Fichte-Gymnasiums und der ehemaligen Volmetalbahntrasse schwingt sich eine Fußgängerbrücke
über den Bergischen Ring, um dessen nördliche Straßenseite mit dem Stadtgarten
(Foto vom 18.07.2010) zu verbinden.
Zur besseren Orientierung ein in der Karwoche 2011 aufgenommenes Mono-Video (2D-Movie) einer Krankenwagenfahrt vom Fichte-Gymnasium (an der Einmündung der Goldbergstraße) aufwärts zum Allgemeinen Krankenhaus (an der Einmündung der heutigen - = ,oberen' - Buscheystraße) (19 MB).
Südlich des zum Bergischen Ring gerechneten Teils der Buscheystraße und westlich des Stadtgartens bzw. der diesen nördlich begrenzenden Straße Elfriedenhöhe (im folgenden Bild sieht man die Einmündung von der Brücke aus
- zum Vergleich ein weiteres Foto vom 18. Juli 2010:
) - dominiert das Allgemeine Krankenhaus (AKH) die Szene:

Davor liegt die bunte Zeile der alten Mietshäuser direkt am Ring:
(Diese Fotos entstanden im November 2002 und 2004.)
Aus der Richtung Schwenke bzw. Feuerwache (an der Lange Straße) sieht man bereits im Jahr 1904 eine fast geschlossene Häuserfront entlang der Buscheystraße. Die einzige sichtbare Lücke zwischen den damaligen Häusern 15 und 17 nahm die Zufahrt zum wenig später entstandenen Allgemeinen Krankenhaus Hagen (AKH) auf:
(Ansichtskarte von etwa 1904)
Das AKH von 1909 krönt seit seinem Anbeginn den Buschey (welcher gewissermaßen als ,Schwanenkönig' mit Stadtgarten - einschließlich Schwanenteich und Silberbach - dem Goldberg vorgelagert ist) und bildet daher einen interessanten städtebaulichen Akzent zwischen Innenstadt und Stadtwald (Gartenseite der Klinik:
) am Rande Wehringhausens:
- Es handelt sich hierbei um Vorkriegsansichten!
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das AKH zunächst nur notdürftig repariert: 
Der neue Klinikvorbau trennt imposant den Bergischen Ring von der (heutigen) Buscheystraße und verdeckt so gewissermaßen auch die nach dem Krieg schlecht - man denke nur an die monotonen Klinkerflächen! - versorgten Wunden: 
Der - heutige - Anfang der Buscheystraße westlich des Allgemeinen Krankenhauses bietet ein nicht weniger buntes Bild:
(Fotos vom November 2004)
Als Ergänzung ein Foto des zur Lange Straße hinabführenden Teils des Bergischen Rings vom 20. April 2011, welches die Verbindung zum Buscheyfriedhof (am rechten Bildrand) herstellt:

Zur besseren Orientierung ist ein am 20. April 2011 aufgenommenes Mono-Video (2D-Movie) einer Krankenwagenfahrt am Bergischen Ring aufwärts zur Einmündung der heutigen Buscheystraße (13 MB) verfügbar.
Wir gehen von hier ein Stück südwestwärts in die heutige Buscheystraße, drehen uns an der Kreuzung mit der Grünstraße um und riskieren einen Blick zurück zum Buschey vor
und nach
dem Zweiten Weltkrieg.
Das Umfeld der Grünstraße war trotz der benachbarten medizinischen Einrichtungen im Zweiten Weltkrieg stark von Bomben betroffen. Hierbei sind natürlich die nahen Flugabwehrgeschütze auf dem Goldberg als wichtiges Militärziel zu berücksichtigen!
Es folgt ein Blick vom oberen Teil der Grünstraße über die Kreuzung mit der Buscheystraße nordwestwärts in Richtung Buscheyfriedhof auf einer Postkarte vom Jahr 1909:

Vor allem das südwestlich anschließende Eckhaus wirkte sehr imposant:

Es erstreckten sich an der Nordwestseite der Buscheystraße bis zur Roonstraße weitere Mietshäuser, welche zum Teil noch heute an gutbürgerliches Etagenwohnen zur Deutschen Kaiserzeit erinnern. Diese Straßenseite glänzte im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts besonders zwischen Grün- und anschließender Koloniestraße (die heute Christian-Rohlfs-Straße heißt):
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Ein Postkartenblick anno 1929 von der Einmündung der Koloniestraße zurück zur Grünstraße zeigt die Nordwestfront der Buscheystraße von Süden her in all ihrer Pracht:
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Kleine eingezäunten Vorgärten zogen sich am Bürgersteig entlang bis - wenigstens - zur Roonstraße hin:

Diese Ansicht der Häuserfront beiderseits der Moltkestraße verdeutlicht in etwa auch den Kontrast zwischen südöstlichem Grüngürtel (wo über lange Zeit Kleingärten vorherrschten) und nordwestlichem Wohnviertel.
Weiter südwestlich (zwischen Roon- und Moltkestraße) wurde - nach einer in das Jahr 1910 datierten, aber vielleicht älteren Postkarte zu urteilen - damals noch fleißig am Bau gewerkelt:

