REGIONALES
Kückelhausen im Spannungsfeld zwischen Haspe und Wehringhausen.
von Detlef Rothe, Hagen in Westfalen
EINFÜHRUNG
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Während ich in Wehringhausen aufwuchs, orientierte ich mich in meinem Lebensraum zwischen Hasper Talsperre und Hagener City vor allem an der Buschey- und Eugen-Richter-Straße. Die Bundesstraße Sieben im Tal der Ennepe wurde von mir - und gegebenenfalls Begleitern - nur auf etwas weiteren Strecken (welche ich meistens mit dem Fahrrad zurücklegte) benutzt und wegen des Kraftfahrzeugverkehrs möglichst durch Gebrauch von Nebenwegen gemieden. Auf diese Weise wurde Kückelhausen für mich eher zu einer Durchgangsstation, wobei ich allerdings zeitweise Bahnübergänge (Hördenstraße, Rehsieper Weg - vgl. dazu Siegmar Peter!) und Bachmündungen an der Ennepe (Spiekerbach) gezielt aufsuchte.
Die Berliner/Enneper/Kölner/Wehringhauser Straße (Bundesstraße 7 - kurz: B 7) war einst die wichtigste Straßenverkehrsader in Hagens - gemeint ist das heutige Stadtzentrum - westlicher Nachbarschaft.
Der Bereich entlang der Wehringhauser Straße ('Kölner Straße') wies früher weitgehend einen schon als großstädtisch zu bezeichnenden Charakter auf, während die Gegend westsüdwestlich davon, im Zuge der Berliner Straße - etwa von der Einmündung der Rehstraße bis zur Preußerstraße -, bis in die Nachkriegszeit einen teils dörflichen teils industriellen Charakter aufwies. Dies war vor allem der Kleineisenindustrie geschuldet, welche eine einschlägige Infrastruktur hervorbrachte und noch heute Bedingungen bzw. Prägungen bewirkt, welche einerseits Speditions- (Schenker Deutschland AG - Geschäftsstelle Hagen - Berliner Straße 14, Robert Schmitz Spedition GmbH - Spiekerstraße 7) und andererseits Handelsunternehmen (als bekanntestes ist hier die Nordwest Handel AG - Berliner Straße 26 - 36 - zu nennen) als typisch erscheinen lassen.
JUGENDERINNERUNGEN
1966 - 1969
Tagebuch B, S. 10 f. (verfaßt am 1. Januar 1976): "Auf der Volksschule - der damaligen Hindenburgschule, heutige Grundschule Wehringhausen zwischen Siemens-, Gutenberg-, Lange- und Pelmkestraße - hatten die Lehrer(innen) [in den Grundschuljahren 1966 bis 1969] ziemlich rasch gewechselt. [...] Irgendwann in dieser Zeit mußte ich [...] einen Kurs mitmachen, der mein Sprechen verbessern sollte. Der Unterricht fand [dazu] in der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule in Haspe an der Bebelstraße statt. Ich fuhr mit einigen Gleichaltrigen mit einem Linienbus dorthin, die Fahrscheine bekamen wir in der dortigen Schule. Damals muß ich noch sehr jung gewesen sein, | denn wir pflegten die Fahrscheine zum Teil noch während der Fahrt [auf der geraden Strecke der Eugen-Richter-Straße zwischen Reh- und Hördenstraße] aus dem Fenster zu werfen. Wer hatte damals schon an einen Kontrolleur gedacht?"
Tagebuch B, S. 13 f. (Text vom 1.1.1976): "Im Sommer 1969 wechselte ich auf das Fichte-Gymnasium [...]. Nebenbei mußte ich - es kann aber auch etwas später gewesen sein - zum orthopädischen Schwimmen ins Hasper Hallenbad. [...] Dienstags nach Schulschluß ,tingelte' ich dann zunächst nach Hause [= Eugen-Richter-Straße 5 in Wehringhausen] und dann weiter, die Eugen-Richter-Straße entlang, die Hördenstraße hinab, die Bebelstaße entlang und schließlich am Heilig-Geist-Krankenhaus | vorbei Richtung Schwimmbad. Eine Zeitlang fuhr ich auch mit dem Bus. Einmal hatte ich ihn verpaßt, stieg auf mein Fahrrad und jagte zum Hallenbad. Ich kam zur gleichen Zeit wie der Bus an der Haltestelle an. (Kunststück, weil der Bus ja über die Hestert muß). Um 14.30 Uhr war Schluß. Auf dem Rückweg, ich ging immer [mit der genannten Ausnahme] zu Fuß, mußte ich fast immer am Bahnübergang Hördenstraße warten. Manchmal war ich auch etwas eher da, so daß ich ein wenig wartete, bis gegen 14.45 Uhr. Dann brauste dort einer der ersten Intercitys mit der neuen 103 (damals noch E 03 genannt) vorbei."
Dazu gibt es ein Vergleichsfoto, welches allerdings am Rehsieper Weg zwischen Hörden- und Rehstraße aufgenommen wurde, und zwar im Februar 1975 von Siegmar Peter: 
(Quelle)
1974
S. 20 - 22 (verfaßt am 1. Januar 1976, bezugnehmend auf die Zeit um 1974): "Durch Klaus freundete ich mich mit Volker [..] an, er ging mit ihm in eine Klasse. Als sich Klaus immer mehr für die [...] Eisenbahn interessierte und andere Freunde fand (Martin und Siegmar), unternahm ich mit ihm alleine alles mögliche. | [...] Wir waren oft an der Ennepe, schauten dort [zwischen Spieker- und Kuhlebachmündung] Zügen nach und paßten auf, daß sie auch ja pünktlich kamen. Wir machten uns einen Spaß daraus, einem kleinen Bach [= den Spiekerbach] immer wieder seinen natürlichen Lauf zurückzugeben, und Kindern(?), die unser Werk zerstörten, die stärkere Ausdauer zu zeigen. Auch am Rehsieper Weg und am Bahnhof Heubing waren wir oft und genossen unseren Frieden. [...] Im August 1974 fing Volker zu arbeiten an (bei Hill)[,] und ich habe ihn kaum noch gesehen. Durch den Urlaub auf Fehmern [im Sommer 1974] war ich ziemlich verwandelt, ging jetzt alleine an die Ennepe (bei Kückelhausen), jener schönen Gegend, die einen als uriges Gestrüpp umwebte, einen völlig in sich aufnahm und einem Ruhe vor der hecktischen Umwelt gab. Und das am stinkenden Fluß.
| Hier war ich alleine, hatte meinen Frieden, konnte mit Gedanken spielen, mich erholen. Kaum ein Mensch kam in diese schmutzige (was nicht stimmte) und trostlose Gegend (weil der Fluß voller Müll war)."
1975
Tagebuch A, S. 38 (Text vom 9. Juli 1975): "Ich habe auch (in letzter Zeit) häufig Radtouren gemacht. Ich bin am 31.5. über Haspe, die Straße an der ehemaligen Kohlenbahn entlang, über die Autobahn (Kamen - Wuppertal) hinweg [...] gefahren."
Demnach fuhr ich von der Dömbergstraße aus über die Eugen-Richter-Straße gen Westen bis zur Einmündung in die Hördenstraße in Kückelhausen. An der Einmündung schoß ich ein Foto heimwärts:

