REISEN: Opatijska rivijera
Bilder von Mošæenice in Kroatien 
von Detlef Rothe aus Hagen in Westfalen
"Mošæenièka Draga ohne Mošæenice wäre wie ein Schiff ohne Kapitän."
(Riccardo Staraj, Erinnerungs[-] und Lebensbilder, in: ders. (Red.), Opæina Mošæenièka Draga. slike sjeæanja i života 1890. - 2006., Rijeka 2007, S. 23 - 26, hier S. 24, Sp. 1)
Zu den ältesten Siedlungen an der nordöstlichen Küste Istriens, welche vermutlich schon in der frühen Römerzeit durch eine Straße miteinander verbunden wurden, gehört neben Labin (lat. Albona, arab. Al-Bunah), Plomin (lat. Flanona), Medveja (lat. Medea) und Lovran (lat. Laurana, byzt. Lauriana, arab. Al-Awranah, deut. Lovrana) offenbar auch das 174 m über dem Meeresspiegel liegende Mošæenice (ital. Moschiena, deut. Moschenizze, gesprochen 'Moschtschenitze'). Innerhalb der Stadtgemeinde Mošæenièka Draga (gesprochen 'Moschzenitzka Draga') befindet sich weiter südlich noch eine weitere stadtähnliche Höhensiedlung mittelalterlicher Prägung, nämlich das 180 m hoch liegende Brseè (lat. Brisantina, ital. Bersezio oder auch Bresej, deutsch. Berschez, gesprochen 'Brssetsch'). Diese wurde laut Amir Mizur (siehe unten, S. 92, Sp. 1) erstmals im Jahr 1102 erwähnt, und zwar als castrum. Sie lag anscheinend an der selben Römerstraße Rijeka (Tarsatica) - Pula und wird - zumindest bei Luftaufnahmen - hin und wieder mit Mošæenice verwechselt.
Amir Mizur, ein Kenner der Geschichte der Riviera von Opatija, sieht Mošæenice in das römische Straßennetz eingebunden und weist auf eine mündlich tradierte Überlieferung hin: "Nach der Volksüberlieferung bewohnten Mošæenice die Griechen (eigentlich die Byzantiner [...]). [...] Obwohl Mošæenice in der römischen Zeit nicht erwähnt wurde, wird es angenommen, dass die römische Via Flavia, die Labin und Plomin mit Tarsatica verband, durch Mošæenice führte." (A. Mizur, Brseè und Mošæenice - Die Wachten der Kvarner Kultur, in: Opæina Mošæenièka Draga, Rijeka 2007, S. 92 - 102, hier S. 94 f.)
Der antike Name von Mošæenice ist unbekannt, aber vielleicht bietet der Name Kosnica für den Aussichtspunkt neben der Andreaskirche, dem alten Bestattungsplatz der Siedlung bis zu seiner im Jahre 1744 erfolgten Verlegung zur Bartholomäuskapelle, hierzu einen Anhaltspunkt (vgl. A. Mizur, a.a.O., S. 97, Sp. 1).
Von Mošæenice gibt es aus dem 17. Jahrhundert eine Darstellung, und zwar aus dem Jahr 1685 von Johann Weikhard Valvasor (slow. Janez Vajkard Valvasor - *1641 - †1693); auf dieser ist auch die damals offenbar noch erhaltene Johannes- bzw. Ivan-Kapelle am Meeresufer abgebildet:

Sie hat anscheinend ähnlich ausgesehen wie die Kapelle unweit der E751 bei Marcilinica nahe der alten Bergstadt Labin:

(Foto vom 22. Juni 2009 aufgenommen während meiner Fahrt nach Pula),
Gute Photographien des Berges und der vorgelagerten Strandsiedlung Sveti Ivan (ital. San Giovanni) sind durch frühe Ansichtskarten bekannt. Hier jeweils ein Beispiel für das Berg-

(Panorama-Ansicht vom Hang oberhalb der Höhensiedlung Mošæenice in Form eines colorierten Ansichtskarten-Motivs vom Jahr 1912)
und Küstenpanorama

(Postkarte von 1902, auf welcher die Kapelle - so nehme ich zumindest an - als Ruine wiederzufinden ist).
Die wehrhafte Bergsiedlung Mošæenice habe ich im Sommer 1968 kennengelernt, als ich neun Jahre alt wurde. Für mich war die damalige Halbtagestour die erste bewußte Begegnung mit einer Höhensiedlung, war doch die Hohensyburg irgendwie anders...

