REGIONALES: Annäherung an Wehringhausen
Heimat Wehringhausen. Persönliches.
von Detlef Rothe, Hagen in Westfalen
Obschon in Altenhagen geboren, ist der Verfasser dieser Zeilen in Wehringhausen aufgewachsen und geprägt worden. Nach längerer Abwesenheit von Hagen (wohnhaft gewesen in Münster, Niederbayern und Schwelm - siehe die biographischen Angaben) ist er im Herbst 2004 dorthin zurückgekehrt (und zwar auf den Kuhlerkamp) und versucht seitdem seine heimatbezogenen Interessen zu vertiefen.
Seit 1959/60 bis 1972 wohnte der Verfasser im (nach mündlicher Überlieferung) anno 1954 errichteten Haus 5 der Eugen-Richter-Straße, dessen vorgelagerter Erdstreifen sich vorzüglich zum Spielen sowie zum Parken eignete. Hierzu zwei Fotos meines Vaters von etwa 1963: Die Häuser 1 und 3
und 10, 8, 6, 4
verglichen mit Ansichten des Verfassers vom März 2009:

Das rückwärtige, damals noch weitläufige - von mir heute ironischerweise EuRiDömPel genannte - Gelände diente gleichfalls zum Spielen (siehe die Rekonstruktionsskizze des Dreieckblocks vom 9.2.1976 unten).
Früher nannten wir ,EuRiDömPel' schlicht den ,Hof', auch wenn dort gewiß keine Hofhaltung stattfand!
Der Verfasser anno 1966 mit zwei Klassenkameradinnen im ,Hof' - im Hintergrund die Pelmkestraße (Foto: Wilhelm Rothe †)
Aus dem Tagebuch: „,Wir' waren die Gesammtheit [sic!] der spielenden Kinder auf dem ,Hof'. ,Wir´ wurden sie genannt, wenn der Sprechende dabei war, dazu gehörte. Die Erwachsenen nannten sie schlichthin ,Plagen'. Nun, wir waren ja auch nicht immer brav und leise." (Tagebuch B, S 14 f., Eintrag vom 9.2.1976) - „Da war nun ,unser' Hof, zweimal, das heißt: vor und nach dem Umbau, der durch die Neubauten erzwungen wurde. Der Hof - so will ich den freien Raum zwischen Eugen-Richter-Straße, Dömbergstraße und Pelmkestraße auch weiterhin nennen, ein anderer Name ist mir nämlich niemals bekannt geworden - war für mich und sicherlich auch für die anderen Kinder eine Art Urwald, unzivilisiert, wo man tun und lassen konnte, was man wollte. Wir waren eine | Art primitives Volk, daß [= welches] zwischen Mittagessen und ,'Raufkommen!' existierte [Anmerkung vom 5. Mai 2010: sofern das Wetter es zuließ - heute müssen die Kinder wohl erst ein prähistorisches Museum aufsuchen und bedürfen dann vielleicht noch pädagogischer Hilfe zum Erreichen ursprünglicher Wildheit
]. In unserer Welt da unten wurde nun manchmal viel gelärmt, so daß wir uns oft Proteste von Hausbewohnern einholten. Darüber wurde aber nur gelacht; vielleicht [ver]zogen wir uns in eine andere Ecke, der Hof war ja groß. Manchmal [Anmerkung vom 5. Mai 2010: nämlich vor allem dann, wenn mehrere Eisenbahner Nachtschicht hatten] kam es dazu, daß wir von einem Fleck zum anderen geschickt wurden. Ich möchte den oben genannten Vergleich mit [dem] Urwald und primitiven Volk noch ein wenig erhärten. Zunächst einmal eine Skizze des ,Blockes'.

| Es war eine arg verwilderte Welt, die Pflanzen und Menschen. Es gab viele Vögel, Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, eine Zeitlang massenhaft Kaninchen, sogar Igel. Das Holz der [Holunder-]Büsche eignete sich prima für Flitzebögen und Pfeile und ähnliches (Speere...). Wir führten regelrechte Kriege. Filme wie ,Winnetou' waren ,in'. Wenn die Sonne allzusehr brannte, waren wir auch harmloser, dann sonnten wir uns, erzählten, spielten Ringelreihe, Schule oder später auch Fußball. Dann hatten wir auch noch unseren Spielplatz [an der Dömbergstraße (siehe Skizze)], wo unsere Autos (Matchbox, Siku u. a.) zu allen Ehren kamen, wir bauten sogar Rennwagen aus Sand und hatten Spaß dabei. Dann bauten wir uns im Gebüsch Reisighütten und die nötigen Möbel [aus Obstkisten] dazu. Gegenüber fremden Kindern waren wir ziemlich aggressiv und schützen unser Land so gut wie wir konnten, sogar gegen ,Banden' wie sie damals so beliebt waren.