Zum Vergleich dazu ein dreißig Jahre jüngeres Foto von 2005:

Der Hördenstraße folgte ich abwärts - über den Bahnübergang hinweg - bis zur Kreuzung Berliner Straße (Bundesstraße 7):

Anno 2005 ist das aus einschlägiger Literatur bekannte Fachwerkhaus längst vernichtet:

Um 1930 waren die Straßenverhältnisse an dieser Stelle noch übersichtlicher, wie eine Abbildung des unter Hauskundlern sehr bekannten Kraßhauses von Wilhelm Claas zeigt:

Ich folgte dann der Berliner Straße westwärts:

Wieder zum Vergleich je ein Foto aus dem Jahr 1912

und 2005:

Gegen 14.30 Uhr machte ich vor einer nicht mehr existierenden Aral-Tankstelle Pause und bannte die links davon befindliche Fachwerkhaus-Gruppe (rechts Haus Nr. 89) auf den Film:
_06-19_Gebaeude_neben_ARAL-Tankstelle.gif)
Dazu wieder eine Aufnahme von 2005:

Weiter ging es (immer noch auf der damaligen Route der B 7) auf dieser Radtour vom Jahr 1975 in das Hasper Zentrum und darüber hinaus, wovon an anderer Stelle berichtet wird.
TEILASPEKTE
Die Berliner Straße zwischen Reh- und Hördenstraße
Auf der Bundesstraße 7 - hierzu das Video einer Autofahrt auf der Wehringhauser und Berliner Straße vom ehemaligen Straßenbahndepot (ALDI-Filiale) aus durch die Bahnüberführung bis zum Verwaltungsgebäude der Nordwest Handel AG im Übergang der B7 zur Preußerstraße (03.01.2010, 12:28 Uhr - ca. 20 MB) - erreicht man kurz nach der Einmündung der Rehstraße - von Wehringhausen kommend - den Ortsteil Kückelhausen. Das südwestlche Eckhaus, einst als Schuhhaus Pelka stadtbekannt, wurde zu Gunsten eines vorgesehenen Kreisverkehrs abgerissen, welcher eine Ortsumgebung Haspes (über die Rehstraße) mit einer Hauptbahnhofshinterfahrung (entlang der Ennepe) herstellen soll, während das Areal der Hagener Stadtwerke AG als Firmengelände der Mark-E fortbesteht. Die B 7 wird hier in Richtung Haspe als "Berliner Straße" fortgeführt.
Während ich im 1970er Jahrzehnt auf meinen Radtouren die B 7 zwischen Rehstraße und Hördenstraße - und auch westlich der Hördenstraße - wegen des hier bereits starken Straßenverkehrs mied, haben Freunde der Hagener Straßenbahn AG (Wolfgang R. Reimann, Jörg Rudat und Siegmar Peter) auch diesen Bereich durch Fotos für die Nachwelt dokumentiert. Es ist mir eine Freude, darauf zurückgreifen zu können!
Man beachte etwa eine Aufnahme von Siegmar Peter vom März 1975, welche die Straßenbahnhaltestelle an der Einmündung der Rehstraße mit der Eisenbahnunterführung der Wehringhauser Straße nahe dem Straßenbahndepot zeigt:
(Quelle)
Im März 2009 - nach Abbruch des Pelka-Schuhhauses (
Foto vom März 2009) - mutet die Situation an der Einmündung der Rehstraße etwas unwirklich an - was hoffentlich nur vorübergehend so bleibt -: 
Etwas weiter westlich - bei der Hagener Autohaus K. Könneker GmbH & Co. KG (Ford Könneker, Berliner Straße 19 - 21) wird hier die Situation im Oktober 1977 an Hand zweier Fotos von Siegmar Peter in einer Fotomontage dargestellt:
(Rechts am Straßenbahnwagen sehen Sie übrigens Jörg Rudat.)