Mit der Mutter und den Brüdern anno 1968 auf einem Ausflug von Mošæenièka Draga nach Mošæenice
Foto: Wilhelm Rothe, Hagen
Während ich vor und nach meinem finanziellen Ruin und dem dadurch bedingten Abbruch meiner Promotion lange Zeit auf Auslandreisen verzichtete, fand Mošæenice auch nach dem jugoslawischen Bürgerkrieg (und dem Zerbrechen der Nation) das Interesse meiner Eltern. So ließ sich mein Vater im 1990er Jahrzehnt (1991/2000) auf dem Weg nach Selce vor der Kulisse der Bergsiedlung ablichten (Mai 1994), und photographierte das Panorama damals auch selbst:

Was mir lange fehlte, wurde endlich gut: Im 2000er Jahrzehnt fand ich wieder an die Adria, und dies entschädigte für manches Leid!
Ankunft in Mošæenièka Draga im Juni 2004 - wie eine Höhenburg ragt die Bergsiedlung hinter dem Ort am Meer empor:

Tagebuch-Auszug zum 16. Juli 1976:
"Der Campingplatz liegt etwas abseits vom Strand, aber nicht zu weit weg. Er hat eine relativ ruhige Lage, obwohl er an der Hauptstraße nach Pula liegt. Oberhalb Mošæenièka Draga liegt auf einem Berg das Klosterdorf Mošæenice [
(Foto: Wilhelm Rothe, Hagen)]. Von dort hat man einen weiten Blick auf das Meer. Während dieses Urlaubes wollen wir jedoch nicht dort hinauf."
Auszug aus dem Tagebuch-Band K (S. 22) zum 5. August 1977:
"Heute, am 5., ist es bewölkt. Vormittags war ich mit meinen Eltern und Christof die etwa 750 Stufen vom Strand nach Mošæeniæke [sic!] hochgezogen, um in dem alten Bergdorf mit seiner romantischen Kirche [im Restaurant Perun zu] Mittag zu essen. Dabei haben sich meine Experimente vom 1. des Monats [während der Linienbustagesfahrt nach Rijeka] wiederum bestätigt. Den ganzen Nachmittag habe ich nun geschrieben."
Auf dem Kirchhof Kosnica wurden mittags von meinem Vater einige Fotos gemacht:

'Sight Seeing' im September 2006
Foto-Galerie mit Auszug aus dem Tagebuch Istrien
September 2006:
"18.9.06 9:25
[...] Da es auch heute morgen trocken und nur mäßig bedeckt ist, breche ich jetzt nach Mošæenice auf, um eventuell das Panorama zu genießen.
[

9:51 Uhr: Der modern genutzte mutmaßliche Überrest der Kapelle Johannes des Täufers in dem nach ihr benannten Ortsteil Sveti Ivan Mošæenièka Dragas. Er ist von Mošæenice aus zu sehen.

Zum Vergleich eine Ansicht der Promenade nach Mošæenièka Draga auf einer Postkarte aus dem Jahr 1941. Die Ruine der Kapelle befindet sich links; Mošæenièka Draga liegt etwas rechts im Bildzentrum.

9:51 Uhr: Blick von Sveti Ivan auf die Promenade nach Mošæenièka Draga.
Zum Vergleich ein Foto vom 24. September 1960 ("Blick auf Strandpromenade. Rechts hinten Hafen."):


9:52 Uhr: Beim Restaurant Rubin beginnt - und zwar mit den Stufen am Strand! - der Aufstieg nach Mošæenice.

9:55 Uhr: Hinter dem Gastronomie-Gebäude (hinten rechts die erste Stufe des Bergweges) endet zugleich die Promenade nach Mošæenièka Draga.

9:55 Uhr: Der Weg nach Mošæenice ist kaum zu verfehlen!

9:55 Uhr: Unterhalb der Hauptstraße nach Pula sieht das Ganze noch recht beschaulich aus.

10:04 Uhr: Kurz vor der Hauptstraße wird es dann steiler.

10:23 Uhr: Kurz vor dem Ziel!
]
Mo[ntag,] 18.9.06 10:23
Bei Stufe 700 angekommen; bei ca. [Stufe] 600 Scherbe an rechter Wegseite nahe einem Wasserschacht aufgelesen (Porzellan). Es ist trocken geblieben, aber die Luft ist sehr feucht. Ich triefe schon. Jetzt Foto von den ersten Häusern. Mošæenice ist nah. 10:25
[

10:26 Uhr: Ansicht von der Insel Cres: wie ein Flugzeugträger auf der Reede...