Die Bauarbeiten ließen unsere ganze Welt zusammenbrechen. Die Fauna wurde stark dezimiert, die schönsten Bäume [wurden] gefällt und das Buschwerk zum großen Teil weggemacht. Nur noch wenige Vögel ermunterten morgens zum Aufstehen. Der Hof wurde eingeengt und wirkte trostlos. Die meisten Kinder ließen sich nicht mehr sehen. Die Bauarbeiten | zogen sich in die Länge [woran die Kinder - welche an den Wochenenden die Baustellen eroberten und sie unter anderem unter Wasser setzten - nicht ganz unschuldig waren (Anmerkung vom 5. Mai 2010)]. Als die Häuser (Pelmkestr. 18 a, Dömbergstr. 36) fertig waren, zogen wir [= Familie Rothe (im Frühjahr 1972)] um, [und zwar] in das Haus Dömbergstr. 36.
[...]
Erst langsam kam wieder etwas Leben auf den Hof. Wir lernten neue Kinder kennen, doch in den neuen Häusern wohnten nicht viele. [...] Im Hof spielten jetzt hauptsächlich jüngere Kinder, ,wir' kamen in das erste Krisenalter, die ,Pubertät'. Freunde hatte ich [jetzt (im Jahr 1972) zunehmend] auch außerhalb des Hofes." (ebenda, S. 17 - 20)
Das neue Haus 36 der Dömbergstraße:
(Foto: Wilhelm Rothe - Sommer 1973)
Das verkleinerte ,Hof'-Gelände:
(Foto: Detlef Rothe - Sommer 2004)
Das südwestliche Ende der Dömbergstraße
(1970er Jahrzehnt - Fotos: Detlef u. Wilhelm Rothe) wurde mittlerweile verkehrsberuhigt und in eine Spielstraße(!) umgewandelt:
(2000er Jahrzehnt - Fotos: Detlef Rothe)
Siehe dazu auch das vom Balkon der elterlichen Wohnung aufgenommene Video vom 25. Dezember 2009 (10 MB).
Ich kann mich übrigens nicht daran erinnern, hier Kinder spielen gesehen zu haben!
Mein jüngerer Bruder nutzte das Gelände immerhin einst als provisorische Werkstatt (Foto: Detlef Rothe - März 1981)
Am Westende der Dömbergstraße besteht die Kreuzung der Eugen-Richter-Straße
(Foto: Detlef Rothe - Mai 1979: Gaststätte "Im ollen Dreisch") mit der Gutenbergstraße:
(Foto: Detlef Rothe - März 2009: Caritas-Begegnungsstätte "Oller Dreisch")
Zum Vergleich je eine Aufnahme dieser ,Ecke' aus einer Zeit zwischen Weltwirtschaftskrise und Zweiter Weltkrieg
(Ansichtskarte) und einer inmitten der zweiten Weltwirtschaftskrise
(Foto: Detlef Rothe - März 2009)
Oberhalb der Eugen-Richter-Straße richtet sich der Blick auf den Spielplatz Am ollen Dreisch:
(Foto: Detlef Rothe - April 1979) -
(Foto: Detlef Rothe - Oktober 2009)
Dieser Kinderspielplatz - zunächst (nach dem 1959/60 erfolgten Umzug nach Wehringhausen) meines älteren Bruders
, dann auch des Verfassers
(Fotos von Wilhelm Rothe †) - befand sich zu Beginn des 1960er Jahrzehnts in dem damals - fälschlicherweise, wie ich nun weiß - als "oller Dreisch" bekannten Winkel zwischen Dömberg-, Pelmke- und Gutenbergstraße:
(Montage zweier Fotos von Wilhelm Rothe aus dem Jahr 1964 mit Ansicht meines älteren Bruders). Die Bezeichnung "oller Dreisch" leitete sich nach Auskunft meiner Mutter ausschließlich von der Gaststätte im Eckhaus Gutenbergstraße/Eugen-Richter-Straße ab, wo sich heute eine Caritas-Begegnungsstätte befindet. Das Gebiet, nach dem diese Einrichtungen benannt sind, lag dagegen bachaufwärts nahe der Waldlust.