Anno 2009 stellt sich die Situation - in einem etwas größeren Überblick auf Grund der erhöhten Position am PODI-Möbelmarkt - wie folgt dar: 
Zum Vergleich eine Aufnahme vom 28. Juli 1964 von Wolfgang R. Reimann, welche an der Stelle des heutigen B1-Discount-Baumarktes noch die Federnwerke Schmitz & Steffen erkennen läßt - rechts auch hier das Schenker-Gebäude:
(Quelle: Göbel u. Rudat 2009, S. 119, Abb. mitte)
Dazu ein kleines Sonntags-Video (3,5 Megabytes), welches beim Polster-Discounter PODI an der Nahtstelle zwischen Kückelhausen und Wehringhausen aufgenommen wurde (29. März 2009). Es zeigt zunächst rechts das Verwaltungsgebäude der mittlerweile zur Deutschen Bahn AG gehörenden Schenker-Spedition, dann die Wehringhauser bzw. Berliner Straße im Schwenk zur Einmündung der Rehstraße neben dem Haus Nummer 113, wo das Pelka-Schuhhaus an der Straßenecke gegenüber der Mark-E abgerissen wurde; weiter östlich erkennt man dann noch die Bahnüberführung über die Wehringhauser Straße.
Vor der Kreuzung der Berliner Straße mit der Hördenstraße weicht auf Höhe des Verwaltungsgebäudes der Nordwest Handel AG die Bundesstraße 7 auf die Route der Preußerstraße aus, siehe das winterliche Video einer Autofahrt über die Preußerstraße - an der Shell-Station, dem Bürogebäude der Nordwest Handel AG und an der Burgerking-Filiale vorbei - (20.12.2009, 11:54 Uhr - 11 MB). In diesem Bereich spielen Autohäuser, Kraftfahrzeug-Werkstätten, Speditionen und Handelshäuser eine wichtige Rolle, während Industriebetriebe in ihrer Bedeutung - ähnlich wie in Haspe - im Vergleich zu Altenhagen und Wehringhausen zunehmend zurückfallen und Einzelhandelsfilialen und Wohnhäusern weichen müssen.
FAZIT
Vermag die Berliner Straße heute streckenweise nur ein weitgehend trostloses Bild zu bieten, so bleibt doch wenigstens die Hoffnung, daß es sich nach Fertigstellung der südlichen Ortsumgehung Haspe wieder zum Positiven wandeln wird, auch wenn schon viel von dem historisch bedingten Lokalkolorit als verloren gelten muß.
LINKS
,Industriekultur'
Märkische Technikstraße
Route Industriekultur
Siegmar Peter (enthält Lokbildsammlung mit Suchfunktion)
Unternehmen
Schenker Deutschland AG, Berliner Straße 14
Hagener Autohaus K. Könneker GmbH & Co. KG (Ford Könneker), Berliner Straße 19 - 21
Nordwest Handel AG, Berliner Straße 26 - 36
Robert Schmitz Spedition GmbH, Spiekerstraße 7
LITERATUR
Busse und Bahnen
Rolf Löttgers u. Wolfgang R. Reimann, Rund um Hagen, Wuppertal 1989 [Das bildreich ausgestattete Buch behandelt die Straßen- und Vorortbahnen im Raum Hagen bis zur Einstellung des Tram-Verkehrs. Hier verwendetes Kürzel "L+R1989", gefolgt von einem Bindestrich und der Abbildungsnummer.]
Dirk Göbel u. Jörg Rudat, Mit der Straßenbahn quer durch Hagen. Bitte einsteigen [eigentlicher Titel: BITTE EINSTEIGEN - Mit der Straßenbahn quer durch Hagen], Hagen, 1. Aufl. 2009 (November) - ISBN13 978-3-932070-95-2 [Dieses Buch ist sicherlich nicht nur für Liebhaber des Hagener Nahverkehrs ein Genuß!]
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20100506 14:36