REISEN: Opatijska rivijera

Zur Siedlungsgeschichte der Quarner-Region in Kroatien mit Schwerpunkt Riviera von Opatija

von Detlef Rothe aus Hagen in Westfalen


Eine dichtere Besiedlung der unwirtlichen Bergregion im nordöstlichen Istrien - nahe der Adria - ist erst für die Bronzezeit nachweisbar, wobei freilich nicht vergessen werden sollte, daß sich in den Höhlen auch Reste steinzeitlicher Menschen fanden.



Bronze- und Eisenzeit

Zur jüngerbronze-/ältereisenzeitlichen (hallstattzeitlichen) Besiedlung der Ostküste Istriens äußerte sich der als Kenner dieser Region geltende Historiker Amir Mizur im Jahr 2007: "Oberhalb [von] Sv. Jelena werden seit 20 Jahren die Spuren von Graèišæe, einer Ansiedlung aus der Spätbronzezeit und Früheisenzeit (1200 - 800 v. Chr.) erforscht. Keramik aus der Bronzezeit wurde auch auf der Lokalität Boligrad oberhalb [des südlich von Brseè an der Hauptstraße liegenden Ortes] Zagorje, [welche] umgeben [ist] von drei Festungsringen, gefunden."
Goran Moravèek wies auf die wohl parallele Nutzung von Höhlen und Burgen in dieser Zeit hin: In den Höhlen Pod[o]sojna peæ und Druška peæ entdeckte man Lebensspuren [...] aus der Bronze-Eisenzeit, und in Šumber, [und zwar] oberhalb des Dorfes Obrš, in Graèišæe, [einem Gelände] oberhalb von Sv. Jelena, [sowie] in Gradac, zwischen [dem 835 m hohen] Sisol und [dem 780 m hohen] Šikovac, [...] gab es urgeschichtliche Festungen. (a.a.O., S. 41, Sp. 1 - nach dem englischen Text auf S. 45, Sp.1, korrigierte bzw. rekonstruierte Fassung!) - "Die [...] "Stadt" [...] Brseè [wurde] unter dem etwa zwei Gehstunden vom Ort entfernten Gipfel Sisol gebaut, auf dem eine urgeschichtliche Festung war." (a.a.O., S. 41, Sp. 1)
Auch Amir Mizur erwähnte die Höhlenfunde, ohne allerdings näher auf die Datierung einzugehen. Er macht allerdings - und dies ist hochinteressant! - auf den Berg Perun oberhalb von Potoki aufmerksam: "Die Ära der slawischen Ansiedlung hinterließ [...] die Namen von vielen Lokalitäten wie z. B. der Gipfel Perun (881 m), der nach dem altslawischen Donnergott, dem "slawischen Zeus", benannt [...] wurde. In der Nähe von Perun befanden sich viele uralte Ansiedlungen in dem Tal, deren Namen von dem Kult Perun und seinen Manifestationen zeugen: Trebišæa (die Stelle, wo der heilige Eichenbaum geschlagen wurde), Maji ([= Maj, ein 969 m hoher] Gipfel, welche[n] die Leute als Ritual besuchten), Petehova peæ (Höhle [wohl bei Petehov Breg westlich von Trebišæa]), ([hierbei handelt es sich um] die Stelle, wo die die Sonne beim Morgengrauen zuerst scheint). Unterhalb [des Gipfels] Perun, auf der [= den] beiden Seiten der Schlucht von Mošæenièka Draga[,] stehen [= liegen] Podosojna peæ und Druška peæ - die Höhlen, die schon im Mesolithikum [das ist die Kulturstufe der Mittelsteinzeit] besiedelt [gemeint: genutzt worden] waren und die reich an Funden sind - Handarbeiten aus Feuerstein, Keramik und Tierknochen." (a.a.O., S. 95, Sp. 1)
Die slawischen Namen können angesichts der Datierung der menschlichen Hinterlassenschaften kaum darüber hinwegtäuschen, daß die mit den Höhlen und Berggipfeln verbundenen Rituale sicherlich älter sind als die Slawisierung der Region seit dem Frühmittelalter. Der Donnergott ist indoeuropäisches Gemeingut und findet sich beispielsweise in germanischen Mythen als "Donar" oder "Thor" wieder! Die Verehrung des Heiligen Petrus in dem benachbarten Ortsteil Mošæenièka Dragas namens Sv. Petar verdient in diesem Zusammenhang besondere Beachtung.

Hinsichtlich der jüngeren Eisenzeit (Keltenzeit) herrscht über die Besiedlung der Gegend leider noch viel Unklarheit, doch gilt das selbst noch für die Römerzeit!


