REGIONALES: Annäherung an Wehringhausen.
Der Buscheyfriedhof in Hagen-Wehringhausen
von Detlef Rothe (D-58135 Hagen in Westfalen)
Zwischen der annähernd von Nordosten nach Südwesten durch das Tal der Ennepe gehenden Buscheystraße und der hangabwärts parallel verlaufenden Lange Straße liegt nahe am Hang des Buscheys - in unmittelbarer Nachbarschaft von Grünstraße, Bergischem Ring und Feuerwache - der Hagener Buscheyfriedhof. Dieser wurde am Ostermontag des Jahres 1810 eröffnet und feiert daher im April 2010 das zweihundertjährige Jubiläum.
Auf Veranlassung der französischen Behörden wurden die Kirchhöfe in Hagen zu Beginn des 19. Jahrhunderts - es war in der Napoleonszeit - aus hygienischen Gründen als Bestattungsplätze geschlossen. Neue Friedhöfe sollten nur noch außerhalb der Stadt angelegt werden. Die evangelische, katholische und reformierte Kirchengemeinde schlossen sich zusammen und gründeten eine Friedhofskommission, welche auf dem Buschey einen nahezu quadratischen ,Totenacker' einrichtete, welcher später stark erweitert wurde und heute etwa 25.000 Quadratmeter umfaßt. Er stellt ein frühes, vorbildliches Beispiel für die Ökumene dar. Auch das darf nunmehr gefeiert werden! Der Rembergfriedhof - auf der gegenüberliegenden Talseite der Volme - entstand erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Eine Stadtansicht etwa aus der Zeit um 1800/1825 - von Nordosten, und zwar vom Weinberg, aus aufgenommen (die Volme befindet sich am unteren Bildrand) - zeigt den Buschey unterhalb der stark überhöht dargestellten Bergkette Goldberg/Egge/Hesterhardt. Neben den hangabwärts gen Ennepe gelegenen Büschen (also im Bild rechts) fallen links davon eine Ummauerung und bereits hoch gewachsene Bäume in derselben auf. Hierbei handelt es sich am ehesten um den Buscheyfriedhof, wobei das hohe Tor - offenbar mit einem Treppenaufgang davor - in der Mitte der talseitigen Mauerfront besonders markant erscheint. Ein hell dargestellter Streifen führt von etwas rechts vom unteren Ende dieser Mauerfront schräg hangabwärts in das Volmetal, wobei es sich wahrscheinlich um einen von der heutigen Feuerwache (Anfang der Lange Straße) in Richtung des heutigen Hauptbahnhofs führenden Weg handelt (siehe die Gemeindekarte von ca. 1825). Bei der Mauerfront könnte es sich - nach derzeitigem Stand - auch um eine Art Vorläufer des Stadtgartens im Bereich des späteren Allgemeinen Krankenhauses handeln, während die Lage des Friedhofs weiter rechts in dem Buschgelände anzunehmen wäre. Dann könnte man den hellen Weg eventuell für den unteren Abschnitt der Buscheystraße halten. Man vergleiche dazu die Photographie von etwa 1875 unten! Derzeit halte ich es für nicht ausreichend gesichert, daß die Stadtansicht älter als der im April 1810 eingeweihte Friedhof ist; denn die Zuordnung der einzelnen Landschaftselemente bedarf einer weiteren Klärung. Körnerstraße und Elberfelderstraße sind übrigens nur schwach angedeutet; beide Hauptverkehrswege verliefen seinerzeit dem Anschein nach ohne begleitende Allee-Bäume durch weitgehend freies Feld. Das Tal der Ennepe hinter dem Ausläufer des Buscheys ist schluchtartig dargestellt und erinnert mit dem am Goldberg grob und an falscher Stelle dargestellten Fünf-Minuten-Weg stark an das ursprüngliche Düsseltal bei Mettmann (das sogenannte ,Neanderthal' mit einem wie der Weg gestaltenen Wasserfall - möglicherweise wurde das Blatt nach einer Anfangsskizze zweitverwendet, was die erhöhte Darstellung der Bergkette erklären würde). Erwähnenswert ist noch, daß an der nordwestlichen (hier: rechten) Talseite der Ennepe offenbar der früher berühmte Enneperhof abgebildet ist, welcher sich bis um 1870 im Bereich der Eisenbahnstrecke am Kuhlerkamp-Hang westlich der Kuhle- bzw. Weidestraße befand.