10:27 Uhr: Dann wird ein Blick auf Rijeka riskiert.

10:30 Uhr: Nach rund 750 Stufen wird der Wanderer von einer schattigen Laube empfangen! Es handelt sich um die Stadtloggia - kroat. stražnica = Wache; nach A. Mizur (a.a.O., S. 97, Sp.2) wurde sie anno 1654 renoviert.

10:31 Uhr: Ich bin vor der Friedhofskapelle St. Bartholomäus am Verkehrsknotenpunkt von Mošæenice angekommen.

10:32 Uhr: Ein Blick zurück zur Loggia.

10:33 Uhr: Das Einkaufszentrum von Mošæenice... (Mini Market - seit Jahrzehnten gibt es hier die nach strapaziösem Aufstieg begehrten Erfrischungen!)

10:34 Uhr: Der Ortskern von Mošæenice, wo heute die Touristenbusse zu halten pflegen wie einst wohl die römische Kavallerie....

Rückblende: Blick von der Aussichtsplattform des Restaurants Perun auf das Forum, den Hauptplatz - ein Ansichtskarten-Motiv von 1912 nach einem Foto von A. V. Fonda.

10:34 Uhr: Das Panorama-Restaurant Perun mit Meeresblick (von der Vorhalle der Bartholomäus-Kapelle aus aufgenommen).

10:36 Uhr: Unweit des Ortszentrums lassen sich vereinzelt neuzeitliche Ruinen finden!

10:47 Uhr: Blick vom anno 1744 gegründeten Friedhof zur Andreas-Kirche, wo sich der urprüngliche Begräbnisplatz befand.

10:51 Uhr: Eingang der Friedhofskapelle und Bartholomäus-Heiligenstatue.

10:51 Uhr: Die Heiligenstatue.

11:02 Uhr: Blick aus dem Volkskundemuseum auf eine geführte Touristengruppe und die zur Andreaskirche führende, katzenkopfgepflasterte Gasse (Fortsetzung der in Ortsnähe geradlinigen, nach Brseè führenden Straße).

11:03 Uhr: Blick aus dem Volkskundemuseum auf eine an Haus 61 (rechts) vorbei abwärts führende Gasse.

11:04 Uhr: Blick aus dem Museum auf die nach Süden führende Straße (wohl römischen Ursprungs, eventuell die via Flavia).

11:07 Uhr: Blick über die Dächer zum Meer.
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11:34 Uhr: Blick vom Aussichtspunkt Kosnica nach Sveti Ivan auf die als solche postulierte ehemalige Kapelle (das heutige, erst im Sommer 2008 renovierte Toilettenhaus).

11:34 Uhr: Blick nach Mošæenièka Draga.

11:40 Uhr: Haus 47 mit Brettspiel-Stein an der Eingangstreppe.

11:41 Uhr: Altstadt-Szene mit Wasserspender.

11:42 Uhr: Kundenandrang im Souvenir-Laden.

11:48 Uhr: Rückmarsch zum Meer.

12:01 Uhr: Wiederankunft in Sveti Ivan.
]
Mo[ntag,] 18.9.06 12:18
Gegen 12:15 auf [= Gegen 12:15 Uhr aus] Mošæenice zurück; ich war zunächst auf dem Friedhof, dann im Ethnologischen Museum - einschließlich Ölmühle [= Olivenpresse in Haus Nr. 60]-, und habe zuletzt einen kleinen Stadtrundgang gemacht. Zahlreiche Fotos und einige Filmchen mit meiner Jenoptik-Kamera, welche sich bislang als zuverlässig erwies, wenn sie nicht gerade 'mal die Speicherkarte nicht fand."
LINKS
Restaurant Perun mit Informationen über Mošæenice
MEDIEN
Literatur
Riccardo Staraj (Red.), Opæina Mošæenièka Draga. slike sjeæanja i života 1890. - 2006., Rijeka 2007, ISBN 978-953-219-329-9
Reto Soler u. Natalie Stimac, Istrien mit Kvarner Bucht, Velebit und Plitvicer Seen. 50 ausgewählte Tageswanderungen, 2. Aufl. München 2008, ISBN 978-7633-4142-9 (Tour 14: S. 54 - 57)
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20100107 23:10