Antike

Zu den ältesten Siedlungen an der nordöstlichen Küste Istriens, welche vermutlich schon in der frühen Römerzeit existierten, gehören Labin (lat. Albona, arab. Al-Bunah), Plomin (lat. Flanona), Medveja (lat. Medea), Lovran (lat. Laurana, byzant. Lauriana, arab. Al-Awranah, deut. Lovrana), Ika (ital. Ica) und Volosko (ital. Volosca). In diese Reihe passen auch die etwa 175 Meter über dem Meeresspiegel liegenden, einst befestigt gewesenen Bergstädtchen Mošæenice (ital. Moschiena, deut. Moschenizze, gesprochen 'Moschtschenitze') und Brseè (lat. Brisantina, ital. Bersezio oder auch Bresej, deutsch. Berschez, gesprochen 'Brssetsch'). Beide Orte liegen innerhalb der Stadtgemeinde Mošæenièka Draga (gesprochen 'Moschzenitzka Draga'). Brseè wurde laut Amir Mizur erstmals im Jahr 1102 erwähnt, und zwar als castrum (a.a.O., S. 92, Sp. 1). Alle genannten Orte lagen anscheinend an der selben Römerstraße Pula (ital. Pola) - Rijeka (Tarsatica), und zwar an der Via Flavia.

Wegen ihrer Ähnlichkeit in Lage und Aussehen besonders interessant sind Mošæenice und Brseè. A. Mizur weist auf eine mündlich tradierte Überlieferung hin, welche wohl ihren Ursprung in der Spätantike hat: "Nach der Volksüberlieferung bewohnten Mošæenice die Griechen (eigentlich die Byzantiner: in Brseè soll "ein riesengroßer Schatz" irgendwo unter Sisol begraben sein). [...] Obwohl Mošæenice in der römischen Zeit nicht erwähnt wurde, wird es angenommen, dass die römische Via Flavia, die Labin und Plomin mit Tarsatica verband, durch Mošæenice führte." (a.a.O., S. 94 f.) - "Brseè, von dessen Lunèareva šterna (Brunnen) man die wundervolle Aussicht auf die Kvarner Vela Vrata [= Wasserstraße zwischen der istrischen Küste und der Insel Cres, welche auch als Straße von Brestova bekannt ist] genießen kann, wurde wahrscheinlich in historischen Dokumenten zum ersten Mal im Jahr 1102 [...] erwähnt. Es besteht kein Zweifel, daß dieses Gebiet schon früher angesiedelt [= besiedelt] worden war, weil neben der prähistorischen Burgruine Gradac in der Nähe von Sisol die Spuren einer Ansiedlung aus der Spätantike gefunden wurden."



Mošæenice

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Panorama-Ansicht vom Hang oberhalb der Höhensiedlung Mošæenice (coloriertes Ansichtskarten-Motiv von 1912).

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Blick von der Aussichtsplattform des Restaurants Perun auf das Forum, den Hauptplatz der Höhensiedlung Mošæenice (Ansichtskarten-Motiv von 1912 nach einem Foto von A. V. Fonda).

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Blick aus dem Volkskundemuseum südwärts auf die nach Brseè führende Straße (wohl römischen Ursprungs, eventuell die via Flavia).

EU/HR/Istrien/Opatijskarivijera/Moscenice/20060918-1102_DSCI0184_Moscenice_Touristenfuehrung_vom_Museum_aus
Blick aus dem Museum nordwärts auf eine geführte Touristengruppe und die zur Andreaskirche führende, katzenkopfgepflasterte Gasse (Fortsetzung der von Brseè kommenden Straße).



Mošcenicka Draga

Die Verbindung von Mošæenice nach Lovran führt über den in einer Meeresbucht gelegenen Fischerort Mošcenicka Draga (Draga di Moschiena, Porto Moschienizze), über dessen Alter nichts Konkretes bekannt ist.

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Ansichtskartenmotiv nach einem Foto von A. V. Fonda anno 1912

Seine Lage am gleichnamigen Flüsschen im Zentrum einer großen Straßenkurve läßt ein antikes Alter zumindest vermuten. In seinem Hinterland befinden sich einige seit den Metallzeiten wiederholt aufgesuchte Höhlen. Im Gelände lassen sich nordwestlich der Straßenbrücke Hinweise auf eine frühere Siedlung (eine sogenannte Wüstung) finden, doch bleibt deren Bezug zum Hafenviertel, dem Kern der Fischersiedlung, mangels näherer Untersuchungen unklar.

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Ansichtskarte von A. V. Fonda anno 1912

Die Hafenkonstruktion weist mehrere Bauabschnitte auf, in welchen zum Teil offenbar antike Bausteine wiederverwendet wurden.

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Ansichtskarte mit Luftbild verwendet 1968

Diese 'Spolien' sind aber sicherlich von größeren antiken Siedlungen (Pula, Rijeka) herbeigeschafft worden.



MEDIEN


Literatur

Hans-Dieter und Elke Kaspar, Istrien. Eine archäologische Entdeckungsreise, Schonungen 2005 (ISBN 3-925696-18-0).

Amir Mizur, Brseè und Mošæenice - Die Wachten der Kvarner Kultur, in: Riccardo Staraj (Red.), Opæina Mošæenièka Draga. slike sjeæanja i života 1890. - 2006., Rijeka 2007 (ISBN 978-953-219-329-9), S. 92 - 102.

Goran Moravèek, Kulturgeschichtliches Erbe der Gemeinde Mošæenièka Draga, in: Riccardo Staraj (Red.), Opæina Mošæenièka Draga. slike sjeæanja i života 1890. - 2006., Rijeka 2007 (ISBN 978-953-219-329-9), S. 41 - 44.






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20100308 17:17