Auf der Gemeindekarte von Wehringhausen, welche wohl im 1820er Jahrzehnt entstand, aber auf welcher auch Nachträge bis um 1870 erfolgten (Eisenbahnlinien), ist der Buscheyfriedhof in seiner annähernd quadratischen Ursprungsform mit den Hauptwegen dargestellt:
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Auf dem hier wiedergegebenen Planausschnitt sieht man mittig links die Weidestraße, in der unteren linken Ecke aufeinanderfolgend die Pelmke- und Bachstraße. Das große quer verlaufende weiße Band stellt die Wehringhauser Straße mit anschließender Fabrikhofstraße dar (es handelt sich wie bei der Fortsetzung Am Hauptbahnhof um die frühere Kölner Straße, welche im Allgemeinen der heutigen Bundesstraße 7 entspricht). Die mittig von links unten nach rechts oben (Südwesten nach Nordosten) verlaufende Linie stellt die noch nicht begradigte Lange Straße dar. Die „Ennepethal-Bahn" (richtig: Volmetalbahn!) von anno 1870 verlief am Fuße des Buscheys (dessen Hang möglicherweise zur besseren Verkehrsführung begradigt wurde) - aus heutiger Sicht hinter dem Autoparkhaus und vor dem Kindergarten, Jugendzentrum, Hallenbad, den Schulen und dem Hedwigsheim). Auch der Fußweg (früher wohl ein Karrenweg) in das Stadtzentrum ist bereits dargestellt, doch geht dieser heute nicht mehr von der Nordostfront des Bestattungsplatzes, sondern versetzt von der Grünstraße aus durch eine Unterführung, bevor er in Richtung Willy-Weyer-Bad und Fichte-Gymnasium einschwenkt. Die Grünstraße selbst ist auf der Karte nur im Abschnitt zwischen Buscheystraße und Dömbergstraße vertreten. Offenbar befand sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch kein Eingang des Buscheyfriedhofs an der Grünstraße, wo ja heute der Hauptzugang liegt. Man vergleiche dazu die Ansicht vom oberen Teil der Grünstraße über die Kreuzung mit der Buscheystraße nordwestwärts in Richtung Buscheyfriedhof auf einer Postkarte vom Jahr 1909: 
Die Grünstraße verbindet den Friedhof mit dem Hagener Stadtgarten, welcher seinerseits über die Stadtgartenallee einen bequemen Zugang zum Hagener Stadtwald (Goldberg) ermöglicht. Der Stadtgarten selbst wurde erst im Jahr 1884 ins Leben gerufen.
Nur angedeutet ist der Buscheyfriedhof ganz links auf der Wehringhausen-Lithographie von Eduard Schulte aus dem Jahr 1848 (eventuell etwas später entstanden - Blick Richtung Süden):

Auffällig sind vier hohe Bäume etwa im Bereich der Kreuzungen der Buscheystraße mit der Grünstraße und Christian-Rohlfs-Straße; von diesen tritt ein Exemplar noch auf einem Foto der Zeit um 1875 hervor, und es hat den Anschein, daß sie auch in der ovalen Stadtdarstellung von 1800/1825 vertreten sind, und zwar im Bereich zwischen dem ummauerten Komplex und dem Buschwäldchen rechts davon.

Auf einer frühen Photographie des Stadtzentrums von etwa 1875, welche vom Kratzkopf aufgenommen wurde und auf welcher die Volmetalbahn bereits eine Darstellung findet, ist der Buscheyhang ziemlich gerade verlaufend und steil abgebildet, was wohl auf den Eisenbahnbau zurückzuführen ist. Die Mauer an dem noch nicht vergrößerten Friedhof ist an der Südostseite erkennbar; die hohe Haube des romanischen Ursprungsturmes der Johanniskirche verdeckt diese Einfriedung teilweise. An der Südecke des Bestattungsplatzes sieht man ein zweigeschossiges Haus, welches vor der Friedhofserweiterung abgerissen werden mußte. Es ist auf der gezeigten Gemeindekarte im Grundriß dargestellt (das S von WEHRINGHAUSEN oben berührend). Weiter links von diesem Haus sieht man auf dem Foto am Hang zwei helle Mauerabschnitte, welche an die Stadtansicht der Zeit um 1800 erinnern. Auch hier führt ein heller Weg hangabwärts zur Innenstadt, wobei wir in diesem Fall von der Buscheystraße ausgehen dürfen. Bei dem linken Mauerstück handelt es sich anscheinend um den Fundament-/Erdgeschoßbereichs einer Hausbaustelle (Elfriedenhöhe?), während die näher an der Straße gelegene Mauerfront eher von einer Umfriedung zeugt, deren Fortsetzung nach links eventuell durch Bäume und Sträucher verdeckt ist. Es handelt sich in etwa um das Gelände des späteren Allgemeinen Krankenhauses.