Wenig später zeigte sich auch hier eine durchgehend opulent gestaltete Häuserfront:

Heutzutage findet sich von der kaiserzeitlichen Pracht an der Buscheystraße nur noch ein schwacher Abglanz - wie etwa bei diesem im Jahr 1975 von der Einmündung der Uhlandstraße aus aufgenommenen Foto eines linken Eckgebäudes an der Moltkestraße:
_Buscheystrasse.gif)
Insbesonders die Ecktürme - oft mit imposanten Hauben - haben mit der Zeit gelitten, wie gerade dieses Beispiel lehrt.
Weiter südwestlich verzichtete man dann weitgehend auf die schmalen Vorgärten; dafür rückte die Fassadengestaltung mehr in den Vordergrund - wie bei dem folgenden kriegszerstörten Eckhaus an der Roonstraße:

Großes Aufsehen erregten zwei Straßenbahn-Unfälle um das Jahr 1948 an der Kreuzung der Buscheystraße mit der Bachstraße, an welcher die ,Tram'-Linie 9 in Richtung Langestraße hinabführte. Näheres dazu siehe unter Bachstraße. Erwähnt sei hier nur, daß in der Literatur bezüglich der Zuordnung der Fotos und Datierungen noch eine gewisse Verwirrung vorherrscht, so daß beide Ereignisse einmal im Zusammenhang betrachtet werden müßten. Die Straßenbahnlinie 9 stellte am 9. Oktober 1955 ihren Dienst ein.
Am südwestlichen Ende der Buscheystraße befand sich im südlichen Winkel der Kreuzung mit der Pelmkestraße und der Eugen-Richter-Straße - welche um 1900 noch Feldstraße hieß - bis zum Jahr 1930 der Tackenhof:

Das Gelände unmittelbar südlich dieser Kreuzung - im südlichen Verlauf der Pelmkestraße - wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg stärker bebaut.
Ein Panoramafoto von Johann Janßen, aufgenommen im Dezember 1936 am Ollen Dreisch, stellte das Wehringhauser Bachtal abwärts dar, und zwar das Gelände nordöstlich der Pelmkestraße mit der Bachstraße im Focus:
Die Buscheystraße bildete hier den Hintergrund einer größeren Gartenlandschaft, an welcher sich im Südosten (am rechten Bildrand) das Villenviertel am Buschey anschloß.
Die ,obere' Buscheystraße trennt also gewissermaßen ländliches Gebiet am Goldberghang (früher als ,Colonie' bezeichnet, worauf der ältere Name der Christian-Rohlfs-Straße verweist) vom bereits schachbrettartig angelegten Städtebau und bildet zugleich - im Hinblick auf die Vorkriegszeit - ein interessantes Gegenüber zur ,unteren' Buscheystraße (welche heute zum Bergischen Ring gehört) und zur Wehringhauser Straße, deren zur Ennepe hin gelegene Nordwestseite wiederum (auch hier sind unter anderem einige prächtige Häuser ausgenommen, sowie auch die vom Fluß abhängigen Fabriken einschränkend zu berücksichtigen) ein eher ländliches Gegenstück darstellte, während ihre Südostseite vielmehr durch Etagenwohnblöcke glänzte.
Links
zu Websites rund um das Buschey-Viertel, nach Straßen und Hausnummern geordnet
gruppe cebra - Vereinigung Kulturschaffender in Wehringhausen Dipl.-Des. A. E. Busch, Buscheystraße 56
Kosmetik-Studio Frau Bozena Rosin, Christian-Rohlfs-Straße 21
Blumen Fisseler - Gärtnerei am Buschey, Grünstraße 2 (am Buschey-Friedhof)
Allgemeinen Krankenhaus Hagen (AKH), Grünstraße 35
KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation, Grünstraße 35 a (am Haupteingang des Allgemeinen Krankenhauses)
Outback BW-Shop: outdour - freizeit - camping - second hand, Moltkestraße 3
Literatur
Dirk Göbel u. Jörg Rudat, Mit der Straßenbahn quer durch Hagen. Bitte einsteigen [eigentlicher Titel: BITTE EINSTEIGEN - Mit der Straßenbahn quer durch Hagen], Hagen, 1. Aufl. 2009 (November) - ISBN13 978-3-932070-95-2 [Dieses Buch ist sicherlich nicht nur für Liebhaber des Hagener Nahverkehrs ein Genuß!]
Jürgen Zarnke, WEHRINGHAUSEN. BILDER und DOKUMENTE [so auf dem Deckblatt], Hagen 2010 (November), herausgegeben im Selbstverlag. [Dieser albumärtige Band berücksichtigt die bedeutenderen Straßen Wehringhausens in vorbildlicher Weise!]
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20110807 15:00