Der Spielplatz wurde übrigens bereits im Zuge des Siedlungsausbaus an der Pelmkestraße um 1925 angelegt. Der Stadtoberinspektor Dipl. rer. pol. Karl Wenderoth schrieb dazu in der Hagen-Monographie von 1928 (siehe Literaturverzeichnis - hier auf S. 29): "Um einem lang gehegten Wunsche der Bürgerschaft des Stadtteils Wehringhausen nachzukommen und in der Erkenntnis der Bedeutung der Bewegungsspiele und des Tummelns im Freien für die Kinder hat die Stadtverwaltung Hagen einen größeren freien Platz (Grundstücksdreieck) an der Pelmkestraße zu einem Kinderspielplatz mit Baum- und Strauchgruppen ausgestaltet und hergerichtet."
Den Zustand des Dreiecksplatzes und der Pelmkestraße um 1925 zeigt eine Ansichtskarte, deren Darstellung leider nur in schlechter Qualität verfügbar ist: 
Im Quadrat zwischen Michaelis- und Pauluskirche, zwischen Gutenberg-, Pelmke-, Lange- und Eugen-Richter-Straße, lagen die beiden wichtigsten Unterrichtsanstalten, nämlich die evangelische Hindenburg- und die katholische Pelmkeschule. Zwei Fotos mögen an die Schulkinder erinnern, deren Treiben lange Zeit starke Bewegungen in diesen Microkosmos brachten: Anno 1948
eine Darstellung des Entlassungsjahrgangs 1950 der ,Pelmke' (heute ein Kulturzentrum) und zu Ostern 1966 meine Klasse (1 b)
der ,Hindenburg' (diese noch bestehende Grundschule, deren Namen an einen Generalfeldmarschall und Zeppelin erinnerte, ist heute nach einem Kleckselkünstler benannt, der hier zur Schule gegangen sein soll).
Am 23. April 1972 entstand anläßlich meiner - um ein Jahr vorgezogenen! - Konfirmation ein Gruppenfoto mit Pastor Dietrich Polack am Eingang der Pauluskirche: 
Wer kennt die Namen, wer die Adressen? Eine Konfirmandin, welche mich damals interessierte, wohnte - nach damaliger Auffassung - am Kaiser-Friedrich-Turm!
Von der Pauluskirche an der Kreuzung mit der Lange Straße führt die Gutenbergstraße
(Bild von einer Konfirmation anno 1979 - mit Vergleichsfoto vom März 2009:
) über die Kreuzung mit der Siemensstraße aufwärts
(Blick über den Vorplatz der Pauluskirche anläßlich der Wiedereinweihung im Jahr 1954). In der linken oberen Bildecke ist hier gerade noch der anno 1903 errichtete Kindergarten an der Siemenstraße erkennbar:
(Vergleichsfoto wohl aus dieser Zeit)
Weiter geht es - und das schon abschließend - mit einem abwärts gerichteten Blick auf die Kreuzung der Gutenbergstraße mit der Siemensstraße:
(April 1979)
(März 2009 - Fotos von Detlef Rothe).
Der Verfasser beschäftigte sich schon früh - zum Teil bedingt durch eine Tätigkeit als Zeitschriftenzusteller - mit dem östlichen Teil Wehringhausens, was etwa an der im Februar 1973 (im Alter von 13 Jahren) entstandenen farbigen Planskizze ersichtlich ist:

Heute bereitet es ihm Vergnügen, daran - und an seine Fotos aus dem 1970er Jahrzehnt - anzuknüpfen!
Literatur
Allgemeines
Karl Wenderoth, Die gärtnerischen Anlagen und der Stadtwald, in: Erwin Stein (Hg.), Monographien deutscher Städte. Darstellung deutscher Städte und ihrer Arbeit in Wirtschaft, Finanzwesen, Hygiene, Sozialpolitik und Technik, Band XXVI: Hagen (Westf.), Berlin-Friedenau 1928, S. 28 - 35.
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20100506 10:37