Wie seine Umgebung hat auch der Buscheyfriedhof im Zweiten Weltkrieg unter Bombardements gelitten, wie ein annähernd genordetes Luftbild vom Buschey-Viertel - aufgenommen unmittelbar nach dem letzten allierten Großangriff auf Hagen - verdeutlicht: _Luftbild_Buscheyviertel.gif)
Nichtsdestoweniger befinden sich auf dem Friedhof zahlreiche altehrwürdige Grabdenkmale mit zum Teil beträchtlichen lokalhistorischen und kunsthistorischen Wert. Diesbezüglich hat sich durch Bild, Text und Wort in jüngerer Zeit die Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth May verdient gemacht. Zur 200-Jahr-Feier hat sie eine Broschüre verfaßt, auf welche hier verwiesen werden kann, zumal sie ein ausführliches Literaturverzeichnis sowie einen Plan mit Angabe der bedeutendsten Grabdenkmäler enthält.
Aus Anlaß einer Führung vom 17. April 2010 (15:30 bis 17:15 Uhr) durch die genannte Kunsthistorikerin - bei herrlichem Frühlingswetter und geradezu eifrigem Vogelgesang! - sollen hier einige Schnappschüsse der eindrucksvollen Parkanlage wiedergegeben werden. Für die schöne und informative Führung - deren Verlauf Sie an Hand der Fotos verfolgen können - herzlichen Dank!
Aufmerksame Zuhörer lauschen an der Familiengrablege von Eduard Elbers den Ausführungen der Kunsthistorikerin.
Das chorartige Halbrund der Familiengrablege von Eduard Elbers.
Die Aussegnungshalle aus dem Jahr 2003 (links) nahe dem Eingang an der Grünstraße (rechts).
Die beeindruckende Gruftanlage der Gebrüder Carl Johann, Christian und August Wilhelm Elbers mit Gattinnen nahe der Lange Straße.
Die Ruhestätte der Familie Wilhelm Elbers - linker Flügel der Gruftanlage der Gebrüder Elbers.
Der verbreiterte Teil des Friedhofs - in Richtung Buscheystraße gesehen.
Ein Teil des Friedhofs in Richtung Grünstraße.
Die Aussegnungshalle von hinten.
Die Feuerwache vom Friedhof aus gesehen.
Die Familiengrablege der Familie Post zu Wehringhausen und das Mausoleum der Familien Voswinkel und Dahlenkamp.
Das Kriegerdenkmal von 1874.
Grabmal der Familie Alexander Post mit Bronzerelief (um 1910).
Das Bronzerelief en detail.
Bronzestatue eines Stahlarbeiters an der Ruhestätte der Fabrikantenfamilie Pouplier.
Interessiert zuhörendes Publikum gegen Ende der Führung am Grab der Marianne Löbbecke von 1810.
Nachdenkliche und strahlende Gesichter.
Auf dem Heimweg: Blick über die Grünstraße zum Goldberg.
Literatur
Werner Gerber, Der Buscheyfriedhof - ein einzigartiges Kapitel Hagener Stadtgeschichte, in: Hagener Heimatbund e.V. (Hg.), Wehringhausen. Landschaft - Geschichte - Menschen, Hagen 1979, S. 48 - 54.
Elisabeth May, Der Buschey-Friedhof - Gegen das Vergessen. Eine kulturgeschichtliche Betrachtung, Hagen 2010 (April) - ISBN 13978-3-932070-91-4
Links
Friedhofsverwaltung Remberg/Buschey (Eickertstraße 24)
Blumen Fisseler - Gärtnerei am Buschey, Grünstraße 2 (am Eingang des Buschey-Friedhofs)
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20100729 15:51